Immerhin ein Plus...

Detlev Landmesser

Stand: 20.12.2007, 20:26 Uhr

Noch kann der Dezember versöhnlich enden. Zwar war am Donnerstag wenig Begeisterung zu verspüren, doch hielt sich der Dax den ganzen Tag über im Plus - was den US-Aktienmärkten nicht gelang.

Immerhin blieb dem L-Dax ein Tagesplus von 0,6 Prozent auf 7.873,12 Punkte. Zur Stunde machen die US-Märkte den Eindruck, als wollten sie ihre "Hängebauch"-Tendenz zum dritten Mal in Folge wiederholen. Derzeit notieren alle großen Indizes nach einem zwischenzeitlichen Schwächeanfall wieder im Plus.

Morgen verspricht übrigens der große Verfallstag an der Terminbörse mehr Bewegung - wenn die Ausschläge auch nicht weniger erratisch ausfallen dürften als heute.

Die Konjunkturdaten des Tages bestätigten die allgemein erwartete Bremswirkung der Immobilien- und Kreditkrise auf die US-Konjunktur. Mit minus 0,4 Prozent ging der Index der Frühindikatoren im November zum zweiten Mal in Folge zurück. Im Oktober war der Sammelindex des Forschungsinstituts Conference Board um 0,5 Prozent gefallen. Ein dritter Rückgang des Index in Folge wäre ein handfestes Rezessionssignal.

Auch der Philadelphia-Fed-Index belegte die Abkühlung. Der Index fiel überraschend von 8,2 Punkten im November auf minus 5,7 Punkte. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf plus 6,4 Punkte gerechnet.

Ein positives Signal sendete dagegen ein wichtiges deutsches Konjunkturbarometer. Der vom Marktforschungsinstitut GfK berechnete Konsumklimaindikator hat sich wieder leicht aufgehellt. Der Indikator für Januar kletterte auf 4,5 Punkte nach 4,4 Zählern im Vormonat. Damit konnte der seit Monaten anhaltende Abwärtstrend gestoppt werden.

Von den US-Konzernen kamen uneinheitliche Quartalsdaten. Die Hypothekenkrise hat der Investmentbank Bear Stearns im vergangenen Quartal den ersten Verlust der Firmengeschichte eingebrockt. Pro Aktie belief sich das Minus auf 6,90 Dollar, Analysten hatten lediglich mit einem Verlust von 1,80 Dollar pro Aktie gerechnet. Im Zuge der Kreditkrise musste Bear Stearns im vierten Quartal 1,9 Milliarden Dollar abschreiben.

Der US-Postdienstleister FedEx verbuchte zwar einen Gewinnrückgang; dieser fiel jedoch glimpflicher aus als von Analysten erwartet. Auch der zuversichtliche Ausblick der Amerikaner half dem Wettbewerber Deutsche Post nach oben.

Conti reicht VDO-Sparte weiter

Stärkster Dax-Titel war die Conti-Aktie. Nur wenige Tage nach dem offiziellen Abschluss der Übernahme des Automobilzulieferers VDO hat Continental einen Teil der ehemaligen Siemens-Sparte wieder abgestoßen. Die Elektromotoren-Sparte und das Kühlerlüftergeschäft mit rund 4.200 Mitarbeitern gingen an den Coburger Konkurrenten Brose, teilten beide Unternehmen am Nachmittag mit, ohne finanzielle Details zu nennen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Conti für die Elektromotoren-Sparte 250 Millionen Euro erlöst.

Allianz verkauft riesiges Immobilienpaket
Die Allianz will ihr Immobilienportfolio kräftig verschlanken: Im neuen Jahr wolle man 190 Bürogebäude für 1,7 Milliarden Euro an die zu Goldman Sachs und Arcandor gehörende Immobilienfirma Whitehall verkaufen, teilte der Finanzkonzern mit. "Mit dieser Transaktion konnten wir die Übergewichtung des Immobilienvermögens in Deutschland deutlich reduzieren und die Struktur unseres Portfolios gleichermaßen verbessern", sagte Karl Ralf Jung, Geschäftsführer der Allianz Immobilien GmbH.

Siemens noch besser im Wind-Geschäft
Siemens hat seinen bislang größten Auftrag für Windanlagen auf offener See erhalten. Der Münchener Elektronikkonzern liefert 91 Anlagen an das dänische Unternehmen Dong Energy. Ein Konzernsprecher bezifferte den Auftragswert auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Die Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 200 Megawatt sollen ab 2009 aufgebaut werden.

Wird das noch was mit Premiere?
Auch am Donnerstag fielen Spekulationen, nach denen der Bezahlfernsehsender Premiere übernommen werden könnte, auf einen fruchtbaren Boden - der MDax-Titel gewann 2,8 Prozent an Wert. Händler argumentierten, dass eine Übernahme noch in diesem Jahr am wahrscheinlichsten sei. Denn danach verfallen die steuerlich absetzbaren Verlustvorträge.

UBS stuft Motorenhersteller ab
Die Aktie von Deutz litt unter einer Analyse der UBS. Die Analysten stuften den MDax-Titel von "Neutral" auf "Sell" ab und senkten das Kursziel von 9,60 auf 6,50 Euro. Zur Begründung verwiesen sie auf die angeblich enttäuschende Gewinnqualität des Motorenherstellers. Index-Kollege Tognum musste ebenfalls einer UBS-Analyse Tribut zollen. Hier sank das Kursziel von 25 auf 23 Euro. Der zuständige Analyst verwies unter anderem auf einen zunehmenden Wettbewerb und mögliche Überkapazitäten in der Branche im kommenden Jahr.

Qiagen legt Patentstreit bei
Im TecDax gehörte Qiagen zu den stärksten Titeln. Das Biotech-Unternehmen und die US-Diagnostikfirma Ventana Medical Systems haben einen Patentstreit beigelegt. Qiagen erhält eine nicht genannte Summe in bar. Im Gegenzug erkennt Qiagen bestimmte Lizenzrechte Ventanas an.

Solarworld verkauft Großteil an GPV
Gut erholt zeigte sich auch die Solarworld-Aktie. Anleger freuten sich über einen Liquiditätszufluss bei dem Solarkonzern. Solarworld verkauft 65 Prozent der schwedischen Tochter Gällivare PhotoVoltaic (GPV) an die Borevind AB. GPV fertigt Solarstrommodule mit einer Kapazität von 30 Megawatt. Die bestehenden Lieferbeziehungen mit GPV sollen bestehen bleiben.

Freenet zieht Schlussstrich - vorerst
Über vier Prozent verlor die Freenet-Aktie. Mit einer Übernahme wird es in diesem Jahr wohl nichts mehr. Der Telekomdienstleister hat seine exklusiven Verhandlungen mit dem Konkurrenten Drillisch beendet. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, die im Sommer eingeleitete Überprüfung der Strategie abzuschließen. Dabei ging es um eine Zerlegung des Unternehmens durch Teilverkäufe an verschiedene Käufer. Jetzt strebt Freenet eine Holdingstruktur an. Diese würde ein Übernahmeszenario wiederum erleichtern.

CTS für Kooperation gefeiert
Im SDax gewann die Aktie von CTS Eventim 8,6 Prozent. DerTicketvermarkter hat eine Kooperation mit dem weltgrößten Veranstaltungsunternehmen Live Nation geschossen. Live Nation wird unter anderem Software von CTS einsetzen. Das Bremer Unternehmen erhofft sich langfristig eine Steigerung bei den verkauften Tickets von derzeit rund 60 Millionen auf über 100 Millionen.

Rücksetzer für Escada
Schwere Verluste musste dagegen die Escada-Aktie einstecken. Der Modehersteller hat im Geschäftsjahr 2006/07 wegen Abschreibungen und anderen Sonderkosten für den Konzernumbau kräftige Verluste geschrieben. Das Minus lag bei knapp 27 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von sieben Millionen. Im neuen Geschäftsjahr 2007/08 will Escada Umsatz und operatives Ergebnis im prozentual unteren einstelligen Bereich steigern und einen Nettogewinn erzielen.

DIC vergrößert Portfolio
Ein Zukauf verhalf der DIC-Aktie deutlich ins Plus. Das Immobilienunternehmen hat nach eigenen Angaben dreizehn Immobilien für 173 Millionen Euro gekauft. Rund 60 Prozent der Objekte sind Einzelhandelsimmobilien, der Rest Büro- und sonstige Gewerbeimmobilien.

Gewinneinbruch bei Hornbach
Die Baumarktgruppe Hornbach hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 den Umsatz nur um 0,8 Prozent auf 648,7 Millionen Euro steigern können. Der Gewinn brach um 88 Prozent auf 1,6 Millionen Euro ein.

Neuer Rückschlag für November
Sehr schlecht erging es der Aktie der November AG. Die Hamburger Tochter IBL GmbH meldete beim Amtsgericht Hamburg wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenz an. Das ließ den Titel um mehr als 20 Prozent einbrechen.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat