Japan-Delle fast wettgemacht

Stand: 25.03.2011, 20:03 Uhr

Ein robuster ifo-Index und positive Impulse aus der Hightech-Branche haben die Anleger zu Wochenschluss in Kauflaune gehalten. Der Dax beendete den dritten Tag in Folge im Plus. Allerdings bremste die weiter prekäre Lage im japanischen Unglücks-Atomkraftwerk Fukushima die Kurserholung.

Frühlingserwachen an der Börse: Gut vier Prozent legte der Dax in der abgelaufenen Börsenwoche zu. Damit hat er fast wieder das Niveau erreicht, wo er vor der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan lag. Am Freitag setzte sich die Erholung fort, wenn auch nur mit angezogener Handbremse. Im Sog der starken Wall Street schloss der deutsche Leitindex im Xetra-Handel 0,2 Prozent höher bei 6.946 Punkten. Im späten Parketthandel tat sich nicht mehr viel, der L-Dax pendelte sich bei knapp 6.944 Zählern ein. Für den nötigen Schwung sorgte die Wall Street. Dow und Nasdaq bauten bis zum Abend ihre Kursgewinne auf 0,5 Prozent aus. Die zahlreichen Krisenherde in Japan, Libyen, Syrien und Portugal scheinen fürs erste ausgeblendet.

Oracle und Ifo machen Anlegern Mut

Der Optimismus des US-Softwarekonzerns Oracle vertrieb den Anlegern am Freitag die Sorgen vor dem Super-GAU in Japan und vor neuen Hiobsbotschaften aus Nordafrika und dem Nahen Osten. Oracle verblüffte die Experten mit guten Quartalszahlen und schürte die Hoffnung auf einen weltweiten IT-Boom.

Zudem blieb die Stimmung in der deutschen Wirtschaft unerwartet gut. Der Ifo-Index, der das Geschäftsklima der Unternehmen misst, sank im Vergleich zum Vormonat nur minimal von 111,3 auf 111,1 Punkten im März. "Der relativ geringe Rückgang ist beachtlich angesichts von Japan und anderen Unsicherheitsfaktoren wie der Lage in Nordafrika oder im Mittleren Osten", meinte Ifo-Experte Klaus Abberger. Die größte europäische Volkswirtschaft scheint also trotz der Turbulenzen in Japan auf Wachstumskurs zu bleiben.

Konsumklima in den USA trübt sich ein
In den USA trübte sich allerdings das von der Uni Michigan für den Monat März ermittelte Konsumklima in den USA stärker ein als prophezeit. Der Index für das Verbrauchervertrauen sank um zehn Punkte auf 67,5 Zähler und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende 2009. Volkswirte hatten mit einem geringeren Rückgang auf 68,0 Punkte gerechnet. Andererseits stieg die US-Wirtschaft im vierten Quartal etwas stärker als erwartet, nämlich um 3,1 Prozent statt drei Prozent.

Lage in Fukushima immer noch prekär
"Die Verunsicherung am Markt ist noch lange nicht verschwunden", warnte ein Frankfurter Händler. Die Nachrichtenlage sei weiterhin alles andere als gut, mit erneuten Rücksetzern sei deshalb zu rechnen, sagte ein anderer Marktteilnehmer. So bremste die weiter angespannte Lage im japanischen Unglücks-AKW Fukushima die Kauflaune. Am Freitag wollte die japanische Atombehörde eine Beschädigung des Druckbehälters am Reaktorblock 3 nicht ausschließen. "Niemand weiß, was am Wochenende im Hinblick auf die Strahlung noch passiert", erklärte ein Börsianer.

Sollte sich die radioaktive Strahlung auf größere Gebiete oder Tokio ausdehnen, würde der Weltwirtschaft ein großer Schaden drohen, meinte am Freitag ifo-Experte Abberger. Das sehen auch die Marktteilnehmer so. Vor kurzem hatte Deka-Bank-Volkswirt Ulrich Kater gegenüber boerse.ARD.de vor einem Immobilienpreis-Verfall in Tokio gewarnt, sollte Tokio verstrahlt werden. Das würde auch japanische Banken erschüttern, die einen hohen Immobilien-Besitz haben.

Mögliche Wende in der US-Geldpolitik drückt Euro
Der Euro kam am Nachmittag kräftig unter Druck. Er rutschte auf 1,4067 Dollar und lag damit fast eineinhalb Cent unter seinem Tageshoch. Die Aussicht auf eine baldige Wende in der Geldpolitik der Fed belastete den Euro. Charles Plosser, Vorsitzender der Federal Reserve von Philadelphia, sprach sich für eine baldige Straffung der Geldpolitik aus. Gleichzeitig wurde aber auch bekannt, dass der größte Kritiker der expansiven Geldpolitik der Fed im Oktober abtritt. Thomas Hoenig, Chef der Notenbank von Kansas City, wird sein Amt aufgeben. Er hatte die jüngsten Anleihekäufe der Notenbank als Geschäft mit dem Teufel kritisiert.

Zudem sorgen sich die Marktteilnehmer um Portugal. Die Ratingagentur S&P senkte am Freitag nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Socrates die Einstufung für Portugal. Am Donnerstagabend hatte bereits Fitch die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Lands herabgesetzt. Verschuldung Portugals. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel gab es keine großen Überraschungen und folglich auch keine positiven Impulse für die Gemeinschaftswährung.

Oracle treibt SAP an
Neben HeidelbergCement war SAP größter Gewinner im Dax. Die Aktien legten fast zwei Prozent zu. Der SAP-Konzern profitierte von den guten Quartalszahlen und dem optimistischen Ausblick von Oracle. Zudem stuften die Analysten der HSBC den Titel des Software-Konzerns hoch.

Siemens geht ein Licht auf
Um gut ein Prozent ging es auch mit dem Dax-Schwergewicht Siemens nach oben. Die Anzeichen für einen Börsengang der Siemens-Lichttochter Osram verdichten sich. Am Montag will der Aufsichtsrat angeblich den Schritt beschließen. Der Börsengang wäre einer der größten der vergangenen Jahre in Deutschland. Zudem steht Siemens vor dem größten Konzernumbau seit 2007. Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll neben den Säulen Industrie, Medizintechnik und Energie ein viertes Standbein gebildet werden. Es soll alle Geschäfte rund um die umweltfreundliche Stadtentwicklung bündeln. Am Abend gab die EU-Kommission noch grünes Licht für den Verkauf des Siemens-IT-Dienstleisters SIS an die französische Atos Origin.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,95
Differenz relativ
+1,19%

BASF setzt den Rotstift an
Zu den Top-Gewinnern im Dax gehörte ebenfalls BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern streicht nach der Übernahme der Spezialchemie-Firma Cognis rund 680 Stellen. Im Zuge der Cognis-Integration rechnen die Ludwigshafener mit einer Steigerung es Betriebsergebnisses (Ebit) um 275 Millionen Euro. Darüber hinaus stärkt BASF sein Asiengeschäft. Die chinesische Regierung habe den Neubau einer Anlage zur Herstellung der Grundchemikalie MDI genehmigt. BASF will dort rund 860 Millionen Euro investieren.

Porsche startklar für Kapitalerhöhung
Derweil werden die Weichen für die Verschmelzung von VW und Porsche gestellt. Am Abend verlautete aus Finanzkrisen, dass in den nächsten Tagen die Kapitalerhöhung von Porsche gestartet wird. Die Porsche Holding will so 2,5 Milliarden Euro von ihren Stammaktionären, den Familien Piech und Porsche sowie dem Scheichtum Katar einsammeln. Die Porsche Holding ist mit 6,3 Milliarden Euro verschuldet.

Applaus für Gildemeister-Kapitalerhöhung
Auch der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister plant eine Kapitalerhöhung. Der Werkzeugmaschinenbauer will zehn Millionen neue Aktien zum Preis von 13,66 Euro pro Stück und im Verhältnis fünf zu eins ausgeben. Aktuell kostet das Papier 16,63 Euro. Mit dem erwarteten Erlös von rund 130 Millionen Euro will Gildemeister die Verschuldung verringern. Analysten bewerten die Transaktion positiv. Die Kapitalerhöhung stieß an der Börse auf Beifall. Die Aktien kletterten um sieben Prozent nach oben und ragten aus dem MDax heraus.

Gagfah und das Dresden-Problem
Auf der anderen Seite im MDax notierte Gagfah ganz hinten. Die Aktien büßten knapp drei Prozent ein. Die Stadt Dresden macht offenbar ihre Drohung wahr und kündigte eine Klage gegen Gagfah an. Der sich abzeichnende Rechtsstreit mit der Stadt Dresden belastete die Papiere. Seit die Vorwürfe aus Dresden Anfang März bekanntgeworden waren, hat die Aktie fast 30 Prozent eingebüßt.

Übernahmegerüchte um Kuka
Übernahmefantasien sorgten im SDax für Bewegung. Am Markt wird über einen Einstieg von Siemens beim Roboterhersteller Kuka spekuliert. Die Münchner wollen angeblich 20 Euro je Aktie zahlen, wurde am Markt kolportiert. Die Aktien von Kuka verteuerten sich um rund fünf Prozent und waren Spitzenreiter im SDax.

Koenig & Bauer ist zu vage
Dagegen brachen die Aktien von Koenig & Bauer um sieben Prozent ein. Der Druckmaschinenhersteller blieb mit seinen Zahlen hinter den Analystenerwartungen zurück. Der Ausblick blieb zu vage: "Unsere Konzernplanung sieht für 2011 bei Umsatz und Ergebnis einen moderaten Anstieg vor", sagte Vorstandschef Helge Hansen. Kleiner Trost für die Aktionäre: Erstmals seit zwei Jahren winkt wieder eine Dividende.

Heidelberger Druck will keine Staatshilfe mehr
Konkurrent Heidelberger Druckmaschinen kündigte indessen an, künftig ohne Hilfe des Staates auskommen zu wollen. Die restlichen Staatsbürgschaften in Höhe von 445 Millionen Euro sollen in den nächsten Wochen zurückgegeben werden. Stattdessen will HeidelDruck eine Hochzinsanleihe von mindestens 300 Millionen Euro begeben.

MVV macht aus Müll Energie
Der Mannheimer Energieversorger MVV wird in der südenglischen Hafenstadt Plymouth eine thermische Abfallverwertungsanlage errichten. Am Freitag unterzeichnete die Stadtwerke-Gruppe mit einem kommunalen Zweckverband die Verträge. Das Heizkraftwerk kostet 250 Millionen Euro. Mit dem Bau der Anlage, die 2014 in Betrieb gehen soll, will MVV im Umweltgeschäft expandieren und den britischen Markt erobern. Bereits im Januar hatten die Mannheimer mitgeteilt, als bevorzugter Bieter für das Projekt ausgewählt worden zu sein.

Nordex macht Wind in Schottland
Im TecDax verkündete Nordex einen Großauftrag aus Schottland. Das Unternehmen
liefert 22 Windenergieanlagen für das 28,6 Megawatt umfassende Projekt "Drone Hill" in Schottland. Der US-amerikanische Energieversorger AES beauftragte Nordex zudem mit einem fünfjährigen Premium-Service. Die Nordex-Aktien setzten ihren Höhenflug fort und stiegen um fünf Prozent.

Drillisch träumt von höheren Handy-Tarifen
Drillisch veröffentlichte endgültige Zahlen und gab einen Ausblick aufs laufende Jahr. Der Mobilfunkanbieter will das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 49,3 Millionen auf 52 Millionen Euro steigern. Drillisch-Chef Paschalisch Choulidis bereitete die Handy-Nutzer auf höhere Preise vor. So sei es vorstellbar, zehn poder 15 Euro im Monat extra zu kassieren, wenn die Kunden mit Höchstgeschwindigkeit auch unterwegs online sein wollen. Drillisch ist besser bekannt unter den Marken "Simply" und "jamobil". Die Drillisch-Aktien zählten zu den größten Verlierern im TecDax.

Euromicron verschiebt Bilanz
Der Netzwerkspezialist Euromicron hat seinen Jahresabschluss um drei Wochen verschoben und nur vorläufige Zahlen bekannt gegeben. Demnach soll der Umsatz von 187 Millionen auf 203 Millionen Euro steigen, der Gewinn soll voraussichtlich bei 11 bis 12 Millionen Euro liegen. Die Aktie büßte am Freitag über fünf Prozent ein.

Playbook kommt RIM teuer zu stehen
Aus dem Ausland schockte der Blackberry-Hersteller Research In Motion mit einem ernüchternden Ausblick. Das Unternehmen rechnet wegen der Markteinführung des lang erwarteten iPad-Rivalen "Playbook" mit einem schwächeren Quartal. Die Aktie brach um elf Prozent ein. Im Schlussquartal des vergangenen Geschäftsjahres (Ende Februar) konnte RIM den Umsatz um 36 Prozent, den Gewinn um 32 Prozent steigern.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.