Japan-Hysterie verblasst

Stand: 21.03.2011, 20:05 Uhr

Noch ist die Lage am Atomkraftwerk Fukushima nicht unter Krontrolle. Die Börse nahm am Montag den guten Ausgang der Kraftwerkshavarie einfach vorweg und begann, ihre Japan-Verluste aufzuholen. Der Dax legte mehr als zwei Prozent zu.

Für Enttäuschungen war am Montag kein Platz. Sehr schwache Zahlen vom amerikanischen Immobilienmarkt haben zu normalen Zeiten durchaus das Potenzial, die Börse kräftig unter Druck zu setzen. Am Montag verflog die Nachricht, dass der Verkauf bestehender Eigenheime die Prognose deutlich verfehlt hatte, nahezu spurlos.

Es waren die ermutigenden Nachrichten vom Wochenende über die Fortschritte am havarierten Atomkraftwerk in Fukushima, die die Anleger zum Anlass nahmen, beherzt am Aktienmarkt zuzugreifen. Es setzte sich, von Japan ausgehend, eine Kaufwelle rund um den Globus fort. Der Nikkei gewann 2,7 Prozent, der Dax legte 2,3 Prozent auf 6.816 Punkte zu, der Dow Jones notiert 1,4 Prozent fester.

Der Euro hielt sich am Montag deutlich über der Marke von 1,41 Dollar. Der Devisenmarkt setzt auf eine baldige Erhöhung der Leitzinsen in der Eurozone, nachdem EZB-Präsident Jean Claude Trichet am Nachmittag gesagt hatte, dass die Zeichen auf eine höhere Inflationsrate stünden. Auch EZB-Ratsmitglied Yves Mersch hatte signalisiert, dass die EZB im April die Zinsen anheben könnte.

Am Abend zog der Eurokurs weiter an, nachdem bekannt wurde, dass sich die EU-Finanzminister auf die Einzelheiten des künftigen Euro-Rettungsschirms ESM geeinigt hatten. Der Fonds soll mit einer Kapitalbasis von 700 Milliarden Euro ausgestattet werden und dazu dienen, ab 2013 Staatspleiten in der Eurozone zu verhindern.

Telekom: Plus 11 Prozent
Mit mehr oder weniger hohen Kursgewinn beschlossen fast alle Dax-Aktien den ersten Handelstag der Woche. Am meisten legte die Aktie der Deutschen Telekom zu, sie gewann 11,3 Prozent. Der Telekomkonzern hatte gestern Abend mitgeteilt, dass er sein kränkelndes amerikanisches Mobilfunkgeschäft an den US-Konkurrenten AT&T verkaufen werde. Den Erlös von rund 28 Milliarden Euro wird die Telekom unter anderem zum Schuldenabbau und Aktienrückkauf verwenden. Analysten begrüßten den Deal: Die Telekom habe ihr größtes Problem zu einem guten Preis losgeschlagen. Während an der Wall Street auch die AT&T-Aktie zulegte, stürzt die Aktie des heimischen Konkurrenten Sprint um mehr als zehn Prozent ab.

MAN legt Zahlen vor
Der Lastkraftwagenhersteller MAN hat am Morgen seine Jahresbilanz veröffentlicht, drei Wochen später als ursprünglich geplant. Nach einem Verlust von einer viertel Milliarde Euro im Krisenjahr 2009 schaffte MAN nun einen Gewinn von 722 Millionen Euro. Auch der Umsatz wuchs wegen der sehr guten Absatzentwicklung kräftig von 12 auf 14,7 Milliarden Euro.

Siemens: Noch mehr Umbau?
Die Siemens-Aktie war am Montag gefragt, sie kletterte um 3,2 Prozent. Anleger reagierten auf einen Bericht des "Spiegel". Ohne Angabe von Quellen heißt es da, dass Konzernchef Peter Löscher Siemens weiter umbauen und vor allem das Industriegeschäft neu aufstellen wolle. Die Sparte gilt als viel zu groß und unübersichtlich. Die Servicesparte wolle Löscher bis zum Herbst auflösen.

Indizes neu geschüttelt
Am Montag wurden die von der Deutschen Börse beschlossenen Änderungen in den Dax-Indizes wirksam. Im Dax ändert sich nichts, auch der MDax blieb unangetastet. Der TecDax begrüßte die Neuzugänge Süss Microtec und Gigaset, Conergy und Manz mussten den Index verlassen. Im SDax ersetzte die Aktie des Immobilienunternehmens Hamborner REIT den Holzverarbeiter Pfleiderer.

Südzucker will neues Geld, Tognum baut um
Der im MDax notierte Zuckerproduzent Südzucker will mit einer Unternehmensanleihe frisches Geld einnehmen. Die Anleihe mit mittlerer Laufzeit soll bei internationalen Investoren und Privatanlegern platziert werden. Zum Umfang des Bonds machte Südzucker keine Angaben. Der Motorenbauer Tognum meldete, dass er seine Produktion in Europa für mehrere Millionen Euro ausbauen wolle. Dadurch wolle man sich für das erwartete hohe Wachstum von zehn Prozent in diesem Jahr rüsten, teilte Tognum-Vorstandschef Volker Heuer mit.

KWS Saat kauft
Der im SDax notierte Saatguthersteller KWS Saat baut sein Geschäft durch einen Zukauf aus. Man werde zum 1. April ein bisher als Gemeinschaftsunternehmen mit der niederländischen Handelsfirma Van Rijn betriebenes Joint Venture übernehmen, teilte KWS Saat mit. Einen Kaufpreis für den 50-prozentigen Anteil von Van Rijn nannte KWS nicht. Rund 25 Millionen Euro erlöste das Gemeinschaftsunternehmen im vergangenen Jahr.

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,89
Differenz relativ
-1,09%

Aixtron gefragt, BB Biotech kauft zurück
Erwähnenswert waren noch zwei Unternehmensmeldungen aus dem TecDax. Die Aktie des Laserspezialisten Aixtron stieg um 5,7 Prozent, weil Anleger vermuteten, dass Aixtron kurz vor der Übernahme steht. Der US-Konkurrent Cree sei bereit, 36 Euro je Aixtron-Aktie zu zahlen, lautete das von mehreren Händlern weiterverbreitete Gerücht. Das Biotechunternehmen BB Biotech will sich für Aktionäre attraktiver machen. Die Firma will mit mehreren Aktienrückkaufprogrammen den "anhaltend hohen Abschlag" zwischen Aktienkurs und innerem Wert verringern. Die BB Biotech-Aktie legte 3,3 Prozent zu.

Brenntag bekommt einen neuen Chef
Der Chemikalienhändler Brenntag wird ab Juni von einem neuen Chef geleitet. Der Aufsichtsrat habe sich für den derzeitigen COO Steven Holland entschieden, teilte die Firma am Abend mit. Holland übernimmt die Firmenleitung von Stephen Clark, der nach der Hauptversammlung am 22. Juni in den Aufsichtsrat wechselt.

Liberty kauft Kabel BW
Die Spekulationen um einen Börsengang des Kabelnetzbetreibers Kabel BW sind vom Tisch. Der amerikanische Breitbandanbeiter und Medienkonzern Liberty Global kauft das Unternehmen. Die Transaktion habe ein Volumen von 3,2 Milliarden Dollar, teilte Liberty Global mit. Damit hat Liberty den Finanzinvestor CVC überboten, der zuletzt 2,95 Milliarden Euro geboten hatte.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"