Hochfrequentes Wechselbad

Detlev Landmesser

Stand: 23.04.2009, 20:24 Uhr

So ein Gezackere! Gefühlte einhundert Stimmungsumschwünge beherrschten den Börsenhandel am Donnerstag. An der Wall Street ging es gerade so weiter. Dabei gab es eine Reihe spannender Neuigkeiten.

Der L-Dax schloss 0,5 Prozent tiefer bei 4.558,37 Punkten. Vor allem die Hauptversammlung von Volkswagen sorgte für Spannung - insbesondere die wilden Gerüchte, dass VW den Spieß umdrehen und Porsche übernehmen könnte. Immerhin liegt die Spekulation nahe, dass sich der Sportwagenbauer tatsächlich mit der geplanten Übernahme des fünfzehnmal größeren VW-Konzerns verhoben haben könnte.
Auf dem Aktionärstreffen in Hamburg bestätigte VW-Chef Martin Winterkorn die langfristigen Ziele bis 2018. Für 2009 erwartet VW aber fallende Umsätze und Gewinne. Mit Porsche zusammen habe man aber das "Zeug, das Kraftzentrum der internationalen Automobilindustrie zu bilden", so Winterkorn.

US-Investoren unschlüssig

An der Wall Street gab es bis zum Abend keine klare Tendenz. Dort bremst das Thema "Stresstests" die Kurse. Bei diesen kurz vor dem Abschluss stehenden Tests prüfen die US-Aufsichtsbehörden, ob die Banken über genügend Kapital verfügen, um die Krise zu meistern. "Es gibt unterschiedliche Indikationen, wie die Stresstests wohl ausgefallen sind, und bevor da nicht Klarheit herrscht, will sich niemand zu weit aus dem Fenster lehnen", meinte ein Händler.

So erklärte sich auch, dass die Credit Suisse die Bankaktien nicht beflügeln konnte. Die Schweizer Großbank übertraf die Analystenprognosen mit ihrem Quartalsgewinn um etwa das Doppelte. "Wir sind zuversichtlich für die Geschäftsaussichten", erklärte Vorstandschef Brady Dougan. Auch die britische Barclays Bank sprach von einem guten Start in das laufende Jahr.

Auch von der US-Konjunktur kam keine Unterstützung. Die Verkäufe bestehender Häuser fielen im März überraschend deutlich auf 4,57 Millionen Einheiten. Volkswirte hatten hingegen mit 4,70 Millionen gerechnet. Zudem lag die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 640.000 etwas höher als erwartet.

Neue Spekulationen um Deutsche Börse
Die Aktie der Deutschen Börse war den ganzen Tag über gefragt. Nach einem Bericht des "Manager Magazins" verhandelt der Börsenbetreiber erneut mit der transatlantischen Börse NYSE Euronext über eine Fusion. Beide Unternehmen wollten das Gerücht nicht kommentieren.

Ausländische Bilanzen lasten auf Dax-Konzernen
Gleich drei Dax-Titel litten unter den Bilanzen ausländischer Konkurrenten. Die BASF-Aktie unter dem Gewinneinbruch beim niederländischen Wettbewerber Akzo Nobel, die Post-Aktie unter dem des US-Paketprimus UBS, und K+S unter den Zahlen der Düngemittel-Hersteller Potash aus Kanada und Yara aus Norwegen.

Dividendenabschläge bei RWE und MüRü
"Ex Dividende" notierten die Aktien von RWE und Münchener Rück. Die erheblichen Kursverluste von rund neun und acht Prozent waren daher hauptsächlich optischer Natur. In den Performanceindex Dax fließen die gezahlten Dividenden übrigens ein, womit der Kurseinfluss der beiden Dax-Titel heute gering war.

Soll Conti künftig Schaeffler führen?
Ganz ähnliche Gerüchte wie um VW und Porsche rankten sich um die Hängepartie zwischen Continental und Schaeffler. Nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zeichnet sich ein Zusammenschluss beider Konzerne unter operativer Führung von Conti ab. Die Familie Schaeffler könnte mit bis zu einem Viertel der Anteile an dem neuen Zuliefer-Riesen engagiert bleiben. Die Conti-Aktie war der stärkste Titel im MDax.

Premiere verliert gegen Constantin Medien
Die Aktie von Premiere verlor 7,5 Prozent an Wert. Die Deutsche Telekom hat ihre Partnerschaft mit dem Bezahlsender für die Bundesliga-Übertragung im Internet- und Handyfernsehen gewechselt. Die Telekom bezieht die Live-Bilder mit Beginn der neuen Saison 2009/10 von Constantin Medien, der früheren EM-Sport. Die Telekom zahle für die DSF-Bilder jährlich rund 20 Millionen Euro, schrieb das "Handelsblatt".

Wincor Nixdorf ringt um stabiles Ergebnis
Die Wincor-Aktie war auch nicht besonders gut aufgelegt. Der Geldautomaten- und Kassenhersteller will im laufenden Geschäftsjahr Umsatz und Ergebnis stabil halten. Allerdings sei dies nicht einfach, sagte Vorstandschef Eckard Heidloff. Man müsse kämpfen, um die Jahresziele zu erreichen. Im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres steigerte Wincor Nixdorf dem Umsatz um vier Prozent auf 1,23 Milliarden Euro, das Ebita legte um zwei Prozent auf 103 Millionen Euro zu.

MTU sieht sich auf Kurs
Gefragt war dagegen MTU Aero Engines. Der Triebwerkshersteller hat seinen Umsatz im ersten Quartal um zehn Prozent auf 693,1 Millionen Euro erhöht. Das Ergebnis hingegen schrumpfte von 80 auf 75,2 Millionen Euro. Der MDax-Konzern bestätigte aber seine Jahresprognose.

Rhön Klinikum enttäuscht
Die Aktie von Rhön Klinikum unterbrach ihre jüngste Aufwärtsbewegung. Das leicht auf 42,8 Millionen Euro gestiegene operative Quartalsergebnis (Ebit) verfehlte die Markterwartungen. Immerhin bestätigte der Klinikbetreiber seine Prognose für das Gesamtjahr.

Software AG fällt in Ungnade
Mit einem Kurseinbruch von 18 Prozent fiel die Aktie der Software AG im TecDax auf. Die Softwarefirma hat das erste Quartal zwar mit einem Gewinn- und Umsatzanstieg abgeschlossen, die Erwartungen aber verfehlt. Dank eines guten Wartungsgeschäftes stieg der Umsatz leicht auf 165,3 Millionen Euro, das Ebit erreichte 38,1 Millionen Euro. Analysten hatten bei beiden Kennziffern mehr erwartet.

Bechtle deutlich gebremst
Überraschend präsentierte am Nachmittag auch Bechtle vorläufige Zahlen zum ersten Quartal. Der Umsatzrückgang des IT-Dienstleisters von sechs Prozent auf 318 Millionen Euro sowie der halbierte Vorsteuergewinn von 6,1 Millionen Euro kamen nicht besonders gut an. Der TecDax-Titel verlor 4,8 Prozent.

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