Im Bann der US-Wahl

Stand: 04.11.2008, 20:06 Uhr

Die Wahl des neuen US-Präsidenten wurde am Dienstag begleitet von Kursgewinnen weltweit. Festen US-Börsen folgte der Dax im Abendhandel noch weiter in die Pluszone.

Mit exakt fünf Prozent Zuwachs hatte der deutsche Leitindex schon den Computerhandel beendet, und im späten Parketthandel ging die Rally sogar noch ein Stück weiter. Dabei hatte der Dax am Morgen sogar kurz unter die Marke von 5.000 Punkten gelugt.

Doch danach ging es nur noch aufwärts. Die Börsen an der Wall Street eröffneten am Nachmittag deutlich im Plus. Die Hoffnung auf Klarheit nach der politischen Entscheidung in den USA beflügelte die Aktienmärkte bereits, bevor die Wahl zum neuen Präsidenten beendet war.

Eher schwache US-Konjunkturdaten, die am Nachmittag gemeldet wurden, spielten auf dem Börsenparkett praktisch keine Rolle: Der Auftragseingang in der US-Industrie war im September erneut rückläufig. Mit 2,5 Prozent war der Rückgang auch deutlich stärker als von Volkswirten erwartet.

Bankaktien außer Rand und Band

Im Dax setzen Finanztitel ihre Erholungsbewegung eindrucksvoll fort. Deutche Bank und Commerzbank verteuerten sich um 15 , bzw. 14 Prozent. Aber auch Allianz, K+S und Infineon lagen mit zweistelligen Kursgewinnen im Trend.

Deutsche Börse im Oktoberhoch
Kurz vor Bekanntgabe der Quartalszahlen haussierte auch die Aktie des Börsenbetreibers. Einen Vorgeschmack auf die Dreimonatsbilanz lieferten bereits die Handels-Umsatzzahlen für den Monat Oktober. Im elektronischen Handelssystem Xetra kletterten sie um 25 Prozent auf 255,1 Milliarden Euro. Noch stärker expandierte die Terminbörsen-Tochter Eurex. Hier wuchs die Zahl der Kontrakte um 55 Prozent auf 222,6 Millionen.

BMW-Aktie gibt Gas
BMW-Papiere verteuerten sich um rund elf Prozent. Nach Händlerangaben gingen einige Investoren bei dem Titel auf Schnäppchenjagd. Dabei hatte der Autohersteller von Juli bis September einen Einbruch beim Vorsteuerergebnis von 63 Prozent auf 279 Millionen Euro erlitten. Analysten hatten im Schnitt mit 455 Millionen Euro gerechnet. Außerdem nahm BMW seine Ergebnisprognose zurück.

In Deutschland steuert die Autoindustrie 2008 wohl auf das schlechteste Absatzjahr seit der Wiedervereinigung zu. Der Branchenverband VDA nahm sein Absatzziel für das Gesamtjahr von 3,2 auf 3,1 Millionen Neuzulassungen zurück.

VW dreht ins Plus
Papiere des Wolfsburger Konzern hatten fast den gesamten Handelstag erneut deutliche Verluste zu beklagen. Kurz vor Handelsschluss ließ dann der Kursdruck nach: Aus minus acht wurde plus ein Prozent. Die Aktie hatte bereits am Montag dramatisch verloren, nachdem die Deutsche Börse das Gewicht des Papiers im Dax auf zehn Prozent beschränkt hatte.

Fresenius-Familie gesund und munter
Aktien des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) verhielten sich am Dienstag unauffällig und legten mit dem Gesamtmarkt zu. Der Konzern hat im dritten Quartal seinen Gewinn um 14 Prozent auf 206 Millionen Dollar verbessert. Der Umsatz kletterte binnen Jahresfrist um zwölf Prozent auf 2,713 Milliarden Dollar.
Für den FMC-Mutterkonzern Fresenius lief es im dritten Quartal ebenfalls gut. Daher hob das Unternehmen seine Umsatzprognose an. Das MDax-Mitglied rechnet 2008 währungsbereinigt nun mit einem Zuwachs von 9,5 bis 10,5 Prozent nach zuvor 8 bis 10 Prozent.

HRE-Aktie "untergewichten"
Papiere des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate litten unter einem negativen Analystenurteil. Die US-Bank JP Morgan hat die Aktie in einer aktuellen Analyse weiterhin auf "untergewichten" eingestuft. Ein Kursziel wollen die Experten nicht mehr nennen, die Gewinnaussichten seien deutlich reduziert, hieß es zur Begründung. Neben dem Pharmakonzern Merckwar HRE die einzige Dax-Aktie mit deutlichen Kursverlusten am Dienstag.

Kursexplosionen in der zweiten Reihe
Im MDax waren am Dienstag noch deutlichere Kursausschläge als im Dax zu bestaunen. Aktien von Premiere und Arcandor schlossen rund 20 Prozent im Plus. Beim Bezahlsender Premiere sorgte ein Gerücht für die Kursrally. Laut Händlern gibt es am Markt Spekulationen, dass Großaktionär Rupert Murdoch seinen Anteil an Premiere aufstocken will.

Papiere der Norddeutschen Affinerie sprangen um mehr als zehn Prozent nach oben. Das Gerücht, der Stahlkonzern Salzgitter wolle seine Beteiligung von derzeit 20 Prozent weiter ausbauen, ging auf dem Parkett um. Anfang Oktober hatte Salzgitter dies "nicht ausgeschlossen".

Wacker will weiter wachsen
Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie hat im dritten Quartal sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 21 Prozent auf 327,5 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz kletterte um 21 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Analysten hatten lediglich mit Umsätzen von 1,11 Milliarden Euro und einem Ebitda von 270 Millionen Euro gerechnet. Am Nachmittag bekräftigte Vorstandschef Rudolf Staudigl, dass Wacker weiterhin "mit hohen Margen" wachsen werde.

Solar- und Windaktien stürmen aufwärts
Aktien von Wind- und Solarkonzernen haussierten am Dienstag im TecDax. Die Conergy-Aktie legte um mehr als 30 Prozent zu. Händlerangaben zufolge gab es bei dem Papier einen "Short-Squeeze", also das Eindecken von Leerverkäufen. Auch Aktien des Solaranlagenbauers Centrotherm erfreuten sich großer Beliebtheit. Der Finanzvorstand des Unternehmens hatte gegenüber Reuters von prall gefüllten Auftragsbüchern gesprochen.

Beim Windanlagenbauer Repower machten Marktbeobachter erneut Übernahmegerüchte für die erhebliche Kurssteigerung verantwortlich. "Angeblich will der indische Großaktionär Suzlon 200 Euro je Repower-Aktie zahlen", sagte ein Händler. Dass Suzlon im Tagesverlauf dies dementierte, änderte am Kursplus von 35 Prozent nichts. Aktie des Branchenkonkurrenten Nordex-Aktie machte einen ähnlichen Satz nach oben.

EM Sport tief in den Miesen
Der Medienkonzern wird wegen hoher Abschreibungen im Jahr 2008 drastisch in den Verlustzon rutschen. Wegen der Lage an den Finanzmärkten müssten für das dritte Quartal außerplanmäßige Wertberichtigungen vorgenommen werden. Sie sollen nach Unternehmensangaben bei 120 bis 135 Millionen Euro liegen. Für frische Mittel soll eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals sorgen.

Öl und Gold wieder im Trend
Im Gefolge der weiter steigenden Aktienmärkte legte auch der Ölpreis am Dienstag kräftig zu. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete am Abend kurzzeitig wieder mehr als 71 Dollar. Tags zuvor war ein Terminkontrakt noch zu 64 Dollar gehandelt worden, ein Plus von rund elf Prozent.

Der Preis für eine Feinunze Gold kletterte ebenfalls deutlich um fünf Prozent auf rund 760 Dollar.

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