Im Würgegriff der Rezession

Stand: 15.10.2008, 20:01 Uhr

Neu angefachte Rezessionsängste haben die Börsen erneut auf Talfahrt geschickt. Vor allem die exportabhängigen Werte mussten zweistellige Verluste hinnehmen.

Der Dax hat im Abendhandel seine Verluste noch ausgeweitet und schließt 7,5 Prozent oder 386 Zähler tiefer als gestern bei 4802. Im Xetra-Handel verlor der Leitindex 6,5 Prozent oder 337 Zähler. Auch an der New Yorker Wall Street rutschen die Kurse erneut ab. Kurz vor der Veröffentlichung des Konjunkturberichts der Fed verliert der Dow Jones Index knapp 500 Punkte und sinkt damit erneut unter die Marke von 9000 Punkten, 5,3 Prozent weniger als gestern.

Die Sorgen der Investoren wurden durch Äußerungen von US-Notenbank-Chef über den Zustand der Wirtschaft und schwache Konjunkturdaten zusätzlich angeheizt. Ben Bernanke bezeichnete die Finanzkrise als große Bedrohung für das Wachstum. Die Krise bremse durch die Einschränkung der Kreditvergabe an Firmen, Verbraucher und staatliche Ebenen die Wirtschaftsleistung.

In Frankfurt traf es besonders heftig die traditionellen Großkonzerne Siemens, MAN und ThyssenKrupp. Bei Siemens sorgte zudem eine drastische Herabstufung des Kursziels von 95 auf 61 Euro durch Goldman Sachs für einen Einbruch von mehr als 14 Prozent.

Doch auch die Bank- und Versicherungswerte, allen voran die Deutsche Bank mussten erneut hohe Verluste verbuchen. Kräftig zulegen konnten heute einzig die Aktien von Volkswagen. Sie gewannen gut elf Prozent und näherten sich der Marke von 400 Euro. Ausgelöst wurde der neuerliche Einbruch an den Märkten durch die schlechten US-Konjunkturdaten.

US-Wirtschaft in der Rezession
Die Geschäftsaussichten im verarbeitenden Gewerbe im US-Bundesstaat New York sind im Oktober überraschend stark zurückgegangen. Der Empire-State-Manufacturing-Index sank von minus 7,41 Punkten im Vormonat auf minus 24,62 Punkte. Volkswirte hatten zuvor nur mit einem Rückgang auf minus 10,00 Punkte gerechnet. Im September gingen auch die US-Einzelhandelsumsätze stärker zurück als prognostiziert.

Coca-Cola macht Hoffnung
Der weltweit größte Getränkehersteller Coca Cola hat im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen und trotz der rückläufigen Konjunktur einen Umsatz- und Gewinnanstieg erzielt. Der Gewinn erhöhte sich von 71 auf 81 US-Cent je Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 77 Cent gerechnet. Der Umsatz stieg in den drei Monaten von Juli bis Ende September von 7,69 auf 8,39 Milliarden Dollar.

Positiv überrascht hat auch JP Morgan. Die US-Bank hat im dritten Quartal zwar einen Gewinneinbruch erlitten, blieb aber überraschend in den schwarzen Zahlen. Der Überschuss sank um 84 Prozent auf 527 Millionen Dollar. Experten hatten allerdings einen Verlust erwartet.

Porsche hat prächtig verdient
Der Sportwagenbauer stellt für das abgelaufene Geschäftsjahr 2007/2008 (31.7.) einen erneut hohen Gewinn in Aussicht.. "Das Bilanz-Ergebnis steht zwar noch nicht fest, aber unsere Aktionäre werden wieder allen Grund zur Freude haben", sagte der Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Konzerns, Wendelin Wiedeking, heute in Frankfurt laut Redetext. Porsche stehe "besser da als jemals zuvor in seiner 60-jährigen Geschichte als Sportwagenschmiede." Das Unternehmen will am 26. November seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen.

Klöckner bestätigt Jahresziele
Der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co hat seine Jahresziele bekräftigt. Trotz der im vierten Quartal spürbaren Nachfrageschwäche werde unverändert vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein Gewinn (Ebitda) von mindestens 500 Millionen Euro erwartet, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Inklusive Sondererträgen werde ein Ebitda von 770 Millionen erzielt. Nach ersten Berechnungen erzielte KlöCo in den ersten neun Monaten ein Ebitda von etwa 470 Millionen Euro und damit 183 Millionen mehr als vor Jahresfrist. Die Aktie kann sich von ihren morgendlichen Verlusten erholen und notiert nahezu unverändert.

Schaeffler deckt sich mit Conti-Aktien ein
Das fränkische Familienunternehmen kauft Aktien über den Markt und spart damit Geld beim Einstieg bei dem hannoverschen Autozulieferer. In der vergangenen und in dieser Woche habe Schaeffler knapp zwei Prozent an Continental zu Kursen von 59 bis 63 Euro gekauft und seinen Anteil damit auf knapp elf Prozent aufgestockt. "Wir werden weiter Conti-Aktien kaufen, wenn es für uns wirtschaftlich sinnvoll ist", sagte ein Sprecher des Herzogenauracher Wälzlagerherstellers

Vossloh beschließt Aktienrückkauf
Der Verkehrstechnik-Konzern Vossloh will bis zu zehn Prozent seiner eigenen Aktien zurückkaufen. Zudem bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose. Das Rückkaufprogramm soll am 16. Oktober 2008 beginnen und spätestens am 15. April 2009 abgeschlossen sein. Der Vorstand des im MDax notierten Unternehmens stellt für 2008 unverändert einen Umsatz von 1,126 Milliarden Euro in Aussicht.

Centrotherm holt sich Geld
Das Solartechnikunternehmen Centrotherm hat wegen einer Kapitalerhöhung seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurückgenommen. Damit sei aber keine Aussage darüber getroffen, ob Umsatz oder Ergebnis für das Geschäftsjahr 2008 höher oder niedriger als ursprünglich prognostiziert ausfallen werden, teilte das TecDax-Mitglied mit. Die Centrotherm-Aktie brach zwischenzeitlich um mehr als 16 Prozent, erholte sich dann aber etwas.

Südzucker mit Gewinneinbruch
Europas größter Zuckerhersteller Südzucker hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 einen Einbruch beim operativen Ergebnis um 73 Prozent auf 18,2 Millionen Euro verbucht. Der Umsatz legte um drei Prozent zu auf 1,53 Milliarden Euro zu. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Ergebnis von 61 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,55 Milliarden Euro gerechnet. Im Gesamtjahr sollen die Erlöse sich nun auf 5,8 bis 6 Milliarden Euro anziehen und damit 200 Millionen Euro mehr als bisher prognostiziert.

Rational-Küchen unter Schock
Der Großküchenausrüster Rational musste im dritten Quartal einen leichten Umsatzrückgang im Vorjahresvergleich auf 81,2 Millionen Euro hinnehmen. Das Ebit sank von 21,9 auf 19,9 Millionen Euro. "Eine nahezu schockartige Investitionszurückhaltung - auch bei unseren Kaufentscheidern - hat das Wachstum der Rational AG im abgelaufenen Quartal deutlich negativ beeinflusst", teilte das SDax-Mitglied mit. Am 12. November will das Unternehmen den Ausblick konkretisieren. Der Rational-Aktie wird ein heftiger Schlag versetzt.

Gerresheimer mit stabilen Aussichten
Der Verpackungshersteller Gerresheimer hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 14 Prozent auf 50,3 Millionen Euro nach oben geschraubt. Allerdings rutschte das Ergebnis unter dem Strich wegen Abschreibungen sogar in die roten Zahlen. Die Gesamtjahresprognose wurde bestätigt.

Elmos warnt
Der Halbleiterhersteller Elmos hat nach ersten Berechnungen im dritten Quartal einen Umsatz unter den eigenen Erwartungen erreicht. Auch für das laufende vierte Quartal rechnet Elmos mit keiner Belebung des Geschäfts.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr