Marktbericht 20:02

Dax wieder unter 9.300 Holpriger Wochenstart

Stand: 10.02.2014, 20:02 Uhr

Vor dem ersten halbjährlichen Bericht der neuen amerikanischen Notenbank-Chefin Janet Yellen zur Geldpolitik am Dienstag hielten sich die Anleger am Aktienmarkt weitgehend zurück. Doch das dürfte sich rasch ändern.

Am Ende eines ruhigen und impulslosen Handels schloss der Dax am Montag 0,13 Prozent tiefer bei 9.289,86 Punkten. Am Vormittag war er noch mit Gewinnen in den Handel gestartet und bis auf 9.346 Punkte geklettert. Bis zum Mittag schmolzen die Zuwächse aber wieder ab und der deutsche Leitindex bewegte sich kaum mehr von der Stelle.

Auch an der Wall Street herrscht am Montag weitgehend Stillstand. Der Dow Jones Industrial, der die Vorwoche nach einer Berg- und Talfahrt mit einem Wochenplus von 0,6 Prozent beendete hatte, notierte am Abend bei Börsenschluss in Frankfurt bei 15.776 Punkten, ein Minus von 0,11 Prozent oder 17 Punkten.

Grund für die Zurückhaltung der Anleger ist die Antrittsrede von Janet Yellen vor dem Kongress in Washington. Dort wird die neue Fed-Präsidentin am morgigen Dienstag dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses und am Donnerstag dem Bankenausschuss im Senat Rede und Antwort zur Wirtschaftslage und Geldpolitik der USA stehen.

Eine wesentliche Abkehr vom Kurs ihres Vorgängers Ben Bernanke erwarten Börsianer dabei nicht. Die meisten Experten gehen davon aus, dass Yellen bekräftigen wird, dass die Erholung der US-Wirtschaft solide genug ist, um den Tapering-Kurs fortzusetzen. Auch dürfte sie einer baldigen Leitzinserhöhung eine Absage erteilen. Eine solche Darstellung sollte die Märkte beruhigen.

Die Spekulationen auf eine langsamere Straffung der ultralockeren amerikanischen Geldpolitik haben den Goldpreis am Montag etwas beflügelt. Das Edelmetall, das gern in unsicheren Zeiten angesteuert wird, verteuerte sich um bis zu 0,7 Prozent auf 1.275 Dollar je Feinunze. Etwas fester notiert am Abend der Euro bei 1,3644 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3638 Dollar fest.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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-0,14%

Linde zum Kauf empfohlen

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei den Einzelwerten bleibt die Linde-Aktie bis zum Handelsende der größte Dax-Gewinner. Das Papier des Industriegaseherstellers profitiert von einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs. Die hat die Einstufung für Linde auf "Buy" mit einem Kursziel von 175 Euro belassen. Linde sei gut positioniert, um von den Trends im Energiesektor zu profitieren, heißt es in einer Branchenstudie zum europäischen Chemiesektor.

VW und Porsche ziehen an

Aktien von Volkswagen und Porsche haben ebenfalls deutlich hinzugewonnen. Händler begründeten das Plus zum Prozessauftakt mit Zweifeln des Gerichts an der Argumentation der Kläger. "Wir sehen zunächst erhebliche Prozessrisiken für die Klägerin", sagte die Vorsitzende Richterin am Montag zum Prozessauftakt am Stuttgarter Landgericht. Dort fordern US-Hedgefonds 1,36 Milliarden Euro Schadenersatz von der Porsche SE.

Telekom mit Problemen bei T-Mobile US

Abgeben muss dagegen das Papier der Telekom. Der deutschen Ausgabe des "Wall Street Journal" zufolge stellt Sprint ein Gebot für die US-Mobilfunktochter der Telekom T-Mobile US auf den Prüfstand. Das dämpft laut Händlern die Stimmung für die T-Aktie. Die Deutsche Telekom selbst bestätigte am Morgen, dass sie die restlichen knapp 40 Prozent an ihrer tschechischen Mobilfunktochter T-Mobile Czech Republic für 828 Millionen Euro kauft. Analyst Christoph Bast von der DZ Bank hält einen Verkauf des US-Geschäfts für schwierig.

Conti stärkt Industrie-Geschäft

Mit leichten Aufschlägen reagieren die Anleger auf die Ankündigung von Continental, für rund 1,4 Milliarden Euro den US-Kautschuk- und Kunststoffspezialisten Veyance kaufen zu wollen. Die bisher zu dem US-Konzern Carlyle gehörende Firma mit weltweit 27 Werken und rund 9.000 Mitarbeitern soll in die Conti-Tochter ContiTech eingegliedert werden. Conti hatte unlängst Zukäufe im so genannten Nicht-Auto-Geschäft in Aussicht gestellt, um unabhängiger von den Schwankungen der Autoindustrie zu werden. Die Tochter ContiTech stellt Transportbänder für Minen und Schlauchsysteme für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie her.

Commerzbank: Mitarbeiter vor Aktionären

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aus der Bankenbranche sorgt die Commerzbank für Aufmerksamkeit. Laut einem Zeitungsbericht will die Commerzbank ihren Mitarbeitern für das Jahr 2013 Boni von mehr als 300 Millionen Euro auszahlen. "Die Boni fallen damit höher aus als der Konzerngewinn", zitiert das "Handelsblatt" einen Insider.

Auch bei der Deutschen Bank haben die Aktionäre das Nachsehen: Hier sollen knapp drei Milliarden Euro im Bonus-Topf liegen – drei Mal so viel wie der Konzerngewinn und vier Mal so viel wie die geplante Dividendenausschüttung.

Kauft Fuchs zu?

Im MDax macht derweil Fuchs Petrolub auf sich aufmerksam. Der Schmierstoffhersteller ist auf der Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten. Die Kasse sei prall gefüllt. Interessant seien Zukäufe in einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro, so Finanzchef Selent in der "Börsen-Zeitung".

Catoil und Jungheinrich abgestuft

Goldman Sachs hat die Aktien des Dienstleisters für die Ölindustrie Catoil von "Buy" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 29,30 auf 24,30 Euro gesenkt. Wegen der unerwartet schwachen Entwicklung des Rubels zum Dollar und zum Euro habe er seine Prognosen für das operative Ergebnis (Ebitda) in den Jahren 2014 und 2015 gesenkt, schrieb Analyst Geydar Mamedov. Derweil hat HSBC die ebenfalls im SDax notierte Aktie von Jungheinrich von "Neutral" auf "Underweight" abgestuft, das Kursziel aber von 46 auf 47 Euro angehoben.

Koenig & Bauer ködert die Anleger

Zu den Gewinnern im SDax gehört dagegen der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer. Das Unternehmen will in zwei Jahren wieder eine Dividende an seine Aktionäre zahlen. "2016 wollen wir bei positivem Geschäftsverlauf wieder nachhaltig profitabel und damit dividendenfähig sein", so KBA-Chef Claus Bolza-Schünemann.

Bei Zapf tanzen die Kurse

Jenseits der Auswahlindizes der Deutschen Börse macht ein Pennystock mit einem Kurssprung von zeitweise mehr als 20 Prozent auf sich aufmerksam. Die Zapf Creation AG hat sich mit ihrem bisherigen Kreditgeber auf eine vorzeitige Verlängerung der Finanzierung mit einer Laufzeit bis 2016 geeinigt.

Mensch und Maschine enttäuscht

Zudem legte die Mensch und Maschine Software SE ihre vorläufigen Zahlen für 2013 vor. Demnach kletterte der Umsatz um 5,9 Prozent auf 125,8 Millionen Euro. Unterm Strich sank das Nettoergebnis von 3,6 auf 2,5 Millionen Euro.

LOréal verdient mehr

Das Geschäft mit der Schönheit hat dem weltgrößten Kosmetikhersteller L'Oréal im vergangenen Jahr einen Gewinn in Höhe von 2,96 Milliarden Euro beschert. Der Gesamtumsatz des Konzerns stieg im Vergleich zu 2012 um 2,3 Prozent auf rund 23 Milliarden Euro. Das Plus beim Gewinn lag 2013 bei 3,2 Prozent. Auch für 2014 rechne man mit Zuwächsen, ließ Unternehmenschef Jean-Paul Agon mitteilen.

Apple: Icahn gibt klein bei

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Showdown zwischen Apple-Chef Tim Cook und Großaktionär Carl Icahn auf der anstehenden Hauptversammlung ist abgeblasen. Icahn ließ am Montag seine Forderung fallen, Apple solle den Aktienrückkauf auf 50 Milliarden Dollar in diesem Geschäftsjahr aufstocken. Apple habe seinen Aktienrückkauf zuletzt ohnehin beschleunigt, begründete Icahn in einem offenen Brief an die anderen Anteilseigner den Rückzieher. Apple hatte alleine in den vergangenen zwei Wochen nach eigenen Angaben Aktien im Wert von 14 Milliarden Dollar erworben.

Barclays verdient weniger

Die britische Bank Barclays hat im vergangenen Jahr überraschend wenig verdient. Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn habe bei 5,2 Milliarden Pfund gelegen, teilte das Geldhaus am Montagmittag mit. Das sei ein Viertel weniger als 2012. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 5,4 Milliarden Pfund gerechnet. Gründe für die Entwicklung nannte die Bank ebenso wenig wie weitere Details. Die umfassenden Geschäftszahlen für 2013 sollen erst am Dienstag veröffentlicht werden.

lg

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