Immerhin ein leichtes Plus

Lothar Gries

Stand: 07.01.2008, 20:00 Uhr

Dank der kräftigen Kursgewinne der Versorger schloss der Dax erstmals in diesem Jahr im Plus. Seine Tagesgewinne musste der Leitindex allerdings wieder abgeben. Freuen konnten sich vor allem die Anleger von Premiere.

Der Dax konnte am Abend einen Teil seiner zuvor abegebenen Tagesgewinne wieder aufholen und beendete den Handel mit einem Plus von 27 Zählern bei 7817 Punkten. Gestützt wurden die deutschen Werte von den leichten Kursgewinnen an der Wall Street. Dort wurden vor allem Werte von vermeintlich krisensicheren Unternehmen gekauft.

Ähnlich war die Tendenz zuvor in Frankfurt. Dass der Leitindex nicht ins Minus rutschte, haben die Anleger vor allem den schwergewichtigen Versorgern RWE und Eon zu verdanken, die neue Allzeithochs erklommen. Aber auch BMW und Deutsche Telekom, sowie die Chemie- und Pharmawerte BASF und Bayer stemmten sich erfolgreich gegen den allgemeinen Abwärtstrend.

Ganz düster sah es wegen der unter Druck geratenen Solarwerte im TecDax aus. Der Index verlor mehr als vier Prozent. Unter starkem Verkaufsdruck litten auch der Mdax (-2,7 Prozent) und der Sdax (-2,2 Prozent), obwohl es heute keine negativen Firmennachrichten aus diesen Segmenten gegeben hat.

Murdoch steigt bei Premiere ein
Medienmogul Rupert Murdoch setzt einen Fuß ins deutsche Fernsehgeschäft. Sein Konzern News Corp steigt mit 14,58 Prozent beim Münchener Bezahlfernsehsender Premiere ein. Dafür zahlt News Corp insgesamt 287 Millionen Euro an den bisherigen Eigner Unitymedia, wie dieser am Montag mitteilte. Das entspricht 17,50 Euro je Premiere-Aktie. Die Papiere von premiere gewannen daraufhin mehr als 20 Prozent und waren der größte Tagesgewinner in Frankfurt.

IKB erhöht Grundkapital
Die in die US-Hypothekenkrise geratene IKB Deutsche Industriebank hat im Rahmen ihrer Sanierung eine Wandelschuldverschreibung begeben. Die Emission, die in Aktien bis zu zehn Prozent des IKB-Grundkapitals wandelbar ist, wird vollständig vom IKB-Hauptaktionär KfW gekauft. Nach der Wandlung soll das Grundkapital der IKB bis zu 247,5 Millionen Euro statt vorher 225 Millionen Euro betragen. Dadurch erhöht sich der Anteil der KfW nach der Wandlung an der IKB auf bis zu 43,4 (vorher: 37,8) Prozent.

RWE in der ersten Reihe
RWE hat sich bis zum Xetra-Schluss an die Dax-Spitze hoch gearbeitet und damit die Deutsche Telekom auf den zweiten Platz der größten Kursgweinner verdrängt. Die Aktie gewinnt knapp drei Prozent. Die Versorger gelten als sichere Häfen in unruhigen Zeiten, da sie weniger anfällig sind für Konjunkturschwankungen wie Industriewerte.

Eon-Aktie bei knapp 151 Euro
Mit Kursen über 150 Euro erreichte die Eon-Aktie neue historische Höchststände. Wahrscheinlich half dabei auch die Meldung der "Bild"-Zeitung vom Samstag, die Eon-Tochter E-wie-einfach werde in mindestens 20 Städten und Regionen zum ersten Februar ihre Grundgebühr anheben. Dabei müssten die Kunden des Billigstrom-Anbieters teils bis zum Vierfachen des bisherigen Preises zahlen.

Arques sehr schwach
Die Aktie von Arques Industries ist am Nachmittag zeitweise auf 21,02 Euro gefallen und gab zuletzt um 5,01 Prozent auf 21,60 Euro nach. Sie reagierte damit auf eine Meldung der Arquana AG, die für sich und drei Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet hat. Arques Industries hält zwar laut einer Stimmrechtsmitteilung vom 20.Dezember 2007 keine Anteile an Arquana mehr, ein Händler sprach dennoch von einem "nicht unerheblichen Imageschaden" für die Beteiligungsgesellschaft.

SAP leidet unter Herabstufung
Die SAP-Aktie wurde zeitweise ans Dax-Ende durchgereicht. Gleich zwei Kurszielsenkungen machen dem Softwaretitel zu schaffen. Zeitweise markierte die Aktie mit 32,65 Euro den tiefsten Stand seit Mai 2005. Die UBS hatte ihr Ziel für den Dax-Titel von 45 auf 41 Euro gesenkt, die Societe Generale von 35 auf 31 Euro. Der Softwarekonzern werde voraussichtlich am 30. Januar seinen Ausblick für 2008 geben - diese Prognose dürfte schwach ausfallen, schrieben die Analysten der französischen Großbank.

Citigroup streicht 30 000 Stellen
Der krisengeplagte US-Finanzkonzern Citigroup steht einem US-Medienbericht zufolge vor einem massiven Stellenabbau. Die zweitgrößte US-Bank werde voraussichtlich fünf bis zehn Prozent ihrer knapp 330.000 Arbeitsplätze streichen, berichtete der US-Wirtschaftssender CNBC. Damit könnten mehr als 30.000 Jobs wegfallen. Der neue Citigroup-Chef Vikram Pandit wolle die Pläne in der kommenden Woche bekanntgeben. Am Dienstag nächster Woche legt die Bank ihre Ergebnisse für das vergangene Jahr vor. Citigroup ist mit am stärksten von der Kreditkrise betroffen.

Weitere Milliardenlast für Credit Suisse?
Derweil zeigt sich erneut, dass die Finanzkrise tatsächlich noch nicht ausgestanden ist. Nach einem Bericht der Schweizer Wochenzeitung "Sonntag" ist die Großbank Credit Suisse von der US-Hypothekenkrise stärker betroffen als bislang angenommen. Für das vierte Quartal sei eine weitere Abschreibung von 2,5 Milliarden Schweizer Franken nötig. Die Belastungen durch die Suprime-Krise würden sich damit auf knapp fünf Milliarden Franken erhöhen.

Neue Probleme für EADS
Die EADS-Aktie wird gleich von zwei Seiten belastet: Die Deutsche Bank hat den MDax-Titel von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Ziel von 20,00 auf 19,00 Euro gesenkt. Der Zyklus für Zivilflugzeuge schwäche sich 2008 ab. Dies dürfte auch zu einer schwächeren Auftragsentwicklung für Airbus führen, meinen die Analysten. Zudem hat der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern laut der "Wirtschaftswoche" neue Probleme mit dem Airbus-Militärtransporter A400M. Der Termin für den im Juli vorgesehenen Erstflug sei in Gefahr. "Da gibt es noch jede Menge offene Fragen", sagte ein hochrangiger EADS- Manager dem Magazin.

Wichtige Weichenstellung für Singulus
Im TecDax glänzt die Singulus-Aktie mit einem Plus von 21 Prozent. Händler verwiesen darauf, dass die Chancen auf einen Durchbruch des Standards Blu-ray im Wettstreit um die Nachfolge der DVD gestiegen sind. Das US-Filmstudio Warner Bros., das bisher seine Filme in beiden rivalisierenden Formaten Blu-ray und HD veröffentlichte, hat sich ausschließlich für die Blu-ray Disc entschieden. Damit stehen nun Warner, Sony, Disney und 20th Century Fox hinter Blu-ray. "Das ist sehr gut für Singulus. Einige haben bisher wegen der unterschiedlichen Systeme vor Gerätekäufen zurückgeschreckt", sagte ein Händler. Singulus bietet Produktionslinien für beide Formate an; die Margen bei Blu-ray sind jedoch höher.

Schlechter Solar-Tag
Solarwerte sind zu Wochenbeginn dagegen stark unter Druck geraten. Im TecDax verloren Solon, Ersol und Solarworld ohne neue Nachrichten bis zu acht Prozent an Wert. Auch der Windradhersteller Nordex geriet heftig unter Druck. Der Börsengang von EverQ, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Evergreen und REC wird laut einem Bericht der Zeitung "Euro am Sonntag" wahrscheinlich frühestens 2009 erfolgen. Das Blatt zitierte einen REC-Sprecher mit entsprechenden Angaben. Bisher sei der Markt noch von einem Börsengang im zweiten Halbjahr 2008 ausgegangen, meinten Händler.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen