Kauflust ebbt ab

Detlev Landmesser

Stand: 12.05.2009, 20:43 Uhr

Die Rally des März und April ist im Mai in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Ohne dass bisher großer Verkaufsdruck herrscht, machten weitere Krisenzahlen von den Unternehmen die Anleger am Dienstag doch ein wenig nervös.

So scheiterte der Dax am Dienstag zweimal am Kursbereich um 4.920 Punkte, was man als ein Ermüdungszeichen deuten könnte. Der L-Dax schloss bei 4.842 Punkten. Allerdings spielt die Musik natürlich wie immer vor allem in New York, und dort notierten die großen Indizes zeitweise deutlich im Minus, bevor sie am Abend ebenfalls in eine Seitwärtsbewegung übergingen.

Das amerikanische Handelsbilanzdefizit im März war zwar gigantisch, aber geringer als erwartet. Das Defizit stieg nach Angaben des US-Handelsministeriums von 26,1 Milliarden im Vormonat auf 27,6 Milliarden Dollar. Ökonomen hatten mit minus 29 Milliarden Dollar gerechnet.

Ölpreis touchiert 60 Dollar

Der Ölpreis verblüffte die Experten: Erstmals in diesem Jahr sprang die richtungsweisende US-Notierung zeitweise knapp über die Marke von 60 Dollar. Noch Mitte Februar hatte das Fass WTI weniger als 40 Dollar gekostet. Offenbar sind die Konjunkturhoffnungen stärker als der Druck auf die Preise angesichts der hohen US-Öllagerbestände.

GM im freien Fall
Der Ausstieg von Top-Managern aus der Aktie von General Motors kam überhaupt nicht gut an. Die Aktie des insolvenzbedrohten Konzerns brach in New York um mehr als 20 Prozent ein - auf ein 76-Jahres-Tief. Zuvor hatte GM gemeldet, dass insgesamt sechs Manager des Autoriesen in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 Aktien losgeschlagen haben. Auch Ford sorgte mit der Ankündigung einer weiteren Kapitalerhöhung nicht für Begeisterung.

Neue Fantasie um Microsoft
Für neue Übernahmefantasie sorgte dagegen Microsoft, das sich bei privaten Investoren fast vier Milliarden Dollar geliehen hat. Im Visier des weltgrößten Softwarekonzerns könnte die deutsche SAP stehen oder wie schon mehrfach Yahoo, wird am Markt spekuliert. Mit dem neuen Geld verfügt Microsoft über eine Kriegskasse von rund 30 Milliarden Dollar.

Druck auf die Preise angesichts der hohen amerikanischen Lagerbestände.

ThyssenKrupp kündigt rote Zahlen an
Am Nachmittag wurde die ThyssenKrupp-Aktie ans Dax-Ende durchgereicht. Überraschend legte der Mischkonzern Quartalszahlen vor und kündigte einen Verlust für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) an. Die negativen Nachrichten seien teils schon erwartet worden, meinten Händler. Den erwarteten Verlust bezifferte ThyssenKrupp auf einen "mittleren bis höheren" dreistelligen Millionenbetrag. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres brach der Umsatz um 25 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro ein. Vor Steuern stand ein Fehlbetrag von 455 Millionen Euro in den Büchern.

Deutsche Börse über Erwartungen
Die Deutsche Börse legte dagegen einen recht passablen Geschäftsbericht vor. Umsatz und Ergebnis sanken zwar wegen der Finanzmarktkrise erheblich, doch übertraf der Börsenbetreiber die Prognosen.

S&P senkt Daumen für Commerzbank
Die Commerzbank-Aktie verhielt sich recht unauffällig. Dabei senkte die Ratingagentur Standard & Poor's ihren Bonitätsausblick für die Großbank sowie das Rating für ihre Pfandbrieftochter Eurohypo. Die Analysten stuften den Ausblick für das Commerzbank-Rating von "stabil" auf "negativ" zurück. Die Bonitätsnote der Eurohypo senkte die Agentur dagegen um eine Stufe auf "A-/A-2". Der Ausblick ist auch hier negativ, was weitere Herabstufungen erwarten lässt.

Lufthansa transportiert noch weniger
Die Lufthansa-Aktie schnitt etwas schlechter als der Dax ab. Der Konzern meldete für den April im Jahresvergleich einen Passagierrückgang von 4,6 Prozent. Bei der Fracht von Lufthansa Cargo, die als ein Frühindikator der Konjunktur gilt, gab es im April einen Rückgang um 26,7 Prozent.

VW weist Porsche in die Schranken
Über zehn Prozent büßte die Aktie von Porsche ein. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech verpasste den Porsche-Hoffnungen auf eine gleichberechtigte Fusion eine Absage. Zuerst müsse Porsche seine Finanzierungsprobleme in den Griff bekommen, sagte Piech.

VW selbst meldete, mit dem Bankier Friedrich von Metzler einen neuen Partner für sein Flottenmanagement-Joint-Venture LeasePlan gefunden zu haben. Metzler übernimmt die von arabischen Investoren abgegebene Hälfte von LeasePlan für rund 1,3 Milliarden Euro. Die anderen 50 Prozent hält die VW-Bank.

Kuka besticht mit Ausblick
Über sechs Prozent gewann die Aktie von Kuka im MDax. Die schwache Autokonjunktur hat im ersten Quartal auch den Roboterbauer belastet. Netto verbuchte Kuka einen Verlust von 1,8 Millionen Euro nach einem Gewinn von fast zehn Millionen Euro vor einem Jahr. Für 2009 erwartet das Unternehmen dennoch ein leicht positives, aber zumindest ausgeglichenes Ergebnis.

Douglas "nicht unzufrieden"
In die Verliererliste im MDax reihte sich dagegen Douglas ein. Der Handelskonzern hat im ersten Quartal mit knapp 110 Millionen Euro zwar weniger verdient und flächenbereinigt auch weniger umgesetzt. Der Umsatz stieg aber dank Neueröffnungen ganz leicht auf 1,78 Milliarden Euro. Mit der Entwicklung im April zeigte sich Douglas "nicht unzufrieden".

Fraport schrumpft
Die Fraport-Aktie verlor 5,8 Prozent. Der Flughafenbetreiber rechnet wegen der Wirtschaftskrise für dieses Jahr mit einem rückläufigen Ergebnis. Das Passagieraufkommen werde voraussichtlich um bis zu neun Prozent zurückgehen. Im ersten Quartal verdiente Fraport zudem ein Viertel weniger als vor einem Jahr, auch der Umsatz ging zurück.

EADS enttäuscht Erwartungen
Auch die EADS-Aktie notierte schwächer. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat das erste Quartal, vor allem wegen hoher Kosten bei der Entwicklung des A440M und ungünstiger Wechselkurse, mit einem um 70 Prozent verringerten operativen Ergebnis beendet. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. EADS verfehlte die Markterwartungen erheblich, dennoch erwartet der Konzern weiter stabile Umsätze.

Smartrac schafft kleines Wachstum
Im TecDax fiel die Aktie von Smartrac positiv auf. Der Anbieter von Funktechnik hat im ersten Quartal mehr umgesetzt. Das operative Ergebnis litt jedoch unter der Flaute der Autobranche und halbierte sich auf 3,5 Millionen Euro. "Das zweite Quartal wird für Smartrac anspruchsvoll bleiben", kündigte Unternehmenschef Christian Fischer an. Im Gesamtjahr werde es aber einen Gewinn sowie organisches Wachstum geben.

Q-Cells kappt Prognose
Zwei schwache Bilanzen kamen aus dem Solarsektor. Q-Cells hat vor allem wegen einer Abschreibung auf die verkaufte Beteiligung REC einen Quartalsverlust von 392 Millionen Euro verbucht. Zudem senkte der Solarzellenhersteller seine Umsatzprognose erneut. Der TecDax-Titel begann den Handel mit Verlusten, gewann aber schließlich 2,4 Prozent.

Tiefrote Bilanz von Solon
Selbst die Aktie des Berliner Solarmodul-Herstellers Solon drehte nach einem Minus von bis zu zehn Prozent zeitweise ins Plus - trotz laut Händlern "durchweg katastrophalen Ergebnissen". Solon meldete einen operativen Verlust von 20,7 Millionen Euro, der Umsatz brach um drei Viertel ein. Immerhin rechnet Solon mit einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr.

Aareal sieht sich "gut aufgestellt"
Die Aareal Bank hat im ersten Quartal einen Ergebnisrückgang verbucht. Das Vorsteuerergebnis blieb aber mit 17 Millionen Euro im positiven Terrain. "Wir sind nach dem Verlauf des ersten Quartals einmal mehr davon überzeugt, dass die Aareal Bank Gruppe gut aufgestellt ist", sagte Vorstandschef Wolf Schumacher. Der SDax-Titel verlor 1,3 Prozent.

Millionenverlust für Grammer
Die Grammer-Aktie schaffte es im Verlauf ins Plus. Der im SDax notierte Autozulieferer hat das erste Quartal mit einem deutlichen Umsatzrückgang und einem Verlust abgeschlossen. Die Erlöse fielen um ein Drittel. Das Ebit betrug minus 8,6 Millionen Euro, vor einem Jahr machte der Konzern noch Gewinne.

DIC in schwierigem Fahrwasser
Der im SDax notierte Immobilienkonzern DIC Asset hat das erste Quartal mit einem auf 2,6 Millionen Euro geschrumpften Gewinn beendet. Besserung sieht Vorstandschef Ulrich Höller noch nicht. Das Marktumfeld sei zunehmend schwieriger, erklärte er.

"Drillisch will isch!"
Die Aktie von Drillisch war im späten Geschäft stark gefragt. Der Mobilfunk-Service-Provider meldete am Abend für das erste Quartal trotz eines Umsatzrückganges um acht Prozent auf 77,8 Millionen Euro einen Gewinnsprung von 51,7 Prozent auf 8,8 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"