Im Sog der Schuldenkrise

Stand: 18.07.2011, 20:02 Uhr

Die Schuldenkrisen auf beiden Seiten des Atlantiks haben zu Wochenbeginn die Aktienmärkte erneut auf Talfahrt geschickt. Auf der Verkaufsliste ganz oben standen vor allem die Finanzwerte.

So büßt etwa die Commerzbank als größter Dax-Verlierer 4,6 Prozent ein und fällt auf 2,38 Euro. Damit nähert sich die Aktie von Deutschlands zweitgrößter Bank ihrem historischen Tiefstand von zwei Euro aus dem Jahr 2009.

Insgesamt rauscht der Dax im Handelsverlauf immer tiefer in den Keller und geht schließlich bei 7.107 Zählern aus dem Xetra-Handel, 112 Punkte oder 1,55 Prozent weniger als am Freitag. Im Abendhandel gibt der Leitindex ebenso 1,5 Prozent ab und schließt knapp oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 7.100 Zählern.

"Es ist zurzeit sehr viel Unsicherheit und Nervosität im Markt", sagte Marktstratege Christian Stocker von der Unicredit. Zum einen sorge die ungelöste Schuldenkrise für Druck samt der damit zusammenhängenden Diskussionen über eine Zusatzsteuer für Finanzunternehmen zur Hilfe Griechenlands. Zum anderen sei bei den Unternehmen allgemein inzwischen eine abnehmende Ergebnisdynamik spürbar.

Auch an der Wall Street kommt es wegen der Schuldenproblematik zu deutlichen Kursverlusten, verursacht vor allem von Finanztiteln wie der Bank of America und Citigroup. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt weitet der Dow Jones seine Verluste aus und notiert ein Prozent tiefer bei 12.356 Punkten ab, nachdem er in der Vorwoche bereits um 1,4 Prozent abgerutscht war.

"Es ist schwer zu sagen, ob wir schon den Boden erreicht haben", sagt Paul Nolte von Dearborn Partners in Chicago. Möglicherweise werden die Sorgen der Investoren in dieser Woche von Quartalszahlen etwas zerstreut. Experten gehen davon aus, dass wichtige Unternehmen vergleichsweise starke Bilanzen vorlegen werden.

Öl und Euro runter
Die Ölpreise haben angesichts der Sorgen um eine Zuspitzung der Schuldenkrise nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September kostete im Mittagshandel 116,35 US-Dollar. Das waren 91 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung sank um 50 Cent auf 96,74 Dollar.

Am Devisenmarkt pendelt der Euro weiter um die Marke von 1,4040 Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,87
Differenz relativ
+0,76%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,18
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+0,22%

Banken im Schulden-Stress
Händlern zufolge haben die Sorgen wegen der anhaltenden Schuldenkrise die guten Ergebnisse des Banken-Stresstestes überlagert. Deutsche Bank notierte zu Handelsschluss 3,4 Prozent im Minus, Commerzbank bei 2,38 Euro und damit 4,6 Prozent tiefer als am Freitag. Noch schlimmer erwischt es die Anleger der Aareal Bank. Die im MDax notierte Aktie des Immobilienfinanzierers stürzt um über sieben Prozent ab.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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55,28
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+0,42%

Daimler-Anleger fürchten Strafe
Die sich laut "Financial Times Deutschland" abzeichnenden Milliardenstrafen im Toll-Collect-Streit mit dem Bund haben die Aktien von Daimler schwer belastet. Mit einem Minus von in der Spitze bis zu 2,8 Prozent gehören sie zu den schwächsten Werten im Dax.

Auch die Aktie der Telekom notiert mehr als ein Prozent leichter. Beide Unternehmen betreiben gemeinsam das Lkw-Mautsystem Toll Collect auf den deutschen Autobahnen. Der Bund verlangt von dem Betreiberkonsortium Schadenersatz für die Verzögerung bei der Einführung der Autobahnmaut.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,31
Differenz relativ
-0,79%

Santander traut Metro wenig zu
Abwärts geht es auch mit der Aktie von Metro. Die Titel des Handelsriesen verbilligen sich um rund drei Prozent. Grund ist eine Herabstufung durch die Bank Santander. Deren Analysten glauben nicht, dass Metro seine Umsatzziele und seine Ebit-Prognose für 2011 halten kann. Sie stuften die Aktien laut Händlern herunter auf "Underweight" von "Hold" und senkten das Kursziel auf 37 von 40 Euro. Zudem belastet ein Streit mit den Minderheitsaktionären der Elektronikkette Media-Saturn.

Siemens im Sog von Philips
Zu den Verlierern im Dax gehören auch die Aktien des Elektronik-Konzerns Siemens. Sie leiden einerseits unter den roten Zahlen des Konkurrenten Philips. Zudem reagiert das Papier auch auf einen Bericht der "FTD", wonach die Bundesregierung Schienenkorridore nicht mehr vollständig mit dem Schienensicherheitssystem ETCS ausrüsten will. Nicht zuletzt lastet auch die Nachricht auf dem Papier, dass Samsung wegen eines Patentstreits die Einfuhr von Osram-Produkten in die USA untersagen lassen will.

Derweil will Philips trotz milliardenschwerer Abschreibungen und eines harten Sparprogramms seine Aktionäre verwöhnen. Ab sofort legt das Unternehmen ein zwei Milliarden Euro großes Aktienrückkaufprogramm für die Dauer von einem Jahr auf, hieß es am Montag in Amsterdam. Dem Unternehmen verordnete Vorstandschef Frans van Houten hingegen ein 500 Millionen Euro schweres Sparpaket.

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,82
Differenz relativ
+0,93%
Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,11
Differenz relativ
-5,79%

Defensive Werte im Plus
Im Dax schaffen es nur die Titel des Gesundheitskonzerns Fresenius Medical Care und Bayer leicht ins Plus.

Gerresheimer und Südzucker behaupten sich
Im MDax können sich die Titel von Gerresheimer und Südzucker mit klaren Kursgewinnen hervortun. Beim Verpackungsspezialisten Gerresheimer sorgt eine optimistische Aussage von Berenberg-Analyst Scott Bardo für einen Kursgewinn von rund vier Prozent. Bardo geht nach den guten Zahlen zum zweiten Quartal davon aus, dass das Umsatzwachstum an Fahrt gewinnt.

Bei Südzucker lockt offenbar die Zahlung einer Dividende von 0,55 Euro nach der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag.

Dagegen führt Praktiker die Liste der Verlierer im MDax an. Der Titel büßt gut acht Prozent ein.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr