Investoren verlieren die Fassung

Stand: 01.11.2011, 19:53 Uhr

Der goldene Oktober ist vorbei und schon ist der Traum von einem geruhsamen Jahresausklang vorerst ausgeträumt. Die Anleger reagierten entsetzt auf die Pläne des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou, das Volk über das Sanierungspaket abstimmen zu lassen.

Die Reaktion war heftig. Der Dax schloss mit einem Abschlag von fünf Prozent bei 5.834,5 Punkten. In der Spitze stürzte er um mehr als sechs Prozent ab und notierte zeitweise bei 5.762 Punkten. Weder im Dax noch bei den Nebenwerten schaffte ein Titel den Sprung in die Gewinnzone. Euphorie und Depression wechseln an den Finanzmärkten in atemberaubendem Tempo. Noch am 28.Oktober hatte der Dax zeitweise bei 6.430 Zählern notiert - ein imposanter Absturz.

Der EuroStoxx 50 brach um 5,3 Prozent ein. Der Pariser Cac 40 stürzte um 5,4 Prozent ab. In London blieben die Anleger gefasster: Der FTSE 100 verlor 2,2 Prozent. Der Late-Dax notierte bei 5884,68 Punkten, einem Abschlag von 4,4 Prozent. In den USA lag der Dow Jones rund zwei Prozent im Minus.

Das Referendum sei ein neuer Schock für Europa, kommentierten die Analysten der Metzler Bank. Ein Händler sieht das ähnlich: "Das war schon ein echter Schocker", lautete seine Einschätzung. Am deutschen Derivatemarkt halten einige Investoren die scharfe Reaktion für übertrieben. "Die meisten gehen von einer Überreaktion aus", sagte Händler Atakan Sahin von der Baader Bank. Die ersten Anleger hätten mit Call-Optionsscheinen auf eine Erholung am Aktienmarkt gesetzt.

Anleger wollen Euro loswerden
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone, wie begründet auch immer sie sein mag, geht am Euro jedenfalls nicht spurlos vorüber. Am Freitag hatte die Gemeinschaftswährung noch knapp unter 1,42 Dollar notiert, am Dienstag näherte sie sich zeitweise sogar der Marke von 1,36 Dollar.

Auch der Anleihemarkt reagierte. Die Bonität Italiens wird von den Märkten seit längerem kritisch betrachtet. Italienische Staatsanleihen rentierten in der Spitze mit 6,366 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Anfang August. Viele Anleger flüchteten in sozusagen sichere Häfen. Der Euro-Bund-Future stieg um 1,93 Prozent auf 138,09 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf zuletzt 1,843 Prozent.

Zwar überschatteten die Nachrichten aus Griechenland den gesamten Handelstag, dennoch galt es auch das gewohnte Programm zu beachten. US-Konjunkturdaten fielen schwach aus. Die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie im Oktober hat sich überraschend eingetrübt und die Bauausgaben haben im September weniger stark zugenommen als erwartet.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
-3,26%

Finanztitel in der Bredouille
Die Aktien von Deutscher Bank, Allianz und Commerzbank bildeten das Schlusstrio. Mit einem Abschlag von mehr als neun Prozent lag die Coba ganz hinten. Mit dem möglichen Referendum in Griechenland steht auch der vereinbarte Schuldenschnitt in Griechenland wieder zur Debatte.

Deutsche Börse mit starkem Umsatz
Die Marktschwankungen wegen der Euro-Schuldenkrise sorgen bei der Deutschen Börse für gute Geschäfte. Auf den Handelssystemen Xetra und Xetra Frankfurt Spezialist wurden im Oktober Papiere im Volumen von 110 Milliarden Euro ge- und verkauft. Auf Aktien entfiel den Angaben zufolge ein Umsatz von 90,3 Milliarden Euro.
Umsatzstärkster Dax-Titel war erneut Deutsche Bank mit 6,6 Milliarden Euro.

Prunkstück Passat
Volkswagen steigert der Pkw-Absatz im Oktober in den USA um 40 Prozent. "Die Nachfrage nach VW-Autos hat in den ersten zehn Monaten bereits die des Vorjahres übertroffen", sagte Landeschef Jonathan Browning. Besonders beliebt ist der neue Passat, der sich dank eines Einstiegspreises von 20.000 Dollar gut verkaufte.

Es wird noch geraucht
Der britische Tabakkonzern Imperial Tobacco hat im Geschäftsjahr 2010/11 mit 3,1 Milliarden Pfund operativ 1,2 Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Die Dividende für das Geschäftsjahr wurde um 13 Prozent auf 91,1 Pence je Aktie angehoben.

DSM besser als der Expertentipp
Auch der niederländische Chemiekonzern DSM hat sein Ergebnis gesteigert. Vor Zinsen lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im dritten Quartal mit 231 Millionen Euro um ein Drittel höher als im Vorjahr. Der Umsatz erreichte 2,32 Milliarden Euro und übertraf die Schätzungen der Experten.

Credit Suisse und Nomura enttäuschen
Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlt. Zwar konnte der Nettogewinn auf 653 Millionen Euro gesteigert werde, doch das war vor allem die Folge eines Bilanzeffekts. Im Investmentbanking rutschte die Bank sogar mit 190 Millionen Franken in die Minuszone. Auch die japanische Großbank Nomura hat enttäuscht, die Bank schrieb im dritten Quartal einen Verlust von umgerechnet 432 Millionen Euro und will weitere Stellen streichen.

Philips und das chinesische Joint Venture
Der niederländische Elektronikkonzern Philips verschiebt den Ausklang der Fernseherproduktion auf das kommende Jahr. Erst mit Ablauf des ersten Quartals 2012 werde die Ausgliederung in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem langjährigen chinesischen Partner TPV klappen, teilte das Unternehmen mit. Eigentlich wollten die Niederländer das seit langem verlustreiche Sorgenkind schon Ende dieses Jahres losschlagen.

Pfizer hebt Gewinnprognose an
Der US-Pharma-Konzern Pfizer erhöht seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Das Unternehmen peilt 2011 nun einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 2,24 und 2,29 Dollar an. Gleichzeitig bekräftigte das Unternehmen seine Ziele für 2012. Im abgelaufenen Quartal verbuchte Pfizer einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 16,42 Milliarden gerechnet.

Yahooo kauft zu
Yahoo will mit einem Zukauf sein angeschlagenes Werbegeschäft wieder auf Vordermann bringen. Das Unternehmen bezahlt für den Online-Werbespezialisten Interclick 270 Millionen Dollar. Yahoo hinkt im Internetgeschäft mit Werbebannern seinem Erzrivalen Google immer weiter hinterher und ist mittlerweile selbst zu einem Übernahmekandidaten geworden. Microsoft wird als Interessent gehandelt.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat