Im Westen nichts Neues...

Detlev Landmesser

Stand: 26.03.2008, 20:31 Uhr

Zur Wochenmitte übernahm die US-Finanzkrise wieder das Regiment an den Aktienmärkten. Neben einer Quasi-Gewinnwarnung der Deutschen Bank gab es die schon fast üblichen Krisenmeldungen aus den USA.

Dabei hatte sich der Dax noch vergleichsweise gut gehalten, wurde dann aber von der Wall Street gebremst. Die US-Auftragseingänge für langlebige Güter gingen für viele Volkswirte überraschend im Februar um 1,7 Prozent zum Vormonat zurück. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Auftragszuwachs von 0,7 Prozent gerechnet. An der Realität eines negativen US-Wachstums im ersten Quartal dürfte nun kaum ein ernst zu nehmender Volkswirt mehr zweifeln. Die Verkäufe neuer Häuser im Februar fielen dagegen mit 590.000 etwas höher als erwartet aus.

An der Wall Street lagen die großen Indizes am Abend rund ein Prozent im Minus. Das lag vor allem an den Nachrichten von der Kreditfront. Der milliardenschwere Verkauf des Hörfunkkonzerns Clear Channel droht wegen Finanzierungsschwierigkeiten zu platzen. Zwei Finanzinvestoren wollen den Konzern für 20 Milliarden Dollar übernehmen, doch sind nun offenbar die involvierten Banken wankelmütig geworden.

Die größte US-Bank Citigroup wird indessen um 1,66 Milliarden Dollar erleichtert. Als letzte von elf Banken hat sie sich mit den Gläubigern des zusammengebrochenen Energiehändlers Enron geeinigt.

Gut kamen dagegen die Pläne von Motorola an. Der zuletzt schwächelnde US-Technologiekonzern will sich in zwei börsennotierte Konzerne aufspalten und die Handy-Sparte vom Geschäftskundenbereich trennen.

Ifo koppelt sich überraschend ab

In Deutschland hatte der erstaunlich robuste Ifo-Index um 10:00 Uhr für Aufsehen gesorgt. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer stieg im März überraschend auf 104,8 Punkte. Im Februar hatte der Index noch bei 104,1 Zählern gelegen. Volkswirte hatten im Schnitt sogar mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Der Euro reagierte im einem Kurssprung. Am Abend kletterte die Gemeinschaftswährung weiter auf Kurse über 1,5820 Dollar. Auch die Ölpreise zogen wieder an. Nach überraschend schwachen US-Lagerdaten sprang die Notierung für leichtes US-Öl bis auf knapp 106 Dollar, was rund fünf Dollar über dem Preis von Dienstag lag.

Quasi-Gewinnwarnung der Deutschen Bank
Am deutschen Markt sorgte vor allem die Deutsche Bank für Gesprächsstoff, die über weite Strecken schwächster Titel im Dax war. Die "anhaltend schwierigen Marktbedingungen" könnten im Investmentbanking zu weiteren Abschreibungen und rückläufigen Erträgen führen, erklärte Deutschlands größtes Geldhaus in dem heute veröffentlichten Geschäftsbericht. Diese negativen Effekte auf der Ertragsseite könnten möglicherweise nicht durch Erfolge in anderen Geschäftsbereichen kompensiert werden. "Diese Umstände können die Erreichung unseres veröffentlichten Gewinnziels negativ beeinflussen", erklärte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Mehrere Analysten sprachen daraufhin von einer "Gewinnwarnung".

Chinesen an Dresdner Kleinwort interessiert?
Zeitweise wurde die Allianz-Aktie von einem Bericht des "Manager Magazins" gestützt. Das Magazin meldete vorab, ein Geldinstitut aus China interessiere sich für das Investmentbanking und die Großkundensparte der Dresdner Bank. Die Asiaten hätten der Allianz bereits ein schriftliches Angebot zukommen lassen.

Freenet will Debitel übernehmen
Am Abend baute die Freenet-Aktie ihren Tagesgewinn deutlich aus. Der Mobilfunk- und DSL-Provider will den Mobilfunk-Wettbewerber Debitel übernehmen. Freenet befinde sich in Gesprächen mit Finanzinvestor Permira, dem Debitel gehört, teilte das TecDax-Unternehmen nach Xetra-Schluss mit. Wenn die Gespräche zum Erfolg führten, würde Freenet die Debitel-Gruppe einschließlich ihrer Verbindlichkeiten übernehmen und den Debitel-Aktionären hierfür eine Beteiligung von 24,9 Prozent an Freenet einräumen, hieß es der Ad-hoc-Mitteilung. Darüber hinaus wäre ein Barkaufpreis zu entrichten. Das "Manager Magazin" hatte zuvor berichtet, Freenet wolle 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro für Debitel zahlen und die Übernahme zum Teil durch den bereits angekündigten Verkauf des DSL-Geschäfts finanzieren.

Auch Drillisch hat viel vor
Zuvor hatte bereits Freenet-Großaktionär Drillisch erklärt, zu einem der führenden Mobilfunk-Service-Provider in Deutschland aufsteigen zu wollen. "Um unser Ziel zu erreichen, wollen wir auch unsere aktive Rolle bei der Konsolidierung des Marktes beibehalten." Sollte Freenet allerdings die Übernahme von Debitel gelingen, wäre dies ein weiterer Rückschlag für die Pläne von Drillisch, die Mobilfunksparte von Freenet zu übernehmen.

Im vergangenen Jahr steigerte Drillisch seinen Umsatz um 28,1 Prozent auf 361,5 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 24,3 Millionen Euro übrig, 41,3 Prozent mehr als 2006.

Leoni guten Mutes
Im MDax schlug sich die Leoni-Aktie überdurchschnittlich. Der Autozulieferer will nach den bereits bekannten guten Jahresergebnissen seine Dividende um zehn auf 90 Cent je Aktie erhöhen. Außerdem bekräftigte der Kabelhersteller, im laufenden Jahr einen Umsatz von mindestens drei Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 140 Millionen Euro erreichen zu wollen.

Hochtief vorsichtig
Die Hochtief-Aktie büßte 3,9 Prozent ein. Nach einem kräftigen Umsatz- und Gewinnanstieg im vergangenen Jahr will der Baukonzern seine Dividende von 1,10 auf 1,30 Euro pro Aktie erhöhen. Der Ausblick für das laufende Jahr fällt allerdings ziemlich vorsichtig aus. Zwar sollen Gewinn und Umsatz weiter wachsen. Allerdings soll das Vorsteuerergebnis auf dem Vorjahresniveau stagnieren und Auftragseingang sowie Auftragsbestand sogar unter dem Vorjahreswerten liegen.

Kontron wächst weiter zweistellig
Im TecDax gab die Aktie von Kontron 6,3 Prozent ab. Der Minicomputer-Hersteller hat 2007 seinen Umsatz von 405 auf 447 Millionen Euro verbessert und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 32,9 auf 46,2 Millionen Euro gesteigert. Allerdings lag Kontron damit leicht unter den Analystenerwartungen. Für 2008 rechnet Kontron erneut mit einem prozentual zweistelligen Umsatzwachstum und einem überproportionalen Gewinnplus.

Phänomenaler Kursgewinn bei Escada
Im SDax haussierte die Escada-Aktie mit einem Plus von zeitweise mehr als 36 Prozent. Der Finanzinvestor Apax will laut dem "Handelsblatt" bei dem Modehersteller einsteigen und zusammen mit dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko die Mehrheit übernehmen. Neuer Vorstandschef bei Escada soll angeblich der ehemalige Boss-Chef Bruno Sälzer werden.

IKB stürzt weiter ab
Am anderen Ende des SDax machte Neuzugang IKB mit weiteren Kursverlusten auf sich aufmerksam. In der Spitze stürzte der Kurs um 21 Prozent auf ein Rekordtief von 3,92 Euro ab. "Die Aktie will nun wirklich niemand mehr haben, die hat nur noch Schrottwert", schimpfte ein Händler. Noch von einem Jahr hatte die zuvor im MDax notierte Aktie der Mittelstandsbank 30 Euro gekostet. Morgen hält das Institut seine Hauptversammlung ab, die angesichts der Probleme turbulent werden dürfte.

Rational wächst kräftig
Der Großküchenausrüster Rational hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 19 Prozent auf 336,6 Millionen Euro verbessert. Der Konzerngewinn kletterte um 18 Prozent auf 61,2 Millionen Euro. Die Dividende soll 3,75 auf 4,50 Euro je Aktie steigen. Im laufenden Jahr rechnet das SDax-Unternehmen mit einem Wachstum von Umsatz und operativem Ergebnis von jeweils 15 Prozent.

Krisenopfer AWD
Der Finanzdienstleister AWD hat wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und seinem schwachen Großbritannien-Geschäft seine Umsatz- und Gewinnziele für 2007 verfehlt. Wegen der vor kurzem erfolgten mehrheitlichen Übernahme durch den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life fiel die Reaktion der Börse gelassen aus.

Berentzen hofft weiter
Nach tiefroten Zahlen für 2007 setzt der Spirituosen-Hersteller Berentzen weiter auf die Wende. "Im vergangenen Jahr wurde der Verfall der Marke Berentzen gestoppt, als nächstes soll die Trendwende im gesamten Markengeschäft kommen", erklärte Vorstandschef Axel Dahm. Das Unternehmen müsse den Produktmix verändern und an einer besseren Umsatzstruktur arbeiten. Im vergangenen Jahr weitete sich der Verlust auf 11,4 Millionen Euro aus, nach minus 700.000 Euro 2006. Der Konzernumsatz ohne Branntweinsteuer lag mit knapp 186 Millionen Euro rund drei Prozent über dem Vorjahreswert.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"