Marktbericht 15:05 Uhr

Marktbericht neutral - Handelsstreit USA/China
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Dax fehlen Impulse Kein Durchbruch in Sicht

Stand: 15.01.2020, 15:05 Uhr

Am heimischen Aktienmarkt geht es nicht voran. Die Anleger sind zunehmend skeptisch, ob das amerikanisch-chinesische Handelsabkommen wirklich der große Wurf ist.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Denn es ist nur ein erster Schritt der Annäherung zwischen den beiden Großmächten. Insbesondere die Tatsache, dass der Großteil der existierenden Zölle zunächst bestehen bleiben soll, ist kein Anlass zur Freude. Immerhin, die USA wollen keine neuen Zölle verhängen, zudem will China für 200 Milliarden Dollar in den USA einkaufen.

Kernkritikpunkte, wie etwa der Schutz geistigen Eigentums oder massive Subventionen durch den chinesischen Staat, bleiben zunächst ungeregelt. Es soll aber weiterverhandelt werden. Das Abkommen soll am Vormittag Ortszeit in Washington unterzeichnet werden.

Dax fehlen Impulse

B5-Moderatorin Christine Bergmann
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B5 Börse 14.43 Uhr: Weiterhin Zurückhaltung an der Börse

Der Dax präsentiert sich auch zur Wochenmitte eher lustlos. Der deutsche Leitindex handelt bisher zwischen 13.388 und 13.458 Punkten und damit etwas leichter. Am Dienstag lag der Schlussstand bei 13.456 Zählern.

Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sagte, der Phase-1-Handelsdeal sei nur ein Mini-Schritt. "Die Anleger werden langsam etwas vorsichtiger, aber die Grundstimmung bleibt optimistisch." Dies trotz schwächerer Konjunkturdaten aus Deutschland.

Deutsche Wirtschaft schwächelt

Die deutsche Wirtschaft hat unter dem Eindruck von Handelskriegen, globalen Konflikten und der schwächeren Weltkonjunktur abermals einen Gang zurückgeschaltet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte 2019 laut dem Statistischen Bundesamt nur noch um 0,6 Prozent zu, nach 1,5 Prozent und 2,5 Prozent in den Jahren 2018 und 2017. 2019 war das zehnte Wachstumsjahr in Folge seit 2010. Damals musste sich Europas größte Volkswirtschaft von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise erholen.

Autos nicht gefragt

Unter den Einzelwerten im Dax zieren Daimler das Indexende, auch die anderen Papiere aus der Branche stehen unter Abgabedruck. Deutsche Bank geben ebenfalls nach. Auf der Gewinnerseite stehen Wirecard ganz oben, Triebwerksbauer MTU Aero markiert derweil neue Rekordhochs. Die Anteile stiegen bisher bis auf 276,30 Euro.

Dow ohne Euphorie

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street, wo es zuletzt deutlich besser gelaufen ist als hierzulande, scheine die Anleger ebenfalls auf die Bremse zu treten. der Future auf den Dow Jones liegt kurz vor Eröffnung leicht im Minus. Am Dienstag hatte der Dow bei 29.054 Punkten noch ein Rekordhoch markiert und war bei 28.939 Punkten aus dem Handel gegangen.

Im Blick stehen neben dem China-Abkommen die Zahlen der Finanzindustrie, mit denen die Berichtssaison für das vierte Quartal beziehungsweise die Jahresschlussergebnisse eröffnet wird. Mit der Bank of America, Goldman Sachs und dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock haben drei Schwergewichte vor Handelsbeginn schon ihre Bücher geöffnet. Zudem legte aus dem Dow Jones noch der Gesundheitsdienstleister UnitedHealth besser als erwartete Zahlen vor.

Empire State-Index besser als erwartet

Fundamentaler Rückenwind für die Märkte kommt vom Empire-State-Index, einem an der Börse vielbeachteten Konjunkturindikator aus dem Großraum New York. Dieser lag für den Januar bei 4,8 Punkten, Experten hatten nur mit 3,55 Punkten gerechnet.

"Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe der Region New York hat sich zum Jahresbeginn aufgehellt und überrascht positiv. Damit liegt der Index weiterhin leicht im Expansionsbereich und Konjunktursorgen sollten tendenziell gedämpft werden", kommentiert Patrick Boldt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Der Euro rappelt sich auf

Die Gemeinschaftswährung hat am Mittwoch anfängliche Verluste wettgemacht und ist bis zum Mittag gestiegen. Zuletzt kostete die gemeinsame Währung der 19 Euroländer 1,1146 US-Dollar und damit etwas mehr als am Morgen. Der Dollar geriet dagegen unter Druck, nicht nur zum Euro.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1115 Dollar festgesetzt. Konjunkturdaten aus der Eurozone bewegten die Märkte wenig.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Deutsche Wirtschaft mit Bremsspuren

Im Mittelpunkt standen Wachstumszahlen aus Deutschland für das Gesamtjahr 2019. Erwartungsgemäß fiel das Wachstum mit 0,6 Prozent deutlich hinter das Tempo der Vorjahre zurück. Für dieses Jahr erwarten viele Bankvolkswirte eine leichte konjunkturelle Erholung.

Ölpreise geben nach

Leicht rückläufig sind am Morgen die Ölpreise. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet zur Stunde 58,10 Dollar, ein Fass der Nordseesorte Brent notiert bei 64,38 Dollar, ein Abschlag von rund 0,7 Prozent. Die US-Leichtölsorte WTI kostet rund ein halbes Prozent weniger. Am Nachmittag erwartet der Markt noch die offiziellen Lagerhaltungsdaten aus den USA.

Die Feinunze Gold notiert bei 1.550 Dollar wenig veränderte, aber auf weiter hohem Niveau. Laut Experten reagiert die "Krisenwährung" auf die Aussicht weiterer Bremseffekte auf die Weltkonjunktur wegen der weiter bestehenden Zölle zwischen den USA und China.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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T-Mobile-Fusion auf der Kippe?

Der US-Prozess um die kartellrechtlich umstrittene Fusion der Tochter T-Mobile mit dem kleineren Rivalen Sprint wird für die Telekom zur Zitterpartie. An diesem Mittwoch wollen die Streitparteien vor Gericht in New York ihre abschließenden Statements halten. Für die Telekom steht viel auf dem Spiel, sollte der über 26 Milliarden Dollar (23,4 Mrd Euro) schwere Mega-Deal platzen, wäre dies eine herbe Schlappe für den Konzern. Am Montag warnten die Unternehmen erneut eindringlich vor einem Scheitern.

13 Bundesstaaten und der Regierungsbezirk Washington wollen den im April 2018 vereinbarten Zusammenschluss von T-Mobile und Sprint verhindern. Die Kläger fürchten, dass die Fusion der dritt- und viertgrößten US-Mobilfunker dem Wettbewerb schadet, was Jobverluste und Preiserhöhungen verursachen könne.

Fraport: Erste Spuren von Flugscham?

Der Frankfurter Flughafen hat 2019 erstmals über 70 Millionen Passagiere abgefertigt. Allerdings haben die gekappten Winterflugpläne vieler Airlines das Passagierwachstum gebremst. Im abgelaufenen Jahr zählte der Betreiber Fraport an Deutschlands größtem Flughafen rund 70,56 Millionen Fluggäste und damit 1,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Allerdings hatte sich Fraport-Chef Stefan Schulte schon von seinem ursprünglichen Plan verabschiedet, die Zahl der Fluggäste 2019 um zwei bis drei Prozent zu steigern.

Im Dezember zählte Fraport in Frankfurt sogar 1,2 Prozent weniger Passagiere als ein Jahr zuvor. Auch das Cargo-Aufkommen schrumpfte weiter. Nach einem Minus von 7,4 Prozent im Dezember steht für das Gesamtjahr ein Rückgang um 3,9 Prozent auf rund 2,1 Millionen Tonnen zu Buche.  | mehr

Nordex heimst mehr Aufträge ein

Der Windanlagenbauer Nordex hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Aufträge eingeworben als im Vorjahr. Den weiterhin schwachen deutschen Markt konnten die Hamburger dabei durch Aufträge aus anderen Ländern mehr als ausgleichen. Insgesamt stieg das Neugeschäft 2019 um 31 Prozent auf 6,2 Gigawatt, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit. Knapp über die Hälfte der Aufträge entfielen dabei auf Europa mit einer hohen Nachfrage aus der Türkei, Spanien und den Niederlanden. Im vierten Quartal sank das Neugeschäft indes. Das Auftragsvolumen betrug knapp 1,5 Gigawatt, nach knapp 1,7 Gigawatt im Vorjahresquartal.

Metro macht mehr Umsatz

Der Handelskonzern hat im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres zugelegt. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft stieg im Ende Dezember beendeten Quartal um 2,2 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Dabei profitierte Metro auch von positiven Währungseffekten. In den Zahlen nicht enthalten sind das China-Geschäft sowie die Supermarktkette Real, für die beide ein Verkauf vereinbart ist. Auf vergleichbarer Fläche verbesserten sich die Erlöse in lokaler Währung um 1 Prozent.

Shell setzt auf Biosprit

Der Energiekonzern Shell will mit klimaneutralem Kraftstoff für Lastwagen in den kommenden Jahren deutliche Mengen CO2 in Deutschland einsparen. Es sei geplant, das Tankstellen-Netz für verflüssigtes Erdgas (LNG) auf 35 bis 40 Stationen auszubauen, so das Unternehmen. An den Stationen solle ein LNG-Gemisch verkauft werden, das aus herkömmlich gefördertem Gas und aus Biomethan hergestellt werde. Bis Mitte der 20er Jahre könnten so bis zu einer Million Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Shell wolle auch die eigene Tankwagenflotte auf LNG umstellen und habe ein Konzept für die gesamte Wertschöpfungskette des Schwerlastverkehrs entwickelt.

UnitedHealth übertrifft sich selbst

Gute Geschäfte in allen Bereichen haben dem US-Gesundheitsdienstleister und Krankenversicherer UnitedHealth aus dem Leitindex Dow Jones 2019 einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 13,8 Milliarden Dollar (12,4 Milliarden Euro) und damit gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag mit 14,33 Dollar noch über der erst im Herbst angehobenen Prognose des Konzerns und übertraf die Erwartungen von Analysten. Für das neue Jahr peilt Konzernchef David Wichmann weiterhin einen Gewinn je Aktie von 15,45 bis 15,75 Dollar an.

Der Umsatz legte im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 242 Milliarden Dollar zu. Damit und mit zuletzt mehr als 320 000 Mitarbeitern gilt UnitedHealth als größtes Unternehmen des Sektors. Neben Krankenversicherungen bietet der Konzern auch Datenanalysen im Gesundheitswesen an. Die Aktie steht an der NYSE auf Rekordhoch.

Trump macht Druck auf Apple

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum Intraday
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Im Streit über die Verschlüsselung von Smartphones und Zugriffsmöglichkeiten für Ermittlungsbehörden hat Präsident Donald Trump den Druck auf den US-Technologieriesen Apple erhöht. Trump schrieb am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter, seine Regierung helfe Apple in Handelsfragen und anderen Belangen "die ganze Zeit". Dennoch weigere sich der Konzern, Behörden den Zugang zu verschlüsselten Telefonen zu ermöglichen.  | mehr

rm

Tagestermine am Montag, den 20. Januar

Firmen:
BHP Group: Halbjahres-Produktionsbericht, 22:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion im November, 05:30 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Dezember, 08:00 Uhr
Deutschland: Januar-Monatsbericht der Bundesbank, 12:00 Uhr
Schweiz: IWF-Ausblick mit Präsidentin Georgiewa und Chefvolkswirtin Gopinath vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos, 14:00 Uhr

Sonstiges:
USA: Wall Street wegen Martin-Luther-King-Day geschlossen