Hexensabbat als Wendepunkt?

Stand: 18.09.2009, 20:10 Uhr

Am großen Verfallstag der Terminbörsen kamen die Aktienmärkte ins Stocken. Der Dax erreichte am Freitagnachmittag noch ein Jahreshoch, doch dann setzten Gewinnmitnahmen ein. Auch an der Wall Street mehren sich skeptische Stimmen.

Zwar notierten die US-Indizes zum Ende des Parketthandels am Freitag noch spürbar im Plus. Doch viele Experten halten die Börsen derzeit bereits für "überkauft". "Eine Korrektur ist unabwendbar", wurde ein Analyst zitiert.

Jahreshoch nur Momentaufnahme
Zumindest zum Schluss einer positiven Börsenwoche schaffte der Dax es noch, sich in der Nähe der Jahreshochs zu behaupten. Der Late-Dax gewann gegenüber dem Xetra-Schlussstand sogar noch ein paar Punkte hinzu und ließ damit die Marke von 5.700 Punkten deutlich hinter sich.
Der "Hexensabbat", der große Verfallstag an den Terminbörsen, der nur vier Mal im Jahr stattfindet, sorgte nur kurzzeitig für Kursschwankungen bei Einzelaktien. Am Nachmittag hatte der Dax kurz in die Pluszone gedreht und sogar ein neues Verlaufshoch von 5.761 Punkten erreicht.

Abschiedsgeschenk für Hannover Rück

Die Aktie des Rückversicherers war mit fast sechs Prozent Zuwachs der größte Kursgewinner im Dax. Das Papier steigt dennoch aus dem Leitindex in den MDax ab und macht Platz für Dax-Rückkehrer Infineon.

Börse und BASF vorn

Gefragt waren die Papiere der Deutschen Börse und von BASF. Bei den Titeln des Börsenbetreibers dürfte ein Statement von Vorstand Frank Gerstenschläger vom Donnertag nachwirken. Danach wird das Unternehmen der Handelsplattform Chi-X durch demnächst Marktanteile streitig machen können. Bei BASF sorgte einerseits die Nachricht für Kursschwung, dass der Konzern die Preise für bestimmte Chemieprodukte erhöhen konnte. Zum anderen hat die US-Investmentbank Merrill Lynch den Titel zum Kauf empfohlen und dabei die hohe Dividendenrendite bei BASF gerühmt.

VW wird abgehängt

Mit minus 6,7 Prozent wurde die VW-Aktie erneut nach hinten durchgereicht. VW-Stammaktien werden nach der Neugewichtung ab Montag weiter an Bedeutung im Dax verlieren. Der geringe Streubesitz bei den Stämmen in Höhe von 15,4 Prozent ist dafür verantwortlich. Auch Metro und Fresenius verloren zwischen einem und zwei Prozent. Hier dürften Anleger Gewinne mitgenommen haben, nachdem die Titel an den vergangenen Tagen gut gelaufen waren.

Deutsche Bank patzt in Holland

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
+5,81%

Während die Commerzbank auch am Freitag wieder leicht zulegen konnte, verloren Deutsche Bank-Aktien überdurchschnittlich. Händler sahen Bankaktien zum Wochenschluss allgemein in einer schlechten Verfassung. Zudem hat die Deutsche Bank einen Rückschlag bei der Übernahme eines Teils des Firmenkundengeschäfts von ABN Amro in den Niederlanden hinnehmen müssen.

Analysten feuern Eon und Siemens an

Ein Teil der Kursgewinne von Eon dürfte ebenfalls einer Kaufempfehlung durch Merrill Lynch geschuldet sein. Den Titel sehen die Experten bei 33 Euro. Dagegen sorgte eine Kaufempfehlung für die Siemens-Aktie durch die Unicredit am Freitag nicht für Euphorie - das Papier schloss knapp ein Prozent im Minus.

Q-Cells "wirkt" noch besser

Solaraktien verliehen dem TecDax am Freitag Glanz. Vor allem die Q-Cells-Aktie war gefragt und schloss zwölf Prozent im Plus. Die Firma hat heute eine Solarzelle mit "Rekord-Wirkungsgrad" vor gestellt. Nach Angaben von Q-Cells kann die multikristalline Zelle 15,9 Prozent der Sonnenenergie in Strom umwandeln. Auch Solarworld, Phoenix Solar und SMA Solar gerieten in den Aufwärtssog der Nachricht.

Infineon: Was ist dran am Russen-Einstieg?

Der Dax-Rückkehrer Infineon konnte sich am letzten Handelstag vor dem "Wiederaufstieg" im TecDax nicht mehr in Szene setzen. Erneut wird über einen Einstieg des russischen Mischkonzerns Sistema spekuliert. Dessen Chef Leonid Melamed wird mit den Worten zitiert: "So eine Partnerschaft wäre für uns reizvoll". Laut Infineon befinden sich die Gespräche mit Sistema und anderen Unternehmen aber nicht in einem "konkreten Stadium".

Arcandor: Rauswurf mit Verlusten

Der "Pleitezock" bei der Aktie des Kaufhaus-Konzerns Arcandor schien am Freitag erst einmal zu Ende zu sein. Das Papier verlor rund ein Drittel, nachdem es in den Tagen zuvor ebenso stürmisch zugelegt hatte. Aktuelle Nachrichten: Fehlanzeige. Die Aktie fällt ab Montag aus dem MDax heraus.

MTU und Sky gelobt

Die Experten von Goldman Sachs erhöhten ihr Kursziel von MTU, von 35 auf 44,50 Euro, das Rating lautet "Buy". Morgan Stanley gab dem ebenfalls im MDax notierten Bezahlsender Sky Deutschland ein Kursziel von sechs Euro auf den Weg, das Rating setzten die Experten bei "Overweight" fest. Das Papier profitierte eindeutig von der freundlichen Einschätzung.

Escada verschiebt Quartalsergebnis

Der insolvente Modekonzern muss die Vorlage seiner Zahlen zum dritten Quartal verschieben, und zwar auf unbestimmte Zeit. Laut einem Firmensprecher gibt es "ungeklärte Bewertungsfragen". Ursprünglich sollten die Quartalzahlen am kommenden Donnerstag veröffentlicht werden. Der Insolvenzverwalter will nach früheren Angaben bis November einen Investor für Escada finden.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr