Hilfe aus Amerika

Stand: 08.04.2010, 20:02 Uhr

Wer hätte das gedacht. Während die Märkte in Europa unter der Sorge vor der Pleite Griechenlands zittern, kämpft sich die Wall Street am Abend ins Plus. Das ermutigt auch die Anleger in Frankfurt.

Zwar schafft es der Dax im Abendhandel nicht, mit seinem großen Bruder aus New York gleich zu ziehen und ebenfalls ins Plus zu drehen. Dennoch kann der Leitindex seine Verluste im Vergleich zum Xetra-Handel fast halbieren und schafft es sogar wieder über die Marke von 6.200 Punkten zu klettern, bei 6.203. Das sind noch knapp 27 Punkte tiefer als gestern.

Den elektronischen Handel hatte der Dax noch mit einem Verlust von 50 Punkten bei 6.171 Zählern beendet.

An der Wall Street verdrängte die Begeisterung über die Einzelhandelszahlen die Griechenland-Sorgen, die die New Yorker Börsen zunächst noch ins Minus gezogen hatten. Auch die Daten vom US-Arbeitsmarkt enttäuschten die Anleger zunächst.

US-Einzelhändler beflügeln
Weil aber im März die Einnahmen der größten US-Einzelhändler auf gleichbleibender Basis um insgesamt mehr als neun Prozent gestiegen sind und damit deutlich die Markterwartungen übertrafen, drehte der Dow Jones ins Plus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Index 37 Punkte höher bei 10.936. Vor allem die Titel des Internet-Kaufhauses Amazon waren gefragt.

Zuvor hatte bereits EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Furcht der Anleger vor einer Pleite Griechenlands gemindert. "Nach allen Informationen, die ich habe, ist eine Pleite kein Thema", sagte er nach der heutigen Ratssitzung der Notenbank. Griechenland müsse sein Sparprogramm aber durchziehen. Das sei "sehr, sehr wichtig". Er zweifle nicht daran, dass die Regierung in Athen ihre Maßnahmen konsequent umsetzen werde. Auch hilft die EZB auf ihre Weise: Wie angekündigt will sie über das Jahresende hinaus Wertpapiere mit schwachem Rating -also auch griechische Staatspapiere - als Pfand für Zentralbankgeld akzeptieren.

Zudem sieht die Notenbank keine besonderen Risiken für eine Rückkehr der Inflation. Damit steht vorerst keine Anhebung der Leitzinsen auf der Agenda. Analysten erwarten die erste Zinserhöhung nun nicht mehr im Februar, sondern erst im Juni 2011.

Rückgang bis auf 6.000 Punkte
Anleger fürchteten, dass sich durch die griechische Schuldenkrise die angespannte Lage anderer Ländern verschärfen könnte, sagte Aktienstratege Joshua Raymond von City Index. Ein anderer Börsianer betonte: "Viele haben ein flaues Gefühl im Magen und ziehen Parallelen zu anderen hoch verschuldeten Staaten wie zum Beispiel Portugal." Die bisherigen Kursverluste des Dax seien aber noch nicht dramatisch, fügte er hinzu. "Angesichts der Rally der vergangenen Wochen halte ich einen Rückgang auf etwa 6000 Punkte für durchaus gesund."

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
-0,35%

VW und K+S größte Verlierer
Die Furcht vor einer doch holprigeren Konjunkturerholung als erwartet hat die Aktien von Volkswagen und K+S im Lauf des Nachmittags an die Spitze der Verliererliste im Dax geschoben. Dagegen können die Bankwerte einen Teil ihrer Verluste wieder gutmachen.

Gerresheimer und Qiagen in Führung
Die Aktie von Gerresheimer steigt gegen den Trend an die Spitze des MDax. Händler sprechen von einer technischen Reaktion, nachdem die Titel in der Vorwoche von einer Reihe von Analysten hoch gestuft worden waren Im TecDax verteuern sich Morphosys und Qiagen ebenfalls deutlich. Die Commerzbank hatte Qiagen zum Kauf empfohlen.

Hugo Boss sehr schwach
Aktien von Hugo Boss zeigen sich sehr schwach und führen die Verliererliste im MDax mit einem Minus von über drei Prozent an. Händler machten Gewinnmitnahmen und charttechnische Aspekte für die Kursentwicklung verantwortlich. Die Aktie des Modekonzerns habe seit Februar mehr als 30 Prozent zugelegt und sei nun an einem Widerstand vom Oktober 2009 abgeprallt. Der Börsianer sieht nun eine Unterstützung bei 27,00 Euro.

Fusionitis in der Flugbranche
US Airways und United Airlines wollen offenbar fusionieren. Sollte der Zusammenschluss vollzogen werden, entstünde eine der größten Fluggesellschaften der Welt. Unterdessen haben die beiden europäischen Fluglinien British Airways und Iberia heute ihre im November beschlossene Fusion besiegelt. Der Vertrag für den Zusammenschluss sei jetzt unterzeichnet worden, Ende des Jahres 2010 soll die Fusion abgeschlossen sein, teilte BA mit.

D.Logistics schmieren ab
Die Aktie des Logistikkonzerns D.Logistics bricht um über drei Prozent ein. Kein Wunder, hat das Unternehmen doch das vergangene Jahr mit kräftigen Einbußen bei Umsatz und Ergebnis beendet. Die US-Tochter verzeichnete sogar einen hohen Verlust. Das operative Ergebnis sackte auf 6,4 Millionen Euro ab nach 14,6 Millionen Euro im Vorjahr. Dabei plant D.Logistics in diesem Jahr Erlöse zwischen 280 und 300 Millionen Euro bei einem operativen Ergebnis (Ebita) von über 10 Millionen.

Deutsche Rohstoff AG strebt an die Börse
Nach den IPO's der vergangenen Wochen steht möglicherweise schon bald der nächste Börsengang vor der Tür. Laut einer Aussage von Thomas Gutschlag, dem Mitgründer der Deutschen Rohstoff AG ist eine Erstplatzierung im Entry Standard bereits im Sommer vorstellbar, sagte er der "FAZ". 10 bis 15 Millionen Euro könnten dem Unternehmen über den IPO zufließen. Das 2006 gegründete Unternehmen will in heimischen Regionen Öl und Erze fördern. Bisher macht die Deutsche Rohstoff AG aber noch keine Umsätze.

H&M wieder gefragt
Die Aktie des schwedischen Modekonzerns H&M zieht um mehr als fünf Prozent an. Damit reagieren die Anleger auf die erfreuliche Entwicklung im ersten Geschäftsquartal (Dezember bis Februar). Danach stieg der Vorsteuergewinn um 42 Prozent auf umgerechnet 522 Millionen Euro. Der Umsatz legte vergleichsweise leicht um sieben Prozent zu. H&M bezeichnete das Ergebnis als "befriedigend", vor allem angesichts der immer noch schwachen Konjunktur.

Und noch ein Börsengang - in London
Das indische Konglomerat Essar Group will sein Energie-Geschäft für 2,5 Milliarden Dollar (1,87 Milliarden Euro) an die Londoner Börse bringen. 20 bis 25 Prozent von Essar Energy würden somit an den Kapitalmarkt gebracht. Wie das Unternehmen am Donnerstag verkündete, sollen mit dem Erlös Kraftwerke gebaut und in die Öl- und Gasförderung investiert werden. Den Börsengang sollen JP Morgan und die Deutsche Bank begleiten. Bereits in der kommenden Woche soll es soweit sein, schreibt die indische "Economic Times.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr