Marktbericht 20:00 Uhr

Dax schließt unter 9.200 Punkten Icahns Ansichten ängstigen Anleger

Stand: 19.11.2013, 14:30 Uhr

Ein paar Gewinne mitnehmen, ein bisschen schauen was die Notenbanken so machen: Die Berichtssaison läuft aus und die Anleger sind auf der Suche nach Kaufgründen. Dabei drücken pessimistische Aussagen der "Wall-Street-Legende" Carl Icahn auf die Stimmung.

Der 77-jährige Milliardär Carl Icahn warnt: "Der Markt könnte leicht vor einem großen Einbruch stehen." Der äußerst aktive Investor könnte natürlich seine eigenen Interessen mit seiner Stellungnahme verfolgen, aber so ganz überraschend ist seine Meinung nun auch wieder nicht. Nach der Rally der vergangenen Wochen erwarten einige Experten eine Konsolidierung.

Aber es gibt auch andere Ansichten. Der Dax bleibe technisch "der Star-Performer" in Europa, meinen die Fachleute der UBS. Mit dem neuen Hoch habe der deutsche Leitindex am Vortag die Konsolidierungsphase der Vorwochen nach oben verlassen und einen erneuten Ausbruch geschafft. Das sei ein bullisches Zeichen, sagen die Experten.

Heute waren die Investoren aber zurückhaltend. Der Dax ging trotz eines starken ZEW-Index mit einem Abschlag von 0,4 Prozent bei 9.193,29 Punkten aus dem Handel. Der Late-Dax büßte 0,5 Prozent auf 9.172,82 Zähler ein.

Dudley hoffnungsvoll

Für einen Stimmungsdämpfer sorgte der Vorsitzende der Fed von New York, William Dudley. Dudley sieht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes optimistischer als bisher. Er werde "hoffnungsvoller", sagte er - ein Warnzeichen für die Investoren. Schließlich wäre eine starke US-Wirtschaft über kurz oder lang gleichbedeutend mit einem Ende der Fed Geldschwemme.

So richtig Sorgen brauchen sich die Anleger aber nicht zu machen, denn nach den Worten der designierten Fed-Chefin Janet Yellen wird die Geldpolitik noch für längere Zeit sehr locker bleiben. Dies wäre auch der Fall, wenn die Zielmarken für Inflationsrate und Arbeitslosenquote durchbrochen würden, schrieb Yellen in einem Brief an die demokratische Senatorin Elizabeth Warren.

Wall Street macht Rekordpause

"Die Aktienmärkte schauen aktuell nur auf die US-Notenbank und sämtliche Daten und Äußerungen, welche Auskunft über die Reduzierung der Anleiheaufkäufe seitens der Fed geben", kommentierte Jens Katt von DailyFX.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.006,18
Differenz relativ
-1,61%

Aus den USA kam keine Unterstützung. Die Wall Street notierte am Abend leicht im Minus. "Es gibt keine Neuigkeiten, die den Markt nach oben treiben, aber auch keine Optionen für die Investoren, ihr Geld anderswo anzulegen ", sagte Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma LibertyView Capital Management. "Der Markt wird wahrscheinlich auf diesem Niveau bleiben bis zum Beginn des nächsten Jahres."

Infineon kauft Aktien zurück

Mit einem Aufschlag von fast zwei Prozent schlossen Infineon an der Dax-Spitze. Kurz nach dem Mittag gab das Unternehmen bekannt, dass bis Herbst 2015 bis zu 300 Millionen Euro für ein Aktienrückkaufprogramm ausgegeben werden.

Analysten bewegen K+S

Ans untere Dax-Ende verschlagen hat es K+S, was an der Herabstufung durch Standard & Poor's (S&P) liegt. Die Ratingagentur senkte die Bewertung des Salz- und Düngerherstellers um eine Stufe auf "BBB" von zuvor "BBB+". Die Kalipreise dürften in den kommenden Jahren relativ niedrig bleiben. Darüber hinaus dürfte der Bau einer Kali-Mine in Kanada die Verschuldung von K+S erhöhen. Daher lässt S&P auch den Ausblick negativ, das heißt: Eine weitere Herabstufung droht.

Deutsche Börse liebäugelt (nicht) mit Euronext

Unter den Dax-Werten macht die Deutsche Börse von sich reden. Der Börsenbetreiber erwägt einem Zeitungsbericht zufolge ein Gebot für den Konkurrenten Euronext. Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber betonte aber erneut, dass der Konzern derzeit kein Interesse an großen Übernahmen hat. "Das ist nicht irgendwo auf der Agenda." Er widersprach damit dem Bericht des "Wall Street Journal".

VW macht sich in Europa breiter

Autoaktien rücken in den Fokus nach den neuen Zulassungszahlen des Autoverbandes Acea, die die aktuelle Verfassung der Konzerne widerspiegeln. Demnach zeigt sich der VW-Konzern sehr stark, der Wolfsburger Autobauer steigerte seinen Marktanteil. Auch Daimler gewann an Marktmacht, wohingegen BMW verlor.

Daimler beteiligt sich an China-Partner BAIC

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,45
Differenz relativ
-0,08%

Daimler machte aber vor allem Schlagzeilen durch den Einstieg bei BAIC: Mit einer Investition von 625 Millionen Euro steigt Daimler beim chinesischen Partner Beijing Automotive (BAIC) ein. Es ist das erste Mal, dass ein ausländischer Autobauer einen größeren Anteil an einem staatlichen chinesischen Hersteller erwirbt. Daimler-Chef Dieter Zetsche unterzeichnete die Kooperationsvereinbarung mit der Übernahme von zwölf Prozent an der Pkw-Sparte BAIC Motor.

Lufthansas Frachtochter erhöht Kapazitäten

Die Lufthansa-Frachttochter erhöht ihre Kapazitäten mit neuen Flugzeugen, bleibt bei den Wachstumsaussichten für den Cargomarkt aber vorsichtig. "Für nächstes Jahr planen wir ein Angebotswachstum von vier bis fünf Prozent", sagte Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt. In den ersten neun Monaten sank das Frachtvolumen bei Lufthansa Cargo um 2,2 Prozent.

Millionenstrafe für ThyssenKrupp

Der angeschlagene Stahlkonzern ThyssenKrupp zahlt der Deutschen Bahn Medienberichten zufolge einen millionenschweren Schadenerstatz für das so genannte Schienenkartell. Das "Handelsblatt" und die "Süddeutsche Zeitung" berichteten am Dienstagabend, beide Seiten hätten sich außergerichtlich geeinigt. Laut "Süddeutscher Zeitung" zahlt das Essener Unternehmen 150 Millionen Euro. Weder die Bahn noch ThyssenKrupp wollten die Berichte bestätigen.

Rekordgewinn für Easyjet

Eine starke Bilanz präsentierte Easyjet. Der britische Billigflieger verdiente im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr vor Steuern 478 Millionen Britische Pfund (570 Millionen Euro) - ein Plus von 50 Prozent.

Eon und RWE: Streit um Brennelementesteuer geht weiter

Das Hamburger Finanzgericht will vom Europäischen Gerichtshof Fragen zur Brennelementesteuer klären lassen. Für den 4. Senat sei nicht zweifelsfrei festzustellen, ob das Kernbrennstoffsteuergesetz im Einklang mit dem Europarecht stehe. Das aktuelle Hamburger Verfahren werde bis zur Antwort des EuGH ausgesetzt. Eon kündigte an, einstweiligen Rechtschutz zu prüfen. Ziel sei es, keine weiteren Steuerzahlungen leisten zu müssen und bereits gezahlte Gelder zurückzubekommen. RWE will zunächst die Entscheidung prüfen und dann über weitere Schritte entscheiden.

Metro plant Börsengang des Russland-Geschäfts

Metro prüft einen Börsengang seiner russischen Großmärkte. Es gebe Überlegungen, "einen Minderheitsanteil von Metro Cash & Carry Russland an die Börse zu bringen", teilte der Konzern mit. Entscheidungen gebe es aber noch nicht, unterstrich ein Konzernsprecher: "Zu den Überlegungen für einen möglichen, teilweisen Börsengang von Metro Cash & Carry Russland gibt es keine Gremienbeschlüsse."

Grammer plant größere Zukäufe

Mit Kaufabsichten trägt sich Grammer. Wie Vorstandschef Hartmut Müller im Interview mit der Börsenzeitung verriet, hat er nach einer Reihe kleinerer Akquisitionen nun auch größere Zukäufe im Sinn. Dafür hat der Autozulieferer einen größeren zweistelligen Millionenbetrag reserviert.

Ströer dämmt Verluste ein

Größere Kursreaktionen bringt im SDax die Quartalsbilanz von Ströer. Sie ist zwar rot, doch konnte der Werbevermarkter die Verluste dank einer stabilen Nachfrage nach Außenwerbung in Deutschland und anziehenden Geschäften in der Türkei eindämmen. Die Aktie notiert an der SDax-Spitze.

Sixt schraubt Jahresziele höher

Sixt ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
87,95
Differenz relativ
+0,57%

SDax-Kollege Sixt rangiert ebenfalls im vorderen Gewinnerfeld des Kleinwerteindex. Ein deutlicher Anstieg des Vorsteuergewinns im dritten Quartal veranlasst den Autovermieter zu einem verbesserten Jahresausblick. Der Vorsteuergewinn soll im Gesamtjahr steigen.

US-Baumarktkette Home Depot hebt Prognose

Der Gewinn stieg im dritten Quartal um 43 Prozent auf 1,35 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz zog um 7,4 Prozent auf 19,5 Milliarden Dollar an. Home Depot profitierte nach Aussage von Vorstandschef Frank Blake weiterhin von der Erholung am US-Immobilienmarkt. Angesichts der Zahlen und der Erwartungen für den Rest des Jahres erhöhte Home Depot zum wiederholten Male den Ausblick für 2013.

CTS Eventim kauft in Italien zu

Europas größter Ticketvermarkter CTS Eventim hat die Mehrheit des italienischen Unternehmens CREA Informatica übernommen. Der Konzern sei der führende Anbieter von Kinoticketingsoftware in Italien, teilte das SDax-Unternehmen mit. Die 60-prozentige-Beteiligung erfolge über den italienischen Marktführer beim Event-Ticketverkauf, TicketOne, der zur Eventim-Gruppe gehört. Ziel: Stärkung der Marktposition in Italien.

Loewe präsentiert weiteren Interessenten

Der taumelnde Fernseherbauer Loewe hat seinen Gläubigern einen weiteren Interessenten präsentiert. "Damit sind es nun zwei Bieter, die den Loewe-Geschäftsbetrieb übernehmen möchten", heißt es vom Traditionshersteller, ohne Namen zu nennen. Außerdem kauften die Kunden und die Umsätze zögen an, teilt das Management mit.

Tesla-Titel unter Druck

Die jüngsten Feuerunfälle kosten den einstigen Börsenliebling Tesla einige Punkte. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA leitete inzwischen eine Voruntersuchung ein, die letztlich zu einem Rückruf beim Elektroautohersteller führen könnten. Die Papiere, die tags zuvor etwas mehr als zehn Prozent verloren hatten, erholten sich in den USA aber etwas.

ts

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"