Hoffnungsvolle Wochenbilanz

Lothar Gries

Stand: 18.07.2008, 20:02 Uhr

Entspannung beim Ölpreis und besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen der Citigroup haben dem Dax zu einer erneuten kräftigen Erholung verholfen. Damit verbucht der Leitindex erstmals seit langem wieder eine positive Wochenbilanz.

Nach dem kräftigen Zugewnn im Xetra-Handel von 111 Punkten oder 1,8 Prozent auf 6382 Zähler hat der Dax auch im Abendhandel zugelegt. Er schloss 49 Punkte (0,8 Prozent) höher bei 6379.

Topgewinner des Tages war die Infineon-Aktie. Ebenfalls kräftig zulegen konnten die Finanzwerte, allen voran die Commerzbank. Die Spekulationen über eine bevorstehende Fusion mit der Dresdner Bank bewahrheiteten sich jedoch nicht.

Unterstützt wurde die Dax-Erholung vom stark fallenden Ölpreis. Mussten vor einer Woche noch 145 Dollar bezahlt werden, kostete das Fass US-Leichtöl am Freitagmittag keine 131 Dollar mehr. Zudem verbuchte die größte US-Bank, Citigroup, einen niedrigeren Verlust als befürchtet.

Keine konkreten Prognosen gibt es darüber wie es in der kommenden Woche weiter gehen könnte. Analyste zufolge hängt die Entwicklung entscheidend von den Quartalszahlen ab, sowie den Prognosen der Unternehmen für den Rest des Jahres.

Sony Ericsson mit Gewinneinbruch

Der japanisch-schwedische Handyhersteller Sony Ericsson hat im zweiten Quartal einen Ergebniseinbruch erlitten. Die Erlöse gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,11 auf 2,82 Milliarden Euro zurück. Das Betriebsergebnis rutschte leicht in die roten Zahlen. Nach 315 Millionen Euro vor einem Jahr meldete Sony Ericsson nun ein Minus von 2,0 Millionen Euro. Das Nettoergebnis brach von 220 auf sechs Millionen Euro ein.

Schlammschlacht um Wirecard
Der Zahlungsabwickler hat die von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) eingereichte Klage als unbegründet zurückgewiesen und selbst Anzeige gegen die Aktionärsschützer gestellt. Für eine Klage habe die Verwaltung von Wirecard keinerlei Anlass gegeben, sagte Vorstandschef Markus Braun. Gleichzeitig reichte das Unternehmen Strafanzeige gegen die SdK wegen "Insiderhandel und
mittäterschaftliche Marktmanipulation" ein. Die SdK wies die Vorwürfe auf das Schärfste zurück. Sie sieht einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Gelassenheit entgegen. Die Papiere von Wirecard brechen zeitweise um mehr als 30 Prozent ein.

Citigroup besser als erwartet
Wegen der Finanzmarktkrise musste Amerikas größte Geschäftsbank im ersten Quartal erneut 7,2 Milliarden Dollar abschreiben, davon 3,5 Milliarden Dollar auf ihr Subprime-Engagement und 2,4 Milliarden Dollar auf durch Anleiheversicherer (Monoliner) abgesicherte Papiere. Dadurch entstand ein Verlust von 2,2 Milliarden Dollar. Ohne die Abschreibungen seien die Erträge in allen Geschäftsbereichen weitgehend stabil gewesen. Analysten hatten Schlimmeres befürchtet. Die Aktie legt vorbörslich zu.

Teva schluckt Barr
Jetzt ist es offiziell. Der führende Hersteller von Nachahmermedikamenten Teva Pharmaceutical Industries will den US-amerikanischen Konkurrenten Barr Pharmaceuticals für fast neun Milliarden Dollar inklusive Verbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar schlucken. Die Offerte sorgte in den USA im vorbörslichen Handel bei Barr-Aktien für ein Kursplus von fast neun Prozent auf 61,94 Dollar. Auch die Aktien des deutschen Generikaherstellers Stada legten überdurchschnittlich zu.

ProSieben auf Erholungskurs
Die Aktien von ProSiebenSat1 haben ihren Erholungsurs fortgesetzt. Die Papiere der TV-Sendergruppe setzten sich mit einem Plus von 10,7 Prozent an die Spitze der Mdax-Werte. Einen konkreten Auslöser konnten die Händler nicht erkennen. Insgesamt stiegen die Titel in den vergangenen zehn Tagen um gut 40 Prozent.

Repower macht mächtig Wind
Der Windkraftanlagen-Hersteller Repower Systems hat seinen Umsatz im ersten Quartal 2008/09 mehr als verdoppelt und das Betriebsergebnis vervielfacht. Die Erlöse stiegen von 102,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 231,8 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sprang von 0,1 Millionen auf 10,2 Millionen Euro. Die im TecDax notierte Aktie verliert dennoch.

K+S vor Aktiensplit
Die Aktien des Düngemittel- und Salzherstellers K+S sind trotz einer Kaufempfehlung größter Verlierer im MDax. Der Kurseinbruch überrascht, denn die UBS empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 460 Euro zum Kauf. Marktbeobachter begründeten die negative Kursentwicklung mit schwachen Sektorvorgaben. Am kommenden Montag wird der der beschlossene Aktiensplit im Verhältnis 1:4 wirksam. Damit will das Unternehmen die Aktie optisch verbilligen, um sie einem breiteren Anlegerkreis zugänglich zu machen und ihre Liquididität zu erhöhen.

VW mit Sonderkonjunktur
VW-Chef Martin Winterkorn erwartet für den Auto-Konzern im laufenden Jahr eine "kleine Sonderkonjunktur". Der Konzern halte daher an der Prognose für das laufende Jahr fest, sagte er. Große Hoffnungen hat er für den neuen Golf VI. Das Modell soll von der Markteinführung im Oktober an profitabel für den Konzern sein. Die Aktie reagiert kaum.

Beiersdorf mitgehangen
Die im MDax notierte Aktie des Kosmetikkonzerns leidet unter den Quartalszahlen des Mitbewerbers L'Oreal. Der weltgrößte Kosmetikhersteller hat im zweiten Quartal weniger umgesetzt als erwartet und daraufhin seine Erwartungen für das Gesamtjahr gekürzt. Die ebenfalls unter Druck geratenen Papiere von Henkel drehten dagegen ins Plus.

Fresenius mit Kapitalmaßnahmen
Der Medizinkonzern Fresenius hat seine Pflichtumtauschanleihe platziert. Insgesamt seien Anleihen im Wert von 554,4 Millionen Euro am Kapitalmarkt platziert worden, teilte das MDax-Mitglied mit. Außerdem wurden zusammen mit der Anleihe FMC-Stammaktien zum Preis von 33 Euro platziert.

Roth & Rau vor Aktiensplit
Der Solar-Zulieferer Roth & Rau ist an der Börse überdurchschnittlich gefragt. Am Montag steht ein Aktiensplit im Verhältnis 1:4 an. Händler verwiesen außerdem auf Nachwirkungen der Goldman Sachs-Studie vom Donnerstag, in der den Papieren ein Kursziel von 195 Euro eingeräumt wurde.

Berentzen erholt sich
Die börsennotierten Vorzugsaktien des Spirituosenherstellers Berentzen machen auf dem Frankfurter Parkett einen heftigen Sprung nach oben. Trotz der heftigen Streitigkeiten in der Unternehmensführung und bei den Stammaktionären geht der Verkaufsprozess des Unternehmens weiter, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Cash.Life im Rückwärtsgang
Die Aktie des Finanzdienstleister Cash.Life bricht an der Börse ein. Das auf den Ankauf von Lebensversicherungen spezialisierte Unternehmen hat im zweiten Quartal einen Umsatzeinbruch um rund 40 Prozent verbucht. Außerdem verschlechterte sich das operative Ergebnis deutlich.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"