Investoren haben sich müde gekauft

Stand: 03.04.2012, 20:24 Uhr

So mancher Anleger hat offenbar schon den Osterurlaub angetreten. Und wer vor dem Bildschirm ausharrt, ist vorsichtig: Der Dax knickte ein. Am Abend weitete auch die Wall Street die Verluste aus, denn vorerst sehen die Fed-Notenbanker keine Notwendigkeit für weitere Geldgeschenke.

Der Dax büßte zum Handelsschluss 1,1 Prozent auf 6.982, Zähler ein - wieder hat die 7.000 nicht gehalten. Allerdings wollten Fachleute die Situation nicht überbewerten: "Schon kleine Verkaufsaufträge können den Gesamtmarkt drücken", sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Der Late-Dax sank um 1,3 Prozent auf 6.971,86 Zähler.

Auch andere Marktteilnehmer Börsianer sprachen von vorösterlicher Ruhe und nur geringer Handelsaktivität. Es wurden Aktien im Wert von 2,7 Milliarden Euro umgesetzt, der 90-Tage-Schnitt beträgt 3,2 Milliarden. Am Montag hatte der Dax noch anderthalb Prozent dazugewonnen: Gewinnmitnahmen haben noch niemanden arm gemacht.

Soft Landing oder nicht?
Natürlich lassen sich auch Gründe für die Zurückhaltung der Investoren anführen: Die Sorgen um den Zustand der Konjunktur in der Eurozone zähmten den Mut der Anleger. Auch die Lage in China gilt als ungewiss.

Sorgen bereitet den Investoren auch die Situation in Spanien. Der Leitindex in Madrid schloss mit einem Abschlag von 2,7 Prozent deutlich tiefer als die anderen großen Börsen in Europa. Auf der Stimmung lastete der Zustand des spanischen Arbeitsmarkt, zudem wird die Staatsverschuldung des Königreichs gemessen am Bruttoinlandsprodukt nach Regierungsangaben in diesem Jahr auf 78 Prozent steigen.

Die Fachleute von Swisscanto üben sich indes in Optimismus: "Da die Erholung der US-Wirtschaft fortschreitet und die Rezession in der Eurozone als leicht einzustufen ist, sind von konjunktureller Seite vorerst keine negativen Überraschungen zu erwarten. Auch die letzten Zahlen aus China deuten auf eine langsame Abschwächung des Wachstums, ein "Soft Landing", hin", lautet deren Einschätzung.

Fed spielt Spaßbremse
Anders als gestern inspirierten frische US-Konjunkturdaten die Anleger nicht zu entfesselten Käufen. Die Bestellungen der US-Industrie stiegen im Februar um 1,3 Prozent. Analysten hatten aber ein Plus von 1,5 Prozent vorausgesagt. Die Märkte blieben indifferent.

Am Abend stand ferner noch das Protokoll zur jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed an. Investoren erhofften sich vor allem Hinweise darauf, ob die Notenbanker ein neues Anleihenkaufprogramm zur Stützung der Wirtschaft in Erwägung ziehen. Die Hoffnung wurde zwar erfüllt, aber der ersehnte Geldregen ist einstweilen nicht in Sicht.

Ein neues Programm der US-Notenbank zur Stützung der Wirtschaft findet in der Federal Reserve immer weniger Fürsprecher. Angesichts der wirtschaftlichen Aufhellung sprachen sich beim jüngsten Treffen des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses im März weniger Mitglieder für solche Schritte aus als noch im Januar. Der Dow Jones weitete seine Verluste deshalb ein wenig aus und gab um rund 0,7 Prozent nach.

IATA-Zahlen helfen Lufthansa
Lufthansa-Titel schieben sich an die Dax-Spitze. Händler sprachen mehrheitlich von einer Aufwärtsreaktion in der aktuellen Handelsspanne, in der die jüngsten Verluste wieder ausgeglichen würden. Leicht positiv wirke auch der Bericht der internationalen Luftfahrtorganisation IATA für Februar, in dem von einer "starken Entwicklung" in der Branche gesprochen wird. Der Ausblick für die Luftfahrtgesellschaften sei aber weiterhin fragil. Zudem bleiben die Analysten von JPMorgan optimistisch mit der Empfehlung "Overweight".

Regorafenib macht Bayer stark
Aus der Dax-Riege präsentiert Bayer positive Studiendaten für sein Krebsmittel Regorafenib. Der Pharma- und Chemiekonzern strebt die Zulassung für das Krebsmittel in verschiedenen Anwendungsformen an und dies stützt nach Auffassung des Equinet-Analysten Edouard Aubery das Blockbuster-Potenzial. Das gibt der Aktie Auftrieb, die sich knapp ins Plus rettete.

Allianz verbucht Buchgewinne
Die Allianz kann sich nach dem jüngsten Deal mit Hartford-Wertpapieren auf einen satten Buchgewinn freuen. Analysten rechnen mit einem Sonderertrag von 200 bis 300 Millionen Euro. Europas größter Versicherer dürfte diese Summe im ersten oder spätestens zweiten Quartal 2012 verbuchen. Die Allianz wollte sich am Dienstag nicht zu den Schätzungen äußern. Hartford kauft Optionsscheine und nachrangige Anleihen, mit denen die Allianz dem US-Konzern in der Finanzkrise unter die Arme gegriffen hatte, für 2,43 Milliarden Dollar zurück. Immerhin sank das Papier weniger stark als der Markt.

VW big in America
Im März konnte Volkswagen die Verkäufe in den USA um 35 Prozent steigern und wurde insgesamt rund 36.600 Wagen los. Als Motor des Wachstums erwies sich ein ums andere Mal der im Herbst herausgebrachte US-Passat. "In der gesamten Branche läuft es rund", stellte VW-Statthalter Jonathan Browning fest. Im ersten Quartal kletterte die Verkaufszahl um 40,8 Prozent auf 94.373 Autos. Die VW-Aktie schloss deutlich besser als der Markt.

Anleger graben nach HHLA-Aktien
Niedersachsens Zustimmung zur Elbvertiefung hat die Aktien des Hafen- und Logistikkonzerns HHLA angeschoben. Die Titel belegten mit einem Plus von mehr als fünf Prozent die MDax-Spitze. Die niedersächsische Regierung hatte beschlossen, dem vom Bund und von Hamburg betriebenen Projekt zuzustimmen. "Diese Zustimmung hat HHLA noch gefehlt, deshalb reagiert die Aktie positiv darauf", sagte ein Händler.

Sky pendelt hin und her
Die Aktien von Sky Deutschland rangierten zeitweise am Indexende, erholten sich anschließend jedoch wieder, um dann nochmal zurückzufallen. Börsianer sind besorgt wegen des begonnenen Fußball-Bietergefechts. Laut "Handelsblatt" haben ein Dutzend Interessenten Gebote für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga abgegeben. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es zu einem Rennen zwischen dem MDax-Konzern als dem bisherigen Inhaber der meisten Rechte und der Deutschen Telekom kommen. "Das ist ein starker Gegner, der große Mittel aufbieten kann", erklärte ein Händler. Gingen die Rechte nicht an Sky, dann dürfte das Erreichen der Abonnentenziele schwer werden.

Sinkflug für Solarworld
Solarworld sind im TecDax zeitweise um mehr als acht Prozent auf 2,21 Euro gefallen - der tiefste Stand seit Oktober 2004. Händler verwiesen auf die nicht abreißenden Hiobsbotschaften aus dem Solarsektor, nachdem der einstige Börsenstar Q-Cells den Antrag auf Eröffnung eines regulären Insolvenzverfahrens gestellt hatte. Auch das früher im TecDax gelistete Photovoltaikunternhemen Phoenix Solar hat angesichts der geplanten neuen Kürzung der Solarförderung erheblich um seine Finanzierung zu kämpfen. Das ließ die Aktie um zuletzt fast 30 Prozent einbrechen.

Auch Wacker verhaftet
Wacker Chemie gingen im MDax mit einem Abschlag von mehr als drei Prozent aus dem Handel. Händler verwiesen auf die aktuell rollende Pleitewelle im Solarsektor. Auch der "Der Aktionärsbrief" von Bernecker thematisierte den größten Verlierer der Vorwoche im Index der mittelgroßen Werte. Das Unternehmen leide angesichts der Probleme der Solarbranche unter fallenden Preisen für Polysilizium. Und auch die Sparte Siltronic laufe nicht rund, hieß es in dem Brief.

Übernahmefantasie bei Qiagen
Qiagen wird durch Übernahmespekulationen befeuert. Hintergrund ist, dass der Schweizer Pharmakonzern Roche sich beim Versuch, die US-Gentechnikfirma Illumina zu übernehmen, abermals eine Abfuhr eingehandelt hat. Das lenkt das Interesse auf Qiagen. Die Qiagen-Aktie profitiert aber auch von einem attraktiven Chartbild.

Kurssprung bei Grenkeleasing
Im SDax notierten die Titel von Grenkeleasing mit einem Plus von mehr als sieben Prozent an der Index-Spitze. Das auf die Finanzierung von IT-Produkten wie etwa Notebooks, PCs, Bildschirmen und Servern spezialisierte Unternehmen berichtete über ein erfolgreiches erstes Quartal: Das Neugeschäft wuchs um 24,5 Prozent auf 238,9 Millionen Euro. Der internationale Anteil am Neugeschäft liegt dem IT-Vermieter zufolge bei 65,2 Prozent.

Minus bei Zooplus
Nach einer Herunterstufung haben Anleger sich von Zooplus getrennt. Die Aktien des auf Tierfutter spezialisierten Internet-Händlers sanken an die vorletzte SDax-Position. Die Analysten der Berenberg Bank setzten die Papiere in Reaktion auf die am Freitag veröffentlichten Zahlen herunter auf "Hold" von "Buy". Unterm Strich war bei Zooplus 2011 ein Verlust von sechs Millionen Euro angefallen. Seit Bekanntgabe der Zahlen haben die Aktien mehr als 20 Prozent an Wert eingebüßt.

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr