Immer dasselbe Theater...

Detlev Landmesser

Stand: 27.06.2008, 20:33 Uhr

Zwei altbekannte Gewichte lasteten auch am Freitag auf den Kursen. Der weiter haussierende Ölpreis und Sorgen um die Bankbilanzen ließen die Aktienmärkte teils heftig abrutschen.

So verlor der Dax im Tagesverlauf bis zu 1,7 Prozent. Der L-Dax ging 0,9 Prozent tiefer bei 6.384,27 Punkten ins Wochenende.

Am Abend notierten die US-Börsen moderat im Minus. Erstmals überschritt am Freitag der Ölpreis der richtungsweisenden US-Sorte WTI zur August-Auslieferung die Marke von 142 Dollar und erreichte am Abend 142,99 Dollar.

Dazu kamen die schon fast üblichen Sorgen um weitere Belastungen für die amerikanischen Bankbilanzen. Die Aktie der US-Investmentbank Morgan Stanley geriet unter Druck, nachdem die Ratingagentur Moody's über eine mögliche Herabstufung der Bonitätsnote gesprochen hatte. Für Merrill Lynch bezifferten die Analysten von Lehman Brothers den Abschreibungsbedarf im zweiten Vierteljahr indessen auf 5,4 Milliarden Dollar.

Dennoch schafften es die US-Aktienmärkte nach ihrem Einbruch am Donnerstag zeitweise ins Plus. Für Entspannung sorgten die Daten zu den persönlichen Einnahmen und Ausgaben der US-Verbraucher im Mai, die beide etwas stärker gestiegen waren als erwartet. Auch die Kernrate des Verbraucherpreisindex überraschte leicht positiv und stieg weniger stark als gedacht. Die Zuversicht der US-Konsumenten für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes war dagegen im Juni weiter rückläufig. Der entsprechende Index der Uni Michigan gab nach endgültigen Berechnungen von 59,8 auf 56,4 Punkte nach. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 57,0 Punkte gerechnet.

Deutsche-Bank-Aktie im Abwind

Wie die US-Finanztitel sah auch die Aktie der Deutschen Bank weiter nicht gut aus. Diesmal lasteten Spekulationen über eine Kapitalerhöhung auf dem Dax-Titel. Der deutsche Branchenprimus muss im laufenden zweiten Quartal nach Einschätzung der Citigroup weitere Abschreibungen verkraften. Bislang ist die Deutsche Bank mit Abschreibungen von rund fünf Milliarden Euro vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen.

Deutsche Börse unter Handlungsdruck
Die zunehmende Konkurrenz durch außerbörsliche Handelsplattformen zwingt die Deutsche Börse offenbar zum Handeln. Angeblich will der Börsenbetreiber den Xetra-Handelsstart schon bald um 8:30 Uhr, also eine halbe Stunde früher, beginnen lassen. Die "Börsenzeitung" berichtete, dass der Börsenrat am 17. Juli darüber entscheiden wolle. Die Aktie der Deutschen Börse verlor wieder über drei Prozent und war damit der schwächste Titel im Dax.

Bayer gefragt
Über zwei Prozent rückte dagegen die Bayer-Aktie vor. Am Vormittag hatte Morgan Stanley das Kursziel für den Dax-Wert von 66 auf 67 Euro erhöht und das Anlageurteil "Overweight" bestätigt. Das Agrochemiegeschäft CropScience sei substanziell unterbewertet, begründeten die Analysten den Schritt.

Streicht Siemens tausende Stellen?
Im Abendhandel gab die Siemens-Aktie etwas nach. Der Mischkonzern will nach Informationen aus dem Konzernumfeld in Deutschland 6.450 Arbeitsplätze streichen. Weltweit sollten 17.150 Stellen wegfallen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Siemens beschäftigt weltweit knapp 400.000 Mitarbeiter, davon gut 130.000 im Inland.

Oracle fährt schwere Geschütze auf
Im Rechtsstreit mit SAP hat der US-Rivale Oracle seinen Schaden erstmals auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt. Noch könne Oracle den Umfang des durch Diebstahl geistigen Eigentums erlittenen Schaden nicht präzise beziffern, heißt es in einem Dokument des US-Bezirksgerichts in San Francisco. "Bislang scheint es, dass Oracles Schaden mindestens mehrere hundert Millionen Dollar beträgt und wahrscheinlich zumindest eine Milliarde Dollar beträgt", heißt es aber in dem Dokument unter Verweis auf Angaben des klagenden US-Konzerns.

BASF verdoppelt Aktienzahl
BASF hat heute wie geplant seinen Aktiensplit im Verhältnis 2 zu 1 vollzogen. Der Chemiekonzern will die Aktie damit einem breiteren Anlegerkreis zugänglich machen. Die Deutsche Bank erhöhte am Morgen noch das Kursziel für die "halbierte" BASF-Aktie von 54 auf 58 Euro.

Merrill Lynch mag SGL
Im MDax war die Aktie der SGL Group gefragt. Händler führten das Kursplus auf eine Studie von Merrill Lynch zurück, in der das Papier mit "Buy" und einem Kursziel von 55 Euro ausgewiesen wurde. Wegen der Preissteigerungen für Graphitelektroden erhöhten die Merrill-Lynch-Analysten ihre Gewinnprognose für 2009 um 20 Prozent.

Wirecard-Absturz setzt sich fort
Die Aktie von Wirecard verlor zunächst den zweiten Tag in Folge zweistellig, bevor sie sich wieder deutlich erholte. Schon gestern hatte der TecDax-Titel, erschüttert von zahlreichen Spekulationen, fast 30 Prozent verloren. Im Gespräch mit boerse.ARD.de bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, die Bilanz des Internet-Zahlungsabwicklers als "irreführend". Das Unternehmen dementierte über den Tag alle Vorwürfe und Spekulationen entschieden.

Kartellvorwürfe gegen SKW
Im SDax brach die Aktie von SKW Stahl-Metallurgie um 20 Prozent ein. Die EU-Kommission hat gegen das Unternehmen ein Verfahren wegen Wettbewerbsverstößen begonnen. "Das Verfahren selbst kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, wobei der Ausgang noch offen ist", erklärte SKW. Man prüfe jetzt die Vorwürfe. Sollte die Kommission einen Verstoß feststellen, könne sie ein Bußgeld gegen SKW verhängen.

Colonia Real Estate verliert Mandat
Über sieben Prozent verlor die Aktie von Colonia Real Estate. Das Immobilienunternehmen meldete, dass die Oaktree Capital Management LP ihren Asset-Management-Vertrag mit Colonia zum Jahresende gekündigt hat. Die Entscheidung setze aber Kapazitäten für andere Mandate frei, teilte das SDax-Unternehmen weiter mit.

Hoffnung bei Thielert?
Ein Kunde des insolventen Flugzeugmotorenherstellers Thielert hat an Geldgeber und Partner appelliert, das Unternehmen zu retten. "Man könnte etwa mit Cessna und Piper ein Konsortium bilden und Thielert übernehmen", sagte Christian Dries, der Chef des österreichischen Flugzeugbauers Diamond Aircraft, zu Reuters. "Dabei könnte man auch einen Finanzinvestor einbinden." Erste Gespräche mit potenziellen Geldgebern seien aber erfolglos geblieben. Anleger waren nicht überzeugt, die Aktie stand wieder unter Druck.

Tele Atlas sagt Ade
Der Digitalkarten-Anbieter Tele Atlas wird nach der Übernahme durch TomTom am 30. Juli vom Börsenzettel in Frankfurt und Amsterdam gestrichen. TomTom erklärte, nach dem Ende der letzten Andienungsfrist 99,29 Prozent der Aktien von Tele Atlas zu halten.

Berentzen-Eigner stellen Pakete zum Verkauf
Die Hauptaktionäre des Spirituosen-Herstellers Berentzen erwägen, das Unternehmen zu verkaufen. Um weiterhin organisch wachsen zu können, könnte Berentzen sämtliche Stammaktien, die den Familien Berentzen, Pabst, Richarz und Wolff gehören, verkaufen. Als Begründung verwies das Unternehmen auf ein angespanntes Marktumfeld angesichts gestiegener Rohstoffpreise und eine weitere Konzentration des Lebensmittel-Einzelhandels. Das "Handelsblatt" berichtete allerdings, dass die Resonanz auf das Verkaufsangebot gering sei. Berentzen hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 11,4 Millionen Euro geschrieben.

GfK/TNS müssen noch warten
Nach wachsendem Druck hat der GfK-Verein die Abstimmung über die geplante Fusion des Marktforschungsinstituts GfK mit der britischen TNS verschoben. Die Mitglieder des GfK- Hauptaktionärs sollen nun erst am 21. Juli statt wie bisher vorgesehen am 4. Juli über den Zusammenschluss zum weltweit zweitgrößten Marktforschungsunternehmen befinden. Dadurch solle mehr Zeit gewonnen werden, um "den geplanten Zusammenschluss umfassend zu diskutieren, teilte der GfK-Verein mit, der die Mehrheit an der gleichnamigen AG hält.

SMA-Debüt geglückt
Trotz der widrigen Umstände war der Börsengang des Wechselrichterherstellers SMA Solar Technology erfolgreich. Der Ausgabepreis für die Papiere des Solarunternehmens lag bei 47 Euro, zum Xetra-Schluss erreichte der Kurs 55,50 Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr