Marktbericht 20:10 Uhr

Dax behauptet sich mit Mühe Holpriger Start in die neue Börsenwoche

Stand: 13.10.2014, 20:10 Uhr

Die Anleger wagen sich ganz zaghaft an die Börse zurück: Nach den kräftigen Kursverlusten in der vergangenen Woche stabilisierte sich der Dax am Montag bei über 8.800 Punkten. Doch die Nerven bleiben angespannt.

Heftig auf und ab ging es an den Aktienmärkten zu Wochenbeginn. Zunächst sackte der Dax weiter ab auf unter 8.700 Punkten. Danach sorgten Schnäppchenjäger für eine Erholung. Sie nutzten die gesunkenen Kurse zum Wiedereinstieg. Der Dax zog um bis 8.872 Punkte an. Schon machte das Wort "Gegenbewegung" die Runde.

Wall Street bremst Dax aus

Doch am Nachmittag kam der Dämpfer aus den USA. Kurz nach dem freundlichen Handelsstart drehten die US-Börsen ins Minus. Im Sog der schwächeren Wall Street gab der Dax einen Teil seiner Gewinne wieder ab, behauptete sich aber mit einem Plus von 0,3 Prozent über 8.800 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann gut 0,2 Prozent, der französische Cac40 und der Londoner FTSE 100 legten ebenfalls moderat zu. Händlern zufolge bleibe die Nervosität aber hoch. "Niemand will verfrüht wieder einsteigen", meinte ein Marktteilnehmer

Kommt jetzt die Gegenbewegung?

Die Stimmung scheint aber nicht so schlecht wie sie aussieht. Sie habe sich nicht so stark eingetrübt, wie es angesichts des jüngsten Kursrutsches zu erwarten gewesen wäre, schreibt Sentix-Analyst Patrick Hussy in seiner wöchentlichen Analyse. Nach einer Abwärtsbewegung von mehr als 1.200 Punkten in kurzer Zeit sei eine kurzfristige Gegenbewegung sehr wahrscheinlich, erklärte Aktienstratege Jens Klatt von DailyFX. Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Index-Radar spricht gar von einer "vorläufigen Bodenbildung".

Ölpreis fällt immer tiefer

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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78,69
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Am Ölmarkt ging die Talfahrt weiter. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich am Montag um fast drei Prozent auf 87,74 Dollar je Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit Dezember 2010. US-Leichtöl der Sorte WTI rutscht um bis zu zwei Prozent ab auf 84,09 Dollar. Grund für den neuerlichen Preisrutsch sind Spekulationen, wonach die Opec und Saudi-Arabien auf Förderkürzungen verzichtet. Am Wochenende hatte Kuwaits Ölminister erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass die Opec die Ölproduktion im November drossele. Seit Juni sind die Ölpreise um 20 Prozent gefallen.

Kein Stress, Commerzbank!

Auf der Pole Position im Dax landete die Commerzbank-Aktie. Sie gewann rund zwei Prozent. Laut Insidern dürfte das Geldinstitut den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) bestanden haben. "Nach den Aufsichtsgesprächen deutet nichts daurauf hin, dass die Commerzbank durchgefallen sein könnte", meinte ein Insider. Dagegen schlossen die Aktien der Deutschen Bank 0,7 Prozent im Minus. Die Schweizer Tochter des deutschen Branchenprimus hat sich wegen möglicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA selbst angezeigt. Zudem berichtete der "Spiegel", dass die Rückstellungen für Rechtsrisiken von 5,4 bis auf 7 Milliarden Euro wachsen könnten.

Lufthansa-Frachttochter soll rentabler werden

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23,27
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Auf Erholungskurs war auch die Deutsche Lufthansa, die rund ein Prozent zulegte. Lufthansa-Cargo-Chef Peter Gerber hat im "Handelsblatt" angekündigt, er wolle die Frachtfluggesellschaft mithilfe neuer Flugzeuge, eines neuen IT-Systems und eines neuen Cargocenters profitabler machen. Die neue Strategie "Lufthansa Cargo 2020" werde in den kommenden Jahren insgesamt rund zwei Milliarden Euro kosten.

Autoaktien auf der Siegerspur

Auch die Autoaktien zählten zu den Dax-Gewinnern. Die Papiere von VW stiegen um 1,5 Prozent, die Titel von Daimler 1,2 Prozent. VW-Chef Martin Winterkorn hat auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten für die renditeschwache Pkw-Kernmarke erstmals konkrete Ansätze genannt. Laut "Spiegel" wollen die Wolfsburger künftig auf kaum nachgefragte Extraausstattungen verzichten.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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152,50
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+0,93%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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85,32
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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57,21
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Fiat Chrysler startet durch

Schwungvoll verlief der Börsengang von Fiat Chrysler in New York. Die Aktien mit dem Kürzel FCA schossen zum ersten Handelstag zunächst gut acht Prozent nach oben. Danach bröckelten die Gewinne etwas. Künftig wird der Hauptsitz des siebtgrößten Autobauers weltweit in London liegen - und nicht mehr in Mailand.

Iliad will T-Mobile US doch nicht übernehmen

Am späten Abend stand die Deutsche Telekom im Rampenlicht. Der französische Mobilfunk-Konzern gab seine Übernahmepläne für die US-Tochter T-Mobile auf. Die Aktien von T-Mobile US gaben bis über drei Prozent nach. Die T-Aktien hingegen reagierten kaum. Die Bonner und die US-Tochter hatten das jüngste Angebot von 36 Dollar je Aktie abgelehnt.

Erneut rote Laterne für Infineon

Am Dax-Ende rangierte erneut die Infineon-Aktie - mit einem Minus von über zwei Prozent. Mehrere Analysten haben den Daumen gesenkt. Natixis hat die Titel von "Buy" auf "Neutral", JP Morgan von "Overweight"auf "Neutral" gesenkt. Das Kursziel wurde von zehn auf sechs Euro reduziert.

Gea-Aktionären winkt höhere Dividende

Im MDax war Gea am stärksten gefragt. Die Aktie gewann über vier Prozent. Der Anlagenbauer peilt mit einer Dividendenquote von 40 bis 50 Prozent eine höhere Ausschüttung an. Im dritten Quartal schaffte Gea einen Umsatzanstieg von fünf Prozent auf 1,147 Milliarden Euro. Der Auftragseingang sank indes auf 1,165 Milliarden Euro.

Leoni warnt

Nach Xetra-Schluss gab Leoni eine Gewinnwarnung ab. Der Autozulieferer rechnetfür das Gesamtjahr mit nur noch mindestens 180 Millionen Euro beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Bisher waren 200 Millionen Euro angepeilt. Als Grund nannte Leoni "ungeahnte Belastungen durch Neuanläufe" in der Bordnetz-Sparte.Dies habe den Gewinn im zweiten und dritten Quartal um 15 Millionen Euro gedrückt. Im späten Handel riutschte die Leoni-Aktie um fünf Prozent ab.

Bilfinger kommt nicht zur Ruhe

Beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger geht derweil das Stühlerücken weiter. Finanzchef Joachim Müller erklärte seinen Rücktritt. Und auch Interims-Chef Herbert Bodner verzichtete auf seine Kandidatur für die Leitung des Aufsichtsrats. Stattdessen soll Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes den Chefposten im Kontrtollgremium übernehmen, meinten Insider. Damit würde Großaktionär Cevian seinen Wunschkandidaten durchsetzen. Die Bilfinger-Akjtie schloss leicht im Plus.

Gerry Weber will die Milliarde knacken

Für wenig Kursbewegung sorgte ein Interview mit dem 73-jährigen Gerry-Weber-Chef Gerhard Weber in der "Welt am Sonntag". Der Modekonzern will seinen Umsatz in absehbarer Zeit über die Milliardenmarke heben. "Das will und werde ich in den nächsten Jahren noch erleben. Wahrscheinich sogar relativ schnell", sagte Weber, der im November in den Aufsichtsrat wechselt. Das notwendige Wachstum sollen unter anderem neue Läden bringen.

Irrer Kurssprung von Tipp24

Im SDax sprangen Tipp24-Aktien um über 30 Prozent in die Höhe. Der britischen Beteiligung MyLotto24 winken millionenschwere Steuereinsparungen. Ab Dezember muss MyLotto24 bei der Bemessung der Glücksspielabgabe für außerhalb des Vereinigten Königreichs erzielte Spielerträge keine Abgaben mehr zahlen.

Deal mit der Bahn treibt RIB Software

Im TecDax zogen die Aktien von RIB Software um fast neun Prozent nach oben. Der Software-Anbieter hat den größten Auftrag seiner Unternehmensgeschichte erhalten - von der Deutschen Bahn. Der Anbieter der Bau-Softwarelösung iTwo unterzeichnete einen Lizenzvertrag mit der Bahn.

Australier wollen bei Flughafen Wien andocken

An der Wiener Börse legten die Papiere des Flughafens Wien zeitweise knapp 20 Prozent zu. Ein Fonds der australischen Investmentgesellschaft IFM will in großem Stil beim Flughafenbetreiber einsteigen. Die Gesellschaft strebt einen Anteil zwischen 20 und 29,9 Prozent an. Über eine Tochter bietet IFM 80 Euro je Flughafen-Wien-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 30 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag.

Ebola beflügelt Biotech-Aktien

In den USA beflügelte die Infektion einer Klinik-Mitarbeiterin mit Ebola die Kurse von Biotech-Firmen und Schutzbekleidungs-Herstellern. Die Titel von Ipio schossen um über 50 Prozent nach oben. Die Biotech-Firma soll eine Rolle bei der Produktion des experientellen Ebola-Mittels ZMapp übernehmen. Der Gesichtsmasken-Hersteller Alpha Pro Tech legte um mehr als 13 Prozent zu.

Harter Schlag für GoPro

Dagegen brachen die Aktien des Kameraherstellers GoPro um acht Prozent ein. Berichte über einen Zusammenhang zwischen der schweren Kopfverletzung von Michael Schumacher und der beim Skiunfall von ihm getragenen Helmkamera belasteten den Kurs Die Kamera habe das Gehirn Schumachers verletzt, meinte ein französischer Journalist.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 21. September

Unternehmen:
Vossloh: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Frankreich: BIP, Q2 detailliert, 8:45 Uhr
London: Markit Einkaufsmanagerindex Euro-Zone (Industrie, Service, Composite) für September, vorläufig, 09:30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer