Marktbericht 20:06

Mario Draghi treibt den Dax über 10.000 Punkte Kein Ende der Geldschwemme in Sicht

Stand: 05.06.2014, 20:06 Uhr

Was lange währt....Die Märkte dürfen auch künftig einen scheinbar nicht enden wollenden Geldsegen der EZB erwarten. Allen Unkenrufen zum Trotz sicher nicht die schlechtesten Perspektiven für den Aktienmarkt.

In der Spitze erreichte der Dax nach der Bekanntgabe des gelpolitischen Maßnahmenpaketes der EZB das neue Rekordniveau von 10.013 Punkten. Allerdings konnte der deutsche Leitindex dieses lange Zeit so sehnlichst herbeigewünschte Niveau nicht lange behaupten und rutschte wieder ab. Am Ende stand er bei 9.947 Punkten, ein leichter Aufschlag von 0,2 Prozent. Im Späthandel tat sich dann nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 9.948 Punkten.

Es war ein historischer Tag, denn erstmals in der 26-jährigen Geschichte des führenden deutschen Börsenbarometers ist es in den fünfstelligen Bereich gesprungen. Das anhaltend niedrige Zinsniveau und eine gleichzeitig noch nie dagewesene Liquiditätsflut der EZB haben den Aktienmarkt in diese Höhen katapultiert. "Draghi hat geliefert", sagte Wolfgang Duwe, Aktienstratege der Bremer Landesbank.

EZB bleibt weiter expansiv

Und es ist noch lange nicht Schluss mit der Geldflut der EZB. Denn EZB-Chef Draghi denkt zumindest in absehbarer Zeit nicht daran, restriktiver zu werden, im Gegenteil. Er kündigte weitere, auch unkonventionelle Maßnahmen der Währungshüter an: "Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen."

Neben der von den Märkten bereits erwarteten Zinssenkung und den Strafzinsen für Banken hat er schon heute weitere Maßnahmen verkündet. Etwa die Bereitschaft der Notenbank, forderungsgebundene Wertpapiere, sogenannte ABS-Strukturen, aufzukaufen. Zudem stellte er heute den Banken bis zum Jahr 2016 einen nicht versiegenden Refinanzierungs-Geldsegen in Aussicht.

"Draghi hält mit seinen Aussagen die Erwartungen am Leben, dass die EZB auch weiterhin handlungsbereit und -fähig bleibt, obwohl die EZB bezüglich der Zinspolitik wohl das Ende erreicht hat", erklärte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba. Mit dem tiefen Griff in den Instrumentenkasten soll vor allem die drohenden Deflation in der Eurozone bekämpft werden.

Pro und Contra

Aber es gab auch Kritik. IfO-Chef Hans-Werner Sinn steht für viele solche Kommentare. "Das ist der verzweifelte Versuch, mit noch billigerem Geld und Strafzinsen auf Einlagen die Kapitalströme nach Südeuropa umzuleiten und dort die Wirtschaft anzukurbeln", sagte der wohl schärfste Kritiker des gegenwärtigen EZB-Kurses.

Aktienstratege Robert Halver von der Baader-Bank sieht hingegen weiteres Potenzial für den Dax über die Marke von 10.000 Punkten hinaus. Er führt neben der üppigen Liquiditätsversorgung der Märkte auch die Erholung der Weltkonjunktur an.

"Die Keule großvolumiger Anleihekäufe hat die EZB nach wie vor in der Hinterhand und erst diese dürften Aktienmärkte und Wirtschaft so richtig auf Trab bringen", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. Fest steht aber seit heute, dass sich die Märkte bis auf weiteres über reichlich Liquidität freuen können, so dass der Börsenzug auch weiter freie Fahrt hat.

Wall Street tendiert freundlich

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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26.562,05
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-0,68%

An der Wall Street werden die EZB-Beschlüsse positiv aufgenommen. Der Dow-Jones hat bisher mit 16.844 Punkten ein neues Rekordhoch markiert und steht aktuell leicht tiefer. Auch der S&P-500-Index setzt seinen Trend der vergangenen Handelstage fort, jeden Tag ein paar Pünktchen auf das alte Rekordhoch draufzupacken. Die neue Marke liegt aktuell bei 1.941 Punkten. An der Nasdaq geht es zur Stunde ein Prozent bergauf.

Die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt lagen derweil im Rahmen der Erwartungen. Mit 312.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe wurden die bei 310.000 Anträgen liegenden Prognosen fast auf den Punkt getroffen.

Der Euro zeigt Stärke

Achterbahnfahrt beim Euro. Nachdem die Gemeinschaftswährung zunächst auf ein Vier-Monats-Tief bei 1,3503 Dollar gefallen war, hat er mittlerweile alle Verluste wieder aufgeholt und erreichte sein Tageshoch bei 1,3642 Dollar. Gegen Mittag hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,3567 nach 1,3627 Dollar am Vortag festgesetzt.

