Im Bann der Krankheit

von Detlev Landmesser

Stand: 27.04.2009, 20:22 Uhr

Das ist Börse: Selbst eine Krankheit kann ganze Märkte belasten. Zeitweise rutschte der Dax um mehr als zwei Prozent ab. Und auch das ist Börse: Einige Titel profitierten deutlich von der Grippe-Angst.

Der L-Dax beschloss den bewegten Tag kaum verändert bei 4.671,35 Punkten. Im Schlepptau der Wall Street hatte es auch der Xetra-Dax schließlich ins Plus geschafft. Am Abend überwogen aber an der Wall Street wieder die Minuszeichen.

Eine Stütze für den US-Markt war der neue Sanierungsplan von General Motors, der die letzten Hoffnungen mobilisierte, dass der Autoriese ohne Insolvenz durch die Krise kommt. GM bietet seinen Gläubigern einen Umtausch von Anleihen in Aktien an, was die Schuldenlast um 44 Milliarden Dollar verringern soll. Außerdem soll die Zahl der Fabrikarbeiter von derzeit 61.000 auf 40.000 verringert werden.

Der Euro erlitt am Abend einen Schwächeanfall und stürzte bis auf die runde Marke von 1,30 Dollar. Auslöser waren Äußerungen von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, der in New York erklärte, die Europäische Zentralbank sei auch zum Einsatz unkonventioneller Maßnahmen bereit, um den Kreditzugang zu gewährleisten.

Ackermann verlängert um drei Jahre

Bester Dax-Titel war die Aktie der Deutschen Bank. In einem Zeitungsinterview hatte Konzernchef Josef Ackermann erklärt, dass die Bank ihr Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite im ersten Quartal voraussichtlich erreicht habe. Morgen früh präsentiert der Branchenprimus seine Quartalszahlen. Am Abend teilte die Deutsche Bank überraschend mit, der Aufsichtsrat habe Ackermann gebeten, seinen Vertrag bis 2013 zu verlängern. Eigentlich sollte das Arbeitsverhältnis zur Hauptversammlung 2010 enden.

Mehrere Aktien Opfer der Schweinegrippe
Das beherrschende Thema war aber die Sorge um ein weltweites Übergreifen der Schweinegrippe. In Mexiko hat die Erkrankung angeblich schon mehr als 140 Todesopfer gefordert, in den USA wurden 40 Krankheitsfälle registriert, während in Europa die ersten drei Fälle bestätigt wurden.

Die Anleger fühlten sich an die SARS-Epidemie vor sechs Jahren erinnert, die in Asien etwa 800 Menschenleben kostete. Auch diesmal traf es vor allem die Aktien von Fluggesellschaften und Touristikunternehmen. Die Anleger befürchten, dass der Reiseverkehr in die besonders betroffenen Weltregionen abnehmen könnte.

Bei der Lufthansa-Aktie war der Kursverlust tatsächlich aber weniger dramatisch als er aussah. Das Minus von über neun Prozent erklärt sich vor allem aus der heute fließenden Dividende von 0,70 Euro pro Aktie. Ohne den Dividendenabschlag hätte der Kursverlust rund zwei Prozent betragen.

Im MDax büßte die Aktie des Reisekonzerns Tui zeitweise über acht Prozent ein, konnte das Minus dann aber eindämmen. Air Berlin aus dem SDax verloren vier Prozent.

Pharmatitel gesucht
Pharmawerte notierten dagegen weltweit höher. Dank seines erfolgreichen Grippemittels Tamiflu war der Schweizer Hersteller Roche besonders gefragt. Auch der amerikanische Pharmariese Pfizer legte zu.

Im Dax gehörte die Merck-Aktie zu den stärksten Titeln. Im ersten Quartal ging der Umsatz nur leicht um 0,2 Prozent zurück. Das operative Ergebnis schrumpfte aber unerwartet kräftig um 45 Prozent. In diesem Jahr will der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern den Umsatz um fünf Prozent steigern.

Als Profiteur der Schweinegrippe betrachteten die Anleger offenbar das auf Blutpräparate spezialisierte Unternehmen Biotest. Die im SDax notierte Vorzugsaktie gewann 10,5 Prozent.

Rückschlag für Bayer
Die Bayer-Aktie verlor trotz der Branchenfantasie leicht. Der Pharmakonzern teilte mit, dass eine Studie, die die Wirksamkeit des Krebsmittels Nexavar auch bei Hautkrebs bestätigen sollte, fehlgeschlagen ist.

Grünes Licht für BASF-Kartoffel
Die BASF-Aktie schaffte es dagegen noch ins Plus. Das Landwirtschaftsministerium kündigte an, dass der Anbau der von BASF entwickelten Genkartoffel Amflora genehmigt werden soll. Die Prüfungen hätten "keine negativen Einflüsse auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt" ergeben, sagte eine Ministeriumssprecherin. Amflora soll für industrielle Zwecke angebaut werden.

Konsumklima beflügelt Metro
Die Metro-Aktie war stark gefragt. Der Konsumtitel profitierte von dem stabilen deutschen Konsumklimaindikator der GfK. Der aktuelle Wert verharrte mit 2,5 Punkten auf dem Vormonatsniveau.

Krones auf der Durststrecke
Im MDax büßte die Aktie von Krones 1,8 Prozent ein. Der Getränkeabfüllanlagenhersteller hat das erste Quartal mit einem Verlust von 5,1 Millionen Euro abgeschlossen. Vor einem Jahr hatte Krones noch fast 31 Millionen Euro verdient. Das Unternehmen rechnet erst im kommenden Jahr mit einer Erholung.

Auftragseinbruch bei Kuka
Die Kuka-Aktie gab 2,2 Prozent ab. Der Roboterbauer hat im ersten Quartal einen erheblichen Rückgang seiner Aufträge verzeichnet. Der Umsatz im ersten Quartal sei auf 227 Millionen Euro gefallen, das Ergebnis sei "ausgeglichen".

Biotechnologie bisher krisenfest
Die im TecDax beheimateten Biotech-Titel Qiagen, Medigene und BB Biotech schnitten überdurchschnittlich ab. Die medizinische Biotechnologie zeigt sich bislang krisenresistent. 2008 seien die Biopharmazeutika-Umsätze in Deutschland mit neun Prozent doppelt so stark gewachsen wie der Gesamtpharmamarkt, erklärte der Branchenverband vfa bio.

Kontron nicht überschäumend optimistisch
Zu den schwächeren TecDax-Titeln zählte Kontron. Der Hersteller von Minicomputern hat das erste Quartal mit einem leicht höheren Umsatz, aber etwas geschrumpftem Gewinn beendet. Kontron verzeichnete auch einen leicht erhöhten Auftragseingang, trotzdem erwartet das Unternehmen, dass die nächsten Monate schwierig werden.

Nanogate erreicht Ergebnisziel
Auch zwei kleine Nanotechnologiefirmen aus dem Saarland öffneten ihre Bücher. Nanogate meldete einen Jahresumsatz von 12,2 Millionen Euro, was einem Wachstum von knapp 17 Prozent entspricht. Das Vorsteuerergebnis sank dabei von 1,5 auf knapp 1,1 Millionen Euro. Im Zuge der laufenden "Innovationsoffensive" kündigte Nanogate "signifikante Impulse für die weitere Geschäftsentwicklung" an. Wegen der Wirtschaftskrise will das Unternehmen eine Geschäftsprognose für 2009 aber erst im Jahresverlauf ausgeben.

ITN Nanovation weiter in Geldnot
ITN Nanovation kam 2008 auf ein Umsatzplus von 31 Prozent auf 6,3 Millionen Euro, schrieb aber weiter rote Zahlen. Der Verlust vor Steuern und Zinsen weitete sich von minus 8,1 auf minus 11,1 Millionen Euro aus. Für 2009 stellte das Unternehmen ein moderates Wachstum und einen Kostenabbau von rund sieben Millionen Euro in Aussicht. Der anhaltende Liquiditätsengpass mache aber 2009 weitere Kapitalmaßnahmen erforderlich.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr