Inflationsgespenst macht "HUH!"

Detlev Landmesser

Stand: 14.12.2007, 20:19 Uhr

Die US-Inflation von mehr als vier Prozent hat Ängste genährt, dass die Fed Abstand von weiteren Zinssenkungen nehmen könnte. Das ließ die US-Börsen am Abend zurückfallen - was aber noch keine Schlüsse auf die weitere Tendenz zulässt.

Schließlich belegten die Konjunkturdaten des Tages auch eine überraschend robuste Verfassung der US-Produzenten. Der Dax schaffte es im Gefolge einer zwischenzeitlichen Erholung der Wall Street zum Ende des Computerhandels ins Plus, und konnte damit auch seinen Aufwärtstrend seit Juni 2006 bei derzeit rund 7.929 Punkten verteidigen. Der L-Dax ging nur noch knapp darüber bei 7.934,67 Punkten ins Wochenende.

Die US-Verbraucherpreise im November bestätigten das Bild, das bereits am Donnerstag die Erzeugerpreise geliefert hatten: Mit 0,8 Prozent zum Vormonat kletterten sie stärker als von Experten erwartet. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich betrug die Verbraucherpreis-Inflation 4,3 Prozent.

Die Daten zur Produktion der amerikanischen Industrie im November zeigten dagegen die positive Seite der Medaille: Die US-Wirtschaft scheint nach wie vor robuster zu laufen als von vielen gedacht. Mit 0,3 Prozent zum Oktober lag die Industrieproduktion über der Konsens-Prognose von 0,1 Prozent.

Verlierer des Tages war der Euro. Der anhaltende Inflationsdruck lässt die Hoffnung auf weitere deutliche Zinssenkungen der Fed weiter schwinden, was dem Dollar im Verein mit den robusten Produktionsdaten Auftrieb verlieh. Die Gemeinschaftswährung fiel bis zum Abend auf Kurse um 1,4415 Dollar zurück. Doch der Dollar ist noch nicht aus dem Schneider. "Wir gehen aber davon aus, dass der Markt weitere Beweise dafür benötigt, dass die US-Konjunktur im grünen Bereich bleibt, damit sich der Dollar nachhaltig erholt", schrieben die Analysten der Societe Generale. Hierzu müsse der US-Konsum über Weihnachten hinaus stark bleiben.

"Hypothekenkrise dauert bis 2009"

Der Chef des US-Hypothekenfinanzierers Fannie Mae sieht die Krise am heimischen Immobilienmarkt bis ins Jahr 2009 hinein andauern. Das Unternehmen sei aber stark genug, die Krise zu meistern, sagte Daniel Mudd auf der Hauptversammlung am Freitag. Über die Ausgabe neuer Aktien will sich der größte Hypothekenfinanzierer der USA nun sieben Milliarden Dollar frisches Kapital besorgen. Im nächsten Jahr würden sich die Verluste durch Kreditausfälle nochmals verschärfen, hatte Fannie Mae vor wenigen Tagen gewarnt. Das Unternehmen verbuchte infolge der Kreditkrise bereits im vergangenen Quartal Verluste in Milliardenhöhe.

Citigroup geht Probleme frontal an
Die Kehrtwende der größten US-Bank Citigroup, die unter ihrem neuen Chef Vikram Pandit nun doch eine Reihe von Zweckgesellschaften in ihre Bilanz aufnehmen will, um weitere Wertverluste der dort gelagerten Papiere zu verhindern, kam eher gut an. Das Dow-Schwergewicht drehte im Verlauf ins Plus.

Gemischtes Auto-Bild
Die Autotitel im Dax reagierten deutlich auf die jüngsten Autoabsatzzahlen in Europa. Im November gingen die Autoverkäufe in Europa um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Aus deutscher Sicht hatte vor allem Volkswagen mit Absatzproblemen zu kämpfen. Der Rückgang lag bei 7,2 Prozent. Dagegen legte BMW um 16,6 Prozent zu. Beim Daimler-Konzern hielt sich der Rückgang mit 3,9 Prozent noch in Grenzen.

Daimler findet indischen Partner
Daimler machte zugleich mit einem Joint Venture in Indien von sich Reden: Der weltgrößte Lkw-Hersteller hat nach langer Suche einen Partner zur Produktion von Lkw auf dem schnell wachsenden indischen Markt gefunden. Mit der indischen Hero Group sei die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens bis Ende des ersten Quartals 2008 vereinbart worden. Gemeinsam mit Hero will Daimler zunächst leichte bis schwere Nutzfahrzeuge für Indien bauen, die Produktion für den Export solle zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Hero ist ein Mischkonzern mit rund vier Milliarden Dollar Umsatz, mit Honda Motor produziert das Unternehmen Motorräder für den indischen Markt. Indien zählt zu den weltweit fünf größten Absatzmärkten für Nutzfahrzeuge.

Zudem meldete der Autokonzern den Verkauf seines milliardenschweren Immobilienbesitzes am Potsdamer Platz in Berlin. Das rund 66 Fußballfelder große Areal geht an die schwedische SEB-Bank. Wie viel die SEB an die Schwaben für das zahlt, blieb unklar. Laut der "Bild"-Zeitung lag der Mindestkaufpreis bei 1,2 Milliarden Euro.

Lufthansa überrascht mit Einstieg bei US-Billigflieger
Die Lufthansa-Aktie startete gut in den Tag, drehte dann aber ins Minus ab. Die Lufthansa hatte am Donnerstagabend den Einstieg bei der US-Billigfluglinie Jet Blue bekannt gegeben. Für 19 Prozent an der Airline zahlt der Dax-Konzern umgerechnet rund 205 Millionen Euro. Jet Blue, dessen Aktie in New York am Donnerstag noch deutlich anstieg, zählt zu den gehobenen Billigairlines in den USA. Nach ersten Analystenkommentaren ist der Deal als "gut" zu werten.

Telekom vor weiteren Einschnitten
Bei der Deutschen Telekom wird es auch im kommenden Jahr Einschnitte geben, stellte Vorstandschef René Obermann klar. "Der Umbau ist noch nicht zu Ende", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Wir müssen zum Beispiel in den Verwaltungsbereichen sparen, und wir haben heute viel zu viele kleine Standorte über das gesamte Bundesgebiet verteilt." Insofern sieht Obermann im nächsten Jahr Konfliktpunkte, "das kann ich nicht schönreden". In diesem Jahr hatten sich die Mitarbeiter der Telekom-Servicesparten vergeblich mit wochenlangen Streiks gegen die Ausgliederung von 50.000 Beschäftigten in neue Tochterunternehmen gewehrt, wo sie länger für weniger Geld arbeiten. Er würde diesen Weg wieder einschlagen, sagte Obermann.

Conti fällt in Ungnade
Die Continental-Aktie rutschte ans Dax-Ende. Der Autozulieferertitel war von der US-Investmentbank Morgan Stanley auf "Untergewichten" eingestuft worden. Synergien, die bei der Übernahme von VDO erreichbar seien, seien bereits im Aktienkurs enthalten, meinten die Analysten zur Begründung.

Weiter Spekulationen um Premiere
An die MDax-Spitze setzte sich erneut die Aktie von Premiere, die schon wieder von Übernahmespekulationen um den Bezahlsender profitierte. Die "Börsen-Zeitung" hatte berichtet, dass der französische Mischkonzern Vivendi an einem Kauf von Premiere interessiert sei.

MTU kooperiert mit Pratt & Whitney
Um 1,4 Prozent ging es mit MTU Aero Engines nach oben. Der Triebwerkshersteller will künftig mit dem US-Wettbewerber Pratt & Whitney bei Antrieben für Regional- und Geschäftsflugzeuge zusammenarbeiten. MTU wolle sich mit jeweils rund 15 Prozent an den künftigen Triebwerksprogrammen des Partners beteiligen, teilte Unternehmen mit. "Der Regionalflugzeugmarkt ist ein wesentliches Wachstumssegment der Zukunft. Die erwarteten Renditen in diesem Segment rechtfertigen den erforderlichen Mitteleinsatz für Forschung und Entwicklung voll und ganz", sagte Vorstandschef Udo Stark. Für MTU bedeute dies ein potenzielles Umsatzvolumen von rund zwölf Milliarden Euro, sagte ein Sprecher - allerdings verteilt auf mehrere Jahrzehnte.

Deutz mit neuem Chef
Der Motorenhersteller Deutz hat die Suche nach einem neuen Vorstands-Vorsitzenden erfolgreich beendet. Der frühere BMW-Manager Helmut Leube wird das Amt am 1. Februar antreten. Der Posten war vakant, nachdem Gordon Riske am 1. Oktober zu Kion, der früheren Gabelstaplersparte von Linde, gewechselt hatte.

EADS will weniger Airbus
Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will mit dem Plan "Vision 2020" seine Abhängigkeit von der wichtigsten Konzerntochter Airbus mindern. EADS-Chef Louis Gallois habe das Konzept am Donnerstag 300 Managern intern vorgestellt, berichtet die Pariser Finanzpresse am Freitag. Der Anteil von Airbus am Konzernumsatz soll von derzeit 64 Prozent in Richtung auf die Hälfte gedrückt werden. Die EADS-Aktie im MDax reagiert mit leichten Kursgewinnen auf das Vorhaben.

Axel Springer gibt PIN auf
Die Axel-Springer-Aktie gab weiter nach. Nachdem das Verlagshaus seiner Brieftochter PIN Group den Geldhahn zugedreht hat, will Unternehmenschef Günter Thiel das Unternehmen weiterführen. Das PIN-Management sei gewillt, die Springer-Anteile zu einem symbolischen Betrag zu übernehmen und einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen zu investieren, erklärte der Manager, der Anlegern noch als Gründer von Thiel Logistik bekannt ist.

Übernahmeangebot für Essanelle
Die Aktie der Essanelle Hair Group legte um fünf Prozent auf 9,61 Euro zu. Die Saxonia Holding-Gesellschaft, die zusammen mit dem von der Tochtergesellschaft Frisör Klier GmbH gehaltenen Anteil 31,08 Prozent der Stimmrechte an dem Friseurunternehmen hält, bietet 9,60 Euro je Aktie in bar für die restlichen Anteile.

Solar-Fabrik haussiert
Eine fulminante Erholung erlebte die Aktie der Solar-Fabrik AG. Das Papier gewann über 37 Prozent an Wert, nachdem das unternehmen gemeldet hatte, die Produktion für 2008 sei bereits fast ausverkauft: "Zum ersten Mal in ihrer Firmengeschichte startet die Solar-Fabrik AG mit einem Auftragsbestand in ein neues Geschäftsjahr, der mit über 60 Megawatt (MW) bereits den größten Teil der geplanten Jahres-Modulproduktion (70 MW) umfasst", hieß es in der Mitteilung. Damit werde die Gesellschaft ihre Produktions- und Absatzmenge gegenüber 2007 mehr als verdoppeln.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr