Kein Auftakt nach Maß

Stand: 22.12.2008, 20:00 Uhr

Die Weihnachtswoche hat nicht viel versprechend begonnen. Der erste der beiden Handelstage vor Heiligabend brachte Anlegern überwiegend Verluste ein. Vor allem die Probleme in der Autobranche lasteten auf den Kursen.

Dass nun selbst Branchenprimus Toyota von einer "beispiellosen Notsituation" in dem Segment spricht, gab Investoren am Montag rund um den Globus zu denken. Toyota wird für das Geschäftsjahr einen operativen Milliardenverlust ausweisen - die Reaktion an der Börse war eindeutig.

GM unter Druck

Sowohl in den USA als auch in Deutschland kamen Autotitel unter die Räder und belasteten den Gesamtmarkt . General Motors-Papiere im Dow Jones-Index etwa wurden am Abend deutscher Zeit rund 17 Prozent im Minus gehandelt. Kein Wunder, dass der US-Leitindex es auch bis zum Schluss des Parketthandels in Deutschland nicht mehr in die Pluszone schaffte.

Allerdings litten auch Technologieaktien erheblich. Der Nasdaq Composite rangierte zum deutschen Parkettschluss bei rund zwei Prozent im Minus, Vorzeigetitel wie Apple, Ebay oder Yahoo verloren überdurchschnittlich.

Öl ist billig - na und?
Da half es auch nicht, dass die Ölpreise weiter im Rückwärtsgang sind. Nachdem bekannt wurde, dass China im November 3,2 Prozent weniger an Rohöl verbraucht hat als im Vorjahresmonat, wurde ein zwischenzeitliche Erholung bei den Rohstoffpreisen jäh beendet. Ein Terminkontrakt auf ein Fass US-Leichtöl zur Lieferung im Februar wurde am Abend zu 41,40 Dollar gehandelt.

Japan-Grippe bei Autoaktien
Die Belastung durch Toyota fand ihren Niederschlag in der Dax-Liste: Die Branchenvertreter Volkswagen, BMW und Daimler verloren zwischen vier und sechs Prozent. Die VW-Aktie wurde zusätzlich durch Befürchtungen belastet, dass der Sportwagen-Hersteller Porsche seine Beteiligung an den Wolfsburgern nicht so schnell wie am Markt erhofft ausbauen könne.

Weniger Produktion bei BMW...
Der Münchener Autokonzern schließt weitere Produktionskürzungen und Kostensenkungsmaßnahmen im nächsten Jahr nicht aus. Niemand könne verlässlich sagen, wie lange die Krise dauern und wie stark die Einbrüche sein werden, sagte Vertriebsvorstand Ian Robertson dem Magazin "Auto, Motor und Sport".

... höhere Preise bei Daimler
Nach einem Bericht der "Automobilwoche" will Daimler die Preise für die Marken Mercedes und Smart im kommenden Jahr um 1,9 Prozent erhöhen. Den Aufschlag begründet das Unternehmen laut dem Blatt mit der "allgemeinen Teuerung".

Deutsche Bank zahlt für "Beratungsfehler"?
In den Reigen der deutlichen Kursverlierer reihte sich am Nachmittag auch die Aktie der Deutschen Bank ein. Das Unternehmen muss einem Anleger Schadenersatz für die Verluste aus einem Zinswettgeschäft mit Swaps rund 370.000 Euro Schadenersatz zahlen. Die Anwaltskanzleien Nieding und Tilp haben weitere Klagen wegen falscher Beratung angekündigt, bei denen ein Gesamtstreitwert von 160 Millionen Euro ansteht.

RWE versorgt VEW-Aktionäre
Die Aktie des Versorgers gehörte mit einem Plus von zwei Prozent am Montag zu den stärkeren Dax-Titeln. Dabei steht dem Unternehmen eine Nachzahlung in dreistelliger Millionenhöhe an ehemalige VEW-Aktionäre bevor. Diese hatten nach der Fusion zwischen RWE und VEW geklagt und nun einen Nachschlag von 14 Euro für jede der 12,5 Millionen VEW-Aktien erstritten. Die Nachbesserung ist das Ergebnis einer Vereinbarung, der RWE jetzt zugestimmt hat.

Salzgitter und Beiersdorf in der Oberliga
Die beiden Dax-Neulinge schlugen sich an ihrem ersten Handelstag im Dax achtbar. Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter verloren knapp ein halbes Prozent, Papiere des Konsumgüterunternehmens Beiersdorf schafften es gegen den Markttrend sogar leicht ins Plus. Die beiden neuen Dax-Mitglieder nehmen seit heute die Plätze des Autozulieferers Continental und der Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate ein.

Infineon und Qimonda mit Rettungs-Euphorie
Noch deutlicher ins Plus schaffte es die Aktie von Infineon. Mit Kursaufschlägen von mehr als sechs Prozent feierten Anleger am Montag die Rettung der Infineon-Tochter Qimonda. Der Speicherchip-Hersteller erhält 75 Millionen Euro von der Konzernmutter, sowie eine Finanzspritze von 150 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen und nicht zuletzt 100 Millionen Euro vom portugiesischen Staat. Aktien von Qimonda legten am Montag sogar rund 50 Prozent zu.

Conti wird abgestraft
Der MDax wurde am Montag gleich vom Neuzugang Conti belastet. Die Aktien des ehemaligen Dax-Unternehmens verloren mehr als 13 Prozent. Am Freitagabend hatte die EU-Kommission mitgeteilt, dass sie die Übernahme von Continental durch Schaeffler ohne Auflagen genehmigt. "Die Reaktion der Anleger ist rational", erklärte ein Händler. "Denn die Aktionäre, die diese Aktien halten, haben von der EU-Genehmigung ja nichts mehr."

HRE vor "weiteren Belastungen"
Auch die Hypo Real Estate-Aktie schloss mit Verlusten im MDax. Die Holding trennt sich nach eigenen Angaben mit sofortiger Wirkung von mehreren Vorstandsmitgliedern. Außerdem will das Unternehmen in den kommenden drei Jahren die Zahl der Mitarbeiter von 1.800 auf 1.000 reduzieren. Für das noch laufende vierte Quartal erwartet das Unternehmen "weitere erhebliche Ergebnisbelastungen aus Handelsgeschäften und aus der Risikovorsorge für Immobilienfinanzierungen und strukturierte Kreditprodukte".

Immobilienaktien wieder billig?
Dagegen trumpften Immobilienaktien in den Auswahlindizes zu Wochenbeginn auf. Im MDax legten Gagfah rund elf Prozent zu, im Kleinwertesegment SDax sprangen Patrizia um 17 Prozent, TAG Tegernsee um zwölf Prozent und Deutsche Wohnen um mehr als zehn Prozent nach oben. Am Markt wurden einerseits "vage Fusionsfantasien" gehandelt, nachdem ein Hedgefonds seine Beteiligung an IVG auf mehr als drei Prozent angehoben hatte. Zum anderen beflügelte eine Hochstufung von Patrizia durch die WestLB offenbar Anlegerfantasien.

Wieviel Frischgeld braucht Premiere?
Aktien des Pay-TV-Unternehmens verloren mit rund acht Prozent ebenfalls deutlich. Händler verwiesen auf Sorgen um die geplante Kapitalerhöhung des Bezahlfernsehsenders, die deutlich größer als bisher erwartet ausfallen könnte. Das Unternehmen selbst wollte keine Stellung zu den laufenden Umschuldungsverhandlungen beziehen.

Sonnenaufgang im TecDax
Der Technologieindex konnte sich am Wochenbeginn wohltuend von den übrigen Leitindizes absetzen. Das lag vor allem an den starken Solartiteln. Zwischen sechs und neun Prozent legten etwa Solon und Q-Cells zu. Kursspitzenreiter war allerdings die Aktie des Maschinenbauers Singulus, die ohne kursbewegende Nachrichten rund zehn Prozent im Plus schloss.

IKB im Halbjahr in der Gewinnzone
Das angeschlagene Kreditinstitut hat in den Monaten April bis September 2008 einen Konzerngewinn von 250 Millionen Euro erzielt. Dabei machten sich in der Bilanz vor allem Bewertungsgewinne in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bemerkbar. Die Aktie legte im späten Parketthandel rund fünf Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss zu. Das Unternehmen ist inzwischen zu rund 90 Prozent im Besitz des US-Investors Lone Star.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr