Hoffen und Bangen

Karsten Leckebusch

Stand: 21.08.2007, 20:01 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt beschloss den Handelstag mit Kursgewinnen. In den USA macht die Hypothekenkrise den Anlegern weiter Sorgen. Für Entwarnung sei es noch viel zu früh, sagte US-Finanzminister Paulson. Offenbar will aber die Fed die Finanzmärkte weiter unterstützen.

Ein US-Senator sagte am Abend, der Notenbankchef Ben Bernanke sei bereit, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um die Markturbulenzen zu beruhigen. Marktteilnehmer dürften dies als Andeutung verstehen, dass die Fed entgegen der Erwartungen doch die Zinsen zu senken, um die Märkte zu stabilisieren.

Dieses Gerücht hob am Abend kurzfristig die Stimmung an der Wall Street, bis US-Finanzminister Henry Paulson wieder einen Dämpfer auffuhr. Allzu große Euphorie sei nicht angebracht, sagte er, die Probleme am Hypothekenmarkt seien noch lange nicht ausgestanden. Woraufhin die Kurse an der Wall Street wieder bröckelten.

Der Dax folgte am Nachmittag den unentschlossenen Kursen in New York, schloss aber im elektronischen Handel mit einem leichten Plus von 0,23 Prozent bei 7.245 Punkten. Auch im späten Handel erhielt sich der Kursgewinn, der LDax gewann noch zwei Punkte hinzu.

Einheimische Nachrichten scheinen die deutschen Aktienmärkte heutzutage kaum zu beeinflussen. Selbst der am Vormittag bekannt gegebene ZEW-Konjunkturklimaindex hatte für keine messbaren Auswirkungen gesorgt, obwohl der Indikator von plus 10,4 Punkten auf minus 6,9 Punkte gefallen war und damit die Erwartungen deutlich verfehlt hatte.

Bayer und Volkswagen
Im Dax gewann die Aktie des Pharmakonzerns Bayer 3,8 Prozent. Angeblich habe der Schweizer Pharmakonzern Novartis Interesse an der Übernahme des Leverkusener Traditionsunternehmens, munkeln die Börsianer. Dieses Gerücht treibt, wie schon vergangene Woche, den Kurs nach oben.

Volkswagen verteuerte sich um etwa zwei Prozent. Der Konzern hat in den ersten sieben Monaten des Jahres weltweit so viele Autos verkauft wie noch nie zuvor. Von Januar bis Juli seien mit 3,61 Millionen Fahrzeuge 8,1 Prozent mehr Autos an die Kunden gegangen, teilte Europas größter Autobauer mit. Allein im Juli kletterte der Absatz um 10,2 Prozent auf 522.000 Autos. Konzernchef Martin Winterkorn bekräftigte das Ziel, 2007 erstmals mehr als sechs Millionen Fahrzeuge zu verkaufen.

Die Banken verlieren
Die Banken gehörten abermals zu den Verlierern im Leitindex. Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank geben bis zu 2,3 Prozent ab. Belastet würden die Papiere vor allem durch die weiterhin schwer kalkulierbaren Auswirkungen der amerikanischen Kreditkrise auf deutsche Banken und ihre Töchter, sagen die Experten.

Infineon kauft einen Teil von LSI
Infineon-Aktien gingen mit einem Plus von 0,2 Prozent aus dem Handel. Der Chiphersteller wird die Handy-Chip-Geschäfte des amerikanischen Herstellers LSI für 330 Millionen Euro übernehmen. Infineon erwartet durch die Übernahme einen "deutlich positiven Beitrag" zum Betriebsergebnis 2008.

Klöcker heraufgestuft, Vestas übertrifft
Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co. profitierten von einer Heraufstufung durch die UBS. Die Schweizer Großbank bewertet die Papiere des MDax-Unternehmens jetzt mit "Buy", die Aktie stieg zeitweise um mehr als sieben Prozent, am Handelsschluss steht ein Plus von vier Prozent zu Buche.

Die Windwerte profitieren von einer guten Bilanz des dänischen Windkonzerns Vestas Wind Systems. Die in London notierte Firma hatte bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Aktie von Repower stieg daraufhin leicht, Nordex legte um 1,6 Prozent zu. Die Aktien von Vestas kletterten um beachtliche 5,5 Prozent.

EM.Sport wieder mit Gewinn
Die im SDax notierte Medienfirma EM.Sport hat im ersten Halbjahr wieder einen Gewinn verbucht. Der Nettogewinn des ehemals unter EM.TV bekannten Konzerns betrug 4,7 Millionen Euro, nach einem Verlust von 4,5 Millionen Euro im Vorjahr. EM.Sport sieht sich auf dem richtigen Weg, auch der Verkauf der Unterhaltungssparte schreite planmäßig voran. Die Aktie verteuerte sich um 0,2 Prozent.

Xing sieht sich im Plan
Der ehemals als Open Business Club bekannte Onlinedienst Xing hat im zweiten Quartal seinen Umsatz leicht gesteigert. Die Erlöse des Unternehmens, das ein Netzwerk für Geschäftskontakte betreibt, stieg im Vergleich zum ersten Quartal um etwa neun Prozent auf knapp 4,3 Millionen Euro. Das Ebitda stieg von 529.000 Euro auf 0,9 Millionen Euro. Xing bestätigte die Prognose, wonach der Umsatz in diesem Jahr auf etwa 10,1 Millionen Euro verdoppelt werden soll. Die Ebitda-Marge soll zwischen 30 und 35 Prozent liegen. Die Aktie verlor nach Bekanntgabe der Bilanz zehn Prozent, weil die Zahl der Premiumnutzer des Portals weniger dynamisch wächst.

Drei Schweizer Firmen
Eine Reihe von Schweizer Unternehmen hat heute ihre Bilanz veröffentlicht. Der Biodieselhersteller Biopetrol verbesserte seinen Umsatz um 48 Prozent auf 92,4 Millionen Euro, der Nettogewinn kletterte um 78 Prozent auf 2,7 Millionen Euro. Lindt & Sprüngli verbesserte den Umsatz auf 1,14 Milliarden Franken. Der Schokoladenhersteller übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Und schließlich erzielte auch der Industriekonzern Sulzer deutlich Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Beide Kennzahlen legten um etwa ein Viertel zu, der Erlös betrug im ersten Halbjahr 1,65 Milliarden Franken, der Nettogewinn 131,8 Millionen.

"Kein Problem mit Übernahme"
Die belgische Bank Fortis hat Spekulationen zurück gewiesen, wonach die Bank Probleme haben könnte, die geplante Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro zu finanzieren. Man könne die Offerte problemlos finanzieren, teilte die Bank mit. Sie reagierte damit auf einen Bericht des Daily Telegraph, wonach das Bieterkonsortium aus der Royal Bank of Scotland, Fortis und Banco Santander Schwierigkeiten hätten, das Angebot in Höhe von 66 Milliarden Euro aufzubringen.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin