Katerstimmung an den Börsen hält an

Stand: 18.05.2012, 20:06 Uhr

Die Börsenwoche hat so geendet wie sie begonnen hat: mit Verlusten. Der Dax stürzte auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Die anhaltenden Spekulationen um den Euro-Austritt Griechenlands und die Krise in Spanien drückten die Kurse. Auch Facebook konnte die Stimmung nicht aufhellen.

Nicht die "Blockupy"-Proteste, sondern wieder mal die europäische Schuldenkrise lähmten die Anleger zum Wochenschluss. Der Dax setzte seine fünftägige Talfahrt fort und büßte bis zum Xetra-Schluss 0,6 Prozent ein. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax schloss bei rund 6.263 Punkten. Damit summiert sich das Kursminus in dieser Börsenwoche auf fast fünf Prozent. Die Jahresgewinne schmelzen immer mehr zusammen. Auf Jahressicht liegt der Dax nur noch rund sechs Prozent im Plus.

Dabei sah es am Freitag zwischenzeitlich nach einer Erholung aus. Am Mittag und am späten Nachmittag drehte der Dax kurzzeitig ins Plus. Doch die schwache Entwicklung an der Wall Street bremste den Dax wieder aus. Dow Jones und Nasdaq rutschten nach anfänglichen Gewinnen klar ins Minus. Der Dow gab bis zum Abend 0,3 Prozent, die Nasdaq 0,6 Prozent nach.

Facebook-Hype verpufft
Gebannt starrten Anleger auf den Börsengang von Facebook. Doch der Euphorie folgte rasch die Ernüchterung. Der größte Internet-Börsengang aller Zeiten verlief holprig. Zwar startete Facebook mit 42 Dollar gut zehn Prozent über dem Ausgabekurs von 38 Dollar. Danach schmolzen aber die Kursgewinne zusammen. Aktuell notieren die Titel des weltgrößten sozialen Netzwerks bei knapp über 40 Dollar. Manche Experten hatten freilich einen Kurssprung von bis zu 50 Prozent vorhergesagt - und dürften nun enttäuscht sein.

Die griechische Tragödie
Die Angst vor dem Zerfall der Euro-Zone hielt die Anleger indes weiter in Atem. Erstmals gab ein hochrangiges Mitglied der EU-Kommission zu, dass an Ausstiegsszenarien für Griechenland gearbeitet werde. Die Stäbe der EZB und der EU-Kommission stellen sich auch darauf ein, dass es Griechenland nicht schafft, sagte Handelskommissar Karel de Gucht in einem Interview. "Das Endspiel hat begonnen, und ich weiß nicht, wie es ausgehen wird." Ein Sprecher der EU-Kommission dementierte umgehend, dass an Ausstiegsszenarien gearbeitet werde.

Am Abend gab es Gerüchte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Griechenland ein Referendum über den Euro-Verbleib vorgeschlagen habe. Ein Regierungssprecher dementierte dies. Angesichts der ungewissen Lage vor den Neuwahlen am 17. Juni stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf "CCC" ab. Die griechischen Anleihen würden "substanzielle Risiken" bergen.

Zittern um Spaniens Banken
Anleger befürchten eine Ausweitung der Schuldenkrise auf andere Länder wie Spanien. Vor allem bei den Banken spitzt sich die Lage zu. Die Ratingagentur Moody's hat 16 spanische Banken herabgestuft. Die spanische Regierung kündigte an, die heimischen Banken durchleuchten zu wollen, um Vertrauen an den Märkten zurückzugewinnen. Zudem gibt es Gerüchte über ein Verbot ungedeckter Leerverkäufe spanischer Finanztitel.

Öl wird immer billiger
Der Euro konnte sich bei über 1,27 Dollar behaupten. Der Ölpreis setzte dagegen seine Talfahrt fort. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich am späten Nachmittag auf rund 107 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI sank auf unter 92 Dollar. Seit Anfang Mai haben die Ölpreise um mehr als zehn Prozent nachgegeben.

Metro auf dem Dax-Thron
Im Dax waren erneut vor allem defensive Titel wie Metro und Eon gefragt. Als Dax-Spitzenreiter verabschiedete sich Metro. Sie profitierten von den Quartalszahlen des US-Rivalen Wal Mart. Dieser hatte mit einem üppigen Umsatz- und Gewinnanstieg die Prognosen der Experten übertroffen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Russen klagen gegen RWE
Während die Aktien von Eon zulegten, verloren die RWE-Papiere 0,8 Prozent. Die russische Sintez-Gruppe hat RWE und Vorstandschef Jürgen Großmann verklagt und fordert 675 Millionen Euro Schadensersatz. Die Russen werfen dem Versorger, angebliche Zusagen über eine gemeinsame Beteiligung an einem russischen Energieunternehmen vor vier Jahren nicht eingehalten zu haben.

Fresenius legt Offerte für Rhön vor
Am Freitagabend hat Fresenius sein 3,1 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für Rhön-Klinikum vorgelegt. Der Gesundheitskonzern bietet 22,50 Euro je Rhön-Aktie. Die Annahmefrist läuft bis 27. Juni. Fresenius verlangt, dass mindestens 90 Prozent aller Rhön-Aktionäre die Offerte annehmen und dass die Dividende für die Rhön-Aktionäre bei der Hauptversammlung Mitte Juni nicht höher ausfallen darf als 45 Cent je Aktie. Das Rhön-Management prüft das Angebot und will innerhalb von 14 Tagen eine Empfehlung an seine Aktionäre abgeben. Einige Börsianer rechnen mit einem Scheitern des Deals. Die Rhön-Aktie schloss bei 21,58 Euro und lag klar unter dem Angebotspreis von 22,50 Euro.

China-Schub bei Deutscher Börse
Papiere des Börsenbetreibers stiegen am Freitag um 0,6 Prozent, nachdem das Unternehmen am Donnerstagnachmittag eine Kooperation mit dem chinesischen Börsenbetreiber China Financial Futures Exchange (CFFEX) bekanntgegeben hatte. Die Partner planen einen "umfassenden Wissens- und Erfahrungsaustausch" sowie gemeinsame Schulungen und einen Austausch von Mitarbeitern.

An Londons Börse sprudeln die Gewinne
Die Londoner Börse legte am Freitag Quartalszahlen vor. Demnach kletterte der Gewinn um 30 Prozent auf 442 Millionen Pfund. Die Erlöse stiegen um zehn Prozent. Die Aktie sprang um vier Prozent nach oben.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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China-Ängste bei Autoaktien
Dagegen bremste China die Autoaktien im Dax aus. Die Titel von VW und BMW verloren gut zwei Prozent. Die Aktien von Daimler gaben um 1,5 Prozent nach. Laut Presseberichten kämpfen chinesische Autohändler zunehmend mit hohen Lagerbeständen unverkaufter Autos und einem entsprechenden Preisdruck.

Rote Laterne für Infineon
Dax-Schlusslicht war Infineon mit einem Minus von 3,5 Prozent. Der Chipausrüster Applied Materials kann die Titel des deutschen Chip-Konzerns nicht beflügeln. Applied Materials übertraf mit einem Quartalsumsatz von 2,54 Milliarden Dollar zwar die Erwartungen. Der Gewinn fiel allerdings fast um die Hälfte auf 289 Millionen Dollar.

USA plant Strafzölle auf chinesische Solarimporte
Im TecDax waren die Aktien von Solarworld heiß begehrt. Sie sprangen um 6,5 Prozent nach oben. Grund: Das US-Handelsministerium hat Strafzölle gegen chinesische Solarimporte verhängt. Diese könnten ihre Produkte wegen staatlicher Subventionierung billiger anbieten. Solarworld hat Produktionsstätten auch in den USA.

Facebook beflügelt Xing nur kurz
Im Sog des Facebook-IPO stieg die Aktie von Xing zeitweise um drei Prozent. Zum Xetra-Schluss waren die Kursgewinne wieder aufgezehrt, das Papier schloss nahezu unverändert. In den letzten Wochen war der TecDax-Titel kräftig unter Druck geraten. Seit Ende April büßte das Papier gut 20 Prozent ein.

Rote Zahlen von Medisana
Die Aktien von Medisana sackten um über sechs Prozent ab. Zwar konnte der Gesundheitskonzern im ersten Quartal seinen Verlust auf 0,4 Millionen Euro reduzieren - nach einem Minus von 0,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schrumpfte aber um 31 Prozent auf 9,2 Millionen Euro - wegen des Verkaufs der Gimelli Laboratories. Für das Gesamtjahr stellte Medisana ein Wachstum von zehn Prozent und eine Rückkehr in die operativen schwarzen Zahlen in Aussicht. Seit Jahresbeginn sind die Aktien über ein Drittel gestiegen. Gestern hatten sie ihr Jahreshoch bei 2,50 Euro erreicht.

Goldrooster schafft erfolgreiches Börsendebüt
Der chinesische Bekleidungshersteller Goldrooster ist erfolgreich in den Entry Standard der Deutschen Börse gestartet. Die Aktien lagen am ersten Handelstag bei 4,20 Euro knapp über dem Ausgabepreis von vier Euro. Die Umsätze waren aber sehr dünn. Kurios: Der feierliche Akt zum Börsengang erfolgte wegen der "Blockupy"-Proteste in der Zentrale der Deutschen Börse in Eschborn.

De La Rue hofft auf die Drachme
Derweil bereitet sich der weltgrößte private Gelddrucker De La Rue auf die mögliche Rückkehr der griechischen Drachme. Man müsse sich auf alle Eventualitäten einstellen, sagte ein Insider. Das britische Unternehmen druckt Banknoten für mehr als 150 Währungen. Die Aktie von De La Rue legte leicht zu. Im April war der Kurs um elf Prozent gestiegen. Die Schuldenkrise in Europa und der "arabische Frühling" böten neue Geschäftschancen, hatte im vergangenen Jahr De-La-Rue-Chef Tim Cobbold betont.

JP Morgan droht noch größerer Zockerverlust
Bei der US-Großbank JP Morgan können die Verluste durch noch ungeklärte Spekulationsgeschäfte größer sein als bislang vermutet. JP Morgan-Chef Jamie Dimon erklärte laut dem "Wall Street Journal", dass sogar ein Fehlbetrag von bis zu fünf Milliarden Dollar denkbar sei.

Schwarzer Tag für Internet-Aktien
Im Zuge des enttäuschenden Börsengangs von Facebook standen mehrere Internet-Titel an der Wall Street unter Verkaufsdruck. Die Aktien von Groupon verbilligten sich um fast sechs Prozent, die Papiere des Internetspiele-Anbieters Zynga sackten um neun Prozent ab und mussten zeitweise vom Handel ausgesetzt werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr