Im Strudel der Wall Street

Stand: 30.10.2009, 20:03 Uhr

Die schwache Kursentwicklung in Amerika hat dem Dax die Wochenbilanz vermasselt. Der Dax rutschte am Freitag um 3,1 Prozent ab, auf Wochensicht verlor der Leitindex sogar fast sechs Prozent. Börsianer machten vor allem Gewinnmitnahmen für die Verluste verantwortlich.

Offenbar nutzten viele Anleger den letzten Handelstag der Woche, um ein paar Gewinne mitzunehmen. Anders lassen sich die herben Kursverluste kaum erklären, denn die Nachrichten, mit denen sich der Investor am Freitag herumschlagen musste, waren alles andere als Besorgnis erregend.

Da gab es drei Konjunkturdaten aus den USA. Der Einkaufsmanagerindex aus Chicago stieg auf 54,2 Punkte und deutet damit wieder Wachstum an, das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan fiel mit 70,6 Punkten besser aus als erwartet, war jedoch schwächer als im Vormonat. Auch die Konsumausgaben hatten leichtes Enttäuschungspotenzial, sie gingen wie erwartet um 0,5 Prozent zurück. Nach den hervorragenden BIP-Zahlen vom Donnerstag interpretierten einige Investoren dies womöglich als Zeichen dafür, dass die Konjunkturerholung nicht nachhaltig ist.

Die Kursverluste an der Wall Street, die im Laufe des Nachmittags auf über zwei Prozent bei den drei großen Indizes anstieg, drückten den Dax zunächst unter die 5.500 Punktemarke, und dann, im späten Handel auf dem Parkett, sogar noch unter 5.400. Während der elektronische Handel bei 5.415 Zählern endete, schloss der LDax 3,9 Prozent schwächer bei 5.398 Punkten.

Alle verlieren
Im Dax schaffte es keine Aktie, den Freitag mit Kursgewinnen zu beenden. Das Papier des Konsumgüterherstellers Beiersdorf schnitt mit einem Verlust von 0,1 Prozent noch am besten ab. Zusammen mit Branchenkollege Henkel bekam der Konzern ein Lob von den Analysten von Goldman Sachs. Diese hatten gesagt, dass Henkel und Beiersdorf vergleichsweise günstig zu haben seien.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
100,54
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-1,14%

Auf der Verliererseite fallen die Kursverluste bei Infineon auf. Überraschend ist hier, dass Aktien von Infineon am Morgen noch die Dax-Gewinnerliste angeführt haben. Siemens-Papiere schlossen ebenfalls deutlich schwächer. Angeblich droht ein Milliardenauftrag der Deutschen Bahn für Siemens zu platzen. 300 neue ICE- und IC-Züge will der Dax-Konzern für die Bahn produzieren, doch das vorliegende Angebot sei der Bahn zu teuer, berichtete das "Handelsblatt". Analysten bezeichneten es als "herbe Niederlage", wenn der Auftrag wegfallen würde.

Und die Aktie der Deutschen Börse verlor im Handelsverlauf 4,3 Prozent. Anleger reagierten auf die schlechte Bilanz des panatlantischen Börsenbetreibers NYSE Euronext. Dieser hat das dritte Quartal mit einem herben Gewinneinbruch abgeschlossen. Um 27 Prozent ging der Gewinn auf 125 Millionen Euro zurück, teilte die Firma mit. Allerdings hatten Analysten wegen der Wirtschaftskrise allerdings mit einem noch größeren Gewinnrückgang gerechnet.

Außer Reichweite: Aixtron und Demag
Die Spitzenplätze in TecDax und MDax besetzen die Aktien von Aixtron und Demag mit Kursgewinnen von jeweils mehr als fünf Prozent. Bei Aixtron nahmen Analysten die gute Quartalsbilanz vom Donnerstag zum Anlass, die Aktie zu empfehlen. Die Unicredit beispielsweise erhöhte die Empfehlung auf "Buy" und setzte das Kursziel von 16 auf 23 Euro. Auch JP Morgan und Exane passten ihre Empfehlungen für den TecDax-Titel nach oben an. Ebenso bei Demag: Die Commerzbank hatte ihr Kursziel von 27 auf 34 Euro erhöht. Die Analysten glauben, dass Demags Geschäft sich weitaus schneller erholen werde als bisher gedacht.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-1,03%

EADS liefert jetzt auch nach Europa
Der im MDax notierte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat in Hamburg das erste Großraumflugzeug vom Typ A380 an eine europäische Fluggesellschaft übergeben. Air France-KLM übernahm das Flugzeug, das ab Mitte November zwischen Paris und New York fliegen. Airbus-Präsident Tom Enders bezeichnete die 20. Auslieferung des A380 als "Meilenstein". Insgesamt will der Konzern in diesem Jahr 13 A380 an die Kunden übergeben.

Fraport bekommt den Zuschlag
Der Flughafenbetreiber Fraport übernimmt den Betrieb des Flughafens in St. Petersburg. Der MDax-Konzern will den Flughafen nun ausbauen, modernisieren und ab April 2010 den Betrieb übernehmen. Insgesamt will das Fraport-Konsortium, dem auch eine russische Bank und eine griechische Unternehmensgruppe angehören, 1,4 Milliarden Euro investieren. Der Vertrag läuft über die nächsten 30 Jahre.

Porsche: Keine Marktmanipulation
Der Sportwagenbauer Porsche will mit einem Gutachten Vorwürfe entkräften, wonach das Unternehmen im vergangenen Jahr Marktmanipulation mit VW-Aktien betrieben haben soll. Das Gutachten komme zum Schluss, dass beim Handel mit VW-Aktien alles mit rechten Dingen zugegangen sei, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Geklärt werden muss die Frage, ob Porsche im Zuge des Einstiegs bei Volkswagen Anleger und Akteure an der Börse möglicherweise falsch informierte und die Kursentwicklung unzulässig beeinflusste.

SKW und die Krise
Aktien des Stahlzulieferers SKW Metallurgie schlossen trotz eines schwachen dritten Quartals nur leicht im Minus. Im dritten Quartal sei das operative Ergebnis zwar um zwei Drittel auf vier Millionen eingebrochen und außerdem, wegen der Stahlkrise, der Umsatz um die Hälfte auf 54,5 Millionen Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen mit. Doch für die Zukunft gibt es wieder Hoffnung, sagte SKW-Chefin Ines Kolmsee. Die Trendumkehr habe bereits im dritten Quartal eingesetzt und dürfte sich weiter fortsetzen.

Alstria verkauft Bürogebäude
Das im SDax notierte Immobilienunternehmen Alstria Office hat Bürogebäude im Wert von 93,4 Millionen Euro verkauft. Mit dem Verkauf könne man die Abschlusszahlung für einen Ende 2011 fälligen Kredit weiter verringern, teilte Alstria mit, nämlich auf 784 Millionen Euro. Außerdem erlöste die Gesellschaft aus dem Verkauf 32 Millionen Euro an Barmitteln.

Sanofi-Aventis hebt Prognose an
Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat angesichts guter Quartalszahlen seine Jahresprognose angehoben. Das Ergebnis je Aktie soll jetzt elf Prozent höher ausfallen als vor einem Jahr, teilte Sanofi mit, vor allem dank der Zusatzerlöse aus einem Impfstoff gegen die so genannte Schweinegrippe. Im dritten Quartal kletterte der Gewinn um 16 Prozent, der Umsatz erreicht 7,4 Milliarden Euro.

TA erwartet Verlust
Der Büro-Dienstleister Triumph-Adler rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem Verlust. In den ersten neun Monaten habe man, teilte das im Prime Standard gelistete Unternehmen mit, 8,7 Millionen Euro Verlust und 215 Millionen Euro Umsatz erzielt. In den kommenden drei Monaten werde es daher nicht mehr möglich sein, das Jahr mit einem Gewinn abzuschließen. Auch das Umsatzziel wird Triumph-Adler wohl nicht mehr erreichen.

Kuka enttäuscht
Der Roboterbauer Kuka hat das dritte Quartal mit einem operativen Verlust beendet. Der Umsatz ging von 343 Millionen Euro vor einem Jahr auf 218 Millionen Euro zurück. Auch der Auftragseingang schrumpfte stark, um etwa ein Drittel auf 207 Millionen Euro. Das SDax-Unternehmen senkte die Prognose: 2009 erwartet das Unternehmen einen operativen Verlust von bis zu 15 Millionen Euro, bisher war Kuka von einer schwarzen Null ausgegangen. Die Aktie, die den elektronischen Handel noch mit einem Plus von 1,2 Prozent abgeschlossen hatte, fiel im späten Handel um 3,9 Prozent.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr