Jahresstartrally kennt keine Pause

Stand: 03.02.2012, 19:42 Uhr

Die Party geht weiter: Am Freitag gaben glänzend ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt das Signal für einen Kaufrausch. Binnen Sekunden schoss der Dax um 100 Punkte nach oben - genau, wie es die Investoren bestellt hatten.

Der Dax legte am Freitag um 1,7 Prozent zu und schloss bei 6.766 Punkten faktisch auf Tageshöchststand. Auf Wochensicht gewann der deutsche Leitindex 3,9 Prozent. Der Late Dax gewannn ebenfalls 1,7 Prozent auf 6.754,93 Zähler. Der Dow Jones lag am Abend mehr als ein Prozent im Plus. Der Nasdaq-Index stieg auf den höchsten Stand seit elf Jahren.

Auch die anderen europäischen Börsen beglückten die Investoren. Der Euro Stoxx 50 schloss am Freitag 1,5 Prozent fester und erreichte wie der Dax den höchsten Stand seit Anfang August. Auf Wochensicht stieg der Leitindex der Eurozone um 3,2 Prozent. Der CAC 40 gewann in Paris ebenfalls 1,5 Prozent, der Londoner FTSE 100 verteuerte sich um 1,8 Prozent.

Rückschlagspotenzial ist vorhanden
"Positive Daten und die hohe Liquidität halten die Kursrally weiter in Gang", fasste ein Marktteilnehmer die Lage zusammen. Der Chefstratege der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, erkennt einen leicht optimistischen Grundton, der die Märkte derzeit begleitet. Die Lösung für das weiter schwelende Griechenland-Problem sei nach seiner Einschätzung greifbar.

Ewig wird es so aber nicht weitergehen. Analyst Johannes Bollongino von IG Markets warnte: "Angesichts der fortgesetzten Rallye sollten Anleger allerdings das latente Rückschlagspotenzial berücksichtigen."

US-Arbeitsmarkt gesundet
Vor allem starke Konjunkturdaten aus den USA machten den Investoren am frühen Nachmittag Mut, trotz des ohnehin hohen Kursniveaus noch einmal kräftig zuzugreifen. Der Zustand des Arbeitsmarktes lockte: Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 243.000. Es ist das größte Plus seit April. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich einen Anstieg von 150.000 erwartet.

Für die Fachleute der Postbank ist der Jahresauftakt am US-Arbeitsmarkt "mehr als gelungen". Die Stellenzuwächse seien inzwischen so hoch, dass sie zu einem zügigen Abbau der immer noch viel zu hohen Arbeitslosigkeit führen würden - vorausgesetzt die aktuelle Dynamik könne über einige Zeit gehalten werden.

"Fundamental fair"
Auch der ISM-Index für den Dienstleistungssektor fiel unerwartet stark aus, er rückte von 53,0 Zählern im Dezember auf 56,8 vor - der höchste Stand seit Februar 2011. Dagegen ist der Auftragseingang der US-Industrie im Januar etwas schwächer gestiegen als erwartet.

Die Experten der DZ Bank haben angesichts der aktuellen Lage an den Finanzmärkten ihre Dax-Prognose korrigiert: "Weil der kurzfristige Nachrichtenfluss positiv bleiben dürfte, rechnen wir nicht mehr mit Erreichen eines Indexstands von 6.250 Punkten zur Jahresmitte. Vielmehr halten wir das erreichte Kursniveau aus fundamentaler Sicht für fair. Insofern verändern wir unsere Prognose für diesen Zeitpunkt auf 6.500 Punkte", schreiben sie in ihrem Wochenausblick.

Finanzwerte Spitze in Europa
Unter den ersten Plätzen im Euro Stoxx 50 waren Banken deutlich im Übergewicht. Angeführt wurde der Index von den Titeln der Société Générale, die sich um mehr als sieben Prozent verteuerten. Marktteilnehmer weisen darauf hin, dass Investoren darauf setzen, dass eine Einigung bei den griechischen Schuldenverhandlungen bald gelingen werde. Seit Tagen steht die Verhandlung sozusagen kurz vor dem Abschluss. Die Fachleute von Morgan Stanley sehen bei ausgewählten Banken weiteres Kurspotenzial. Besonders für "nationale Champions" wie Deutsche Bank, Barclays oder BNP könnte es weiter aufwärts gehen, schreiben sie in einer aktuellen Analyse.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,42
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+1,55%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler voll im Plan
Die Daimler Aktie legt überdurchschnittlich zu und belegte im Dax den ersten Rang. Der Autobauer Daimler bleibt auch zu Jahresbeginn auf Erfolgskurs. Der Konzern verkaufte im Januar 94.526 Wagen der Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach. Das war ein Zuwachs von 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ein glänzender Jahresauftakt gelang dem Konzern vor allem in den USA, wo der Absatz um 23,8 Prozent stieg. In Deutschland gab es einen Zuwachs von 14 Prozent auf 12 627 Stück. Dagegen mussten die Stuttgarter in China Federn lassen. In der kommenden Woche wird Daimler den Geschäftsbericht vorstellen. Auch die anderen Autobauer zogen teils deutlich an.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Tui kommt bei Hapag Lloyd voran
Tui-Aktien schlossen im MDax an zweiter Stelle. Bei den Anlegern keimt neue Hoffnung, dass der Reiseveranstalter bald wie geplant seine Hapag-Lloyd-Beteiligung verkaufen kann. Dazu steht Tui in Verhandlungen mit den Miteignern, also der Stadt Hamburg und dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne. "Wir befinden uns durchaus in guten Gesprächen", sagte ein Tui-Sprecher. Tui hält 38,4 Prozent an der Containerreederei und will 33,3 Prozent verkaufen. Ziel ist es, sich stärker auf das Tourismusgeschäft zu konzentrieren.

Bauen mit Wacker Neuson
Aktien des Baumaschinenherstellers legten im SDax um mehr als vier Prozent zu. Das Unternehmen hat dank einer guten Baukonjunktur nach vorläufigen Zahlen 2011 das beste Jahr der Firmengeschichte abgeschlossen. Der Umsatz stieg danach um 31 Prozent auf 991 Millionen Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) erhöhte sich von 77,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 162,6 Millionen Euro. Auch die Effizient des Unternehmens stieg, die Ebitda-Marge erhöhte sich von 10,3 Prozent im Jahr 2010 auf 16,4 Prozent. Der vollständige Bericht wird am 22. März veröffentlicht.

Cewe Color vereint mit Saxoprint
Der Foto-Dienstleister baut seine Position im Online-Druckmarkt durch einen Zukauf aus. Das Unternehmen übernimmt dazu die Dresdner Saxoprint. Über den Kaufpreis, der komplett aus Eigenmitteln finanziert wurde, wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Zukauf kann Cewe Color zukünftig aus dem Internet auch große Printprodukte wie Karten oder Broschüren in großer Stückzahl anbieten. Saxoprint setzte im abgelaufenen Jahr rund 31,4 Millionen Euro um.

Erbauliche Nachrichten bei Palfinger
Der auf LKW-Kräne und Hebebühnen spezialisierte österreichische Kranhersteller erwartet auch im laufenden Jahr ein weiteres leichtes Umsatzwachstum. Damit würde das zu 65 Prozent im Familienbesitz befindliche Unternehmen weiter auf Erfolgskurs bleiben, denn schon das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 war ein Rekordjahr. Die Erlöse stiegen um knapp 30 Prozent auf 845,7 Millionen Euro, das operative Ergebnis schoss um 82,8 Prozent auf 67,9 Millionen Euro. An der Börse kommen die Neuigkeiten gut an, die Aktie liegt in Wien vier Prozent im Plus.

OMV-Aktie profitiert von Zahlen
Die österreichische Öl- und Gasgesellschaft hat Eckdaten für das abgelaufene Jahr bekannt gegeben. Danach stieg die produzierte Ölmenge im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal von 283.000 auf 289.000 Barrel pro Tag. Die Raffiniermarge stieg von 1,74 auf 1,77 Dollar je Barrel, lag aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedriger. Vor Jahresfrist hatte OMV noch 3,48 Dollar je Barrel verdient. Endgültige Zahlen sollen am 22. Februar veröffentlicht werden.

Uniqa beichtet Verluste
Der zur Raiffeisen-Gruppe gehörende österreichische Versicherer leidet unter der Euro-Schuldenkrise. Die Gesellschaft weist für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 einen Verlust vor Steuern von 350 Millionen Euro aus. Das ist mehr als die bisher avisierten 250 bis 300 Millionen Euro. Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen schlugen mit 346 Millionen Euro zu Buche, hinzu kamen auch Kosten für den Konzernumbau von 190 Millionen Euro. Operativ läuft es aber gut, die Prämieneinnahmen stiegen konzernweit um 4,4 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

BT Group besser als gedacht
Die Aktie des britischen Telekom-Unternehmens legte in London kräftig zu. Der Grund ist das Zahlenwerk des dritten Geschäftsquartals. Das operative Ergebnis (Ebitda) lag zwischen Oktober und Dezember bei 1,52 Milliarden Pfund und damit höher als von Analysten erwartet. Für das gesamte Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende März) stellt BT darüber hinaus ein Ebitda von sechs Milliarden Pfund in Aussicht, ein Wert, der eigentlich erst im nächsten Geschäftsjahr erreicht werden sollte.

Volvo unter Erwartungen aber mit Rekord
Im Schlussquartal hat der schwedische Lastwagenhersteller die Erwartungen im vierten Quartal verfehlt. Das Unternehmen rechnet im Ausblick mit einem Rückgang des europäischen Lkw-Marktes, für Nordamerika hingegen sind die Schweden optimistischer. Volvo hat 2011 Gewinn und Umsatz insgesamt allerdings auf Rekordhöhen geschraubt. Der Nettogewinn stieg im letzten Jahr von 11,2 auf 18,1 Milliarden Kronen (von 1,2 auf 2 Milliarden Euro). Beim Umsatz legten die Schweden von 264,7 auf 310,4 Milliarden Kronen zu.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr