Marktbericht 20:00 Uhr

Neuer Schlussrekord Jede Dax-Falte wird ausgebügelt

Stand: 09.03.2015, 20:00 Uhr

Ein Anlagenotstand zum Genießen: Der EZB-Geldstrom fließt weiter in den Aktienmarkt. Der Dax legte am Vormitttag zwar zunächst den Rückwärtsgang ein, aber wieder stiegen Anleger ein, als es billiger wurde. Bislang ist die Welt für die Investoren also noch in Ordnung.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent auf 11.582,11 Punkten - ein neuer Schlussrekord. Rückenwind erhielt er heute von der Wall Street. Der Dow Jones lag am Abend fast ein Prozent im Plus und zog den zunächst schwächelnden deutschen Leitindex zurück in Richtung Norden. Der Late Dax gewann 0,6 Prozent auf 11.586,27 Punkte.

Von den letzten 20 Handelstagen hat der deutsche Leitindex lediglich vier mal mit Verlusten geschlossen. Am Freitag hatte der Dax erstmals die Marke von 11.600 Punkten im Handelsverlauf knapp übersprungen.

"Anlagenotstand sehr groß"

"Die Rufe nach einer längst überfälligen Korrektur werden immer lauter", hört Andreas Paciorek, Marktanalyst CMC Markets. "Die Investoren lassen sich davon aber nicht beeindrucken und nutzen leicht schwächere Kurse gleich wieder zum Einstieg." Ein Muster, das sich seit Tagen wiederholt: "Der Anlagenotstand scheint sehr groß zu sein, denn es ist schon erstaunlich, wie stabil sich der Dax hält", sagte Händler Thorsten Engelmann von der Equinet Bank.

Die EZB tut derzeit aber auch alles dafür, dass die Lage so bleibt. Schließlich startete heute das Anleihekaufprogramm über 60 Milliarden Euro monatlich. Die Party ist also in vollem Gange und für Euronachschub ist gesorgt. Das belastet weiterhin den Devisenkurs, denn die Abwärtsargumente überwiegen derzeit. Vor allem die offenbar näher rückende Zinswende in den USA und das genannte EZB-Programm sorgen für die anhaltende Schwäche.

Weil in Nordamerika bereits auf Sommerzeit umgestellt worden ist, beträgt der Zeitunterschied zur US-Ostküste derzeit übrigens nur fünf statt sechs Stunden. Der Handel an der Wall Street beginnt also vorerst bereits um 14:30 Uhr unserer Zeit.

Niederlage der Deutschen Börse

Die Deutsche Börse hat vor dem Europäischen Gerichtshof eine Schlappe erlitten. Das Fusionsverbot für die Deutsche Börse und die New Yorker NYSE Euronext ist nach einem Urteil des EU-Gerichts rechtens. Die Entscheidung der EU-Kommission aus dem Jahr 2012 steht damit, wie die Richter am Montag entschieden. Die Deutsche Börse gibt sich jedoch noch nicht geschlagen und will nun prüfen, ob sie Rechtsmittel einlegt.

Deutsche Bank: Verhöre im Zins-Skandal

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,56
Differenz relativ
-1,06%

Im Skandal um Zinsmanipulationen will die britische Betrugsbekämpfungsbehörde SFO laut der "Financial Times" frühere Händler von Deutsche Bank und Barclays verhören. Die Ermittler wollten herausfinden, ob der Referenzzinssatz Euribor manipuliert worden sei, um Handelsgewinne einzustreichen.

Audi überzeugt nicht

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,12
Differenz relativ
+0,57%

Die VW-Tochter Audi hat im Februar ein Absatzplus von 4,2 Prozent auf 122.550 Fahrzeuge verbucht. Modellwechsel beim Kleinwagen A1 und dem Kompakt-SUV Q3 in Europa begrenzten die Verkaufszahlen. Zum Vergleich: Die Daimler-Hausmarke Mercedes-Benz konnte im Februar 14,6 Prozent mehr Wagen losschlagen.

Smart-Chefin setzt auf China

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,27
Differenz relativ
+0,35%

Unterdessen rechnet die Daimler-Tochter Smart mit einem deutlichen Wachstum im China. "China ist auf dem besten Weg, der weltweit größte Markt für Smart zu werden. Das könnte vielleicht schon in zwei bis drei Jahren der Fall sein", sagte Smart-Chefin Annette Winkler dem Online-Magazin "Autogazette".

Lufthansa: Ölpreis und Air France-Zahlen helfen

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,45
Differenz relativ
+0,99%

Zu den stärksten Dax-Werten zählte die Lufthansa-Aktie. Lufthansa-Chef Carsten Spohr geht laut "Bild" davon aus, dass es in den Osterferien keine neuen Pilotenstreiks geben wird. Zudem neigen sich nach seinen Worten die Zeiten sinkender Flugpreise dem Ende zu. Auch gut: Positive Verkehrszahlen des Rivalen Air France-KLM und der sinkende Ölpreis beflügeln. Air France gewannen in Paris knapp zwei Prozent an Wert. "Das Passagierplus von Air France im Februar und die fallenden Ölpreise helfen der Lufthansa", sagte ein Marktteilnehmer.

Dürr 2015 weniger profitabel

Die Dürr-Aktie ist größter Verlierer im MDax. Der Autozulieferer erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine geringere Ebit-Marge von 7,0 bis 7,5 Prozent. 2014 hatte Dürr noch seine Ebit-Marge von 8,4 auf 8,6 Prozent steigern können.

Gewinnmitnahmen bei Immo-Werten

Immobilienwerte präsentierten sich zu Wochenbeginn europaweit sehr schwach. Der Branchenindex Stoxx 600 Europe Real Estate entfernt sich weiter von seinem jüngsten Höchststand seit 2007. Zu den schwächsten Werten gehörten TAG Immobilien und Deutsche Annington. Auch Deutsche Wohnen verloren deutlich.

Jungheinrich: Ukraine-Krise getrotzt

Der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich ist im vergangenen Jahr glimpflich durch die politischen und wirtschaftlichen Krisen in Europa gekommen. "In Russland haben wir unser Umsatzniveau 2014 trotz eines schrumpfenden Marktes halten können", sagte Finanzchef Volker Hues der "Börsen-Zeitung". Im MDax lag der Maschinenbauer vorn.

Angebot für DMG Mori Seiki nochmals erhöht

Die japanische DMG Mori Seiki hat das Übernahmeangebot für ihre Bielefelder Beteiligung DMG Mori Seiki AG zum zweiten Mal erhöht und zugleich die Mindestannahmequote gesenkt. Diese auf 40 von bisher 50 Prozent plus eine Aktie gesenkte Hürde sei durch die jüngsten außerbörslichen Käufe bereits überschritten, teilten die Unternehmen mit. Das Angebot an alle Aktionäre werde um 55 Cent auf 30,55 Euro je Aktie erhöht - das ist der Betrag der geplanten Dividende für 2014. Die Angebotsfrist verlängere sich durch die Änderungen bis zum 25. März.

Xing "geradezu billig"

Mit Abstand größter Gewinner im TecDax war die Xing-Aktie. Papiere des Karrierenetzwerks profitieren von einer Kaufempfehlung. Das Analysehaus Jefferies hat Xing-Aktien von "Hold" auf "Buy" hochgestuft. Die Aktien des Karrierenetzwerk-Betreibers seien verglichen mit den Wettbewerbern geradezu billig, schrieb Analyst James Lockyer. Dabei sei das Unternehmen auf bestem Wege, die anvisierte Verdopplung der Umsätze von 2012 bis 2016 zu erreichen.

Software AG erhöht Dividende

Die Software AG will ihre Aktionäre stärker am Unternehmenserfolg teilhaben lassen. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 13. Mai eine um neun Prozent höhere Dividende von 50 Cent je Anteilschein vor. Außerdem soll die Ausschüttungsquote erhöht werden. Der Anteil der Aktionäre am Durchschnitt von Konzernüberschuss und freiem Barmittelfluss soll von bisher 20 bis 25 Prozent auf 25 bis 33 Prozent steigen.

Capital Stage weiter auf Höhenflug

Im SDax stiegen Aktien von Capital Stage auf ein Rekordhoch. Der Hamburger Solar- und Windparkbetreiber hat nach vorläufigen Zahlen seinen Umsatz 2014 um 37 Prozent auf 77,8 Millionen Euro gesteigert. Das Jahresergebnis vor Steuern (EBT) schnellte um knapp 51 Prozent auf 23,8 Millionen Euro empor. Seit Mitte November befindet sich der SDax-Titel dank eines Deals mit der Gothaer Versicherung auf Höhenflug.

Fusion denkbar: Areva & EDF

Neue Spekulationen über einen Zusammenschluss mit dem angeschlagenen Atomkonzern Areva drückten die Aktien des französischen Stromversorgers EDF ins Minus. Auslöser waren Äußerungen von Energieministerin Segolene Royal. Ihr zufolge liegen für die beiden staatlich kontrollierten Unternehmen alle Optionen auf dem Tisch, auch eine Fusion sei denkbar.

Alcoa setzt auf Titanium

Der US-Alukonzern Alcoa schluckt den Titanium-Spezialisten RTI und will mit der Übernahme sein Geschäft mit Flugzeugherstellern ausbauen. Alcoa zahlt 1,5 Milliarden US-Dollar in eigenen Aktien für den Deal. RTI-Aktionäre erhalten für jeden Anteilsschein gut 2,8 Alcoa-Papiere. Der Kurs des Titanium-Spezialisten schoss nach oben.

Hedgefonds spielen mit GM

General Motors hat ein großes Aktienrückkaufprogramm angekündigt, um einen Konflikt mit Investoren abzuwenden. Der größte US-Autohersteller wird Anteilsscheine für bis zu 5,0 Milliarden Dollar vom Markt nehmen. Der Konzern musste einen Machtkampf fürchten, nachdem eine Gruppe von Hedgefonds das Management unter Druck gesetzt hatte. Die Hedgefonds, die gut zwei Prozent der GM-Anteilsscheine halten sollen, hatten eigentlich Aktienrückkäufe über acht Milliarden Dollar gefordert.

Kundenschwund bei McDonald's

Im wichtigen US-Heimatmarkt gingen die Verkäufe in etablierten Filialen im Februar um überraschend starke 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Unter dem neuen Konzernchef Steve Easterbrook macht das McDonald's-Management einen "aggressiven Wettbewerb" für die Schwäche verantwortlich und schlägt ungewohnt deutliche Töne an: Die Vorlieben der Verbraucher hätten sich geändert, dem müsse sich McDonald's "dringend" anpassen.

Details zur Apple Watch erwartet

Apple gibt heute Abend voraussichtlich neue Details zu seiner mit Spannung erwarteten ersten Computeruhr bekannt. Der iPhone-Konzern hat zu einer Neuheiten-Präsentation nach San Francisco eingeladen. Bereits bekannt ist, dass die Apple Watch im April zu einem Preis ab 349 Dollar auf den Markt kommen soll.

ts

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr