Kein Tag für Genießer

Stand: 23.02.2009, 20:11 Uhr

Bitter endete der erste Handelstag der Woche. Zwei Prozent verlor der Dax am Montag, rutschte nach freundlichen Beginn am Nachmittag heftig unter die 4.000 Punktemarke und schloss fast zwei Prozent schwächer.

Schuld war, wie so oft, die Wall Street. Als am frühen Nachmittag die amerikanischen Futures anfingen zu schwächeln, war es mit der guten Stimmung im Dax vorbei. Der Leitindex, der am Vormittag bis zu 2,5 Prozent auf 4.112 Punkte zulegte, gab zunächst den Großteil seiner Zugewinne ab. Dann rutschte die Wall Street, nach ebenfalls freundlichem Beginn, rapide und stetig bergab, der Dow Jones notierte am Abend auf dem tiefsten Stand seit 12 Jahren.

Die deutschen Aktionäre ließen sich leicht beeindrucken und schickten den Dax ebenfalls abwärts. Die 4.000-Punktemarke fiel, und im späten Handel sogar kurzzeitig noch die nächste Hundertermarke. Knapp zwei Prozent verlor der Dax auf 3.936 Zähler, der LDax schloss weitere 31 Punkte darunter bei 3.905 Punkten.

"Wir müssen davon ausgehen, dass viele Marktteilnehmer, die dachten, dass sich der Dax über der Marke von 4.000 stabilisieren werde, nun enttäuscht sind ", kommentierte Charttechniker Wieland Staud den Kursverfall. Seiner Ansicht nach dürfte der Dax in den nächsten zwei bis drei Wochen weiter auf bis zu 3.300 Punkte fallen.

Citigroup und alte neue Sorgen
Die Banken standen ein weiteres Mal im Mittelpunkt des Geschehens. Das Wall Street Journal hatte berichtet, dass die US-Regierung verstärkt bei der Citigroup einsteigen wolle. Die Aktie der Citigroup zog daher um mehr als zehn Prozent an, andere Bankenwerte in den USA profitierten ebenfalls.

Bei den Aktionären deutscher Banken löste die Zeitungsspekulation indes neue Sorgen um den Zustand des weltweiten Finanzsystems aus. Papiere der deutschen Bank verloren mehr als fünf Prozent, die Postbank verbilligte sich um 3,5 Prozent.

Ein paar Gewinner
Im MDax legte die Aktie des Baukonzerns Hochtief 2,9 Prozent. Der Konzern äußerte sich optimistisch zu seiner Auftragslage. 19 Monate reiche der bestehende Auftragsbestand, sagte Konzernchef Herbert Lütkestratkötter in einem Zeitungsinterview. Er gestand seiner Firma Krisensicherheit zu, weil "wir heute nicht mehr nur bauen". Hochtief plane auch Projekte, finanziere und betreibe sie.

Die ebenfalls im MDax notierte Aktie des Pharmagroßhändlers Celesio stieg wegen einer aktuellen Analyse von Morgan Stanley um 3,5 Prozent. Die Experten stuften das Papier auf "Overweight" nach oben und merkten an, es bestehe die Chance auf eine Trendwende.

Tui mit Problemen?
Heftige Kursverluste von 15,8 Prozent verzeichnete die Tui-Aktie. Einem Zeitungsbericht zufolge hat der Konzern große Probleme mit dem bereits vereinbarten Verkauf seiner Containerschifffahrtssparte Hapag-Lloyd an ein Hamburger Konsortium. Dieses wolle den Kaufpreis nachverhandeln, berichtete das Handelsblatt. Angeblich habe die Gruppe erhebliche Schwierigkeiten, die Milliardenübernahme zu finanzieren.

Praktiker erwägt Kurzarbeit
Kursverluste von knapp zehn Prozent gab es bei dem ebenfalls im MDAx notierten Baumarktkonzern Praktiker. Die Firma will angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage möglicherweise an einzelnen Märkten Kurzarbeit einführen. Es stehe aber noch nicht fest, ob und an welchen Standorten kurzgearbeitet werden sollte, teilte Praktiker mit.

Gea baut in den USA
Der Maschinenbau-Konzern Gea hat einen Auftrag im Volumen von 38 Millionen Euro aus den USA erhalten. Die Firma wird einen Kondensator für ein Gaskraftwerk im New Yorker Stadtteil Queens bauen. Gea gab die Projektlaufzeit mit zwei Jahren an. Maschinenbauaktien sind derzeit aber nicht gefragt, Gea-Papiere verloren drei Prozent.

Demag Cranes hat einen neuen Chef
Überraschend hat der Kranhersteller Demag Cranes seinen Vorstandschef ausgewechselt. Aloysius Rauen werde am 1. Mai das Amt übernehmen, teilte das MDax-Unternehmen. Der bisherige Konzernchef, Harald Joos, trete Ende März zurück. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen". Die Aktie gab im späten Handel etwas nach.

Bei VTG läuft's
Der Kessel- und Güterwaggonvermieter VTG hat das vergangene Jahr mit einem Umsatz- und Gewinnzuwachs abgeschlossen. Im laufenden Jahr erwartet VTG gleichwohl einen leichten Rückgang. Die SDax-Aktie, die in den vergangenen sechs Monaten zwei Drittel ihres Wertes verloren hat, legte heute um 6,4 Prozent zu.

Vattenfall übernimmt Nuon
Der schwedische Energieversorger Vattenfall kauft den zweitgrößten niederländischen Stromproduzenten Nuon für 8,5 Milliarden Euro in bar. Zunächst werde man 49 Prozent an Nuon übernehmen, teilte Vattenfall mit, in sechs Jahren dann der Rest.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.