Marktbericht 20:00

Gewinnmitnahmen Investoren gehen auf Nummer sicher

Stand: 23.01.2014, 20:00 Uhr

Kommt jetzt die Korrektur? Schwache Konjunkturdaten aus China und den USA schickten den Dax auf Talfahrt. Selbst die Marke von 9.600 Punkten wurde zeitweise unterschritten. Auch der Dow Jones gab kräftig nach.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,9 Prozent auf 9.631,04 Punkten. Den tiefsten Stand des Tages markierte er bei 9.596,49 Zählern. Der von vielen Investoren herbeigesehnte Sprung über die Marke von 10.000 Punkten könnte sich als Geduldsspiel erweisen - wenn er denn überhaupt gelingt. Immer mehr Anleger fragten sich, ob Aktien nach der Rally der vergangenen Wochen überbewertet seien, sagte Analyst Kash Kamal von Sucden Financial.

Heute: Gewinnmitnahmen

Auf die Stimmung drückten zunächst chinesische Konjunkturdaten, die Zweifel an der Qualität der dortigen Wirtschaftslage schürten. "Die durchwachsene Berichtssaison in den Vereinigten Staaten und die schlechten Konjunkturdaten wurden zu Gewinnmitnahmen genutzt", kommentiert Christian Henke von IG Markets.

Starke Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone hatten zuerst gestützt. Eine sinkende Wall Street zog schließlich auch den Dax in die Tiefe, denn US-Konjunkturdaten wie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, der Index der Frühindikatoren sowie die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser vermochten in der Summe nicht zu überzeugen. Der Dow Jones lag am Abend deutlich mehr als ein Prozent im Minus. Der Late Dax schloss mit minus 1,2 Prozent bei 9.614,55 Punkten.

Der Euro steigt und steigt

So schwach sich der Dax zeigte, so starkt trumpfte der Euro auf. Er übersprang die Marke von 1,36 Dollar und näherte sich gar der nächsten runden Marke. Helaba-Fachmann Christian Apelt hält das allerdings eher für eine Momentaufnahme: Der US-Dollar stehe vermutlich vor einem freundlichen Jahr insbesondere gegenüber dem Euro, heißt es in seiner aktuellen Analyse.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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"Dank des robusten Wirtschaftswachstums in den USA wird die Geldpolitik der Federal Reserve weniger expansiv werden – im Gegensatz zur EZB-Politik. Der Zinsvorteil des US-Dollar wird im Jahresverlauf zunehmen", meint Apelt. Die Frage wird sein, wie die USA auf einen stärkeren Dollar reagieren würde, denn im Interesse der dortigen Wirtschaft ist er nicht.

Analyse lastet auf Lanxess

Zweitgrößter Dax-Verliererwar die Lanxess-Aktie. Die britische Investmentbank Barclays hat den Wert von "Equalweight" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 54 auf 50 Euro gesenkt. Der bescheidene Aufwärtstrend im europäischen Chemiesektor dürfte weitergehen, hieß es. Bei Lanxess werde die Gewinnerholung aber wohl den hohen Markterwartungen hinterherhinken.

Allianz schwächster Dax-Wert

Allianz-Papieren setzte ein Verkaufsempfehlung zu. Die DZ Bank hat den Wert von "Kaufen" auf "Verkaufen" herabgestuft. "Angesichts der inzwischen anspruchsvollen Bewertung überwiegen unseres Erachtens kurzfristig die Risiken", schrieb Analyst Thorsten Wenzel in einem Kommentar.

Tui profitiert von Fusions-Fantasien

Zu den stärksten MDax-Werten gehörte die Aktie von Tui. Die Reederei-Tochter Hapag-Lloyd und der chilenische Konkurrent Compania Su Americana de Vapores (CSAV) kommen bei den Verhandlungen über eine Fusion weiter. Ein Zusammenschluss von Hapag-Lloyd mit CSAV könnte Tui die Möglichkeit geben, für seinen Anteil einen guten Preis zu bekommen, erklärte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher.

Anleger reissen sich um Sky-Titel

Die Aktie des Bezahlfernsehsenders Sky profitierte von einer Kaufempfehlung von Macquarie und angehobenen Gewinnschätzungen. Die für den 6. Februar erwarteten Geschäftszahlen dürften den Kurs weiter stützen. Daher sollten Anleger die jüngsten Kursverluste zum Einstieg nutzen, zitierten die Händler aus der Studie. Die Investoren nahmen den Tipp an, die Aktie legte um mehr als sechs Prozent zu und schloss an der Spitze des MDax.

Celesio-Geschichte geht weiter

Der MDax-Pharmagroßhändler Celesio ist am Donnerstag an der Börse gefragt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters versucht der Mehrheitsaktionär Haniel, 75 Prozent der Celesio-Anteile einzusammeln. Diese sollten dann an den US-Pharmahändler McKesson weiter verkauft werden.

LEG-Aktie fällt

Aktien des Immobilienkonzerns LEG ging schwächer aus dem Handel. Die Private-Equity-Sparte der US-Investmentbank Goldman Sachs hat die komplette restliche Beteiligung von bis zu 15,2 Millionen Aktien verkauft. Goldman erlöste 42,50 Euro je LEG-Aktie, insgesamt 645 Millionen Euro.

Nokia mit schwachem Handy-Abschied

Nokia hat im vierten Quartal einen Rückschlag erlitten. Der Umsatz brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Fünftel ein. Das operative Ergebnis ging um 39 Prozent zurück. Erstmals wies Nokia seine Handysparte, deren Verkauf an Microsoft im Frühjahr abgeschlossen werden soll, getrennt aus. Der US-Softwarekonzern hatte die Sparte im September für 5,4 Milliarden Euro erworben.

Secunet im Rückwärtsgang

Der IT-Sicherheitsdienstleister Secunet hat nach eigenen Angaben seine Prognosen für 2013 erreicht. Der Umsatz sank von 67 auf 64 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging von 5,7 auf 3,7 Millionen Euro zurück. Im laufenden Jahr hofft das Unternehmen aus dem Prime Standard wieder zu wachsen.

Easyjet weitet Verlust aus

Der britische Fluggesellschaft Easyjet rechnet für das erste Halbjahr 2013/14, das bis Ende März läuft, mit einem Verlust von 70 bis 90 Millionen Pfund. Im traditionell schwachen Winterhalbjahr hatte sich das Minus im Vorjahr nur auf 61 Millionen belaufen.

Netflix macht Riesensatz

Im vergangenen Jahr steigerte Netflix dank eines kräftigen Zustroms an Nutzern seinen Umsatz um 21 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn war mit 112 Millionen Dollar fast sieben Mal so hoch wie im Vorjahr. Das Unternehmen erwartet auch im laufenden Quartal einen Zuwachs an Zuschauern. Die Aktie schießt zweistellig in die Höhe, auch weil die Online-Videothek einen Vorstoß nach Europa plant.

McDonald's-Zahlen schmecken den Investoren nicht

Frische Geschäftszahlen von McDonald's wurden kritisch aufgenommen. Der Umsatz lag unterhalb der Erwartungen, währen der Gewinn je Aktie etwas besser ausfiel. Im vierten Quartal erlöste das Schnellrestaurant mit Burgern & Co 7,01 Milliarden Dollar.

United Continental macht Gewinn

Nach Delta hat auch die US-Fluggesellschaft United Continental im vierten Quartal 2013 von niedrigeren Treibstoffkosten und höheren Ticketpreisen profitiert. Die Nummer zwei im US-Markt nach dem neuen Branchenprimus American Airlines wies einen Gewinn von 298 Millionen Dollar aus. Im Jahr zuvor stand noch ein Verlust von 190 Millionen Dollar zu Buche. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar.

Gewinnrekord bei Lockheed Martin

Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie nie zuvor. Der Hersteller von F-35-Kampfjets, Satelliten und Kriegsschiffen steigerte das Ergebnis aus dem fortlaufenden Geschäft um elf Prozent auf drei Milliarden Dollar. Dennoch zeigten sich Börsianer enttäuscht - Fachleute hatten im Schnitt sogar 3,11 Milliarden prognostiziert. Der Umsatz ging vier Prozent zurück auf 45,4 Milliarden Dollar.

Remy-Martin-Boss nimmt seinen Hut

Katerstimmung bei Remy Martin: Der Chef des französischen Cognac-Herstellers, Patrick Piana, nimmt nach einem Umsatzeinbruch seinen Hut. Das Unternehmen bedauere das Ausscheiden Pianas, sagte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Remy Cointreau ohne Gründe für den Rücktritt zu nennen. Erst vor drei Wochen hatte Cointreau-Chef Frederic Pflanz sein Amt aufgegeben. Der Umsatz mit Cognac, der den Großteil zum Gewinn des Konzerns beiträgt, schrumpfte von Oktober bis Dezember um rund ein Drittel.

ts

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr