Hoffen auf Amerika

Robert Minde

Stand: 12.03.2012, 20:03 Uhr

Zum Wochenauftakt war nicht viel los am deutschen Aktienmarkt, der Dax verzeichnete dennoch ein kleines Plus. Trotzdem fanden die Anleger insgesamt nicht ihre Richtung. Einige hoffen nun wieder auf Amerika.

Der deutsche Aktienmarkt ist lustlos in die neue Woche gestartet. Nach dem vorläufigen Ende des Griechenland-Dramas, das heute übrigens kein Thema mehr war, hat der deutsche Leitindex Dax Luft geholt. Der Index schloss bei 6.901Punkten, ein kleines Plus von 0,3 Prozent. Die Schwankungsbreite war gering. Das Hoch lag bei 6.911, das Tief bei 6.846 Punkten. Auch nachbörslich bewegt sich wenig, der L/E-Dax schloss bei 6.910 Punkten.

Liquidität ist da
Nachdem am Morgen das überraschend hohe Handelsbilanzdefizit Chinas von 31,5 Milliarden Dollar auf die Stimmung gedrückt hatte, kam dennoch selektiv Interesse auf. Händler sprachen von einem anhaltend hohen Anlagedruck, denn die Liquidität in den institutionellen Kundendepots bleibe hoch. Sollten die Renditen der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe weiter so niedrig bleiben, dürften sich die Anleger vor allem am Aktienmarkt auf die Suche nach lohnenswerteren Zielen begeben, heißt es in einem Kommentar der Citgroup. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell nur noch bei knapp 1,77 Prozent.

US-Aufschwung oder Euro-Skepssi?
Der Blick richtet sich zudem wieder auf Amerika. "Im Moment hofft jeder, dass sich die US-Wirtschaft weiter belebt und hiesige Unternehmen davon profitieren können", sagte ein Händler. Die Konjunkturdaten der weltgrößten Volkswirtschaft hatten zuletzt durchaus zuversichtlich gestimmt. Allerdings sinkt dadurch auch die Wahrscheinlichkeit eines neuen Liquiditätsprogrammes ("QE 3"). "Diese Erwartungshaltung bremst die Märkte derzeit aus", sagte ein Händler.

Zudem verlagert sich die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf die anderen südeuropäischen Krisenländer. Die Höhe der CDS-Prämien der üblichen Verdächtigen wie Spanien, Italien oder Portugal dürfte am Markt mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden.

Euro leicht erholt
Die Gemeinschaftswährung hat sich wieder über 1,31 Dollar erholt, nachdem sie am Vormittag bis auf 1,3077 Dollar abgerutscht war. Händler sprachen allerdings weiterhin von einem tief sitzenden Misstrauen gegenüber dem Euro.

Sie sorgen sich, ob Portugal Griechenland womöglich folgen könnte und ob die grundlegenden Probleme der Hellenen überhaupt gelöst werden können. "Da sind so viel potenzielle Unsicherheiten, an denen sich der Markt derzeit abarbeitet, dass das Aufwärtspotenzial für den Euro sehr limitiert sein dürfte", meint Devisenstratege Mitul Kotecha von der Crédit Agricole.

Dollar hingegen stärker
Was aber nicht nur an der Schwäche des Euro liegt, sondern auch daran, dass sich die US-Wirtschaft zuletzt wieder etwas erholt hat. Dies stärkt den Dollar.

Der starke Dollar hat noch eine Konsequenz: Er lässt auch den Ölpreis fallen. Ein Barrel Nordsee-Brent kostete 124,72 Dollar, das war 1,27 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Die Experten der Commerzbank weisen zur Begründung darauf hin, dass der Dollar auf handelsgewichteter Basis auf ein Sieben-Wochen-Hoch gestiegen ist.

Wall Street in Wartestellung
Die US-Anleger wagen sich zögerlich ein bisschen nach vorne. Der Dow-Jones-Index liegt aktuell leicht mit 0,35 Prozent im Plus. Neben den schwachen China-Daten blickt der Markt auf die Geldpolitik der Fed. "Die Wall Street hat die Pause-Taste gedrückt", sagte Analyst Peter Kenny von Knight Capital.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Daimler an der Spitze, VW verliert
An der Indexspitze lag Daimler mit einem Plus von gut 1,5 Prozent. Auch Deutsche Bank waren gesucht, denn die Vorstandumbildung unter dem künftigen Co-Chef Anshu Jain kam am Markt gut an. Adidas legten ebenfalls gut ein Prozent zu und gehörten zu den Tagessiegern.

Verlierer waren Commerzbank und VW. Die Wolfsburger wollen laut Bilanzpressekonferenz am Montag 2012 ihr Ergebnis nur "stabil" halten. Im MDax lagen Douglas sowie Continental nach einem positiven Analystenkommentar an der Spitze, Tagesverlierer bleibt mit großem Abstand ElringKlinger.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%

Commerzbank kurz vor Eurohypo-Einigung?
Für die Commerzbank könnten die Karten im Falle der defizitären Immobilientochter Eurohypo schon bald neu gemischt werden. Man stehe "sehr, sehr kurz vor einer Einigung, was die Veränderungen der Auflagen angeht", erklärte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Die EU-Kommission hatte der Bank im Gegenzug für milliardenschwere Staatshilfen ins Stammbuch geschrieben, die Eurohypo bis zum Jahr 2014 zu verkaufen. Die Bank ist aber nach Ansicht der Commerzbank derzeit unverkäuflich. Commerzbank-Aktien gehören heute zu den Tagesverlierern an der Börse.

ElringKlinger fällt durch
Über fünf Prozent ging es heute bergab mit der Aktie des MDax-Unternehmens. Zwar hat der Autozulieferer seinen Umsatz um 30 Prozent gesteigert und erstmals mit 1,03 Milliarden Euro die Erlösmilliarde überschritten. Der Gewinn von 94,9 Millionen Euro (ein Plus zu 45 Prozent) enttäuschte die hochgesteckten Erwartungen der Analysten dennoch.

Douglas mit neuen Fantasien
Die Parfümeriekette Douglas könnte ihr Börsendasein bald beenden. Laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" will Firmenpatriarch Jörn Kreke entsprechende Pläne am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorstellen. Laut "FAS" hat das Unternehmen zudem die Beratungsgesellschaft McKinsey angeheuert, um ein Konzept für die Weiterführung der Buchsparte Thalia zu entwickeln. Douglas-Aktien gehörten mit einem Aufschlag von 3,2 Prozent zu den Tagesgewinnern im MDax.

Hoffnung für Q-Cells
Q-Cells-Aktien haussierten und katapultierten sich mit einem Kurszuwachs von mehr als 25 Prozent an die Spitze des TecDax. Grund ist die Vermeldung eines Auftrages aus Griechenland. Dort soll der angeschlagene Photovoltaik-Hersteller vier Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 2,4 Megawatt installieren. Das Unternehmen, dessen Aktie nur noch ein Penny-Stock ist und demnächst aus dem TecDax ausscheidet, kämpft um sein Überleben.

Die anderen im Index enthaltenen Solaraktien lagen am Indexende. Centrotherm führte dabei die Verliererliste mit einem Abschlag von 6,3 Prozent an. Carl Zeiss Jena wurde heute mit einem Dividendenabschlag von 0,30 Euro gehandelt.

Deutsche Fortfait rutscht in die roten Zahlen
Überraschend weist der Forderungshändler 2011 einen Verlust von 3,9 Millionen Euro oder 0,57 Euro je Aktie aus. Im Vorjahr stand noch ein Gewinn von 2,1 Millionen Euro in den Büchern. Das im Prime Standard notierte Kölner Unternehmen hat unter einem verlorenen Schiedsgerichtsverfahren gelitten. Ohne dieses Einmalereignis hätte sich ein Konzernjahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro ergeben. Das Fortfaitierungsvolumen stieg um zwei Prozent auf 661 Millionen Euro. Die Nachricht kommt nicht gut an, die Aktie verliert 3,5 Prozent.

Paragon legt kräftig zu
Die im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Aktie legt nach vorläufigen Geschäftszahlen 3,7 Prozent zu. Das Unternehmen hat 2011 den Umsatz um 11,7 Prozent auf 67,1 Millionen Euro gesteigert. Der Jahresüberschuss stieg von 3,8 auf 5,3 Millionen Euro kräftig an.

Der Automobilzulieferer, der sich auf Lösungen im Bereich der Automobilelektronik spezialisiert hat, will seine endgültigen Zahlen wie geplant am 22. März bekannt geben.

Vita34 unter dem Strich deutlich besser
Das Unternehmen hat das Nettoergebnis 2011 nach vorläufigen Zahlen von 0,3 auf 1,2 Millionen Euro deutlich gesteigert. Der Umsatz ging leicht auf 16 Millionen Euro zurück. Die Nabelschnurblutbank berichtet über etwas mehr als 8.800 Einlagerungen nach gut 11.000 im Jahr 2010. Für 2012 erwartet Vita34 einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Endgültige Zahlen will das Unternehmen am 21. März präsentieren. Die im Prime Standard der Frankfurter Börse gehandelte Aktie legt am Nachmittag um rund 2,5 Prozent zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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