Kein Tag für schwache Anleger-Nerven

Stand: 03.11.2011, 20:05 Uhr

Der Krimi um Griechenlands Zukunft hat am "Super-Thursday" den Dax auf Berg- und Talfahrt geschickt. Die Absage des Referendums sorgte dann für Erleichterung an den Märkten. Zusätzlichen Auftrieb gab die überraschende Zinssenkung der EZB. Im Blickpunkt standen auch viele Quartalszahlen.

Zwei Männer standen am Donnerstag im Rampenlicht und trieben die Aktienkurse nach oben: Mario Draghi und Giorgos Papandreou. Vor allem Papandreou hielt die Anleger und die versammelten Staatschefs auf dem G20-Gipfel in Cannes in Atem. Der griechische Ministerpräsident verkündete am Nachmittag, dass die Volksabstimmung nun doch nicht stattfinden werde. Gleichzeitig zeigte er sich offen für eine Übergangsregierung mit der Opposition. Daraufhin schwand die Furcht der Anleger vor einer bevorstehenden Pleite Griechenlands. Doch die Chaos-Tage könnten am Freitag weitergehen. Die Opposition verlangt weiterhin den Rücktritt von Papandreou. Am Freitagabend kommt es zur Vertrauensabstimmung.

Überraschungscoup von "Super-Mario"

Für den zweiten Paukenschlag sorgte Mario Draghi ("Super-Mario"). Zu seinem Amtsantritt als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gab er eine überraschende Leitzinssenkung der Währungshüter auf 1,25 Prozent bekannt. Die meisten Ökonomen hatten mit einer Beibehaltung des bisherigen Leitzinsniveaus gerechnet angesichts der hohen Inflation von über zwei Prozent. Draghi begründete den Schritt mit den trüberen Konjunkturaussichten in Europa.

Der Dax schloss fast drei Prozent höher. Am Morgen hatte der deutsche Leitindex noch zwei Prozent nachgegeben. Im späten Parketthandel ging es weiter aufwärts.

In der US-Industrie geht's aufwärts
Die US-Börsen bauten ihre Kursgewinne bis zum Abend aus. Der Dow stieg um 1,5 Prozent und überwand die Marke von 12.000 Punkten. Einen kleinen Schub gaben die neuesten Konjunkturdaten. Demnach ist die Produktivität im dritten Quartal unerwartet kräftig um 3,1 Prozent gestiegen. Im Vorquartal war die Produktivität noch ganz leicht zurückgegangen. Überraschend hat sich auch die Auftragslage der US-Industrie verbessert. Die Bestellungen stiegen im September um 0,3 Prozent. Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Dagegen verlangsamte sich das Wachstum der US-Dienstleister. Der an den Märkten viel beachtete Service-Index des ISM fiel im Oktober von 53,0 Punkten auf 52,9 Zähler. Volkswirte hatten einen Anstieg auf 53,5 Punkte vorausgesagt.

Der Euro stieg auf über 1,38 Dollar. Die Ölpreise und der Goldpreis zogen wieder an. Das glänzende Edelmetall verteuerte sich auf 1.762 Dollar.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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3,82
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Metro Star des Tages
Die Flut von Quartalszahlen deutscher Unternehmen wurde überwiegend positiv aufgenommen. So thronte am Donnerstag Metro nach den Zahlen mit einem Plus von über neun Prozent an der Dax-Spitze. Zwar fielen die Zahlen schwächer aus als erwartet, die befürchtete Gewinnwarnung für das Gesamtjahr blieb aber aus. Metro hofft auf ein starkes Weihnachtsgeschäft. Es waren wohl eher die anhaltenden Spekulationen um einen Bieter-Kampf um die Kaufhof-Kette, die den Kurs beflügelten. Man spreche derzeit mit mehreren Gruppen über die Zukunft der Warenhauskette, sagte Vorstandschef Eckhard Cordes am Donnerstag. Metro stehe nicht unter Zeitdruck, fügte er hinzu. Den Verkauf der Real-Supermärkte hat Metro indes laut einem Vorabbericht des "Handelsblatts" vorerst gestoppt.

