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Dax kommt kaum voran Immer diese Seitwärtslage

Stand: 15.09.2020, 20:02 Uhr

Die Wirtschaft steht offenbar vor einer kräftigen Erholung im laufenden dritten Quartal. Wirklich begeistern kann das die Anleger aber nicht. Sie schauen vielmehr zur amerikanischen Notenbank und ihrer Zinssitzung.

Vor dieser Sitzung hielten sich die Anleger mit weiteren Aktienkäufen eher zurück. Der Dax kam kaum von der Stelle und ging am Abend bei 13.217 Punkten aus dem Handel, 0,18 Prozent oder 24 Punkte mehr als gestern. Damit verharrt er in einer engen Seitwärtslage zwischen 13.100 und 13.300 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.853,06
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Wie es weiter geht an den Aktienmärkten hängt entscheidend von der bis morgen Abend dauernden Zinssitzung der Fed ab. Dabei blicken die Anleger besonders auf die jüngste Neuausrichtung der Notenbank bei der Bekämpfung der Inflation und der Arbeitslosigkeit, weiß doch bisher niemand so genau was dies konkret für die Geldpolitik bedeutet.

Ermutigende Konjunkturdaten kommen derweil aus Deutschland und China. Sie deuten darauf hin, dass sich auch die viertgrößte und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter von der Corona-Krise erholen - trotz der Spannungen mit den USA. "Insgesamt wird eine kräftige Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal angezeigt", sagte Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg im Hinblick auf den Anstieg des ZEW-Index. Weder die Brexit-Sorgen noch die vermehrten Corona-Neuinfektionen hätten den Ausblick getrübt.

In den USA hat der Empire-State-Index die Schätzungen weit übertroffen. Das die Stimmung im Raum New York messende Konjunkturbarometer stieg von 3,7 Punkten im Vormonat auf 17,0 Punkte. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Anstieg auf 6,9 Punkte erwartet.

Blick auf Fed und Apple

An der Wall Street zeigen sich die Anleger anfangs etwas mutiger als hierzulande. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index noch 0,3 Prozent höher bei 28.079 Punkten. Besser sieht es beim Nasdaq 100 aus: er gewinnt 1,8 Prozent auf 11.480 Punkte.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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27.679,70
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Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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11.317,42
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Wie weiter mit den Techaktien?

Für Aufmerksamkeit sorgte am Abend die Vorstellung der neuen Apple-Produkte. Diesmal wurden aber nicht - wie um diese Zeit üblich - neue iPhone-Modelle vorgestellt. Die nächste Generation der Apple-Telefone wird nach Verzögerungen durch die Corona-Krise erst im Oktober erwartet. Auf dem besucherlosen Event im Apple Park in Cupertino (Kalifornien), das live im Web übertragen wurde, wurden stattdessen neue Modelle der Computer-Uhr Apple Watch präsentiert. Auch ein neues iPad wurde vorgestellt. Vor Beginn der Veranstaltung legte die Apple-Aktie 1,5 Prozent zu.

Damit ist die Angst vor einem weiteren Kurseinbruch bei den US-Techaktien aber nicht vom Tisch. "Dieser könnte die befürchtete Trendwende signalisieren", glaubt Jochen Stanzl von CMC Markets. Der Experte ist überzeugt, dass die scheinbar heiß gelaufenen Aktien "mehr und mehr ins Wanken kommen". Amazon, Apple und Microsoft notierten bereits auf Niveaus, deren Unterschreiten Trendwendeformationen aktivieren könnte.

Eurokurs gerät am Nachmittag unter Druck

Der Euro ist heute nach anfänglichen Gewinnen merklich unter Druck geraten. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1847 Dollar. Am Mittag war sie noch bis auf rund 1,19 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1892 (Montag: 1,1876) Dollar fest.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1667
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Die Welthandelsorganisation WTO hatte entschieden, dass von den USA gegen China verhängte Zölle gegen das Regelwerk verstoßen. Dies könnte die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China weiter verschlechtern. Darunter würde auch die Eurozone leiden, besonders das stark vom Export abhängige Deutschland.

AstraZenecas Studie bleibt ausgesetzt

In den USA bleibt die Studie des Pharmakonzerns AstraZeneca mit einem aussichtsreichen Corona-Impfstoff offenbar noch einige Tage ausgesetzt. Die amerikanischen Behörden untersuchten ernsthafte Nebenwirkungen, die bei einem Teilnehmer aufgetreten waren, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Erst zur Wochenmitte oder möglicherweise noch später könnte AstraZeneca die Tests wieder aufnehmen. In Großbritannien hatte AstraZeneca seine Studie bereits fortgesetzt. Der Konzern hatte die Studien mit dem Impfstoffkandidaten wegen einer ungeklärten Erkrankung bei einem Studienteilnehmer am sechsten September unterbrechen müssen.

Kraft Heinz: Umsatz im dritten Quartal höher als erwartet

Der US-Lebensmittelkonzern rechnet mit einem höheren Umsatz im dritten Quartal als bislang vom Markt erwartet. Demnach werden die Erlöse voraussichtlich im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen, teilte Kraft Heinz mit. Analysten hatten derweil mit einem Umsatzrückgang um 2,5 Prozent gerechnet. Der bereinigte Kerngewinn solle im Quartal im hohen einstelligen Bereich zulegen und im Gesamtjahr im mittleren einstelligen Bereich. Der Vorstand kündigte zudem an, sein Marketingbudget um 30 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar anzuheben.

Short-Attacke auf Grenke

Grenke : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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30,60
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-2,42%

Betrugsvorwürfe des Börsendiensts Viceroy brocken Grenke den größten Kurssturz seit 2001 ein. Die Papiere des Leasingspezialisten sacken am Nachmittag um 25 Prozent ab und fallen damit auf den Stand vor dem Corona-Crash im März.
Viceroy wirft der Firma unter anderem Geldwäsche vor. Grenke war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen. Dem "Spiegel" zufolge, der auf seiner Webseite über den Fall berichtet, weist die Firma die Vorwürfe zurück. Viceroy gehört dem für umstrittene Börsengeschäfte bekannten Investor Fraser Perring, der in den vergangenen Jahren mit kritischen Analysen zu Wirecard, ProSiebenSat.1 oder Steinhoff für Aufsehen gesorgt hatte.

Hypoport empfohlen

Die Commerzbank hat Hypoport von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 403 auf 550 Euro angehoben. Der Finanzdienstleister biete eine der seltenen langfristigen Wachstumsstories am deutschen Aktienmarkt, schrieb Analyst Christoph Blieffert in einer Studie. Als Wegbereiter der Digitalisierung für die deutsche Finanz- und Immobilienbranche sei das Unternehmen in einer starken Marktposition, um in den nächsten Jahren die Umsätze im hohen zweistelligen Prozentbereich zu steigern.

Übername treibt Amadeus Fire

Der Personaldienstleister übernimmt den Bildungsanbieter GFN. Amadeus Fire habe einen Kaufvertrag über 100 Prozent der Anteile an der GFN AG abgeschlossen, teilt das SDax-Unternehmen mit. Der Kaufpreis liege bei rund sechs Millionen Euro. GFN sei als Bildungsanbieter fokussiert auf den Markt der geförderten Erwachsenenbildung und dabei primär spezialisiert auf IT-Funktionen. GFN werde im Jahr 2020 voraussichtlich einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro bei einem neutralen operativen Ergebnis erreichen.

Sony: Problem bei der Playstation 5?

Der Elektronikriese Sony rechnet offenbar wegen Schwierigkeiten bei der Chipfertigung mit einer deutlich niedrigeren Produktion seiner in Kürze erscheinenden Spielekonsole Playstation 5. Die angepeilte Produktionszahl für das bis Ende März 2021 laufende Geschäftsjahr sei um vier Millionen auf elf Millionen Stück reduziert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg und berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen.

Noch im Juli hatte der Elektronikriese die Bestellungen bei seinen Zulieferern deutlich erhöht, um für einen von ihm erwarteten Ansturm gewappnet zu sein. Wegen der Folgen der Corona-Krise rechnete Sony mit einer gesteigerten Nachfrage im Spiele-Bereich während der Urlaubs- und Feiertagszeit gegen Ende des Jahres und darüber hinaus.

H&M: Schwarz ist das neue Rot

Der schwedische Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) rechnet bereits für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal (bis Ende August) wieder mit schwarzen Zahlen im operativen Geschäft. Nach vorläufigen Ergebnissen kommt der Konzern auf einen Vorsteuergewinn von rund zwei Milliarden Schwedischen Kronen (192 Millionen Euro). Insgesamt gelinge die Erholung in der Corona-Krise bei H&M besser als erwartet, hieß es.

Dennoch bekamen die Schweden die Folgen der Pandemie auch im dritten Geschäftsquartal zu spüren. Die Erlöse sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf 50,9 Milliarden Schwedische Kronen. In den jeweiligen Landeswährungen belief sich der Rückgang auf 16 Prozent. Im zweiten Quartal war der Umsatz im Jahresvergleich noch um die Hälfte eingebrochen.  | mehr

Corona: Fiat kürzt Dividende

Der Autobauer Fiat Chrysler schüttet seinen Aktionären vor der Fusion mit der Opel-Mutter PSA angesichts der Corona-Krise weniger Geld aus. Die Sonderdividende werde bei 2,9 Milliarden Euro liegen, kündigten die Autokonzerne am Montagabend an. Zuvor waren 5,5 Milliarden Euro angekündigt worden.

Der 46-prozentige Anteil von PSA am Autozulieferer Faurecia werde an alle Aktionäre des fusionierten Konzerns ausgeschüttet werden. Beide Konzerne werden ihren Aktionären möglicherweise je eine halbe Milliarde Euro vor der Fusion oder zusammen eine Milliarde Euro nach der Fusion ausschütten, dies hänge aber von Faktoren wie dem Abschneiden der Konzerne und der Marktlage ab.

SEC prüft Vorwürfe gegen Nikola

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC nimmt offenbar den Hybrid-Truck-Entwickler Nikola unter die Lupe. Die Behörde wolle die Vorwürfe des Leerverkäufers Hindenburg Research prüfen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Der Bericht von Hindenburg Research und die Antwort von Nikola hatten die Aktie massiv einbrechen lassen. Die Antwort wurde von Investoren als zu wenig detailliert betrachtet.  | mehr

Klarna verdoppelt seine Bewertung

Der Zahlungsdienstleister Klarna hat seinen Marktwert innerhalb von rund einem Jahr verdoppelt. Bei einer vom US-Investor Silver Lake angeführten Finanzierungsrunde seien 650 Millionen Dollar eingesammelt worden, teilte der schwedische Konkurrent von Paypal und Afterpay am Dienstag mit. Damit steige die Bewertung auf 10,65 Milliarden Dollar. Im August vergangenen Jahres waren es noch 5,5 Milliarden Dollar. Damit sei Klarna das am höchsten bewertete private FinTech in Europa und stehe weltweit an vierter Stelle, hieß es weiter.

lg

Tagestermine am Montag, den 28. September

Firmen:
Siemens Energy: Erstnotiz an der Frankfurter Börse nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Siemens, 09:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu Erzeugerpreisen für Dienstleistungen Q2
EU: Einleitende Erklärung von EZB-Präsidentin Lagarde im ECON-Ausschuss des Europäischen Parlaments, 15:30 Uhr