Höhenflug gebremst?

Stand: 17.09.2009, 20:08 Uhr

Die Luft nach oben wird immer dünner: Weil die Wall Street schwächelte, gab der Dax im späten Parketthandel seine Kursgewinne wieder ab. Zuvor hatten positive US-Konjunkturdaten die Kauflaune der Anleger weiter angeheizt.

Vor allem der mit Spannung erwartete Philly-Fed-Index schürte Hoffnungen auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft. Der Index, der das Geschäftsklima in der Industrieregion Philadelphia misst, stieg überraschend deutlich von plus 4,2 Punkten im August auf plus 14,1 Zähler im September. Das ist der höchste Wert seit Juni 2007. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 8,0 Punkte gerechnet. Auch vom US-Arbeits- und Immobilienmarkt gab es positive Impulse. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe schrumpfte in der vergangenen Woche auf 545.000. Volkswirte hatten mit etwas mehr Anträgen gerechnet. Die Zahl der Wohnbaubeginne stieg im August aufs Jahr hochgerechnet um 1,5 Prozent auf 598.000 - 2.000 weniger als von Volkswirten vorhergesagt.

An den Aktienmärkten machte sich Zuversicht breit. Der Dax stieg den dritten Tag in Folge und erreichte zum Xetra-Schluss ein neues Jahreshoch von 5.731 Punkten. Am Abend kam dann aber Gegenwind aus den USA: die Wall Street drehte leicht ins Minus. Der L-Dax schloss bei 5701 Punkten und lag damit in etwa auf dem Niveau des Vortags.

Euro, Gold und Hexen

Sorgen macht zunehmend der starke Euro. Er kostete am Donnerstagabend rund 1,4728 Dollar. Laut Händlern ist inzwischen sogar der Weg frei in Richtung 1,50 Dollar. Der schwache Dollar trieb derweil den Goldpreis auf den höchsten Stand seit 18 Monaten. Mit 1.023,85 Dollar liegt er nur noch knapp unter dem Rekordhoch von 1.030 Dollar.

Einen Tag vor dem Hexensabbat zeigten sich die Anleger nervös Am Freitag laufen Optionen auf Indizes und Aktien aus. Dabei kommt es im Vorfeld oft zu heftigen Kursschwankungen und höherem Handelsvolumen.

Gesundheitstag im Dax

Im Dax stand am Donnerstag die Gesundheit im Mittelpunkt. Die Aktien des Gesundheitskonzerns Fresenius und seiner Tochter Fresenius Medical Care (FMC) zählten zu den größten Kursgewinnern. Laut Analysten profitierten die Papiere von einem vorgelegten neuen Plan zur US-Gesundheitsreform. Dieser sieht keine Einführung einer staatlichen Krankenversicherung vor. Damit dürfte der Druck auf die privaten Krankenversicherer weniger groß sein als befürchtet, die drohenden Preissenkungen im Bereich Dialyse könnten verhindert werden.

Finanztitel hoch im Kurs

Neben den defensiven Gesundheits-Aktien setzten sich auch Finanztitel wie die Deutsche Bank und die Deutsche Börse in Szene. Die Finanzbranche dürfte zu den Profiteuren der zu erwartenden Konjunkturerholung zählen, meinte die Citigroup. Die Titel der Deutschen Bank stiegen um fast vier Prozent. Am Nachmittag wurde bekannt, dass der Kauf von Teilen der ABN Amro geplatzt ist. Die Deutsche Bank konnte sich nicht mit den Niederlanden über einen Kaufpreis einigen. Vor einem Jahr hatten die Frankfurter die ABN-Teile für 700 Millionen Euro deutlich unter dem Buchwert übernommen.

Bei der Deutschen Börse blies Vorstand Frank Gerstenschläger zum Angriff auf alternative Plattformen. Mit dem neue Handelssegment Xetra International Market (XIM), auf dem Titel aus dem EuroStoxx50 zu günstigeren Preisen als bei anderen Handelsplätzen in Europa gehandelt werden sollen, will man Plattformen wie Chi-X Marktanteile abnehmen.

Post trotzt Fedex
Die enttäuschenden Quartalszahlen des US-Konkurrenten Fedex konnten den Aktien der Deutschen Post nichts anheben. Die Titel gingen mit einem Plus von über drei Prozent aus dem Handel. Die Aktien von Fedex verloren dagegen an der Wall Street deutlich. Der US-Paketdienst hat im ersten Quartal 2009/10 einen massiven Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Für das zweite Quartal stellte Fedex einen Gewinn von 65 bis 95 Cent in Aussicht.

K+S sammelt Geld ein
Zu den Kursgewinnern zählten ebenfalls der Düngemittelhersteller K+S mit einem Plus von über zwei Prozent. Das Unternehmen hat erfolgreich eine Anleihe mit einem Volumen von 750 Millionen Euro platziert. Nach eigenen Angaben sei die Anleihe mehrfach überzeichnet gewesen. Mit dem Geld will K+S einen Teil seiner Bankkredite zur Übernahme des US-Salzproduzenten Morton Salt refinanzieren.

Telekom verspricht Besserung in den USA

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Telekom will in den USA ihre Profitabilität verbessern. Das kündigte Vorstandschef René Obermann auf einer Konferenz in New York an. Die eingeleiteten Kosteneinsparungen sollen fortgesetzt werden. Im April hatten die Bonner ihre Prognose herunterschrauben müssen - wegen Problemen in Großbritannien und den USA. Der Konzern sei nun aber auf gutem Wege, die neuen Ziele zu erreichen, versprach Obermann. Die T-Aktie verlor leicht.

Euro stoppt Autoaktien

Die Auto-Aktien legten pünktlich zur Eröffnung der weltgrößten Automesse IAA den Rückwärtsgang ein. BMW verlor rund zwei Prozent, Daimler und VW fast ein Prozent. Die deutschen Autobauer leiden unter dem starken Euro. Da sich die Autos in Dollar verteuern, könnte das US-Geschäft gebremst werden. Nur die Aktien des Lkw-Konzerns MAN legten leicht zu. Angeblich arbeitet Großaktionär Volkswagen daran, MAN als weitere Marke in den Konzernverbund einzubauen. VW-Aufsichtsratschef Piech hatte am Montagabend die Spekulationen über eine Integration von MAN in den VW-Konzern angeheizt. Er träumt von zwei zusätzlichen Marken. Neben MAN hat VW angeblich Suzuki noch im Visier.

BASF und Bayer setzen auf Landwirtschaft

Bei Bayer und BASF drehte sich am Donnerstag alles um das Thema Pflanzenschutz. Bayer kündigte an, das Saatgutgeschäft deutlich ausbauen zu wollen. Bis 2018 soll der Biotech- und Saatgutumsatz auf 1,4 Milliarden Euro mehr als verdreifacht werden. Als Ziel nannte Strategievorstand Rüdiger Scheitza, in zehn Jahren die Nummer drei oder vier im Weltsaatgutgeschäft zu werden. BASF bekräftigte derweil sein Renditeziel für das Pflanzenschutzgeschäft von mehr als 25 Prozent. "Gerade in schwierigen Zeiten ist auf die Landwirtschaft immer Verlass", meinte Spartenchef Markus Heldt. Den Aktien halfen die Ankündigungen kaum. BASF notierte fast unverändert, Bayer schloss etwas höher.

SAP leidet unter Oracle-Zahlen

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einer der schwächsten Dax-Titel war erneut die Aktie von SAP. Sie litt unter den Quartalsergebnissen des US-Konkurrenten Oracle. Dieser hatte am Mittwoch nach US-Börsenschluss zwar steigende Gewinne vermeldet - der Umsatz war aber unerwartet um fünf Prozent auf 5,05 Milliarden Dollar zurückgegangen.

Arcandor im Wechselbad der Gefühle
Im MDax machte erneut die Aktie des insolventen Kaufhauskonzern Arcandor von sich reden. Der Pennystock legte eine Berg- und Talfahrt hin. Zunächst stieg das Papier erneut um rund ein Drittel auf 0,74 Euro, bevor es um neun Prozent einbrach und nun wieder bei 50 Cents notiert. "Spekulative Anleger" seien hier am Werk, hieß es wieder einmal von Händlerseite zur Erklärung.

EADS erhöht 20-Jahres-Prognose
Gute Nachrichten von EADS: Der europäische Flugzeugbauer Airbus rechnet ion den nächsten 20 Jahren mit mehr Bestellungen als bislang geplant. Bis 2028 gebe es einen Bedarf von rund 25.000 Maschinen. Kurzfristig ist Airbus aber deutlich weniger optimistisch. Wegen der Krise stellt sich der Flugzeugbauer auf Stornierungen und Verschiebungen von Auslieferungen ein. Die EADS-Aktie gewann rund sechs Prozent - auch dank einer Hochstufung durch die US-Investmentbank Morgan Stanley von "equalweight" auf "overweight".

Krones erwartet Jahresverlust
Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones rechnet im laufenden Jahr mit roten Zahlen. Laut Finanzchef Hans-Jürgen Thaus werde der Verlust nach Steuern voraussichtlich bei 28 Millionen Euro liegen. Im ersten Halbjahr waren bereits 16 Millionen Euro an Verlusten angelkaufen. Für 2010 verspricht Krones aber eine Rückkehr in die Gewinnzone. Die Aktie notierte leicht im Minus.

Für Gildemeister scheint in Italien die Sonne
Zulegen konnte dagegen die Aktie von Gildemeister - um über zwei Prozent. Der Werkzeugmaschinenbauer hat einen 36-Millionen-Euro-Auftrag in seinem Solargeschäft an Land gezogen. In Italien wird Gildemeister acht Solarparks errichten und mit Trägersystemen für Solarmodule ausstatten.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"