Je später der Abend

Stand: 11.05.2010, 20:08 Uhr

Der Dax setzte seine Kletterpartie auch während des Parketthandels am Dienstag fort. Steigende Kurse an der Wall Street mobilisierten auch in Deutschland noch Käufer. Sogar der Euro erholte sich von seinen Tiefständen.

Die Marke von 1,27 Dollar schien die Gemeinschaftswährung am Abend endgültig hinter sich zu lassen. Auch diese Notierungen signalisieren freilich weiterhin große Besorgnis über die Chancen des 750 Milliarden Euro schweren Rettungspakets, das die EU am Wochenende beschlossen hatte.
An den Aktienmärkten scheint die Angststarre dagegen erneut steigender Kaufbereitschaft zu weichen. Die US-Indizes an der New Yorker Börse kämpften sich bis zum Handelsschluss in Deutschland deutlich in die Pluszone vor. Vor allem Biotech- und Technologiewerte führten hier die Gewinnerlisten an. Bei Bankentiteln sorgten Gewinnmitnahmen nach den gestrigen Kurssteigerungen für Minuszeichen.

Finanztitel unter Druck

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
-0,35%
Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
120,25
Differenz relativ
+0,67%

Das galt auch für die Finanzaktien im Dax bis zum Schluss des Parketthandels. Aktien der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Allianz fanden sich auf den hinteren Rängen. Das Minus bei Papieren der Deutschen Börse rührte zudem vom rückläufigen Umsatz im ersten Quartal, den das Unternehmen am Vorabend gemeldet hatte. Nach Aussagen vom Dienstag will sich der Konzern auf der Hauptversammlung am 27. Mai eine Kapitalerhöhung von bis zu 39 Millionen Euro genehmigen lassen, um "finanziell flexibler" zu werden.

Defensive in der Offensive

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,26
Differenz relativ
+1,36%

Dass der Dax im späten Parketthandel die Marke von 6.000 Punkten deutlich hinter sich ließ hatte er starken defensiven Titeln wie die des Konsumgüterkonzerns Henkel oder Adidas zu verdanken. Auch Siemens und Daimler schafften letztlich ein Plus von rund zwei Prozent. Bei Daimler dürften die guten Absatzzahlen der Kernmarke Mercedes Benz dazu beigetragen haben.

Post stempelt gutes Quartal ab

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,74
Differenz relativ
+1,20%

Die Aktie der Deutschen Post gehörte am Dienstag zu den größten Dax-Gewinnern. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal seinen Umsatz um vier Prozent auf zwölf Milliarden Euro gesteigert. Operativ, also von Steuern und Zinsen (Ebit), lag das Ergebnis mit 556 sogar mehr als 80 Prozent über dem Vorjahreswert. Netto verdiente die Post 1,75 Milliarden Euro und damit beinahe doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Eon in der Umsatzstagnation

Zu einem Kursplus reichte es bei der Eon-Aktie am Dienstag nicht ganz. Der Energiekonzern steigerte im ersten Quartal zwar seinen Konzernüberschuss um 16 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Der Umsatz stagnierte allerdings bei 26 Milliarden Euro. Der neue Vorstandschef Johannes Teyssen beklagte am Dienstag, dass die Mengen und Preise im Strom- und Gasgeschäft noch immer unter dem "Vorkrisenniveau" lägen.

K+S kommt nach dem Winter in Fahrt

Der Düngemittelkonzern K+S profitierte vom harten Winter. Die gute Nachfrage aus der Landwirtschaft sorgte im ersten Quartal für ein Umsatzplus von 43 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um die Hälfte auf 268 Millionen Euro zu.

Lufthansa: Weniger Passagiere und mehr Fracht

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,35
Differenz relativ
+4,20%

Die Lufthansa-Aktie geriet am Nachmittag ein wenig ins Trudeln, nachdem der Konzern einen Passagierrückgang von 16,2 Prozent auf 3,95 Millionen Fluggäste gemeldet hatte. Hauptverantwortlich dafür: Flugausfälle wegen der Aschewolke. Lufthansa Cargo steigerte allerdings seinen Frachtumschlag im April um 25,3 Prozent.

Hochtief schielt auf runde Zahl

Der Essener Baukonzern will trotz der Krise mittelfristig einen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Euro erreichen. Das sagte Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter auf der Hauptversammlung am Dienstag. Vor allem im US-Geschäft gebe es Wachstumschancen, wegen des großen "Erneuerungsbedarfs" dort. Die Hochtief-Aktie notierte zum Handelsschluss rund ein Prozent höher.

Fraport verdient nicht genug

Bei den Ergebnissen des Flughafenbetreibers Fraport zeigten sich Analysten in ersten Stellungnahmen enttäuscht vom Reingewinn, der im ersten Quartal nur noch bei vier Millionen Euro lag. Der Umsatz stieg um 4,3 Prozent auf 476 Millionen Euro, Fraport will bis Ende des Jahres ein bis zwei Prozent mehr Passagiere abgefertigt haben als im vergangenen Jahr. Die Aktie verlor rund ein Prozent.

Aareal Bank wartet auf "normalisierte Märkte"

Ebenso wie die Bankenwerte aus dem Dax litt auch die Aareal Bank am Nachmittag. Dazu kommt die Angabe des Unternehmens, dass man erst im Jahr 2012 wieder von "normalisierten Märkte" ausgehen könne. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden Euro in Staatspapiere von PIIG-Staaten investiert, griechische Staatsanleihen seien aber nicht darunter. Die Aktie büßte am Dienstag mehr als zwei Prozent ein.

Lanxess unter Volldampf

Der Umsatz des Chemiekonzerns kletterte im ersten Quartal um die Hälfte auf 1,6 Milliarden Euro. Das Ebitda erreichte 233 Millionen Euro, nachdem Lanxess im Vorjahr nur 66 Millionen Euro erreicht hatte. Für das gesamte Jahr 2010 geht Lanxess von einem Ebitda von bis zu 700 Millionen Euro aus. Die Aktie fand am Dienstag dennoch wenig Anklang und verlor zwei Prozent.

Douglas leicht in den Miesen

Der Handelskonzern hat nach einem gut gelaufenen zweiten Geschäftsquartal seine Geschäftsprognose für das laufende Jahr erläutert. Douglas will bei Umsatz und Ergebnis das obere Ende der bisherigen Prognose erreichen. Im ersten Quartal konnte das Unternehmen den Umsatz auf 707 Millionen Euro steigern, allerdings verbuchte man einen Konzernfehlbetrag von knapp fünf Millionen Euro.

Solarkonzerne überwiegend enttäuschend

Vier Solarkonzerne aus dem TecDax legten am Dienstag Quartalsberichte vor. Q-Cells schaffte es, mit einem Nettoverlust von 9,6 Millionen Euro die Analystenprognose zu übertreffen, auch der Umsatz war, mit rund 232 Millionen Euro, besser als erwartet, dennoch rutschte die Aktie um fünf Prozent ab. Ähnlich erging es Papieren von Solarworld. Das Unternehmen beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 44 Millionen Euro die Prognosen deutlich. Centrotherm verfehlte beim Umsatz die Analystenprognosen leicht. Die Erlöse des erreichten 115,3 Millionen Euro, das Ebit lag bei 9,8 Millionen Euro.
Einzig Phoenix Solar hielt sich im Kursplus. Das Unternehmen verdoppelte den Umsatz auf 80,4 Millionen Euro und verbesserte den Nettogewinn auf 2,8 Millionen Euro. Auch für 2010 erwartet Phoenix ein kräftiges Umsatzplus.

Axel Springer schaltet mehr Werbung

Der Medienkonzern aus dem SDax hat seinen Umsatz im ersten drei Monaten des Jahres um sieben Prozent auf 663,7 Millionen Euro gesteigert. Dank eines wieder anziehenden Werbemarktes nach einer schwierigen Durststrecke konnte das Unternehmen auf seinen bereinigten Konzernüberschuss um drei Viertel auf 34,9 Millionen Euro steigern.

Biotest mit mehr Umsatz und weniger Ergebnis

SDax-Mitglied Biotest hat im Auftaktquartal 2010 seine Erlöse zwar um fünf Prozent auf 115 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) rutschte aber um 18 Prozent auf 12,3 Millionen Euro ab. Der Anbieter von pharmazeutischen Arzneimitteln begründete dies mit einem erhöhten Aufwand für Forschung und Entwicklung.

Vivendi voll auf Sendung

Der französische Medienkonzern Vivendi legte am Dienstagabend wachstumsstarke Bilanzzahlen vor. So stieg der Umsatz des Unternehmens im ersten Quartal um sechs Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) lag das Ergebnis bei 1,6 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 14 Prozent, der auch die Analysten positiv überraschte. Für das Gesamtjahr geht Vivendi weiterhin von einer Steigerung des Ebita aus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr