Irgendwie fehlt der Schwung

Stand: 19.06.2007, 20:00 Uhr

In New York hat der Der Dow Jones-Index Mühe, sich in der Gewinnzone zu halten. Der Nasdaq dümpelt auf Vortagshöhe herum.

Der Ldax in Frankfurt machte dennoch ein paar Punkte gut. Er rückte auf 8.047 Punkte vor, nachdem der Xetra-Dax mit 8.034 Punkten hauchdünn im Minus geschlossen hatte.

Es waren die jüngsten Daten aus der US-Immobilien-Branche, die Investoren nachdenklich gemacht hatten. Sie boten ein uneinheitliches Bild. Danach ist die Zahl der Wohnbaubeginne im April überraschend deutlich gefallen: um 2,1 Prozent. Demgegenüber stieg die Zahl der Baugenehmigungen um drei Prozent. Volkswirte der Commerzbank sprachen immerhin von einer gewissen Stabilisierung des US-Immobilienmarktes.

ZEW verdirbt Laune

In Deutschland hatte der Konjunkturindex des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW für lange Gesichter gesorgt. Der Index blieb im Juni mit 20,3 Punkten nämlich fast neun Zähler unter dem erwarteten Wert. Im Mai notierte der Index noch bei 24,0 Punkten. Trotz des schwächeren Wertes signalisiere die Juni-Umfrage aber weiterhin gute wirtschaftliche Perspektiven für Deutschland, meldete das ZEW. Die Einschätzung der aktuellen Lage legte von 88,0 auf den Rekordwert von 88,7 Punkte zu und übertraf die Konsensprognose. Das ZEW bezeichnete die aktuelle Lage folglich als "exzellent", eine weitere Verbesserung sei nicht zu erwarten.

Macht Thomas Cook dafür Laune?
Die Reisetochter der KarstadtQuelle AG, Thomas Cook, sieht Spielraum für eine Sonderdividende und kann auch Übernahmen stemmen. Banken seien angesichts der hohen Liquidität auf das Unternehmen zugekommen und hätten ihm Übernahmen oder eine Sonderdividende nahe gelegt, sagte KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag in London.

SAP und Bayer vorn
Im Dax hatten die Aktien des Leverkusener Pharmakonzerns Bayer gemeinsam mit SAP die Spitzenplätze im Dax verteidigt. Bayer rechnet für dieses Jahr und für 2009 mit einer höheren als erwarteten Rendite. Die Ebit-Marge soll in diesem Jahr mit 20 Prozent fast ein Prozentpunkt höher als prognostiziert ausgefallen. 2009 soll die Marge mehr als 22 Prozent betragen. Außerdem will Bayer noch in diesem Monat die US-Zulassung für das Medikament Nexavar zur Behandlung von Leberkrebs beantragen. SAP legten fast zwei Prozent zu, nachdem die Deutsche Bank das Anlageziel "Buy" und das Kursziel 50 Euro bestätigt hat. Die Papiere seien derzeit attraktiv bewertet, schreibt das Institut.

Deutsche Börse auf Brautschau
Wenig Freude machte die Aktie der Deutschen Börse. Dabei lieferte der Börsenbetreiber gute Gründe, zuzugreifen. Die Deutsche Börse ist nämlich weiterhin zu Zukäufen bereit. "Wir als Unternehmen nutzen Übernahmen, wenn sie in unsere Strategie passen", sagte Börsen-Chef Reto Francioni am Dienstag in Frankfurt. Dies gelte nicht zuletzt dann, wenn die Börse durch einen Zukauf ihre führende Stellung ausbauen könne. Francioni wollte auch auf Nachfrage nicht konkreter werden. Die Frankfurter wollen zusammen mit dem Partner SWX rund zwei Milliarden Euro für den Kauf der International Securities Exchange (ISE) auf den Tisch legen. In Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, die Deutsche Börse gehöre zu den Interessenten für die möglicherweise zum Verkauf stehende New York Mercantile Exchange (Nymex). Die Nymex ist der größte Energie-Handelsplatz der Welt. Die Börse hat dies bislang nicht

Verhandlungen als Bremsklotz
Im Konflikt um die Auslagerung von rund 50.000 Beschäftigten ringen die Deutsche Telekom und die Gewerkschaft Verdi nach wie vor um einen Kompromiss. "Wir sind heute in den finalen Verhandlungen angekommen", sagte Telekom-Sprecher Andreas Middel am Dienstag in Bad Neuenahr. Aber es werde um jeden Punkt hart gerungen. Die Geduld der Anleger wird offenbar strapaziert. Die T-Aktie dümpelte auf Vortagshöhe herum.

RWE sagt Tschüss
Der Energiekonzern RWE hat sich von einem weiteren Teil seiner Heidelberger Druckmaschinen-Aktien getrennt. Der RWE-Anteil sei vonzuvor rund 15 auf 9,62 Prozent der Stimmrechte gesunken, teilte der Druckmaschinenhersteller am Dienstag in Heidelberg mit. Die Papiere seien aber nicht an die Inhaber einer entsprechenden Umtauschanleihe aus dem Jahr 2004 ausgegeben worden, sagte ein RWE-Sprecher. Derbkonzern habe sich entschieden, die im Juni fällige Anleihe in bar einzulösen. Zugleich bekräftigte der Sprecher frühere Ankündigungen, dass sich RWE ganz aus der Beteiligung zurückziehen wolle. "Wir wollen uns komplett zurückziehen. Daran hat sich nichts geändert." Heidelberger Druck gehöre nicht zum RWE-Kerngeschäft, an der vor drei Jahren eingeleiteten Rückzugstrategie habe sich nichts geändert. Ein konkretes Datum für den geplanten Ausstieg wollte der Sprecher nicht nennen.

Auftragsflut für Airbus ....
Nach einem mühsamen Start geht der Airbus-Zukunftsjet A350 in diesem Jahr in den Steigflug über. Bis zum Jahresende werde man das Ziel von insgesamt 200 Bestellungen für das Langstreckenflugzeug «weit übertreffen», sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy am Dienstag auf der Luftfahrtmesse in Paris Le Bourget. Beim Großflugzeug A380 für 555 Passagiere werde man das Verkaufsziel 2007 von 20 Maschinen übererfüllen. Insgesamt erwarte Airbus in diesem Jahr mehr als 600 Aufträge. Aktien der Airbus-Konzernmutter EADS können daraus weiterhin kein Kapital schlagen.

....und Boeing
Im Wettlauf mit dem Konkurrenten Airbus hat der US-Flugzeugbauer Boeing auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget einen Milliardenauftrag für sein neues Langstreckenflugzeug 787 Dreamliner erhalten. Die US-Leasinggesellschaft ILFC bestellt am Dienstag 50 Exemplare der Maschine, die in direkter Konkurrenz zum Airbus A350 steht. Zusammen mit zehn Mittelstreckenmaschinen vom Typ 737 und einem Langstreckenflugzeug 777-300 ER beläuft sich der Boeing-Auftrag auf 8,8 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro).

Insiderverdacht bei Air Berlin
Der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold, ist in das Visier der Justiz geraten. Hunold und weitere Manager des Unternehmens werden des illegalen Insiderhandels mit Aktien im Vorfeld der Übernahme der dba im vergangenen Jahr verdächtigt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart durchsuchte am Dienstag die Berliner Firmenzentrale sowie weitere neun Geschäftsräume und Privatwohnungen in ganz Deutschland. Insgesamt gebe es sechs Beschuldigte "im Umfeld einer seit Mai 2006 an der Börse notierten Berliner Fluggesellschaft", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Aktien des im Kleinwerteindex SDax notierten Unternehmens brachen nach Bekanntwerden der Razzia zeitweise um fast acht Prozent ein, machten bis zum Xetra-Schluss aber den größten Teil ihrer Verluste wieder wett.

ProsiebenSat1 droht Ärger
Das Bundeskartellamt hat die Werbezeitenverkäufer der großen Fernsehkonzerne ProSiebenSat.1 und RTL im Verdacht, kleine Sender aus dem Markt gedrängt zu haben. Büros der beiden Vermarkter IP (RTL) und SevenOne Media (ProSieben) in Köln und München seien deshalb durchsucht worden, sagte eine Sprecherin des Kartellamts am Dienstag in Bonn. Den Unternehmen drohen empfindliche Geldbußen, wenn sich der Verdacht der Wettbewerbshüter bestätigen sollte. ProsiebenSat1-Aktien daher unter Druck.

Tognum sitzt in den Startlöchern...
Der Dieselmotorenhersteller Tognum geht am 2. Juli an die Börse. Die Papiere werden in einer Preisspanne von 22 bis 26 Euro angeboten, teilte der Friedrichshafener Konzern mit. Die Zeichnungsfrist läuft von heute bis zum 29. Juni. Die Erstnotiz im Prime Standard soll am 2. Juli erfolgen. Tognum-Eigner EQT will 75 Millionen Aktien plus 11,3 Millionen für die Mehrzuteilung platzieren und damit 1,9 bis 2,2 Milliarden Euro erlösen. Es wird der größte Börsengang seit fast sieben Jahren, seit dem Börsengang der Deutschen Post, sein.

.... und Blackstone macht Dampf
Die weltgrößte Investmentfirma Blackstone will bereits am Donnerstag den Ausgabepreis für ihren geplanten Börsengang bekanntgeben. Dies teilte die Emissionsbank Morgan Stanley am Dienstag in New York mit. Damit könnte die Erstnotiz von Blackstone-Papieren an der New Yorker Börse bereits bis Ende dieser Woche erfolgen. Ursprünglich war der Börsengang erst für kommende Woche angekündigt. Blackstone will rund 12,3 Prozent seines Aktienkapitals bei Anlegern platzieren. Beobachter rechnen mit einem Ausgabepreis zwischen 29 und 31 Dollar und einem Emissionserlös von 3,87 bis 4,14 Milliarden Dollar. Die US-Gesellschaft wird insgesamt mit rund 32 Milliarden US-Dollar (rund 24 Milliarden Euro) bewertet.

An der New Yorker Börse stachen Aktien von Bristol-Myers Squibb heraus. Beflügelt von einer positiven Behördenentscheidung in New York verteuerten sich die Aktien des Pharmakonzerns. Die US-Aufsichtsbehörde FDA will dem Pharmaunternehmen eine bevorzugte Zulassung für das Brustkrebs-Medikament ixabeipilone erteilen.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat