Kein Tag wie jeder andere

Detlev Landmesser

Stand: 23.12.2008, 20:22 Uhr

Steuerlich motivierte Käufe sowie "kosmetische" Operationen der Fondsmanager bestimmten den beschaulichen vorweihnachtlichen Handel. Nur noch zwei Handelstage bleiben, um der Abgeltungssteuer zu entrinnen.

Der L-Dax beschloss den vorweihnachtlichen Handel bei 4.660,06 Punkten. Erst am kommenden Montag und Dienstag öffnen die deutschen Börsen wieder ihre Pforten. Die Aussicht darauf, dass alle Aktienkäufe ab Januar der Abgeltungssteuer unterliegen, ließ viele Privatanleger noch einmal zugreifen. Dennoch konnte der Dax seine zwischenzeitlich hohen Gewinne nicht halten.

An der Wall Street, wo auch an Heiligabend gehandelt wird, trübten wie so oft Konjunkturdaten das Bild. Positiv fiel noch die zweite Monatsumfrage der Universität Michigan unter den Verbrauchern aus, die den entsprechenden Indikator unerwartet stark von 55,3 auf 60,1 Punkte schnellen ließ. Ökonomen hatten nur mit 58,6 Punkten gerechnet. Vom Immobilienmarkt kamen dagegen weitere Schreckensnachrichten. Die Verkäufe bestehender Häuser brachen im November auf den tiefsten Stand seit elf Jahren ein. Die Zahl fiel um 8,6 Prozent auf 4,49 Millionen Einheiten. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 4,90 Millionen Häuser gerechnet. Die Verkaufszahl neuer Häuser fiel im November um 2,9 Prozent auf 407.000. Im Jahresvergleich gingen die Verkäufe sogar um 35,3 Prozent zurück.

Die Aktien der US-Autobauer General Motors und Ford setzten ihre rasante Talfahrt vom Montag mit zweistelligen Verlusten fort. Die Aktionäre fürchten, bei der vereinbarten staatlichen Rettungsaktion schlecht wegzukommen. Zudem wachsen die Zweifel, ob die Staatskredite die Konzerne letztendlich vor dem Gang vor den Konkursrichter bewahren können.

Die Letzten waren die Ersten

Die beiden schlechtesten Dax-Titel des Jahres waren am drittletzten Handelstag des Jahres stark gefragt. Die Infineon-Aktie, die im Jahresvergleich rund 90 Prozent im Minus liegt, gewann 15 Prozent an Wert, was Händler auch weiter nachwirkenden vorläufigen Rettung der Speicherchiptochter Qimonda zuschrieben. Die Aktie der Postbank notierte fast zehn Prozent höher. "Das ist Kosmetik, einige Fonds sind daran interessiert, zum Jahresende wenigstens einen halbwegs akzeptablen Schlusskurs in den Büchern stehen zu haben", sagte ein Händler. Die Postbank war mit einem Minus von 80 Prozent in diesem Jahr der zweitschwächste Dax-Wert.

Die Volkswagen-Aktie, die sicherlich der auffälligste Dax-Titel des Jahres war, wurde dagegen weiter in Richtung einer realistischeren Bewertung zurückgestutzt.

Lufthansa zahlt mehr für AUA
Die Aktie der Lufthansa konnte sich im Plus behaupten. Die Fluggesellschaft zahlt für die noch ausstehenden Anteile der Austrian Airlines (AUA) etwas mehr als angekündigt. Statt der bisher genannten 4,44 Euro je Aktie will der Konzern den Streubesitz-Aktionären 4,49 Euro zahlen. Anfang Dezember hatte die Lufthansa 42 Prozent der AUA von der Österreichischen Staatsholding gekauft.

Telekom kooperiert mit Vodafone
Die Deutsche Telekom und der britische Konzern Vodafone wollen beim Ausbau des Netzes für schnelles Internet zusammenarbeiten. Man wolle gemeinsam im kommenden Jahr weitere deutsche Städte mit dem so genannten VDSL-Netz ausrüsten, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die Zeitung beruft sich auf Branchenkreise.

Mini-MBO bei Pfleiderer
Mit einer bemerkenswerten Konstruktion machte das Management von Pfleiderer dem MDax-Titel Beine. Über eine Kommanditgesellschaft, hinter der Konzernchef Hans Overdiek und weitere Manager stehen, sollen etwa 1,6 Prozent an dem Holzspezialisten erworben werden. Das Geld dafür bekommen die Führungskräfte zum großen Teil vom Großaktionär One Equity Partners geliehen. "Obwohl das kommende Jahr wohl schwierig wird, glauben die Führungskräfte an den langfristigen Erfolg von Pfleiderer", sagte ein Pfleiderer-Sprecher.

Kapitalerhöhung bedrückt Premiere-Aktie
Die Aktie von Premiere verlor 11,3 Prozent und rangierte damit am Ende des MDax. Der Bezahlsender will sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld in Höhe von 450 Millionen Euro beschaffen. Ab 2011 rechnet die Firma damit, wieder profitabel zu arbeiten. Die Kapitalerhöhung wird von Großaktionär Rupert Murdochs Konzern News Corp garantiert. Die Banken gewähren deshalb neue langfristige Kredite über 525 Millionen Euro.

Freenet-Aktie haussiert
Im TecDax machte die Freenet-Aktie mit einem Plus von bis zu 42,6 Prozent Furore. Der Chef des Mobilfunk- und DSL-Providers, Eckhard Spoerr, hat nach monatelangen Machtkämpfen um die Führung das Handtuch geworfen. Das weckte an der Börse Übernahmefantasien. In Zeitungsberichten war schon länger zu lesen, dass Großaktionär Permira Spoerr aus dem Unternehmen drängen wollte, um die Aufspaltung Freenets voranzutreiben. Das "Handelsblatt" schrieb, dass auch einige Aufsichtsräte auf Druck von Permira ihren Posten verlassen könnten.

Morphosys durch drei
Morphosys-Aktien gibt es ab heute zu einem Drittel des ursprünglichen Preises. Das Biotechunternehmen hat einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3 vorgenommen.

IKB erhält staatliche Garantien
Die Aktie der mittlerweile mehrheitlich dem Finanzinvestor Lone Star gehörenden Mittelstandsbank IKB gewann über zwölf Prozent. Der Konzern, der durch die Finanzkrise stark ins Schlingern geraten war, erhält bis zu fünf Milliarden Euro staatliche Garantien. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung garantiert mit dieser Summe neue Unternehmensanleihen, gab die IKB bekannt. Die Halbjahresbilanz des Konzerns sah mit einem Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro tiefrot aus.

Dax-Chart realtime

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