Italien bereitet Anlegern immer mehr Sorgen

Stand: 09.11.2011, 19:47 Uhr

Auch nach dem angekündigten Rückzug von Italiens Premierminister Berlusconi sowie dessen griechischem Amtskollegen Papandreou bleiben die Anleger skeptisch, ob es den beiden Staaten gelingen wird, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Die Folge sind zunächst weiter fallende Aktienkurse.

Der Dax weitet am Abend seine Verluste weiter aus und schließt 3,8 Prozent tiefer bei 5.793 Im elektronischen Handel hatte der Leitindex gut zwei Prozent eingebüßt auf 5.829 Punkte. Damit bleibt die Börse weiterhin klar politisch getrieben.

Belastet werden die Märkte am Abend von der Mitteilung, dass sich Griechenlands Politiker nicht auf einen neuen Premierminister einigen können. Dagegen will Italien das geplante Stabilitätsgesetz mit den in Brüssel versprochenen Reformzusätzen im Eiltempo verabschieden. Unter dem Druck der Finanzmärkte verständigten sich die Fraktionschefs von Regierungs- und Oppositionsparteien am Mittwochabend darauf, das Gesetz und die Reformzusätze schon bis Samstagnachmittag durch Senat und Abgeordnetenhaus zu bringen.

Der exorbitante Anstieg der Renditen für italienische Staatsanleihen auf bis zu sieben Prozent gilt als Auslöser für die heutige Marktschwäche. In den Augen vieler Anleger reicht zudem der angekündigte Abgang Berlusconis längst nicht aus, um die Schuldenproblematik des Landes in den Griff zu bekommen. Ein Händler verwies auch auf die Entscheidung des Londoner Clearinghauses LCH vom Morgen, die Margins, also zu hinterlegende Sicherheiten, auf italienische Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg zu erhöhen.

Misstrauen auch an der Wall Street
Vom Unmut der Anleger wird auch der Euro erfasst. Die Gemeinschaftswährung rutscht am Abend wieder unter die Schwelle von 1,36 Dollar. Das Misstrauen der Anleger gegenüber Italien hat auch die Wall Street fest im Griff. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow-Jones-Index rund 2,8 Prozent niedriger als gestern bei 11.823 Punkten.

Opel bremst GM aus
Herber Rückschlag für den Autobauer General Motors. Wegen der Schuldenkrise wird die Europa-Tochter Opel die Gewinnzone trotz der gerade abgeschlossenen Sanierung im laufenden Jahr nicht erreichen. GM hat im dritten Quartal wegen Opel bereits weniger verdient. Netto wies der US-Autobauer einen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar oder 1,03 Dollar je Aktie aus. Im vergangenen Jahr war noch ein Gewinn von zwei Milliarden Dollar oder 1,20 Dollar je Aktie angefallen. Dennoch übertraf der Konzern mit seinem Zwischenbericht die Erwartungen.

Air France-KLM bleibt rot
Die krisengeschüttelte Fluggesellschaft Air France-KLM hat nach einem Halbjahresverlust von 183 Millionen Euro eine Gewinnwarnung herausgegeben und neue Sparmaßnahmen angekündigt. Entgegen früherer Erwartungen rechnet die Lufthansa-Konkurrentin nun mit einem negativen operativen Ergebnis im Kalenderjahr 2011.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Finanzwerte mit Italien-Malus
Das Misstrauen gegen Italien trifft vor allem die Aktien der Versicherer und Banken. In Frankfurt sind die Titel der Allianz deshalb zweitschwächster Wert im Dax, hinter den Papieren der Commerzbank. Sie verlieren mehr als sechs Prozent. Auch die Aktien der ebenfalls in Italien präsenten Deutschen Bank und der Münchener Rück stehen unter Druck. Im MDax muss die Aareal Bank kräftig Federn lassen, nachdem sie erst gestern wegen ihrer guten Quartalszahlen noch gefeiert wurde.

Post holt auf
Größter Gewinner im Dax bleibt bis zum Handelsschluss die Aktie der Deutschen Post. Dank Zuwächsen bei der Tochter DHL und im deutschen Paketgeschäft stieg der Umsatz um 2,5 Prozent auf 13,125 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) erhöhte sich um fast ein Fünftel auf 646 Millionen Euro, deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,93
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Eon ohne Atomkraft
Nach einem kurzen Plus dreht am Mittag auch die Eon-Aktie ins Minus. Das Unternehmen hat im dritten Quartal wegen der Abschaltung zweier Atomkraftwerke, der Brennelementesteuer und wegen des schwächelnden Gasgeschäfts gut ein Drittel weniger verdient als erwartet, die Analysten-Prognosen aber leicht übertroffen.

Henkel enttäuscht
Mehr als vier Prozent bergab geht es mit der Aktie von Henkel. Dabei seien für den Waschmittel- und Kosmetikkonzern die Sommermonate dank höherer Preise und steigender Absatzmengen das beste Quartal der Firmengeschichte gewesen, sagte Rorsted. So sei erstmals in einem Quartal beim Umsatz die Vier-Milliarden-Euro-Grenze überschritten worden. Und auch die Gewinnmarge im operativen Geschäft liege auf Rekordhöhe. Dumm nur, dass die Analysten noch mehr erwartet hatten.

Kuka schreibt wieder schwarz
Überzeugen können dagegen die Zahlen von Kuka. Die im MDax notierte Aktie des Roboterherstellers legt um rund zwei Prozent zu und ist damit einer der wenigen Gewinner des Index'. Dank des Autobooms hat der Konzern aus Augsburg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mehr als verdoppelt auf 19,2 Millionen Euro. Unterm Strich kehrte Kuka in die schwarzen Zahlen zurück und scheffelte einen Gewinn von neun Millionen Euro.

Symrise betört die Anleger
Noch besser entwickelt sich die Aktie von Symrise. Der Titel steigt um mehr als sechs Prozent und ist damit der mit Abstand größte Gewinner im MDax. Zwar ist das Ebit des Aromen- und Duftherstellers im dritten Quartal um zehn Prozent auf 61,4 Millionen Euro gesunken, auch der Umsatz ging zurück, doch hatten Analysten ein noch schlechteres Ergebnis erwartet.

Hannover Rück besser als Münchener Rück
Auch die Titel von Hannover Rück geben nach. Allerdings hielten sich die Papiere des niedersächsischen Rückversicherers besser als der Durchschnitt im MDax. Händler hatten die am Morgen veröffentlichten Zahlen des Rückversicherers positiv aufgenommen. Sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis habe der Konzern die Prognosen übertroffen, kommentierte ein Händler. Auch das Gewinnziel für das Gesamtjahr habe das Unternehmen beibehalten.

Wincor stürzt ab
Um mehr als 11 Prozent rauscht dagegen die Aktie des ebenfalls im MDax notierten Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf in die Tiefe. Wegen der Schuldenkrise und der Konjunkturflaute verzichtet das Unternehmen auf einen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2011/12.

KlöCo abgestraft
Für die Aktionäre von Klöckner kommt es knüppeldick. Nachdem der Stahlhändler am Morgen bestätigt hat, dass er im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht ist und gleichzeitig auch noch die Renditeprognosen für dieses und das kommende Jahr kassiert hat, rutscht die Aktie wieder unter die Marke von zehn Euro. Damit ist sie einer der größten Verlierer im MDax.

Drillisch holen wieder auf
Größter Gewinner im TecDax sind die Aktien von Drillisch, die um 9,5 Prozent steigen. Damit setzten sie ihre Erholung vom Vortag weiter fort. Drillisch dürfte seinen Überschuss Analystenschätzungen zufolge im dritten Quartal um fast 30 Prozent auf knapp 13 Millionen Euro gesteigert haben. Die Deutsche Telekom hat den Mobilfunk-Provider auf die Rückzahlung von Provisionen in Höhe von 1,3 Millionen Euro verklagt.

Derweil hat der Mobilfunk-Anbieter Freenet seine Jahresprognose leicht nach oben geschraubt. Das operative Ergebnis solle dieses Jahr 355 Millionen Euro erreichen statt wie bislang erwartet 350 Millionen Euro, teilte Freenet am Abend mit. In den ersten neun Monaten habe diese Kennziffer bei 264 Millionen Euro gelegen. Der Konzernumsatz sei in dem Zeitraum um vier Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gesunken. Ende September zählte das Hamburger Unternehmen 15,16 Millionen Mobilfunk-Kunden.

Und sonst?
Der Immobilienhändler Patrizia aus dem SDax will in diesem Jahr 16 bis 17 Millionen Euro verdienen. Nach den ersten neun Monaten waren es nach Angaben vom Mittwoch 5,5 Millionen Euro. "Den größten Ergebnisbeitrag erwarten wir planmäßig im letzten Quartal des Jahres zu erwirtschaften", sagte Firmenchef Wolfgang Egger. Sollten die Ziele erreicht werden, will Patrizia eine Dividende von acht Cent je Aktie ausschütten.

Die Übernahme der Konkurrentin Colonia bereitet der Immobilienfirma TAG aus dem SDax Freude. Das Unternehmen konnte dank seiner Tochter und Bestandsaufwertungen den Vorsteuergewinn im dritten Quartal auf 19,7 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Nach neun Monaten stehen 53,4 (Vorjahr: 14,1) Millionen zu Buche - damit ist das untere Ende des angepeilten Jahresergebnisses von 50 bis 60 Millionen Euro schon jetzt erreicht.

Der schwer angeschlagene Holzverarbeiter Pfleiderer hängt weiter tief in den roten Zahlen fest, will aber nächstes Jahr die langersehnte Trendwende schaffen. Der Nettoverlust lag im ersten Halbjahr 2011 bei 85,3 Millionen Euro nach einem Minus 27,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Es gebe aber Hoffnung auf Besserung.

Der Softwaredienstleister GFT Technologies peilt für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von 270 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von 11 Millionen Euro an. Das sind zwei Millionen weniger als ursprünglich angekündigt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
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Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

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