Kein Allzeithoch, aber neue Ängste

von Karsten Leckebusch

Stand: 22.06.2007, 17:51 Uhr

Das war keine gute Woche für den Dax. Am Mittwoch noch sah es nach einem neuen Allzeithoch für den deutschen Leitindex aus, danach aber schlugen die Konjunkturängste wieder zu.

Im späten Parketthandel am Freitag rutschte der L-Dax sogar noch unter die Marke von 7.900 Punkten. Zuvor hatte der Xetra-Dax bei 7.950 Zählen geschlossen, einem Tagesminus von 0,2 Prozent. Das Allzeithoch von 8.136 Punkten, das der Dax zur Wochenmitte zum Greifen nahe sah, ist damit zunächst in die Ferne gerückt.

Belastet hatten am letzten Handelstag der Woche zunächst der schwache ifo-Index und dann, am Nachmittag und Abend, die Wall Street. Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 verloren bis zum Ende des Parketthandels in Frankfurt jeweils etwa ein Prozent. Sorgen machte den Aktionären in den USA die heute bekannt gewordene finanzielle Schieflage zweier US-Investmentfonds.

Beim deutschen ifo-Index hatten die Experten zwar mit einem moderaten Rückgang gerechnet, aber nicht mit einem so deutlichen: Der monatlich bekannt gegebene Wirtschaftsklimaindex fiel im Juni von 108,6 auf 107,0 Punkte.

Ist da was im Busch?
Die Aktie des Großversicherers Allianz schloss mit einem eindeutigen Aufschlag von 1,5 Prozent. Angeblich will die Allianz die Dresdner Bank oder die Investmentsparte Dresdner Kleinwort verkaufen und dies bereits am Wochenende bekannt geben. Die Allianz dementierte diese Gerüchte. Zeitungsberichte, wonach der Versicherungskonzern enger mit seinem Konkurrenten Société Générale zusammen arbeiten wolle, ließ die Allianz unkommentiert.

Mit einem eindeutigen Verlust von 2,3 Prozent reagierte die Infineon-Aktie auf eine negative Analysteneinschätzung. Merrill Lynch stufte die Aktie von "Buy" auf "Neutral" herab.

Organik und Auftragsflut
Die Deutsche Börse verbilligte sich um 1,7 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass die amerikanisch-französische Börse NYSE Euronext offenbar die Mailänder Börse für 1,5 Milliarden Euro kaufen will. Die Deutsche Börse sieht dies gelassen und verweist auf ihr Ziel, vor allem organisch wachsen zu wollen.

Im Nebenwerteindex MDax profitiert der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS von dem aus der Sicht des Unternehmens sehr guten Verlauf der Luftfahrtmesse in Le Bourget. Im Verlauf der Veranstaltung hat die EADS-Tochter Airbus Festaufträge für 425 Flugzeuge mit einem Listenpreis von 61 Milliarden Dollar eingefahren. Zusammen mit den nicht festen Bestellungen hat Airbus sogar 728 Flugzeuge mit einem Wert von 98 Milliarden Dollar verkauft. Die EADS-Aktie stieg deshalb um 1,3 Prozent.

Analysten im MDax
Um drei Prozent verbesserte sich die MDax-Aktie von Wacker-Chemie. Die UBS hat das Kursziel von 170 auf 200 Euro erhöht. Das Papier von Hugo Boss profitierte ebenfalls von einer Analysteneinschätzung. Die Experten von der HVB erhöhten das Kursziel von 45 auf 52 Euro, die Aktie schloss mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent.

Konsolidierungsgerüchte
Papiere der Norddeutschen Affinerie stiegen um 1,6 Prozent. Die Brüsseler Börse setzte die Aktien des Konkurrenten Cumerio aus. Die Aktie war zuvor wegen Marktgerüchten über eine Übernahme um mehr als sieben Prozent gestiegen. Die Handelsaussetzung der belgischen Aktien löste bei der Norddeutschen Affi ebenfalls Fantasie aus.

Technische Analysten
Die Charttechnik sorgte für Kursbewegung im TecDax. Die Aktie des Solarkonzerns Solon gewann 8,4 Prozent. Das Papier habe einen wichtigen Widerstand zwischen 44,35 und 44,50 Euro überwunden, erklären die technischen Analysten.

Blackstone und Steico
Beim größten Börsengang seit fünf Jahren an der New Yorker Wall Street hat der Finanzinvestor Blackstone etwa 4,1 Milliarden Dollar eingenommen. Verkauft hatte die Firma 133 Millionen Aktien, 20 Millionen mehr will Blackstone bei Bedarf zusätzlich anbieten. Die beiden Blackstone-Gründer, Stephen Schwarzman und Peter Peterson, machte der Börsengang schlagartig zu Multi-Milliardären. Der Kurs stieg übrigens direkt nach Handelsstart um mehr als 40 Prozent.

Einen Börsengang etwas geringeren Umfangs wird es am Montag in Frankfurt geben. Der bayerische Baustoffhersteller Steico bietet 3,65 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung an, die Preisspanne beträgt 14,50 bis 17,50 Euro. Nach Angaben von Steico war die Platzierung sechsfach überzeichnet. Den Emissionspreis will der Konzern am Tag des Börsengang bekannt geben.

EM.TV will kaufen
Das im S-Dax notierte Medienunternehmen EM.TV will in den kommenden Jahren vor allem durch Zukäufe weiter wachsen. Vorstandschef Werner Klatten sagte in "Euro am Sonntag", dass man in den Bereichen Bezahlfernsehen, Internet und Fernsehproduktion investieren wolle. Dabei schloss Klatten nicht aus, die zur Disposition stehenden ProSiebenSat.1-Produktionssparte zu übernehmen.

Paion entlässt ein Viertel
Das Biotech-Unternehmen Paion will sich von 26 seiner 96 Mitarbeiter trennen. Damit reagiert die Firma auf den jüngsten Rückschlag mit dem größten Hoffnungsträger von Paion, dem Schlaganfallmittel Desmoteplase. Anfang Juni stürzte die Aktie von mehr als zehn auf knapp über drei Euro ab.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr