Marktbericht 20:08

Vierter Rekordtag in Folge In kleinen Schritten zum nächsten Gipfel

Stand: 10.05.2013, 20:08 Uhr

Die Champagnerlaune an den Aktienmärkten hält an. Der Dax setzte seine Gewinnserie fort und schloss erneut auf einem Rekordhoch. Allerdings wird die Luft nach oben immer dünner. Die Gefahr einer kleinen Korrektur nimmt zu.

Wie hoch geht’s noch? Das fragen sich viele Anleger. Denn langsam wird es unheimlich. Seit Dienstag eilt der Dax von Rekord zu Rekord. Am Freitag knackte er erstmals in seiner Geschichte die 8.300 Punkte-Marke. Bei 8.358 Zählern war dann aber erst einmal das Ende der Fahnenstange erreicht. Danach bröckelten die Gewinne.

Am Nachmittag drehte der Dax zwei Mal ins Minus und konnte sich zum Xetra-Ende nur knapp im Plus behaupten. Mit 8.278,59 Zählern schloss er auf dem höchsten Stand seiner 25-jährigen Geschichte. Im späten Parketthandel gaben die Kurse weiter nach. Der L-Dax beendete die Woche bei 8.265 Punkten. Nach der jüngsten Kursrally verwundere es nicht, dass dem Dax ein wenig die Luft ausgehe, sagte ein Händler.

Dow legt Pause ein

Zumal diesmal von der Wall Street die Unterstützung ausblieb.  Die US-Börsen traten auf der Stelle. Der Dow stagnierte bei 15.080 Punkten, nachdem er am Donnerstag ein neues Allzeithoch von 15.144 Zählern erreicht hatte. Die Nasdaq legte 0,4 Prozent zu und näherte sich den 3.000 Punkten.

Schon zu viel Optimismus?

Die Bilanz der Börsenwoche kann sich sehen lassen. Knapp zwei Prozent legte der Dax zu. Das billige Geld der Notenbanken treibt die Anleger in Aktien. Zudem seien die neuen Höchststände für viele Anleger ein Kaufsignal, meinte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank. Allerdings ist der große Optimismus auch ein Risiko. Eine derartige Jubelstimmung habe in der Vergangenheit häufig für spätere Kopfschmerzen gesorgt, warnte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner.

Deutscher Exportmotor kommt in Schwung

Gestützt wurden die Kurse am Freitag von starken deutschen Konjunkturdaten. Nach einem Rückgang im Februar legten die Exporte der deutschen Industrie im März wieder zu - um 0,5 Prozent. Auch aus Italien kamen gute Nachrichten. Das Land konnte sich bei seiner Anleihe-Auktion sieben Milliarden Euro zu einem Rekord-Tiefzins von 0,7 Prozent besorgen.

Euro unter Druck

Italiens gelungene Auktion und die Export-Daten aus Deutschland konnten dem Euro nicht helfen. Er sackte weiter ab auf auf unter 1,30 Dollar. Auch der Goldpreis verbilligte sich deutlich - auf bis 1.423 Dollar.

T-Aktie auf 7-Monats-Hoch

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,74
Differenz relativ
-1,08%

Gewinner des Tages im Dax war die T-Aktie. Mit einem Plus von über zwei Prozent auf 9,74 Euro kletterte sie auf den höchsten Stand seit Oktober 2012. Europaweit waren Telekomwerte am Freitag gefragt. Denn die British Telecom überraschte mit einem kräftigen Gewinnanstieg im abgelaufenen Geschäftsjahr und einer Anhebung des Ausblicks. Die Aktien der BT Group schossen um zwölf Prozent nach oben. Ein Händler verwies zudem darauf, dass die Telekom in der kommenden Woche ihren Aktionären die Dividende auszahlen wird. Das könnte angesichts der attraktiven Dividendenrendite noch Käufer anlocken.

Stahlwerte im Sog von ArcelorMittal

Neben Telekomwerten verzeichneten auch Stahlwerte überdurchschnittliche Kursgewinne - dank ArcelorMittal. Der weltgrößte Stahlhersteller schnitt trotz eines Gewinneinbruchs im ersten Quartal besser ab als erwartet. Die Aktien von Arcelor rückten rund vier Prozent vor und waren Spitzenreiter im EuroStoxx50. Im Sog von Arcelor zogen die Titel von Stahlgitter um gut vier Prozent an und waren ganz vorne im MDax. Hier wirkte sich außerdem eine positive Studie der Credit Suisse aus. Den Aktien von ThyssenKrupp ging dagegen am Nachmittag die Piuste aus, sie gewannen nur 0,3 Prozent.

Alecta will Sperrminorität bei Rhön brechen

Um drei Prozent nach oben ging es mit den Aktien von Rhön-Klinikum im MDax. Großaktionär Alecta heizte nämlich die Übernahmefantasie an. Alecta will auf der kommenden Hauptversammlung die 90-Prozent-Hürde für wichtige Entscheidungen kippen. Dadurch entfiuele die Sperrminorität, mit der Großaktionäre die Übernahmeversuch von Fresenius gestopppt hatten. Ob sich Alecta durchsetzt, ist allerdings fraglich.

Schwacher Jahresstart von GfK

Aus dem SDax meldete sich nach Xetra-Schluss GfK mit Quartalszahlen. Diese fielen enttäuschend aus. Das angepasste operative Ergebnis brach um über ein Drittel auf rund 23 Millionen Euro ein. Der Umsatz wuichs organisch nur um 0,6 Prozent. Dennoch bestätigten die Nürnberger ihre Jahresprognose. Sie peilen ein organisches Wachstum von drei bis vier Prozent an.

Citigroup belastet Evonik

Die Aktien des Börsenneulings Evonik mussten am Freitag deutlich Federn lassen. Sie gaben fast vier Prozent nach. Die Citigroup nahm die Bewertung der Aktien mit "Sell" und einem Kursziel von 28 Euro auf. Die Perspektiven für das Spezialchemieunternehmen seien herausfordernd, hieß es. Zudem werde das Papier mit einem Aufschlag auf die Aktien der Konkurrenz gehandelt.

Geldregen für Drillisch

Der Verkauf eines Aktienpakets an Freenet hat Drillisch einen warmen Geldregen beschert. Der Gewinn stieg um mehr als das 40-fache auf 121,8 Millionen Euro. Im operativen Geschäft ging's gemächlicher zu. Das Ergebnis (Ebitda) stieg um zehn Prozent auf 16,2 Millionen Euro. Das entsprach weitgehend den Markterwartungen. Drillisch bestätigte den Ausblick auf 2013 und 2014 samt der Dividendenziele. Die Aktie verlor gut zwei Prozent und zählte zu den schwächsten Werten im TecDax.

Tui Travel erwartet starke Sommersaison

Für Europas größter Reiseveranstalter Tui Travel kann der Sommer getrost kommen. Die Buchungszahlen für die Haupturlaubszeit sind vielversprechend. Bisher seien 58 Przent der Sommerurlaube gebucht worden. Dank der Aussichten auf ein gutes Sommergeschäft hat Tui Travel die Prognose erhöht. Das operative Ergebnis soll im September auslaufenden Geschäftsjahr 2012/13 um mindestens zehn Prozent steigen, bisher war man von sieben bis zehn Prozent ausgegangen. Die Aktie stieg auf ein Zweijahres-Hoch.

Buzzi will Dyckerhoff-Aktionäre herausdrängen

Der italienische Zementkonzern wird den Konkurrenten Dycklerhoff komplett übernehmen. Buzzi machte den letzten erbliebenen Stamm- und Vorzugsaktionären ein Abfindungsangebot von 47,16 Euro. Das ist ein deutlicher Aufschlag. Manche Anleger spekulieren aber auf eine noch höhere Abfindung. Die Dyckerhoff-Vorzugsaktien schnellten auf über 48 Euro. Die Italiener halten schon mehr als 95 Prozent an Dyckerhoff.

ABB-Chef geht von Bord

Einen überraschenden Abgang gab ABB am Freitag bekannt: Vorstandschef Joe Hogan verlässt aus persönlichen Gründen den Konzern. Er geht aber erst, wenn ein Nachfolger gefunden ist. Hogan leitete fünf Jahre lang und führte den Konzern gut durch stürmische Zeiten. Die ABB-Aktien gaben leicht nach.

UniCredit trotzt der Rezession

Aus Italien meldete die Großbank UniCredit unerwartet gute Zahlen. Trotz der Rezession im Heimatland fuhr die HypoVereinsbank-Konzernmutter einen Gewinn von 449 Millionen Euro ein und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Die UniCredit-Aktie legte rund zwei Prozent zu.

Generali-Umbau greift

Auch ein anderer italienischer Konzern konnte glänzen: der Versicherungskonzern Generali. Der Nettogewinn stieg im ersten Quartal unerwartet deztlich um sechs Prozent auf 603 Millionen Euro. Deutschland und Österreich stützten das Geschäft. Zudem zeigte der von Firmenchef Mario Greco eingeleitete Konzernumbau Wirkung. Die Generali-Aktie stieg zeitweise kräftig.

Wer schluckt Dell?

Im Übernahmekampf um den schwächelnden US-Computerhersteller Dell haben die beiden Großaktionäre Carl Icahn und Southeastern einer Zeitung zufolge ein neues Angebot vorgelegt. Dem Vorschlag zufolge sollen bisherige Aktionäre ihre Anteile behalten können und zwölf Dollar in Form von Bargeld oder neu ausgegebenen Aktien bekommen, wie Wirtschaftsmedien am Freitag übereinstimmend berichteten. Es ist ein Gegenentwurf zum Übernahmeplan des Gründers Michael Dell, der die Aktien für 13,65 Dollar pro Stück kaufen will.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"