Kann man schon wieder hoffen?

Stand: 14.03.2007, 19:55 Uhr

In New York liegen Dow Jones und Nasdaq am Abend wieder im Plus. Der L-Dax bäumt sich auf und geht mit 6.518 Punkten nur noch 0,8 Prozent tiefer aus dem Markt.

Im Xetra-Handel hatte der Dax noch ein viel dickeres Minus von 2,7 Prozent verbucht und mit 6.448 Punkten nur hauchdünn über seinem Tagestief geschlossen. Für Aktien des kriselnden amerikanischen Hypothekenfinanzierers New Century bahnt sich bislang noch kein Ende der Talfahrt an. New Century steht im Zentrum der Hypothekenmarkt-Krise. Der drohende Konkurs des Konzerns hat bereits Aktien der gesamten Finanz-Branche in Mitleidenschaft gezogen. Daher waren auch fast alle deutschen Finanzwerte schwach.

Titel der Deutschen Bank rutschten um 5,14 Prozent auf 91,50 Euro ab, Aktien der Commerzbank gaben um 2,66 Prozent auf 30,04 Euro nach. Analysten und Händler hielten die Kursreaktion allerdings für übertrieben. Auch die Papiere des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate HRE hatte es mit einem Abschlag von 1,3 Prozent erwischt. Dabei hatte HRE seinen Nettogewinn im vergangenen Jahr um über ein Viertel auf 429 Millionen Euro gesteigert. Wenig beeindruckt waren Anleger auch davon, dass HRE für dieses Jahr mit einer deutlichen Gewinnsteigerung vor Steuern um etwa 20 Prozent auf mindestens 680 Millionen Euro rechnet. Beim Neugeschäft peilt Hypo Real Estate ein Volumen von mindestens 25 Milliarden Euro. Die erwartete Rendite solle bei 13 Prozent nach Steuern liegen und damit in etwa unverändert bleiben.

War das die Wende bei GM?

Auf gute Geschäftszahlen scheinen Anleger derzeit kaum positiv zu reagieren. Das bekam nicht nur HRE zu spüren, sondern auch der kränkelnde US-Autokonzern General Motors GM. Seine Aktien gaben bis zum Abend fast zwei Prozent nach. GM hat im vergangenen Jahr die Wende geschafft. Wie der Opel-Mutterkonzern am Mittwoch in Detroit berichtete, sank sein Nettoverlust 2006 von 10,4 auf zwei Milliarden US-Dollar (1,51 Milliarden Euro). Der Umsatz stieg auf einen Rekordwert von 207 Milliarden Dollar, 12 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Die europäischen GM-Töchter, zu denen auch Opel gehört, verkauften rund zwei Millionen Fahrzeuge und schrieben erstmals seit 1999 wieder schwarze Zahlen. Insgesamt verkaufte GM im vergangenen Jahr weltweit 9,1 Millionen Fahrzeuge. Nach Konzernangaben konnte das Unternehmen im vierten Quartal bereits wieder schwarze Zahlen schreiben. So habe der Nettogewinn einschließlich Sondereffekten bei 950 Millionen Dollar gelegen. Ohne Sondereffekte lag der Reingewinn nach eigenen Angaben bei 180 Millionen Dollar.

BMW hält Rekordkurs
Dass auch Aktien von rekordverwöhnten Autoherstellern in Ungnade fielen, belegte BMW. Der Münchner Autobauer BMW will nach dem Rekordgewinn im vergangenen Jahr auch in diesem Jahr ein Rekordergebnis erwirtschaften. Das laufende Jahr soll operativ das beste in der Unternehmensgeschichte werden, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer in München. 2006 hatte BMW bereits einen Vorsteuergewinn von 3,75 Milliarden Euro verbucht. Auch beim Absatz peilt BMW bei allen drei Konzernmarken Zuwächse im einstelligen Prozentbereich an. Damit konkretisierte der Konzern die noch ausstehende Prognose für das laufende Jahr. 2006 hatte BMW 1,37 Millionen Autos verkauft.

Allianz und Münchner Rück tauchen ab - Ende einer "Ehe". Mit Kurseinbußen bis über vier Prozent reagierten Anleger auf den Rückzug aus der Münchner Rückversicherung. Der Finanzkonzern Allianz hat, eigenen Angaben zufolge, seinen Anteil an der Münchener Rück auf 4,9 Prozent reduziert. Die Allianz hatte bereits Ende Januar mitgeteilt, sie werde die erste Tranche einer Wandelanleihe in Aktien der Münchener Rück zahlen und den Anteil an dem Rückversicherer damit auf weniger als fünf Prozent von gut neun Prozent zu verringern. Allianz und Münchener Rück hielten jahrelang gegenseitig 25 Prozent der Anteile. Der Abbau der Überkreuzbeteiligung begann mit dem Börsencrash zu Beginn des Jahrzehnts und läutete das Ende der "Deutschland AG" ein.


Metro robust
Übernahmespekulationen machten Aktien größerer Handelskonzerne interessant. Daher konnten sich Metro-Papiere, zumindest vorübergehend, erfolgreich gegen den starken Abwärtstrend stemmen. Am Ende fehlte aber die Kraft, durchzuhalten. Die Spekulationen kamen aus Frankreich, wo der Großaktionär des Handelsriesen Carrefour, die Familie Halley, Banken beauftragt haben soll, einen Käufer für das 13,03-prozentige Aktienpaket zu finden. Der indische Konzern Reliance Industries verhandelt einem Fernsehbericht zufolge bereits über einen Einstieg bei Carrefour. Carrefour ist nach dem US-Handelsriesen Wal Mart weltweit die Nummer zwei der Branche.

Der Einzelhandelskonzern Douglasrettete hingegen bis zum Xetra-Schluss ein Miniplus ins Ziel. Douglas hat seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2006/07 (30. September) bekräftigt. Wie Vorstandschef Henning Kreke bei der Hauptversammlung der Douglas Holding AG in Hagen erklärte, soll der Umsatz um acht bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswert steigen. Der Gewinn vor Steuern soll auf 139 bis 142 Millionen Euro klettern. In den ersten fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres konnte Douglas seinen Umsatz um 12,1 Prozent steigern. Auf vergleichbarer Fläche waren es 3,6 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat der im Börsensegment MDAX notierten Gesellschaft schlugen der Hauptversammlung eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie vor.

Der ägyptische Investor Hamed El Chiaty sorgte beim Reise-Konzern TUI für Nervosität. Hamed El Chiaty hat seinen Anteil am Reisekonzern TUI gesenkt. Der Anteil sei im Rahmen einer Wertpapierleihe zum 9. März unter 3 Prozent gefallen und habe bei 1,24 Prozent gelegen, teilte TUI mit. Ein TUI-Sprecher sagte, El Chiaty plane dennoch, seinen Anteil auf über 5 Prozent zu erhöhen

AMB Generali
Zu den wenigen Gewinnern im MDAX zählten die Papiere des Versicherungskonzerns AMB Generali. Einsparungen und ein gutes Kapitalanlageergebnis haben Deutschlands drittgrößtem Erstversicherer AMB Generali im vergangenen Jahr einen Gewinnzuwachs um zehn Prozent im normalen Geschäft beschert. In diesem und im nächsten Jahr soll es auch durch Stellenstreichungen beim Ertrag weiter aufwärts gehen. AMB peilt 2007 eigenen Angaben zufolge einen Gewinn ohne Sondereffekte von 380 Millionen Euro an, 2008 soll er auf 450 Millionen Euro steigen. Angesichts der Gewinnentwicklung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat vor, den Aktionären für 2006 eine Dividende von 2,30 (2005: 2,05) Euro je Aktie auszuschütten.

Der Turbinenhersteller MTU bricht über vier Prozent ein. Der MTU-Vorstandschef Udo Stark kündigte an, dass er seinen Vertrag über das Jahresende hinaus nicht verlängern werde. Er wolle damit bei MTU einen Generationswechsel einleiten, sagte der 59-Jährige. Stark leitet MTU seit Anfang 2005.

Hannover Rück-Aktien büßten rund drei Prozent ein. Der Rück-Versicherungskonzern hat im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte erzielt und die Markterwartungen leicht übertroffen. Der Überschuss sei auf 514,4 Millionen Euro gestiegen, teile das Unternehmen mit. Vor einem Jahr wurde das Ergebnis noch durch die Wirbelsturmschäden in den USA belastet. Für 2007 erwartet Vorstandschef Wilhelm Zeller wieder ein sehr gutes Ergebnis. Die Eigenkapitalrendite soll 15 Prozent betragen.

Thiel Logistik verdient mehr
Thiel Logistik hat 2006 ein positives Ergebnis von 2,1 Millionen Euro erzielt. Der im SDax notierte Logistikkonzern teilte mit, dass er in allen drei Geschäftsfeldern ein profitables Wachstum erzielt habe und dies unverändert beibehalten wolle. Für 2007 erwartet Thiel Logistik, dass der Umsatz weiter wächst. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 2,8 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.