Hauptthema ist am Devisenmarkt natürlich ebenfalls die EZB-Entscheidung. Auch hier gab es kritische Stimmen. "Die EZB kann sich allerhand einfallen lassen. Solange die Politik aber keine weiteren deutlichen Strukturreformen auf den Weg bringt, wird sich grundsätzlich kaum etwas ändern", brachte Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP-Bank seine Kritik auf den Punkt.

Telekom fast am Ziel

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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13,80
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-0,72%

Die T-Aktie legte 0,64 Prozent zu, konnte ihr Tageshoch bei 12,60 Euro aber nicht verteidigen. Nach Medienberichten steht die Deutsche Telekom kurz davor, ihre Tochter T-Mobile US zu verkaufen. Im Gespräch ist laut Insidern ein Kaufpreis von 40 Dollar je Aktie - 17 Prozent mehr als beim Schlusskurs vom Mittwoch. Die Einigung könne im kommenden Monat bekannt gegeben werden und sehe vor, dass Sprint die Übernahme je zur Hälfte mit Bargeld und eigenen Aktien bezahle. Die Bonner hatten immer wieder betont, sich aus dem Geschäft in Amerika zurückziehen zu wollen.

Henkel kauft schon wieder ein

Der Konsumgüterkonzern Henkel übernimmt die französische Spotless Group, die Waschhilfsmittel wie Waschtücher, Fleckenentferner und Textilfarben herstellt. Der Kaufpreis einschließlich Schulden liegt bei rund 940 Millionen Euro. Spotless setzte im vergangenen Jahr rund 280 Millionen Euro um.

Deutsche Bank am Dax-Ende

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,45
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-0,85%

Die Aktie war mit Abstand schwächster Dax-Wert mit einem Minus von 3,84 Prozent. Vor allem nach einem schwachen Ausblick auf das zweite Quartal verstärkten sich am Nachmittag die Verluste. Zuvor stand die Kapitalerhöhung im Blick der Anleger. Die neuen Aktien werden zu je 22,50 Euro je Aktie angeboten. Das Bezugsverhältnis liegt bei 18 zu 5. Das bedeutet, Aktionäre können für 18 bereits gehaltene Aktien 5 neue Papiere beziehen. Die Bezugsfrist läuft vom 6. bis 24. Juni.

Gleichzeitig wurde ein Paket gewerblicher Immobilienkredite von der "Bad Bank" der staatseigenen Hypo Real Eestate im Nominalwert von 1,2 Milliarden Euro übernommen. Der genaue Preis wurde nicht genannt. Da es aber mehrere Bewerber gab, rechnen Experten kaum mit nennenswerten Abschlägen. In Anbetracht der niedrigen Zinsen finden sich derzeit zunehmend Interessenten für solche Kreditpakete.

BASF auf Sparkurs

Die Ludwigshafener wollen in ihrer Konzernsparte "Performance Products" effizienter werden. Die Geschäftsprozesse für den Bereich, der Inhaltsstoffe für die Kosmetikindustrie sowie für die Wasch- und Reinigungsbranche produziert, werden überarbeitet. Dazu sollen auch 120 Stellen bis Mitte 2015 abgebaut werden. Zuletzt hatte der Bereich unter fallenden Preisen und dem starken Euro gelitten. Die Aktie legte 0,4 Prozent zu.

Fuchs Petrolub gesplittet

Aktien des Schmierstoffherstellers Fuchs Petrolub haben am Donnerstag auf den ersten Blick halbiert. Grund ist ein Aktiensplit im Verhältnis eins zu zwei. Das bedeutet, für eine alte Aktie haben die Aktionäre nun zwei neue im Depot.

Änderungen im SDax beschlossen

Die Deutsche Börse hat kleine Änderungen im SDax bekannt gegeben. Borussia Dortmund (BVB) und Hornbach Baumarkt werden in den Index aufgenommen. Dafür müssen der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer sowie Air Berlin den SDax verlassen. Die Änderungen werden zum 23. Juni wirksam. Dax, MDax und TecDax bleiben dagegen unverändert.

ING Versicherungs-IPO auf der Zielgeraden

Der niederländische Finanzkonzern will in Kürze sein Versicherungsgeschäft an die Börse bringen. Bankchef Ralph Hamers sprach von einem Zeitfenster von einem bis zwei Monaten, je nach Marktverfassung. Das Volumen für die NN Group dürfte bei rund zwei Milliarden Euro liegen. Mit dem Verkauf ist die ING "nur noch" eine reine Bank, das Ende der Schrumpfkur nach der zehn Milliarden Euro schweren Staatshilfe während der Finanzkrise wäre erreicht.

Anders als in Deutschland war das Allfinanzkonzept der Niederländer ungleich erfolgreicher, das Versicherungsgeschäft gehörte jahrelang zu den wichtigsten Geschäftszweigen. In Deutschland war das nie der Fall, hier ist die ING besonders mit ihrer Direktbank ING Diba bekannt.

rm

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