Japan-Schock hält Märkte fest im Griff

Stand: 15.03.2011, 20:00 Uhr

Investoren warfen Aktien auf den Markt und schickten den Dax auf Talfahrt. Gewinner gab es keine. Erst am Nachmittag wagten sich wieder einige Käufer aus der Deckung.

Mit einem Abschlag von 3,2 Prozent bei 6.647,66 Punkten ging der Dax aus dem Handel. Das ist der tiefste Stand seit Mitte November. Die Investoren ließen Titel aller Branchen fallen - mit Ausnahme von Ökoaktien, die von der Spekulation auf eine scharfe Energiewende profitierten. Der TecDax schaffte deshalb sogar beinahe noch den Sprung in die Gewinnzone.

Aktienhändler Christian Falkner von Alpha Wertpapierhandel sagte, alle Blicke seien gebannt auf die Ereignisse in Japan gerichtet. Es herrsche große Unsicherheit. Marktstratege David Buik von BG Partners sprach von einem "Anfall unkontrollierter Angst" unter den Anlegern: Um mehr als fünf Prozent bis auf 6.483 stürzte der Dax zeitweise ab. Damit hat er gleich eine ganze Reihe von technischen Unterstützungslinien gerissen. Auf ähnlich tiefem Niveau notierte der Leitindex zuletzt Ende Oktober des vergangenen Jahres.

Fed bleibt auf Nullzins-Kurs
So etwas Ähnliches wie Unterstützung kam aus den USA, wo die Indizes nicht ganz so massiv unter Druck gerieten wie in Europa. Konjunkturdaten fielen zufriedenstellend aus: Der Konjunkturindex "Empire State" für die Schlüsselregion New York kletterte im März auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Die Stimmung unter den Häuserbauern hellte sich im März wie erwartet auf.

Auftrieb erhielt der Dow Jones nach Bekanntgabe der Fed-Zinsentscheidung am Abend: Die Zentralbanker um Fed-Gouverneur Ben Bernanke ließen den Leitzins wie erwartet in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Die Notenbanker signalisierten den Märkten zudem, dass sie den Leitzins noch geraume Zeit außergewöhnlich niedrig halten werden.

Am Renten- und Devisenmarkt suchten Anleger angesichts der drohenden Atom-Katastrophe in Japan vermeintlich sichere Anlageklassen: US-Dollar und der Schweizer Franken waren ebenso gefragt wie Bundesanleihen. Der Yen legte zu, da japanische Investoren ihr Geld aus dem Ausland abzogen, um die erwarteten Aufbaukosten im Heimatland zu stemmen.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,52
Differenz relativ
+0,93%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,01
Differenz relativ
-0,94%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,22
Differenz relativ
-1,26%

Investoren trennen sich von Chipwerten ...
Hart getroffen wurden Aktien aus der Chipbranche: Infineon büßen zeitweise mehr als sieben Prozent ein, reduzierten die Verluste zum Handelsschluss hin jedoch deutlich. Die im TecDax notierten Dialog Semiconductor gaben um rund zehn Prozent nach. Die Versorger Eon und RWE verloren etwas mehr als der Vergleichsindex.

... und greifen bei Öko-Aktien zu
Die Hiobsbotschaften aus Japan lassen die Titel der Öko-Branche in die Höhe schießen: Conergy verdoppelte seinen Börsenwert, Solarworld-Papiere kletterten um fast ein Viertel, der Windanlagenbauer Nordex rückte um fast 20 Prozent vor. Der drohende Atom-GAU in Japan weltweit dürfte den Druck auf die Regierungen erhöhen, alternative Energien zügiger zu fördern, schrieb Analyst Ankit Jain von Standard & Poor's in einer Studie.

BMW glänzt mit starkem Ausblick
Dennoch verliert die Aktie mehr als zwei Prozent. Wegen des Booms in den Schwellenländern Lateinamerikas und Asiens sollen 2011 "deutlich mehr" als 1,5 Millionen Autos verkauft werden, kündigte BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer an. Das bislang beste Vorsteuerergebnis von 4,84 Milliarden Euro aus dem Jahr 2010 solle übertroffen werden.

Gildemeister ist das Schlusslicht
Gildemeister-Aktien büßten mehr als acht Prozent ein und belegen das MDax-Ende. Marktteilnehmer sprachen von Gewinnmitnahmen. Andere verwiesen auf die starke Verbindung zum japanischen Branchenkollegen Mori Seiki, dessen Geschäft unter der Naturkatastrophe in dem Land und vor allem auch der Rationierung des Storms leiden dürfte.

Centrosolar wird abgehängt
Der Anbieter von Solaranlagen Centrosolar verbuchte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis. Dennoch gab die Aktie um mehr als zwei Prozent nach - selbst die euphorische Branchenstimmung half nicht. Offenbar war den Investoren der Ausblick zu verhalten.

Sky findet Partner
Der Bezahlsender Sky hat nach Kabel BW einen weiteren großen Kabelnetzbetreiber für eine Vermarktungspartnerschaft gewonnen. Die Kunden der vor allem in Ostdeutschland aktiven Firma Tele Columbus können ab sofort ein neues Bündelangebot aus Kabelanschluss, Internet und Telefon sowie Sky-Programmen buchen, wie beide Unternehmen mitteilten.

Verschwörung gegen Gigaset?
Der Telefonhersteller und TecDax-Aufsteiger Gigaset wehrt sich gegen die anhaltenden Kursverluste an der Börse. Wegen des Verdachts der Kursmanipulation werde bei der Aufsichtsbehörde BaFin Anzeige erstattet, teilte die auf Telekommunikationsfirmen spezialisierte und früher als Arques bekannte Beteiligungsgesellschaft mit. Gigaset-Aktien fielen allein am Dienstag um rund 15 Prozent und waren schon am Montag sowie vergangenen Freitag stark unter Druck gewesen. Die Kursentwicklung stehe im Widerspruch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens, beschwerte sich das Unternehmen.

Shell setzt voll auf Öl
Nicht überall rechnet man mit einer Energiewende: Der Ölkonzern Royal Dutch Shell will in den kommenden vier Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar in die Steigerung seiner Ölförderung stecken. Die Investitionen sollen es dem Konzern nach Angaben vom Dienstag ermöglichen, 2014 zwölf Prozent mehr von dem Rohstoff zu produzieren als im vergangenen Jahr.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.