Kein Land in Sicht

Detlev Landmesser

Stand: 13.01.2009, 20:25 Uhr

Auch am Dienstag bestimmte die Sorge um einbrechende Unternehmensgewinne das Geschehen. Der Dax verzeichnete das fünfte Tagesminus in Folge. Viel Bewegung gab es im Bankensektor.

Der L-Dax schloss 1,6 Prozent tiefer bei 4.636,27 Punkten. Am Abend gaben auch die US-Märkte ihre zwischenzeitlich freundliche Tendenz auf.

Unterstützung war zeitweise von Aussagen Ben Bernankes und den jüngsten Handelsbilanzdaten gekommen. Die US-Notenbank hat nach Aussage des Fed-Chefs ihr Pulver noch nicht verschossen. Die Fed erwäge, ihre Programme zum Aufkauf bestimmter Wertpapiere zu erweitern, sagte Bernanke in London. Indessen ist das amerikanische Handelsbilanzdefizit im November überraschend deutlich geschrumpft. Es sank von revidiert 56,7 Milliarden Dollar im Vormonat auf 40,4 Milliarden Dollar. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 54,5 Milliarden Dollar gerechnet. Das ließ den Euro weiter unter die Marke von 1,32 Dollar abrutschen.

Danach geriet der Aktienmarkt aber wieder ganz in den Bann der neuen Berichtssaison. Die ersten Bilanzen des frischen Jahres waren alles andere als ermutigend. Der US-Aluminiumkonzern Alcoa, der größte seiner Art, hatte am Montag selbst die niedrigen Erwartungen enttäuscht. Im Dax litt besonders der Stahlhersteller ThyssenKrupp unter der Alcoa-Bilanz.

Post-Einstieg bei Deutscher Bank?

Am Nachmittag wurden die Gerüchte immer konkreter: Die Deutsche Post könnte im Zuge der Postbank-Übernahme bei der Deutschen Bank einsteigen. Mehrere Zeitungen meldeten vorab, bei Nachverhandlungen zwischen Deutscher Bank und Deutscher Post sei eine Beteiligung von bis zu zehn Prozent im Gespräch. Die Beteiligung solle aber vorübergehend sein.

Während sich die Postbank-Aktie mit einem Plus von 11,7 Prozent an die Dax-Spitze setzte, verlor das Papier des Mutterkonzerns Post sechs Prozent an Wert. Die Deutsche-Bank-Aktie konnte ihren Tagesverlust indessen deutlich eindämmen.

Frische Details von Siemens
Am Abend äußerte sich Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser in New York zum im Dezember abgelaufenen ersten Geschäftsquartal. Sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis lägen über den Vorjahreswerten. Dabei sei der Auftragseingang im ersten Quartal 2008/09 angesichts der Weltwirtschaftskrise deutlich zurückgegangen, so Kaeser. Insgesamt sei der Ausblick für die Jahre 2009 und insbesondere 2010 eher verhalten.

Herausfordernde Zeiten für Metro
Die Metro-Aktie hielt sich etwas besser als der Dax. Der Handelskonzern hat das vierte Quartal mit einem Umsatzanstieg von drei Prozent auf 20,1 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Jahresumsatz stieg um 5,9 Prozent auf 68 Milliarden Euro. Metro-Chef Eckhard Cordes sagte, die konjunkturellen Rahmenbedingungen hätten sich im vierten Quartal rasant verschlechtert, die Dynamik der Geschäftsentwicklung nachgelassen. Deshalb erwartet der Dax-Konzern ein "herausforderndes" Jahr 2009. Vielleicht half dem Titel auch die heutige Verabschiedung des deutschen "Konjunkturpakets II", das besonders auf die Stärkung der Konsumenten zielt.

Beiersdorf schlägt sich gut
Die Beiersdorf-Aktie kletterte sogar ins Plus. Der Konsumgüterhersteller beendete sein Geschäftsjahr mit Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn. Rückläufig war jedoch der Umsatz im Klebstoffbereich, hier belastete die Entwicklung in der Autoindustrie. Der Hamburger Konzern traut sich angesichts der schwierigen Wirtschaftslage allerdings keine Prognose zu.

Wechselbad für K+S
Die K+S-Aktie fuhr Achterbahn. Zunächst hatte sie wegen eines schwachen Ausblicks des Konkurrenten Mosaic unter Druck gestanden, erholte sich aber nach einer Bekräftigung der Geschäftsprognosen kräftig. Ende Dezember hatte schon der kanadische Weltmarktführer Potash seine Umsatzprognosen gesenkt.

EADS meldet Rekordumsatz
Die zuletzt geprügelte EADS-Aktie erholte sich um zwei Prozent. Der MDax-Konzern hat im vergangenen Jahr mit Rekordauslieferungen von Airbus-Flugzeugen und Hubschraubern den höchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt. Wegen der Finanzkrise will der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern die Produktion jedoch im laufenden Jahr nicht weiter erhöhen. Der EADS-Umsatz stieg 2008 von 39,12 Milliarden auf rund 42 Milliarden Euro. An Aufträgen mangelt es weiter nicht. 2008 kamen Bestellungen für 90 Milliarden Euro herein, sagte Konzernchef Louis Gallois. Das entspricht dem Umsatz von mehr als zwei Jahren.

HRE länger am Tropf
Die Aktie der Hypo Real Estate verlor 6,8 Prozent. Der MDax-Konzern kann länger auf die Hilfen des staatlichen Finanzmarkstabilisierungsfonds zurückgreifen. Der SoFFin habe den bis zum 15. Januar zugesagten Garantierahmen über 30 Milliarden Euro bis zum 15. April verlängert, teilte die Hypothekenbank mit. Die HRE führt nach eigenen Angaben auch weiterhin Gespräche mit dem SoFFin über die Gewährung längerfristiger und umfassender "Maßnahmen zur Liquiditäts- und Kapitalunterstützung".

Immobilientitel wieder aus der Mode
Wie schon am Montag zählten die Immobilienwerte zu den schwächsten Titeln am deutschen Aktienmarkt. "Diese Werte wurden gegen Jahresende und zu Jahresbeginn gekauft, und jetzt werden Gewinne mitgenommen", sagte ein Händler. Im MDax gab die Aktie von IVG um acht Prozent nach. Die Analysten von Merrill Lynch hatten das Papier von "Neutral" auf "Underperform" heruntergestuft. Im SDax standen vor allem Colonia Real Estate und Patrizia unter Druck.

CropEnergies zuversichtlich
Eine gute Nachricht kam vom Bioethanolhersteller CropEnergies. Die Südzucker-Tochter hat den Umsatz in den ersten neun Monaten ihres Geschäftsjahres um 89 Prozent auf 237,5 Millionen Euro gesteigert. Das Unternehmen hob zugleich seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr an. Wegen hoher Rohstoffkosten soll das operative Ergebnis allerdings unter dem Vorjahreswert von 22 Millionen Euro bleiben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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