In Trippelschritten aufwärts

Stand: 22.05.2007, 19:46 Uhr

Das Tempo lässt nach. Aber die Richtung bleibt erhalten. Es geht weiter nach oben. In New York genauso wie in Frankfurt.

Der L-Dax im Frankfurter Abendhandel schloss mit 7.667 Punkten, nachdem der Dax den Xetra-Handel mit 7.659 Punkten beendet hatte. In New York rückte der Dow Jones-Index bis zum Abend 0,3 Prozent vor.

Sehr gefragt waren in New York die Anteilsscheine von MGM Mirage, die einen Kurssprung von rund 27 Prozent auf 80 Dollar machten. Die Investmentfirma Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian will alle strategischen Optionen für ihren Mehrheitsanteil an dem Unternehmen prüfen. Sollte Tracinda den 56-Prozent-Anteil zum Verkauf stellen, könne dies zu einer finanziellen Neuordnung oder dem Verkauf der verbleibenden Anteile der Firma führen, kündigte Tracinda an. MGM kontrolliert rund ein Drittel des Kasinogeschäfts an der Vergnügungsmeile Sunset Strip im Spielerparadies Las Vegas.

Die Aktien des größten US-Brauereiunternehmens Anheuser- Busch legten um 1,3 Prozent auf 50,28 Dollar zu, nachdem der Konzern von einer Erholung beim Bierabsatz im Mai berichtet hatte.

Amerikanisch-europäische Chip-Ehe

Zu den Gewinnern an der Wall Street zählten auch Aktien des Chipherstellers Intel . Intel, der weltgrößte Chiphersteller, und Europas Branchenprimus STMicroelectronics legen ihre Sparten für Flash-Speicherchips zusammen. Beide Firmen bringen die Geschäftsfelder in ein neues Unternehmen ein, an dem Intel 45,1 Prozent und STMicroelectronics 48,6 Prozent hält. Papiere von STMicroelectronics verteuerten sich nach der Bekanntgabe der Kooperation mit Intel deutlich, zeitweise um 3,97 Prozent.

In Frankfurt hatten ermutigende Konjunkturdaten und eine starke T-Aktie die entscheidenden Anstöße geliefert. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW in Mannheim ermittelte Konjunkturklimaindex stieg im Mai wie erwartet auf 24,0 Punkte. Im April lag der über eine Umfrage bei Finanzmarktexperten ermittelte Wert noch bei 16,5 Punkten. Die Einschätzung der gegenwärtigen Lage übertraf mit 88 Punkten die Prognose von 79,0 Punkten sogar deutlich.

Die ZEW-Volkswirte verwiesen auf die weiterhin guten Wirtschaftsaussichten für Deutschland. Der Aufschwung werde sich, kaum beeinträchtigt durch die Mehrwertsteuererhöhung, weiter fortsetzen. Die Grundlage dafür seien die Verbesserung am Arbeitsmarkt und das gute Investitionsklima.

Deutsche Telekom waren Spitze
Die T-Aktie war den Tag über völlig entgegengesetzten Kräften ausgesetzt. Zum einen gab es Spekulationen, der US-Finanzinvestor Blackstone dränge die Telekom, ihr US-Geschäft zu verkaufen. Diese Spekulationen hätten die T-Aktie schwächen müssen. Denn das Geschäft der US-Tochter T-Mobile gilt als hochprofitabel. Der Einfluss dieser Spekulationen schrumpfte allerdings, als es später hieß, die Deutsche Telekom wolle an ihrer amerikanischen Mobilfunktochter festhalten. "Derzeit gibt es keine Verkaufspläne für T-Mobile USA", verlautete es aus Branchenkreisen. Ein Sprecher der Telekom lehnte einen Kommentar dazu ab.

Kurstreibend wirkte von Anfang an das Vorhaben der Deutschen Telekom, durch deutliche Preisnachlässe auf dem Heimatmarkt das Geschäft mit den schnellen DSL-Anschlüssen anzukurbeln, um so den Kundenschwund zu stoppen.

Das Salz in der Suppe: Gerüchte, Spekulationen
Den Papieren von Europas größtem Software-Konzern SAP kam das Gerücht zugute, der amerikanische SAP-Konkurrent und Erzrivale Oracle habe sich mit 8 Prozent an SAP beteiligt. Commerzbank-Aktien profitierten von Übernahmespekulationen. Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach die Citigroup an dem Kreditinstitut interessiert sei, um eine größere Rolle bei der Konsolidierung der europäischen Bankenlandschaft spielen zu können. Titel des Leverkusener Chemiekonzerns Bayer gaben einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Grund: Händlern zufolge will die Deutsche Bank vier Millionen Aktien platzieren. Allerdings habe das Kreditinstitut eine Platzierung bereits dementiert, hieß es von anderen Börsianern.

Deutsche Bank bevorzugt Alleingang
Unbeeindruckt von dem sich immer schneller drehenden Fusionskarussell im europäischen Finanzsektor sprach sich der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gegen eine Großfusion mit einem Rivalen aus. "Ich sehe keine Bank, die zu unserem Portfolio passt", sagte Ackermann in Frankfurt. Sinnvoller sei es, organisch zu wachsen und ergänzende Zukäufe zu tätigen. Verstärkungen seien vor allem im Geschäft mit Privatkunden und im Private Wealth Management denkbar. Größere Zukäufe im Investmentbanking und im Asset Management brächten die Bank hingegen nicht voran, weil sie hier schon an der Weltspitze stehe.

Im Mdax ragten Aktien des Bezahlfernsehsenders Premiere mit einem kräftigen Kursgewinn hervor. Nach Angaben von Unternehmenschef Georg Kofler ist Premiere weiter im Visier von Übernahmeinteressenten. Darunter seien strategische Investoren und Beteiligungsgesellschaften, sagte Kofler am Dienstag auf der Breitbandnetzmesse Anga Cable in Köln zu Reuters.

Der Baustoffhersteller HeidelbergCement hat eine Barkapitalerhöhung in Höhe von rund 500 Millionen Euro beschlossen. Die zur Merckle-Gruppe gehörende VEM Vermögensverwaltung GmbH aus Dresden werde rund 4,4 Millionen neue Aktien zum börsennah festgesetzten Bezugspreis von 114 Euro je Aktie und Gewinnberechtigung für das Jahr 2007 zeichnen, teilte das im MDAX notierte Unternehmen mit.

Eine positive Studie hievte den Kurs des Biotechunternehmens GPC Biotech deutlich nach oben. Das Tec Dax-Unternehmen hatte berichtet, dass sein großer Hoffnungsträger Satraplatin in der Lage sei, die "Verschlimmerung von Schmerzen" zu verzögern. Die Aktien verteidigten im TecDax ihre Spitzenstellung.

Der Kabelnetzbetreiber Orion Cable strebt trotz eines jüngst erlittenen Rückschlags weiter eine Übernahme von Primacom an. "Wir sind weiterhin an einem Erwerb der Primacom interessiert", sagte Orion-Chef Paul Stodden der Nachrichtenagentur Reuters bei der Breitbandnetzmesse Anga Cable in Köln. Orion halte derzeit knapp 27 Prozent an dem Mainzer Kabelnetzbetreiber. In der vergangenen Woche hatte der Orion-Konkurrent Kabel Deutschland (KDG) seinen Anteil an der Mainzer Primacom auf 18,6 Prozent aufgestockt. Mit dem Erwerb des Aktienpaktes von einem ehemaligen Primacom-Manager für rund 35 Millionen Euro kam der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Orion Cable zuvor. KDG hatte zwölf Euro je Aktie gezahlt.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr