Kein Montag für Genießer

Stand: 15.06.2009, 20:00 Uhr

Dieser Montag hat die Erinnerungen an die Krisentage an der Börse wachgerufen. 3,5 Prozent verlor der Dax und durchbrach zwei Hundertermarken. Die Wirtschaftskrise ist wieder da, die jüngsten Hoffnungssignale sind verpufft.

Es war ein Tag der Krisennachrichten. Den Anfang machte der Industriekonzerns Siemens am Morgen. In einem Zeitungsinterview sagte Konzernchef Löscher, dass er bisher noch keine Erholung des Geschäftes sehe, die Talsohle des Rückgangs sei noch nicht erreicht.

Am Nachmittag enttäuschten amerikanischen Konjunkturdaten. Sowohl der Empire State Index aus New York als auch die Zahlen zum Kapitalzufluss nach Amerika waren schlechter als gedacht, auch dies belastete die Kurse.

Und als am frühen Abend die EZB sich äußerst besorgt über die Finanzmarktstabilität äußerte, drückte das die Kurse noch weiter in den Keller. 280 Milliarden Dollar könnten die Banken der Eurozone in diesem um in nächsten Jahr abschreiben müssen, warnte die EZB, die Risiken seien weiterhin sehr hoch.

Anleger trennten sich am Montag vor allem von den konjunktursensitiven Titeln, und, nachdem die EZB ihren Finanzstabilitätsbericht vorgelegt hatte, auch von Bankaktien. Leidlich gefragt waren lediglich defensive Titel wie Merck und Fresenius, die ihr Niveau etwa halten konnten. Die Aktien von K+S, Daimler, MAN, BMW, Salzgitter, ThyssenKrupp indes gaben sämtlich mehr als vier Prozent ab.

Auch an der Wall Street machte sich große Schwäche breit. Dow Jones, Nasdaq und S&P notierten beim Ende des Parketthandels in Frankfurt jeweils deutlich mehr als zwei Prozent schwächer. Dass der IWF am Nachmittag die Wachstumsprognose für die amerikanische Wirtschaft etwas verbesserte, half der Marktstimmung nicht auf die Sprünge. Denn der IWF gab zu bedenken, dass die Prognosen durch einen "außergewöhnlichen Grad an Unsicherheit gekennzeichnet" seien.

Adidas und Metro
Nur leichte Verluste verzeichnete die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas, nachdem dort der Einstieg eines Investmentfonds für Fantasie sorgte. Auch die Metro-Aktie verlor nur knapp. Die Analysten der Credit Suisse hatten das Kursziel auf 46 Euro angehoben und als Anlageempfehlung "Outperform" angegeben.

Halbherziger Optimismus in Le Bourget
Die Flugzeughersteller EADS und Boeing haben sich auf der Flugzeugmesse im französischen Le Bourget zurückhaltend zu ihrem Geschäft geäußert. EADS rechnet nach Worten von Vorstandschef Louis Gallois damit, dass sowohl 2010 als auch 2011 schwierig werden. Boeing ist etwas optimistischer. Der Geschäftsleiter der Verkehrsflugzeugsparte, Scott Carson, sagte in Le Bourget, Boeing gehe von einer Erholung in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres aus. EADS gab auf der Messe immerhin einen Neuauftrag bekannt: Für Katar wird die Tochter Airbus 24 Flugzeuge des Typs A320 bauen und liefern. EADS-Aktien verloren im Tagesverlauf 2,7 Prozent.

Holcim drückt HeidelCement
Die Aktie des im MDax notierten Baustoffkonzerns HeidelbergCement gab 3,8 Prozent ab. Holcim, der große Konkurrent aus der Schweiz, hat in Australien das dortige Geschäft der mexikanischen Cemex gekauft. Dadurch falle Holcim als möglicher Käufer für HeidelCement aus, urteilten Analysten.

200 Millionen für Bilfinger Berger
Der Baukonzern Bilfinger Berger berichtete über neue Aufträge. In Australien wird die Firma Kraftwerke warten sowie das Stromnetz von Sydney modernisieren. In den Niederlanden steht der Bau neuer Rohrleitungssystem an. Bilfinger Berger gab den Auftragswert mit rund 200 Millionen Euro an, die Aktie ging dennoch mit einem Minus von 3,6 Prozent aus dem Handel.

Doch noch ein Kredit für Arcandor?
Die Arcandor-Aktie erholte sich weiter von ihren Tiefständen in der der vergangenen Woche und stieg um 1,3. Aus Medienberichten war zu erfahren, dass die Bundesregierung bereit sei, einen Antrag von Arcandor auf einen kurzfristigen Kredit wohlwollend zu prüfen und ihn, wenn möglich, auch zu gewähren. Das berichtet der "Spiegel". Arcandor will nach eigenen Angaben einen solchen Antrag prüfen.

Drägerwerk senkt die Prognose
Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk hat angesichts schwacher Gerschäfte seine bisherige Jahresprognose gesenkt. Die TecDax-Firma rechnet nun damit, dass das Ebit deutlich unter dem Vorjahreswert und auch unter der Analystenprognose von 95 Millionen Euro liegen wird. Drägerwerk hat hat deshalb ein so genanntes "Turnaround"-Programm gestartet, wodurch ab 2011 100 Millionen Euro eingespart werden sollen. Die Aktie gab im späten Handel deutlich nach, und schloss mehr als drei Prozent schwächer.

DBAG verliert Millionen
Die im SDax notierte Deutsche Beteiligungs-AG hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 hohe Verluste geschrieben. Unter dem Strich lag das Minus bei 3,4 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 24,5 Millionen Euro. Die DBAG vermied es, eine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr abzugeben. Die Aktie verlor 4,2 Prozent.

TAG hat einen neuen Chef
Die Aktie des Immobilienunternehmens TAG stieg um mehr als vier Prozent. Aktionäre waren angetan von der Tatsache, dass das SDax-Unternehmen einen ausgewiesenen Immobilienexperten als Vorstandschef verpflichtet hat. Rolf Elgeti löst Andreas Ibel ab, der Ende Juni ausscheidet. Elgeti gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Wohnimmobilien.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr