Hoffnung auf China beflügelt die Märkte

Stand: 13.07.2012, 19:49 Uhr

Nach den enttäuschten Erwartungen an die Notenbanken in der Eurozone und den USA hoffen die Anleger jetzt offenbar auf Konjunkturmaßnahmen aus China. Auch die rückläufigen Renditen für italienische Staatsanleihen helfen am Freitag, den Dax über die Marke von 6.550 Punkten zu befördern.

Der Dax weitet seine Tagesgewinne nach dem freundlichen Handelsstart an der Wall Street kräftig aus und klettert bis zum Handelsende auf 6.557 Punkte, einem Plus von 2,15 Prozent oder 137 Zählern, dem höchsten Stand seit Anfang Mai. Von den 30 im Dax notierten Werten notieren nur zwei im Minus. Auch der Euro schießt am Nachmittag unvermittelt nach oben bis auf 1,225 Dollar, nachdem er in der Mittagszeit noch auf 1,216 Dollar gefallen war.

Beflügelt werden die Märkte von den steigenden Kursen an der Wall Street. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legt in den ersten Minuten 0,5 Prozent auf 12.639 Punkte zu und weitet seine Gewinne rasch aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der US-Leitindex 1,4 Prozent oder 176 Punkte höher bei 12.749. Dass das von der Uni Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen im Juni mit 72 Punkten hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, vermag die gute Stimmung der Anleger nicht trüben.

Robuste Wachstumszahlen
Gestützt wurden die Märkte bereits am Morgen von den robuster als erwartet ausgefallenen Wachstumszahlen Chinas. Dort legte das BIP im zweiten Quartal um 7,6 Prozent zu. Das ist zwar weniger als noch im ersten Quartal als das Bruttoinlandsprodukt noch um 8,1 Prozent zugelegt hatte. Es ist aber nicht weit von dem entfernt, was der Markt im Auge hatte und sorgt deswegen für Erleichterung.

Zudem sehen Analysten gute Chancen, dass die Regierung den Abschwung abfedern wird mit konjunkturfördernden Maßnahmen.

Für einen Freudensprung an den Aktienmärkten sorgt am späten Vormittag die mit Spannung erwartete Auktion Italiens. Trotz einer abermaligen Bonitätsabstufung muss das Land keine höheren Zinsen für frisches Kapital zahlen. Bei einer Versteigerung dreijähriger Staatsanleihen sank die zu zahlende Rendite binnen Monatsfrist um 65 Basispunkte auf 4,65 Prozent, wie die italienische Notenbank mitteilte. Zudem gelang es Italien, wie geplant 3,5 Milliarden Euro am Markt aufzunehmen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank runter, JP Morgan rauf
Positiv überrascht hat die Anleger auch der Quartalsbericht von JP Morgan, der größten Bank der USA. Die milliardenschweren Fehlspekulationen Londoner Händler haben der Bank zwar ein Loch von 4,4 Milliarden Dollar vor Steuern gerissen. Trotzdem schaffte JP Morgan Bank im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 4,96 Milliarden Dollar - nur knapp unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums (5,43 Milliarden). Dabei half allerdings eine deutlich geringere Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Die Aktie von JP Morgan legt zu. Dagegen belasten die Zahlen das Papier der Deutschen Bank, das neben HeidelbergCement der einzige Verlierer im Dax ist.

Wells Fargo auf Erfolgskurs
Die US-Großbank Wells Fargo bleibt allen Krisen zum Trotz auf Rekordkurs. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn dank lukrativer Kreditgeschäfte und gesunkener Kosten um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 4,6 Milliarden Dollar - mehr als je zuvor. Damit übertraf es die Erwartungen von Analysten leicht.

CS beflügelt T-Aktie
Favorit im Dax ist dagegen die Aktie der Deutschen Telekom. Sie legt um 5,7 Prozent zu. Die Analysten der Credit Suisse haben den Titel von "underperform" auf "neutral" angehoben und ihr Kursziel von 8,50 auf neun Euro gelupft. Die Perspektiven für die Tochter T-Mobile USA hätten sich verbessert hieß es zur Begründung. Zudem habe sich das operative Ergebnis stabilisiert.

Um gut drei Prozent zulegen können auch die Aktien der beiden Autokonzerne BMW und Daimler, ohne dass es dafür fundamentale Nachrichteen gibt.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer-Verkauf kommt gut an
Um mehr als zwei Prozent nach oben geht es mit der Bayer-Aktie. Der Pharmakonzern trennt sich vom größten Teil seiner Rechte an dem umstrittenen Medikament Trasylol. Bayer hatte einen Vertriebsstop für Trasylol bereits 2008 nach kritischen Studienergebnissen verhängt. Käufer ist die Nordic Group.

Rhön weckt Begehrlichkeiten
Im Übernahmekampf um die Krankenhauskette Rhön-Klinikum werfen immer mehr Interessenten ihren Hut in den Ring. Neben den Konkurrenten Fresenius, Asklepios und Sana soll auch der Medizintechnikkonzern B. Braun an der Klinikkette beteiligt sein, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Familienunternehmen aus dem nordhessischen Melsungen sei schon seit einiger Zeit bei Rhön engagiert und besitze knapp fünf Prozent der Aktien. B:Braun wollte sich dazu nicht äußern. Die Aktie von Rhön kann davon aber nicht profitieren.

Kabel vorn
Um gut vier Prozent zulegen können die Aktien des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland aus dem MDax. Händler verweisen auf eine Studie der Credit Suisse. Die Bank hat allerdings die Einstufung für Kabel Deutschland zum ersten Geschäftsquartal auf "Neutral" mit einem Kursziel von 43,00 Euro belassen.

Delticom wieder in Fahrt
Im SDax startet die Aktie des Internet-Reifenhändlers Delticom durch. Der 40-prozentige Kursverlust seit April sei übertrieben, urteilen Analysten von HSBC, der grundsätzliche Wachstumstrend sei intakt. Das Kursziel wurde allerdings von 80 auf 70 Euro gekappt.

BB Biotech-Anstieg bröckelt
Nach zweistelligen Kursgewinnen muss die Aktie der Biotech-Beteiligungsgesellschaft BB Biotech die Hälfte ihrer Gewinne vom Morgen wieder abgeben. Den Vorschlag der Schweizer Vontobel-Gruppe, sich in einen nicht notierten Anlagefonds umzuwandeln, lehnt BB Biotech ab.

Dax-Chart realtime

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