MAN wird VW-Tochter
Ebenfalls stark gefragt waren die Aktien von MAN. Sie sprangen um fast sieben Prozent nach oben. Die chinesischen Wettbewerbshüter haben grünes Licht für die Übernahme der Mehrheit von MAN durch VW gegeben. Der Abschluss der Transaktion soll in sechs Tagen erfolgen, teilte VW mit. VW wird dann knapp 56 Prozent der Stimmrechte an MAN halten.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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72,77
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BMW gut in der Spur
Auf Rekordfahrt befindet sich derweil BMW. Der Gewinn kletterte im dritten Quartal um gut ein Viertel auf 1,08 Milliarden Euro, der Umsatz stieg von 15,9 auf 16,5 Milliarden Euro. Die Erwartungen wurden leicht übertroffen. Besonders gut verkauften sich die Geländewagen sowie die 5er-Baureihe. Im Gesamtjahr will der Konzern eine neue Bestmarke beim Konzernergebnis vor Steuern und einen Absatzzuwachs von über zehn Prozent auf mehr als 1,6 Millionen Fahrzeugen schaffen. Die BMW-Aktien stiegen um 4,5 Prozent.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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55,04
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Bröckelnde Gewinne bei HeidelCement
Kursgewinne von 3,5 Prozent verbuchten die Aktien von HeidelbergCement. Dabei hat der Zementhersteller einen Gewinneinbruch von 17 Prozent auf 268 Millionen Euro hinnehmen müssen - trotz Preiserhöhungen. Der Umsatz stieg aber um 6,6 Prozent auf 3,62 Milliarden. Das Jahresziel, Umsatz und operatives Ergebnis zu steigern, wurde bekräftigt.

Teurer Nivea-Geburtstag für Beiersdorf
Unter hohen Werbekosten für die Kampagne zum 100. Geburtstag von Nivea litt Beiersdorf im dritten Quartal. Der Gewinn schrumpfte von 104 auf 78 Millionen Euro zurück. Dies enttäuschte die Analysten. Der Umsatz sank leicht auf 1,374 Milliarden Euro. Die Beiersdorf-Aktie schloss 1,7 Prozent im Plus und entwickelte sich schwächer als der Gesamtmarkt.

Adidas setzt aufs Sportjahr 2012
Dax-Schlusslicht war Adidas mit einem Mini-Plus von 0,25 Prozent. Börsianer verwiesen auf das China-Geschäft, das sich enttäuschend entwickelt habe. Dabei hob der Sportartikler erneut seine Prognose für das laufende Jahr an, das ganz im Zeichen der Fußball-EM in Polen und der Ukraine sowie den Olympischen Spielen in London steht. Der Umsatz werde um fast zwölf Prozent zulegen, der Gewinn soll auf etwa 660 Millionen Euro kletern. Im dritten Quartal stieg der Gewinn auf 303 Millionen Euro, der Umsatz erhöhte sich um acht Prozent auf 3,77 Milliarden Euro.

Nyse-Chef verliert die Geduld
Der Chef der New Yorker Börse, Duncan Niederauer, will einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse nicht um jeden Preis durchpeitschen. Kurz vor wichtigen Gesprächen mit den EU-Wettbewerbshütern machte Niederauer deutlich, dass er die Fusion platzen lassen wird, wenn die Auflagen der Kommission zu hoch ausfallen. "Es gibt einen Punkt, an dem die Kombination keinen Sinn mehr macht - nämlich dann, wenn wir dafür zu viele Geschäfte abgeben müssten", sagte Niederauer am Donnerstag. Die New Yorker Börse geht gestärkt in die geplante Fusion. Die Nyse steigerte den Umsatz um 18 Prozent auf 704 Millionen Euro, der Gewinn stieg von 128 auf 200 Millionen Dollar und lag über den Erwartungen. Die Deutsche Börse gab am Donnerstag eine Kooperation mit der Börse in Malta bekannt. Sie wird ab 2012 den Handel mit den an der Malta Stock Exchange gelisteten Wertpapieren organisieren. Die Aktien der Deutschen Börse stiegen um knapp drei Prozent.

ProSiebenSat.1 verzehnfacht Gewinn
Eine Reihe von Bilanzzahlen kam auch aus der zweiten und dritten Reihe deutscher Unternehmen. So erfreute ProSiebenSat.1 die Anleger mit starken Zahlen. Die Aktie schnellte um 13 Prozent nach oben und war mit Abstand größter MDax-Gewinner. Dank des Verkaufs der Benelux-Töchter konnte die Senderkette ihren Gewinn im Quartal auf 340 Millionen Euro verzehnfachen. Die Sondererlöse aus dem Verkauf sollen aber nicht in die Kalkulation für die Dividende mit einfließen. ProSiebenSat.1 bestätigte sein Ziel, 2011 das Vorjahresergebnis zu übertreffen. Um unabhängiger vom Hin und Her des deutschen TV-Werbemarkts zu werden, will ProSieben verstärkt im Ausland und im Internet expandieren. So verkündete die TV-Senderkette den Einstieg beim Online-Dating-Portal Meetone.

Rheinmetall kappt Prognose und kippt Börsengang
Am anderen Ende des MDax notierte Rheinmetall mit einem Minus von über sieben Prozent. Das Unternehmen hat seine Jahresprognose auf einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro gekürzt. Zuvor waren 4,4 bis 4,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Im dritten Quartal verdiente Rheinmetall mit 76 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) weniger als erwartet. Zudem kippte Rheinmetall die Börsenpläne für die Automotive-Sparte.

Rohstoffkosten bremsen Fuchs
Bei Fuchs Petrolub läuft's zwar weiter wie geschmiert. Die hohen Rohstoffpreise haben aber das Ergebnis des Schmierstoff-Herstellers geschmiert. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg nur leicht auf 200 Millionen Euro. Der Umsatz von Fuchs kletterte um 16 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Die Aktie schloss knapp zwei Prozent höher.

SGL im Karbonrausch
Der Kohlenstoff-Spezialist SGL Group hat im dritten Quartal positiv überrascht. Der Umsatz legte deutlich auf 394,5 Millionen Euro zu. Operativ sprang das Ergebnis um gut ein Drittel auf 48,2 Millionen Euro an. Laut Vorstandschef Robert Koehler will SGL im Gesamtjahr den Umsatz um mehr als zehn Prozent steigern. Die Aktie gewann über vier Prozent.

Bauer vor Mega-Auftrag im Irak
Im SDax ragten die Aktien von Bauer heraus. Sie legten einen fulminanten Kurssprung von fast 18 Prozent hin. Der bayerische Tiefbauspezialist steht vor dem größten Auftrag seiner Firmengeschichte. Das Unternehmen hat gute Chancen, den Auftrag zur Sanierung des Mosul-Staudamms im Norden des Iraks zu bekommen. Es winkt ein Auftragsvolumen von 1,9 Milliarden Euro. Bekäme Bauer den Zuschlag, würde der Tiefbauer eine neue Dimension erreichen. Bisher macht das Unternehmen 1,3 Milliarden Euro ab Umsätzen.

Qiagen verspricht mehr
Auch der im TecDax notierte Biotech-Konzern Qiagen hat Bilanz gezogen. Mit einem bereinigten Gewinn von 74,8 Millionen Euro erreichte das Unternehmen die Analystenerwartungen zwar nicht ganz. Allerdings hob Qiagen die Spanne für den Jahresgewinn leicht an. Die Anleger waren zufrieden: die Aktien legten rund vier Prozent zu.

Pfeiffer warnt
Eine schwache Nachfrage aus dem Halbleiter- und Solarbereich haben die Ergebnisse von Pfeiffer Vacuum belastet. Der Umsatz ging zweistellig auf 120,4 Millionen Euro zurück. Der Überschuss sank um rund 20 Prozent auf 12,6 Millionen Euro. Die Umsatzprognose wurde von 550 auf 520 Millionen Euro eingedampft. Die Aktien waren größter TecDax-Verlierer und büßten gut sieben Prozent ein.

Dräger nicht gut genug
Medizintechnik-Spezialist Drägerwerk hat dank Kosteneinsparungen im abgelaufenen Quartal vor Zinsen und Steuern (Ebit) sein Ergebnis auf 45,2 Millionen Euro gesteigert, damit aber die Prognosen leicht verfehlt. Die Aktie schloss leicht im Minus.

Solarpark-Auftrag beflügelt Q-Cells
Größter TecDax-Gewinner war Q-Cells. Die Aktien katapultierten sich um 25 Prozent auf über 91 Cents nach oben. Händler verwiesen auf einen Großauftrag aus Brandenburg-Briest. Dort will der krisengeschüttelte Solarkonzern nach eigenen Angaben in einer Rekordzeit von rund acht Wochen den nach eigenen Angaben größten Solarpark Europas mit 91 Megawatt errichten. 22.500 Haushalte sollen so mit Strom versorgt werden.

Mühlbauer verdient weniger
Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung haben den Gewinn des Spezialmaschinenbauers um mehr als die Hälfte von 9,2 Millionen auf 3,5 Millionen Euro gedrückt. Der Umsatz stagnierte bei 53,3 Millionen Euro. Mühlbauer zeigte sich dennoch zuversichtlich, einen Umsatz von 200 Millionen Euro im Gesamtjahr zu erreichen. Die Aktie legte fast drei Prozent zu.

Höft &Wessel weitet Verlust aus
Der Ticketing-Spezialist Höft & Wessel litt in den ersten neun Monaten des Jahres unter Projektverschiebungen und gestiegenen Projektkosten. Der operative Verlust vergrößerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um das Vierfache auf 3,2 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 62,8 Millionen Euro. Das Vorjahresniveau werde 2011 nicht mehr erreicht werden, warnte Höft & Wessel. Der Umsatz werde auf rund 93 Millionen Euro sinken, das Ergebnis werde ausgeglichen sein. Die Aktien verloren drei Prozent.

Zwiespältige Bilanzen aus dem Ausland
Eine Reihe internationaler Großkonzerne legte am Donnerstag ebenfalls Geschäftsberichte vor. So hat der Schweizer Rückversicherer Swiss Re im dritten Quartal seinen Gewinn auf 1,35 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Der französische Pharmariese Sanofi hat im dritten Quartal unter der Konkurrenz von Generikaherstellern gelitten und einen Gewinnrückgang auf 2,39 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der niederländische Konsumgüterkonzern Unilever konnte dank hoher Nachfrage aus Schwellenländern seine Erlöse um acht Prozent auf 12,1 Milliarden Euro steigern. Einen Gewinneinbruch von mehr als zwei Drittel auf 541 Millionen Euro gab die französische Großbank BNP Paribas. Schuld sind Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen.

Hilferuf von Kodak
Der Fotokonzern Kodak musste am Donnerstag einen dreistelligen Millionenverlust einräumen. Die Jahresziele wurden gesenkt. Das verunsicherte die Aktionäre. Die Papiere von Kodak büßten fast sieben Prozent ein. Wenn in den nächsten zwölf Monaten kein neues Geld hereinkomme, droht dem Fotopionier das Aus. Anfang Oktober hatten Gerüchte über Insolvenz die Aktie bereits abstürzen lassen.

Jefferies wehrt sich
Wie stark die Nervosität an den Märkten ist, zeigt das Beispiel von Jefferies. Nachdem eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit herabgestuft hatte und auf ein zu hohes Engagement von Jefferies in Europa verwies, brach die Aktie um 20 Prozent ein. Jefferies wehrte sich und versicherte, dass die Investmentbank keine bedeutsamen Positionen in europäischen Staatsanleihen habe. Die Aktie verringerte ihre Verluste und gab nur noch geringfügig nach.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr