Marktbericht 20:00

Anleger kaufen wie entfesselt Japans Euphorie befeuert Dax

Stand: 15.02.2016, 20:00 Uhr

Mit einem so schwungvollen Wochenstart hat kaum jemand gerechnet. Vermutlich wurden einige Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Was die Sause wirklich wert war, erfahren wir am Dienstag.

Der Dax schloss mit einem kräftigen Plus von 2,7 Prozent auf 9.206,84 Punkten. Den höchsten Stand des Tages markierte er bei 9.249,46 Zählern. Der L-Dax kletterte um 3,1 Prozent auf 9.238,17 Punkte.

Dax

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Europaweit war die Stimmung blendend: Der EuroStoxx 50 ging mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent auf 2.833,87 Punkten aus dem Handel. Der Cac 40 in Paris stieg um 3 Prozent nach oben auf 4115,25 Punkte, der Londoner FTSE 100 rückte um 2 Prozent auf 5.824,28 Punkte vor. Die Wall Street blieb heute wegen eines Feiertages geschlossen, sodass der Kursexplosion ein wenig das Fundament fehlt.

"Einen aussagekräftigen Wochenstart bekommen wir folglich eigentlich erst morgen zu sehen und dann werden die Dax-Bullen zeigen müssen, wieviel Nachhaltigkeit in dem Kursplus steckt", meint Jens Klatt, Marktbeobachter bei DailyFX. Die Frage nach der Nachhaltigkeit der Erholung warfen auch andere Fachleute auf.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Marktteilnehmer wollten also noch nicht von einer Entwarnung sprechen. "Ich denke nicht, dass die Talsohle schon durchschritten ist", sagte einer. Allerdings sei der Pessimismus der vergangenen Wochen wohl auch übertrieben gewesen. Unterdessen beginnen erste Analysten ihre Dax-Prognosen für 2016 zu reduzieren.

EZB zu weiteren Maßnahmen bereit

Mario Draghi hält die Hand vor den Mund

Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auslöser für die Rally waren fantastische Vorgaben aus Japan. Dabei fielen Konjunkturdaten dort und in China äußerst schwach aus und waren geeignet, die globalen Rezessionssorgen weiter zu schüren. Aber wozu gibt es denn Notenbanken? Der Markt rechnet wie üblich damit, dass Fed, EZB, BOJ und Co ein Einsehen haben und den Börsen unter die Arme greifen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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EZB-Präsident Mario Draghi deutete heute bereits eine weitere Lockerung der Geldpolitik an. Sollten die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten die Wirksamkeit der Geldpolitik beeinträchtigen oder sollten die Inflationserwartungen durch günstige Ölpreise weiter sinken, werde die EZB zu weiteren Maßnahmen bereit sein, sagte Draghi: "Wir geben nicht auf." Verbreitet man so Zuversicht? Diese Aussage drückte jedenfalls den Euro, was wiederum dem Aktienmarkt einen weiteren Schub verlieh.

Stahlwerte hängen zurück...

Die Aktien von Stahlkonzernen zollten ihren Kurssprüngen am Ende der Vorwoche Tribut. Die Papiere von Thyssenkrupp gehörten zu den wenigen Dax-Verlierern. Im MDax lagen Salzgitter hinten. Die Nachricht, dass die EU bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland vorläufig mit Einfuhrzöllen belegt, hatte den Aktien am Freitag kräftig Rückenwind verliehen. Thyssenkrupp-Papiere hatten um rund 8,5 Prozent zugelegt, der Salzgitter-Kurs war sogar um mehr als 16 Prozent nach oben geschnellt.

...auch Banken auf der Verkaufsliste

dabei beschwichtigte EZB-Präsident Mario Draghi Ängste vor einer neuen großen Bankenkrise. Einige Institute in der Eurozone stünden vor Herausforderungen, sagte er. Doch sei das System insgesamt dank stärkerer Kontrollen widerstandsfähiger geworden. So seien die Banken in der Lage, Belastungen durch faule Kredite "in den nächsten paar Jahren auf geordnete Weise" abzubauen. In der vergangenen Woche hatte beispielsweise die Deutsche Bank mit einer Erklärung zur eigenen Zahlungsfähigkeit für Aufsehen gesorgt.

China: Deutsche Autobauer im Rückwärtsgang

Der Absatz der deutschen Autobauer auf dem weltgrößten Pkw-Markt China ist 2015 erstmals zurückgegangen. BMW, Daimler und VW verkauften im vergangenen Jahr zusammen 4,4 Millionen Autos und damit 1 Prozent weniger als noch 2014. Dabei legte der Gesamtmarkt im Reich der Mitte, der inzwischen für gut 20 Millionen Pkw steht, über alle Hersteller hinweg um 9 Prozent zu.

FMC kauft ein

Der weltgrößte Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) baut seine Position in Israel durch kleinere Zukäufe aus. Das Unternehmen werde in dem Land demnächst zwei Übernahmen abschließen, sagte ein Firmensprecher und bestätigte damit einen Vorabbericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"). Laut "FAZ" legt FMC für einen der Anbieter, Nephromor, rund 80 Millionen Euro auf den Tisch.

Gamesa-Übernahme: Siemens muss feilschen

Siemens muss bei der möglichen  Übernahme des Windanlagebauers Gamesa offenbar hart mit dessen Großaktionär Iberdrola verhandeln. Der spanische Energiekonzern stimme dem Verkauf zwar zu, verlangt aber für seinen 20-prozentigen Anteil mehr erhalten als Siemens bisher bezahlen will, berichtete die spanische Zeitung Expansion unter Berufung auf Insider.

Eon und RWE im Fokus

Die Aktien von Eon und RWE waren besonders gefragt. In der vergangenen Woche waren ihre Kurse allerdings um jeweils rund elf Prozent eingebrochen - etwa drei Mal so stark wie der Leitindex. Equinet-Analyst Michael Schaefer verwies auf die Diskussion um die Deckelung der Kosten für die Endlagerung des Atommülls. Eine Begrenzung würde die langfristigen Risiken für die Bilanzen der Versorger verringern, schrieb der Experte in einem Kommentar.

Deutsche Bank: Schmutziger Handel

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Heute beginnt vor dem Landgericht Frankfurt ein erster Prozess gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen des betrügerischen Handels mit Luftverschmutzungsrechten. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft den acht Angeklagten "schwere bandenmäßige Steuerhinterziehung" vor.

Airbus: Schub aus Südostasien?

Airbus winkt Insidern zufolge ein potenzieller Milliardenauftrag in Südostasien. Die Philippine Airlines (PAL) werde womöglich noch in dieser Woche ein Geschäft verkünden, dass etwa ein halbes Dutzend Langstrecken-Großraumflugzeuge vom Typ A350-900 umfasse, sagten mehrere mit den Angelegenheit vertraute Personen.

Axel Springer: Doch lieber SE

Das Medienhaus Axel Springer ("Bild", "Die Welt") hat eine ursprünglich geplante Änderung seiner bestehenden Rechtsform der SE verworfen. Der Vorstand habe entschieden, die Umwandlung der Gesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) nicht weiter zu verfolgen, teilte das Medienhaus am Freitag mit.

Gesco hebt Prognose an

Die Gesco-Gruppe hat nach einem weit überproportionalen Ergebniswachstum in den vergangenen neun Monaten ihre Jahresprognose angehoben. Der Konzernjahresüberschuss soll auf 16 Millionen Euro steigen (bislang: 14 Millionen Euro). Den Umsatz sieht der Vorstand nun am oberen Ende des Zielkorridors von 480 bis 490 Millionen Euro.

Guter Start für Bertrandt

Der im SDax notierte Bertrandt-Konzern ist gut ins neue Geschäftsjahr 2015/2016 gestartet. So stieg der Umsatz im ersten Quartal um 10,6 Prozent auf 243,2 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Ertragssteuern verbesserte sich von 14,6 auf 16,5 Millionen Euro.

Scout24: Die Marge macht's

Der Börsenneuling Scout24 hat nach vorläufigen Zahlen sein Umsatz- und Ertragswachstum im Geschäftsjahr 2015 weiter fortgesetzt. Der Konzernumsatz stieg demnach um 14,0 Prozent auf 393,6 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge kletterte um 5,2 Prozentpunkte auf 48,2 Prozent.

Rocket Internet tut was für seine Aktionäre

Jenseits der großen Indizes ist die Rocket-Internet-Aktie gefragt. Die Internet-Beteiligungsgesellschaft hat beschlossen, bis zu 150 Millionen Euro für den Rückkauf von Wandelschuldverschreibungen aufzuwenden. Damit werde das Verwässerungsrisiko der Aktionäre reduziert.

Fintech Group: Strategische Partnerschaft mit Morgan Stanley

Die Fintech Group geht mit Morgan Stanley eine strategische, langfristige Partnerschaft ein, um gemeinsam Zertifikate und Optionsscheine auf den deutschen Markt zu bringen. Es ist angedacht, dass der Fintech-Online-Broker Flatex spätestens ab Mitte 2016 von einer Morgan Stanley-Gesellschaft emittierte strukturierte Produkte unter der eigenen Marke vermarkten wird.

Nestlé ruft Baby-Nahrung in Kanada zurück

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle ruft in Kanada Säuglings-Nahrung wegen Qualitätsmängeln zurück. Bei vier Chargen des Konzentrats Nestle Good Start 2 könnten sich die Mineralien im Lauf der Zeit scheiden und als schwarze Partikel sichtbar werden, teilte Nestle in der Nacht auf Montag mit.

Alibaba steigt bei Groupon ein

Die chinesische Handels-Plattform Alibaba ist ein Großaktionär des Schnäppchen-Portals Groupon geworden. Alibaba hielt zum Ende vergangenen Jahres einen Anteil von etwas mehr als fünf Prozent, wie aus am Wochenende veröffentlichen Informationen bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Oddo startet Schlussspurt bei BHF-Übernahme

Das französische Geldhaus Oddo ist bei der Übernahme der Frankfurter Privatbank BHF kurz vor dem Ziel. Nach Ablauf der ursprünglichen Annahmefrist halten die Franzosen 97,22 Prozent der BHF-Anteile. Nun will Oddo auch die übrigen Aktionäre via Squeeze-out hinausdrängen.

ts

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat