Marktbericht 20:05 Uhr

EZB wird noch lockerer Jubelstimmung an den Börsen

Stand: 22.10.2015, 20:05 Uhr

Beginnt jetzt die Jahresend-Rally? EZB-Präsident Mario Draghi hat am Donnerstag den Anlegern Hoffnung auf eine noch größere Geldschwemme gemacht. Der Dax machte einen Freudensprung, der Euro brach ein.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.472,22
Differenz relativ
+1,30%

Danke, "Super-Mario"! Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Börsen aus ihrer Lethargie befreit. Seine Ankündigung, eine mögliche Ausweitung des Anleihenkaufprogramms im Dezember zu prüfen, trieb die Aktienkurse kräftig an. Der Dax kletterte um 2,5 Prozent nach oben und schloss knapp unter der Marke von 10.500 Punkten. Der EuroStoxx50 schoss ebenfalls um 2,5 Prozent in die Höhe. Sollte es zu einer Jahresend-Rally kommen, könnte heute der Startschuss gegeben worden sein, meinte ein Händler.

EZB könnte Anleihenkaufprogramm ausweiten

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
Audio

Börse 20.15 Uhr

Draghi sendete neue Signale für eine weitere geldpolitische Lockerung. Das Anleihekaufprogramm werde wie geplant bis September 2016 laufen und wenn nötig noch länger, sagte der Italiener. "Weitere expansive Maßnahmen sind damit vorprogrammiert", meinte Marktexperte Jan Holthusen von der DZ Bank. Für am wahrscheinlichsten hält er, dass das Kaufprogramm nun verlängert werde, ohne dass die EZB ein Enddatum kommuniziere.

Euro auf Talfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1275
Differenz relativ
+0,48%

Die Äußerungen Draghis belasteten den Euro schwer. Die europäische Gemeinschaftswährung sackte um mehr als anderthalb US-Cent auf  1,1122 Dollar ab. Die Renditen europäischer Staatsanleihen gingen in die Knie. Die zehnjährigen italienischen und spanischen Bonds warfen mit 1,50 Prozent und 1,656 Prozent zeitweise so wenig ab wie seit sechs Monaten nicht mehr.

Wall Street im Aufwind

Überraschend starke Zahlen vom US-Arbeitsmarkt und gute Bilanzen von Unternehmen schoben die Wall Street an. Dow und S&P 500 lagen zwei Stunden vor Handelsschluss 1,4 Prozent höher. An der Nasdaq ging es sogar um 1,7 Prozent nach oben. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg schwächer als erwartet - um 3.000 auf 259.000. Volkswirte hatten mit 265.000 Anträgen gerechnet. Dass die US-Frühindikatoren im September um 0,2 Prozent stärker sanken als prognostiziert, konnte die Kauflaune der Anleger nicht trüben.

Starke Bilanzen der US-Konzerne

Von der US-Berichtssaison kamen ebenfalls positive Signale. Der kriselnde Fast-Food-Riese McDonald's hat sich im dritten Quartal berappelt und verdiente mit 1,3 Milliarden Dollar gut ein Fünftel mehr. Erstmals seit einem Jahr gab es wieder ein Umsatzwachstum. Die Aktie zog um fast sieben Prozent an. Noch stärker ging es mit Ebay aufwärts. Die Titel gewannen rund elf Prozent. Ebay hat die Abspaltung von PayPal besser verkraftet als von Experten befürchtet und erzielte einen überraschend hohen Gewinn.

Eine starke Nachfrage nach Kunststoffen beflügelte den Chemiekonzern Dow Chemical. Die Aktien des BASF-Konkurrenten stiegen um über fünf Prozent. Beim Mischkonzern 3M blieb der Gewinn trotz eines rückläufigen Umsatzes überraschend stabil. Das Unternehmen kündigte Stellenstreichungen an. Die Aktien gewannen rund drei Prozent. Und der Pharmakonzern Eli Lilly hob nach einer guten Gewinnentwicklung erneut die Jahresprognose an. Nur Caterpillar tanzte aus der Reihe. Der weltgrößte Baumaschinenhersteller senkte seine Umsatz- und Gewinnziele.

Guter Tag für Immobilienwerte

Im Dax und MDax waren vor allem Immobilienaktien gefragt. Mit einem Plus von über sechs Prozent führte Vonovia die Liste der Dax-Gewinner an. Der Marktführer ist bei der geplanten Mega-Fusion mit der Rivalin Deutsche Wohnen einen Schritt vorangekommen. Die Deutsche Wohnen hat ihre Übernahmepläne für die LEG Wohnen zurückgenommen. Nun könnte Vonovia zuschlagen. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn lehnt aber einen Zusammenschluss ab. Das Angebot treffe nicht den wahren Firmenwert.

RWE erwägt weitere Verkäufe

Zu den stärksten Dax-Werten gehörte RWE mit einem Plus von über vier Prozent. Der Versorger denkt angeblich darüber nach, weitere Unternehmensteile zu verkaufen, hieß es im "Manager Magazin". Für den Fall eines künftigen Kapitalbedarfs wolle man sich zuerst von Minderheitsbeteiligungen trennen wie etwa vom Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion, an dem RWE 25 Prozent, schreibt das Blatt.

Daimler setzt Erfolgsfahrt fort

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,89
Differenz relativ
+2,94%

Gut kamen auch die Zahlen von Daimler an. Die Aktie legte über drei Prozent zu. Der schwäbische Autobauer hat den Umsatz im dritten Quartal um 13 Prozent auf 37,3 Milliarden Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem laufenden Geschäft stieg um knapp ein Drittel auf 3,7 Milliarden Euro. Unterm Strich nahm der Konzern mit 2,4 Milliarden Euro weniger ein als im Vorjahreszeitraum (2,8 Milliarden Euro).

Entwarnung bei VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,96
Differenz relativ
+1,45%

Auch die anderen Autowerte zogen an. BMW legte 2,7 und VW gar 3,4 Prozent zu. Die Autobauer profitierten vom gesunkenen Euro, der die Exporte billiger macht. Der Verdacht, dass noch mehr Dieselwagen in den Strudel des Abgas-Skandals geraten könnten, bestätigte sich nicht. Am späten Nachmittag verkündeten die Wolfsburger, dass auch die jüngeren Dieselmotoren mit dem VW-internen Namen EA 288 nicht von den Manipulationen betroffen seien.

Texas Instruments treibt Infineon an

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,46
Differenz relativ
+4,15%

Ein positiv aufgenommener Quartalsbericht von Texas Instruments gab den Aktien des Konkurrenten Infineon Rückenwind. Die Titel gehörten mit einem Plus von fast 2,8 Prozent zu den stärksten Dax-Werten. Der US-Chiphersteller hat im dritten Quartal unter anderem dank der Nachfrage nach seinen Analog-Halbleitern mehr verdient als erwartet.

Lufthansa am Dax-Ende

Einziger Dax-Verlierer war die Lufthansa. Die erneute Gefahr eines Streiks setze den Titeln zu, meinte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Andere Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Die Lufthansa-Aktien haben seit Anfang September gut ein Viertel zugelegt.

Krones gut mit Gewinnen abgefüllt

Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones sieht sich auf Kurs. Im dritten Quartal erzielte der MDax-Konzern mit einem Umsatz von 767 Millionen Euro gut fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Überschuss wuchs um fast neun Prozent auf 35,6 Millionen Euro. Die Aktie schloss zwei Prozent höher.

Comdirect hebt Prognose an

Der Online-Broker Comdirect hat schon nach neun Monaten fast so viel verdient wie im gesamten Vorjahr. Vorstandschef Arno Walter hob deshalb die Gewinnprognose auf mehr als 85 Millionen Euro vor Steuern an. Das freute die Anleger: Die Aktie legte rund vier Prozent zu.

Adva enttäuscht mit Ausblick

Dagegen sackten die Aktien von Adva im TecDax um 16 Prozent ab. Der Ausblick für das vierte Quartal sorgte für Ernüchterung. Da half auch nicht, dass der Telekomausrüster hat im dritten Quartal ein Rekordergebnis ablieferte. Der Erlös stieg um rund 40 Prozent auf den Rekordwert von 122,3 Millionen Euro. Der Überschuss verdoppelte sich fast auf 8,58 Millionen Euro.

Hornbach-Aktienpaket wird platziert

Die Eigentümerfamilie der Hornbach Holding trennt sich von der Hälfte ihrer Aktien. Hornbach teilte nach Xetra-Schluss mit, die Familien-Treuhandgesellschaft platziere eine Million Inhaberstammaktien oder 6,25 Prozent des Grundkapitals am Kapitalmarkt. Das beschleunigte Bookbuilding-Verfahren soll bereits am Freitag abgeschlossen werden. Der Anteil der Eigentümerfamilie sinkt dadurch auf 43,75 Prozent des Grundkapitals.

Roche traut sich mehr zu

Aus der Schweiz meldete Roche solide Umsatzzahlen. In den ersten neun Monaten stiegen die Erlöse um zwei Prozent. Nun visiert der Pharmakonzern die untere Grenze seines Umsatzziels an. Die Verkäufe sollen im Gesamtjahr währungsbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Die Aktien schlossen drei Prozent fester.

Akzo Nobel spart sich reich

Noch stärker gefragt waren die Aktien von Akzo Nobel. Der niederländische Chemiekonzern hat das Betriebsergebnis im dritten Quartal dank Einsparungen und positiven Währungseffekten um 30 Prozent auf 436 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz des BASF-Konkurrenten legte um zwei Prozent zu.

Amerikaner trinken mehr Pernod

Mit einem überraschend hohen Umsatzanstieg im ersten Quartal hat Pernord Ricard bei den Aktionären gepunktet. Die Aktien des Spirituosen-Herstellers stiegen deutlich und zählten zu den Top-Aktien im CAC 40. Gute Verkäufe in den USA kompensierten den Rückgang in China, so dass der Konzern seine Erlöse von Juli bis September um drei Prozent steigern konnte.

American Express enttäuscht

Bei American Express ging derweil der Überschuss im dritten Quartal um 14 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar zurück. Die Erträge fielen um gut ein Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar. Wie bereits in den Vorquartalen kämpft American Express mit dem starken Dollar, der die Auslandseinnahmen in US-Währung verringert. Die Amex-Aktien büßten fünf Prozent ein.

nb

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr