Hört die Fed-Signale!

Stand: 05.09.2007, 20:13 Uhr

Die amerikanische Notenbank Fed hält ihr Pulver offenbar noch trocken. Klare Zins-Signale fehlen jedenfalls im Beige Book der Notenbanker. Der Dow knickt ein.

Dabei wären klare Signale für eine Zinssenkung in den USA nötig gewesen. Wie nötig, zeigt der Blick auf die jüngsten Daten des amerikanischen Häusermarktes. Nach neuesten Hochrechnungen wurden im Juli rund zwölf Prozent weniger Häuser verkauft als im Juno: so wenig wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Nach dem Urteil der amerikanischen Notenbanker ist die heimische Wirtschaft in der Zeit von Juli bis Anfang August weiter gewachsen. Schärfere Bedingungen bei der Kreditvergabe haben der US-Notenbank Fed zufolge merkliche Auswirkungen auf den Häusermarkt gehabt. Dies erhöhe die Ungewissheit über die Erholung auf dem Bausektor, erklärte die Fed in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht Beige Book.

Der Euro legt zu

Der Kurs des Euro stieg nach den schwachen Daten vom US-Immobilienmarkt über 1,36 US-Dollar und hielt sich auch nach der Vorlage des Beige Book auf diesem Niveau. "Schwache Daten vom US-Häusermarkt haben den US-Dollar im Nachmittagshandel belastet", sagte Stephan Rieke von der BHF-Bank. Der Zahl der offenen Häuserverkäufe in den USA ist im Juli auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Der Indikator gilt als Vorlaufindiktor für den Häusermarkt. Die Abkühlung war ein Auslöser für die derzeitigen Probleme am US-Hypothekenmarkt. Rieke erwartet daher noch kein Ende der Abkühlung am US-Immobilienmarkt.

Der LDax im Frankfurter Abendhandel schloss mit 7.606 Punkten, nachdem der Dax den Xetra-Handel zuvor mit 7.588 Punkten beendet hatte: 1,7 Prozent niedriger. An der New Yorker Börse hatte der Dow Jones-Index bis zum Geschäftsschluss in Frankfurt rund ein Prozent verloren.

EZB-Zinsen bleiben unverändert
Der Rat der Europäischen Zentralbank wird nach den Vorhersagen von Bankvolkswirten auf seiner turnusmäßigen Sitzung am Donnerstag die Leitzinsen bei vier Prozent belassen. Denn eine Zinserhöhung wäre offenbar Gift für die Märkte.

Geldspritzen liegen parat
Die Lage am europäischen Geldmarkt - dem Handel zwischen den Banken - habe sich wegen starker Schwankungen wieder verschärft, teilte die EZB am Mittwoch in Frankfurt mit. "Die EZB wird die Situation sehr genau beobachten. Wenn die Lage auch morgen anhält, steht die EZB bereit, um zu geordneten Bedingungen beizutragen." Wegen des Liquiditätsengpasses am Geldmarkt hatte die Notenbank den Banken Anfang August bereits vier Mal hohe Beträge zur Verfügung gestellt, allein am ersten Tag rund 95 Milliarden Euro.

Deutsche Bank schraubt Erwartungen herunter
Angesichts der globalen Kreditkrise hat die Deutsche Bank ihre Dax-Prognose für 2007 gesenkt. Der deutsche Leitindex dürfte nach Einschätzung des Instituts zum Jahresende bei 8300 Punkten notieren, bestätigte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe). "Wir haben jetzt höhere Zinsen, die Refinanzierung für die Unternehmen wird teurer, und das drückt die Wachstumsraten der Gewinne", begründete Klaus Martini, Chefanlagestratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank, laut der Zeitung die Senkung der Prognose. Ende Juni hatte der Experte dem Dax noch 8500 Punkten zugetraut, doch auch das revidierte Kursziel entspricht noch einem Plus von über neun Prozent gegenüber dem Schlussstand von Mittwoch.

Citigroup vor Milliarden-Problemen?
Die Papiere des weltgrößten Geldinstituts gaben deutlich nach. Ihnen macht ein Bericht des "Wall Street Journal" über drohende Milliarden-Belastungen durch außerbilanzielle Zweckgesellschaften zu schaffen.

Ganz andere Sorgen plagen derzeit den US-Spielzeughersteller Mattel . Mattel hatte am Dienstagabend angekündigt, eine dritte Rückrufaktion für in China hergestelltes Spielzeug zu starten. In Deutschland sind 38.000 Spielzeuge betroffen. Wie schon bei vorherigen Rückrufaktionen während der vergangenen Wochen wurden bei den Produkten erhöhte Bleiwerte festgestellt. Mattel-Aktien brechen erneut weg.

Erfreuliches hatte der amerikanische Lebensmittelkonzern Kraft Foods zu bieten. Kraft hat seine Gewinnprognose für 2007 angehoben. Der Konzern rechnet nun mit einem Ergebnis vor Sonderposten zwischen 1,80 und 1,82 Dollar pro Aktie. Zuletzt hatte das Unternehmen eine Spanne zwischen 1,75 Dollar und 1,80 Dollar angegeben. Als Grund für den positiveren Ausblick nannte Kraft einen unerwartet niedrigen Steuersatz die hohe Geschwindigkeit, mit der Aktien zurückgekauft würden und ein zunehmendes Vertrauen in die Wachstumsinitiativen des Konzerns.

Porsche will mehr VW
Porsche hat erneut angedeutet, seinen VW-Anteil aufstocken zu wollen, ohne dass VW-Aktien davon - zunächst - profitieren konnten. "Wir wollen klare Signale nach innen und nach außen geben. Je höher die Beteiligung ist, desto mehr werden wir wahr- und ernst genommen", sagte Firmenchef Wendelin Wiedeking den "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. Aktuell sei Porsche aber nicht dabei, seine 31-Prozent-Beteiligung an VW auf über 50 Prozent zu erhöhen. "Uns treibt im Moment nichts. Wir warten zunächst die EuGH-Entscheidung zum VW-Gesetz ab, die für uns sehr wichtig ist." Der Konzern habe sich bereits über Optionen die Rechte für weitere Anteile gesichert und müsse somit auch nicht zum hohen aktuellen Börsenkurs kaufen. VW-Aktien

Linde reagiert auf Deutsche Bank
Die Deutsche Bank hat Finanzkreisen zufolge 700.000 Linde-Aktien auf den Markt gebracht. Am Mittwoch seien die Papiere zu je 84,10 Euro platziert worden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters. Die Aktien stammten aber nicht aus dem Bestand der Deutschen Bank, die an Linde nach dem Stand von Ende Juni 7,8 Prozent hält. "Ich habe ein Angebot von der Deutschen Bank bekommen für Linde-Aktien zu je 84,10 Euro", bestätigte ein Händler. "Eigentlich ist das aber eher eine große Order als eine Platzierung", hieß es am Markt. Der Kurs der im Leitindex Dax notierten Linde-Aktie sackte um über drei Prozent ab. Der Industriekonzern und die Deutsche Bank lehnten eine Stellungnahme ab.

Aktien des Autozulieferers Leoni büßten bis zum Abend ihre Sonderstellung ein. Nach einem Kursaufschlag von über vier Prozent hatten sie vorübergehend bei 42,90 Euro ein neues Rekordhoch erreicht, konnten sich dort allerdings nicht halten. Ein Händler verwies auf Anschlusskäufe, nachdem der Aktie des Autozulieferers am Dienstag der Ausbruch auf ein neues Rekordlevel gelungen war. Zusätzliche Impulse erhielten die Titel aus der Anhebung des Kurszieles durch Dresdner Kleinwort von 45 auf 48 Euro und die bestätigte Kaufempfehlung, sagte der Börsianer.

GPC von Biotech-Welle erfasst
Im TecDax glänzte GPC Biotech mit einem Plus von über fünf Prozent. Händler verweisen auf die gute Branchenstimmung, nachdem der viel beachtete Nasdaq Biotechnology Index am Dienstag einen wichtigen technischen Widerstand überwunden hat.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"